Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Pyrausta Purpuralis

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Crambidae (Zünsler)
EU M-EU 06605 Pyrausta purpuralis (LINNAEUS, 1758) - Purpurroter Zünsler, Braunellen-Purpurzünsler

1: Österreich, Niederösterreich, 600 m SSE Bad Erlach:„Ziegelöfen“, aufgelassene Lehmgrube, Hecken, Vorwald, 330 m, 4. August 2003
2: Österreich, Niederösterreich, 1,5 km NE St. Egyden Bhf., Halbtrockenrasen in Schwarzföhrenforst, 315 m, 3. September 2005 (Fotos 1-2: Peter Buchner), det. Peter Buchner
3: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Ober-Olmer Wald bei Mainz, 10. Mai 2006 (Freilandfoto: Jürgen Rodeland), det. Jürgen Rodeland
4: Schweiz, Graubünden, Calanda, 800 m, 6. September 2006 (Freilandfoto: Heiner Ziegler), det. Axel Steiner [Forum]
5: Österreich, Salzburg, Taxenbach, 780 m, Garten (Rasen bwz. auf einem Farn), 9. Juli 2008 (Freilandfoto: Julia Nußbaumer), det. Helga Schöps [Forum]
6: Deutschland, Baden-Württemberg, auf einer Wiese am Schönberg bei Freiburg, ca. 450 m, 28. August 2008 (Freilandfoto: Siegfried Rudolf), det. Siegfried Rudolf, conf. Axel Steiner [Forum]
7: Deutschland, Baden-Württemberg, 88281 Schlier-Hintermoos, ca. 690 m, Kiesgrube, 31. Juli 2010 (Freilandfoto: Jörg Döring) [Forum]
8: Deutschland, Thüringen, Jonastal zwischen Arnstadt und Crawinkel, 17. Juli 2010 (det. & fot.: Alexander Lang), conf. Jens Philipp & Annette von Scholley-Pfab [Forum]
9: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Duisburg-Großenbaum, Waldweg im Mischwald, 24. August 2012 (Freilandfoto: Willi Wiewel), conf. Ursula Beutler [Forum]
10, abgeflogen: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Widdersdorf bei Köln, ca. 50 m, Blühstreifen am Feldrand, 5. September 2013 (Freilandfoto: Jörg Siemers), conf. Ursula Beutler [Forum]
11: Österreich, Steiermark, Graz, St. Peter, ca. 380 m, Garten, Mischwaldrand, 29. Juli 2018, am Licht (Foto: Horst Pichler) [Forum]
12-13: Deutschland, Sachsen, Hohwaldgebiet, Schneise im überwiegenden Fichtenwald, ca. 400 m, 28. Juli 2018, am Licht (Foto: Friedmar Graf) [Forum]


Aberrationen

1, ab. semilutea KAUTZ: Deutschland, Baden-Württemberg, Mosbach, trockener Südwest-Neckarhang, 250 m, 24. Juni 2020, am Licht (Foto: Uwe Knorr), det. František Slamka [Forum]


Kopula

1: Schweiz, Bern, Vauffelin, 770 m, Kalkmagerwiese, 9. April 2007 (Foto: Rudolf Bryner), det. Rudolf Bryner [Forum]
2: Deutschland, Baden-Württemberg, Vellberg, Waldweg, 1. Mai 2009 (Foto: Claus Weisenböhler), det. Heinrich Vogel [Forum]
3: Deutschland, Bayern, Obergünzburg, 5. Mai 2015 (det. & fot.: Achim Buhani), conf. Alexandr Zhakov [Forum]
4: Österreich, Südsteiermark, Spielfeld, Katzengraben, Wiese, ca. 260 m, 20. April 2018 (det. & fot.: Horst Pichler) [Forum]



Diagnose

Männchen

1-2 & 3-4, zwei ♂♂: Daten siehe Etikett (coll., det. & fot: Egbert Friedrich), conf. Uwe Büchner


Weibchen

1-2, ♀: Daten siehe Etikett (coll., det. & fot: Egbert Friedrich), conf. Uwe Büchner


Geschlecht nicht bestimmt

1-2: Deutschland, Sachsen, Oberlausitz, Bernbruch, 182 m, Lichtfang, 7. August 2003 (leg., det. & Fotos: Friedmar Graf) [Forum]
3: Deutschland, Sachsen, Oberlausitz, Dubringer Moor, Waldweg, 140 m, Tagfang, 11. Juli 2001 (leg., det. & Foto: Friedmar Graf) [Forum]
4-5: Deutschland, Baden-Württemberg, Hochsträß, Weites Tal, Meisenberg, Umgebung Allmendingen, Lichtfang, 20. August 2012 (leg. & Foto: Franz Renner), det. Jürgen Quack [Forum]


Differenzialdiagnose

Pyrausta purpuralis (oben) und P. aurata (unten)

Gegenüberstellung Pyrausta purpuralis und Pyrausta aurata siehe [hier]
Gegenüberstellung Pyrausta purpuralis und Pyrausta ostrinalis siehe [hier]

Gegenüberstellung von Merkmalen der Vorderflügeloberseite von Pyrausta purpuralis + Pyrausta ostrinalis einerseits und Pyrausta aurata anderseits sowie Hilfen zur Unterscheidung von Pyrausta purpuralis und Pyrausta ostrinalis von Axel Steiner siehe [hier]


Genitalien

Männchen

1, ♂: Österreich, Steiermark, Graz, St. Peter, ca. 380 m, Garten, Mischwaldrand, am Licht, 23. September 2019 (Foto: Horst Pichler) [Falterfotos im Forum]
2-3, ♂: Österreich, Steiermark, Graz, St. Peter, ca. 380 m, Garten, Mischwaldrand, am Licht, 1. April 2021 (det., präp. & Foto: Horst Pichler) [Falterfoto im Forum]


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 534) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

1-2: Schweiz, Bern, Vauffelin, 770 m, Kalkmagerwiese, 6./9. April 2007 (Fotos: Rudolf Bryner) [Forum]


Nahrung der Raupe

SLAMKA (2013) fasste den "Kenntnisstand" - oder besser Unkenntnisstand - zusammen: "The larva lives 5-6 and 8-4 amongst spun leaves of Labiatae (Mentha spp., Origanum spp., Thymus spp., Prunella spp.), Plantago and allegedly other plants (Crataegus spp.). Pupates in spun leaves."

Bis zum 5. Mai 2021 endete mein Kapitel mit der Formulierung: "Fazit: Bei diesem häufigen Zünsler ist noch viel Grundlagen-Arbeit zu leisten! Einigermaßen abgesichert erscheinen mir nur die Angaben von Thymian, wohingegen insbesondere bei Origanum und Mentha eine Verwechslung mit Pyrausta aurata kaum auszuschließen ist." Dann erhielt ich von den Autoren den Aufsatz von HECKFORD & BEAVAN (2021) mit Titel "On the biology of Pyrausta purpuralis (Linnaeus, 1758) and its comparison with Pyrausta ostrinalis (Hübner, 1793) and Pyrausta aurata (Scopoli, 1763) (Lepidoptera: Pyralidae)". Darin wurde mein Abschnitt zur Raupennahrung vollständig zitiert und - wo nötig - auf englisch übersetzt. Während meine Texte zu den beiden Vergleichsarten wenig verändert werden müssen, sieht es bei P. purpuralis deutlich anders aus. Die von mir als wichtigste Raupennahrung akzeptierten Thymus-Angaben gehören wohl alle nicht zu diesem Falter sondern zu Pyrausta ostrinalis, dafür wird die von mir klein geschriebene (weil nur ausnahmsweise beobachtete) und zudem mit Fragezeichen versehene (weil unsichere) Angabe zu Prunella vulgaris zur einzigen gut belegten und zudem vielfach genutzten Raupennahrungspflanze der Art. - Was bleibt, ist, dass die anderen mit mehreren Fragezeichen versehenen Arten diese Fragezeichen völlig zu recht trugen und weiter tragen werden.

DISQUÉ (1901: 151) hatte aus der Pfalz kurz und knapp geschrieben: "R. 5. an Thymus zwischen den Wurzelblättern." Gemeint war damit der um Speyer häufig zu findende Thymus pulegioides, eventuell auch Thymus serpyllum. Disqué unterschied die Art damit von Pyrausta aurata, deren Raupe er an Mentha und Origanum" fand. Damit war die Biologie dieser Arten eigentlich geklärt. Was ich übersah, war, dass DISQUÉ (1901: 151) noch anfügte: "v. ostrinalis Hb. 7., 8. Spärlich, vielleicht eigene Gattung. Mit dem Hintergrundwissen von HECKFORD & BEAVAN (2021) ist jetzt davon auszugehen, dass sich Disqués Raupenfund auf eben jene Varietät bezogen haben müsste, die jetzt längst als eigene Art, Pyrausta ostrinalis anerkannt ist. Nahezu sicher gilt das auch für alle älteren (und bis heute wiederholten) englischen Angaben zu Thymus praecox subsp. britannicus [= Thymus drucei].

Bei BARRETT (1904: 165) ist zur Raupe von P. purpuralis ganz anderes zu lesen als bei DISQUÉ (1901): "June and July, and again in the autumn, on the various species of mint. But Mr. W. H. B. Fletcher has found it in September feeding upon Prunella vulgaris, forming a large chamber of silk close to the ground and eating the radical leaves." Anders als Disqué kannte er die Raupe nicht selbst, denn seine Beschreibung fällt sehr kurz aus, und er beruft sich dabei auf "Hofmann". Minzen, Minzen und ausnahmsweise einmal Kleine Brunelle ...
Die Angaben zu Mentha scheinen dabei schon sehr alt zu sein, denn schon RÖSSLER (1866) schreibt zweifelnd: "Die Raupe soll auf Mentha arvensis leben." Wie HECKFORD & BEAVAN (2021) überzeugend darlegten, legte hier HÜBNER ([1802]-[1805]) mit seiner Raupentafel die falsche Spur. Sie zeigt relativ sicher Mentha aquatica (und nicht die später herausgelesene Mentha arvensis), was bedeutet, dass der Falter von "Punicealis" im Falter-Band und die gleichnamige Raupe im Raupen-Band zu verschiedenen Arten gehören, Erstere zu P. purpuralis, Letztere zu P. aurata. Noch ein typisches Beispiel: Auf [ukmoths.org.uk (abgefragt 5. Mai 2021)] ist noch immer zu erfahren: "The larvae feed on corn mint (Mentha arvensis) and thyme (Thymus)" - ein Raupenfoto dazu fehlt aber ebenso, wie eine konkrete Fundangabe an einer der Pflanzen. Minzen blieben in Literatur und Internetquellen bis zuletzt die wichtigsten genannten Nahrungspflanzen - falsch sind die Angaben trotzdem!

Crataegus - auf DENIS & SCHIFFERMÜLLER (1775) zurückgehend - ist sicher falsch, Plantago dürfte mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auf Verwechslung mit Pyrausta despicata zurückzuführen sein. Doch auch bei den Angaben zu Lippenblütlern (Lamiaceae) ist Vorsicht angebracht, da eine sehr hohe Verwechslungsgefahr mit Pyrausta aurata besteht. Da die Raupen nach HECKFORD & BEAVAN (2021) neuerdings sowohl in England als auch (von J. Buszko) in Polen ausschließlich an Prunella vulgaris gefunden wurden und Zuchtraupen in England andere Lippenblütler als Futter verweigerten, ist zu erwarten, dass Prunella vulgaris in ganz Europa die wichtigste oder gar einzige Raupennahrungspflanze sein könnte - zu prüfen wären hier aber noch andere Prunella-Arten.

Fazit: Bei diesem häufigen Zünsler wurde jetzt viel Grundlagenarbeit geleistet - aber noch ist nicht alles abgeklärt.

(Autor: Erwin Rennwald)



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„purpureus purpurfarben.“
SPULER 2 (1910: 236L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Literatur


Informationen auf anderen Webseiten (externe Links)


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Letzte Änderung am Mai 6, 2021 10:09 von Erwin Rennwald
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