Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Pyrausta Ostrinalis

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Crambidae (Zünsler)
EU M-EU 06606 Pyrausta ostrinalis (HÜBNER, 1796) - Thymian-Purpurzünsler

1-2: Österreich, Niederösterreich, 1,5 km NE Bad Fischau, (Halb-)Trockenrasen, z.T. verbuschend, 280 m, 6. August 2004 (Fotos 1-2: Peter Buchner), det. Peter Buchner
3: Italien, Südtirol, Umgebung von Taufers, 1000-1200 m, 24. Juli 2008 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
4: Frankreich, Normandie, oberhalb der Felsenküste von Etretat, 3. Juli 2008 (Freilandfoto: Rita Schmidlin), det. Franziska Bauer [Forum]
5-6: Schweiz, Sankt Gallen, Toggenburg, Selamatt, 1600 m, Alpweiden, 19. Mai 2007 (Fotos: Thomas Kissling), det. Thomas Kissling, conf. Iris Asal [Forum]
7-8: Deutschland, Sachsen, Burg bei Hoyerswerda, Tagebaurandgebiet, 111 m, 16. Juli 2011 (det. & fot.: Friedmar Graf) [Forum]
9: Deutschland, Thüringen, Umland der Burg Gleichen bei Gotha, 350 m, 5. Mai 2013, Tagfund (det. & fot.: Helga Schöps), conf. A. Lang [Forum]
10-11, 12-13 und 14, drei ♂♂ (2. Generation): Deutschland, Thüringen, Kyffhäuser, Umg. Steinthaleben, 12. und 13. Juli 2013, Tagfunde (leg., det. & Fotos: Heidrun Melzer), conf. Christian Kaiser [Forum]
15, abgeflogenes ♀ (1. Generation): Deutschland, Thüringen, Kyffhäuser, Umg. Steinthaleben, 8. Juni 2013, Tagfund (leg., det. & Foto: Heidrun Melzer), conf. Christian Kaiser [Forum]
16: Deutschland, Sachsen, Burg, 111 m, Ruderalflächen mit Sandthymian, 13. Juli 2013, am Tag (det. & fot.: Friedmar Graf) [Forum]
17: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Engelstadt/MZ, Hausgarten, 180 m, 14. Juni 2019, Tagfund (fot.: Hans-Georg Folz), det. Jürgen Quack [Forum]



Diagnose

Geschlecht nicht bestimmt

1-2: Deutschland, Sachsen, Oberlausitz, Hoyerswerda, 120 m, Tagfang, 18. Juli 2008 (leg., det. & Fotos: Friedmar Graf)
3-4: Deutschland, Sachsen, Oberlausitz, Boxberg, 124 m, Tagfang, 13. Mai 1996 (leg., det. & Fotos: Friedmar Graf) [Forum 1-4]


Ähnliche Arten

Gegenüberstellung Pyrausta purpuralis und Pyrausta ostrinalis siehe [hier]

Gegenüberstellung von Merkmalen der Vorderflügeloberseite von Pyrausta purpuralis + Pyrausta ostrinalis einerseits und Pyrausta aurata anderseits sowie Hilfen zur Unterscheidung von Pyrausta purpuralis und Pyrausta ostrinalis von Axel Steiner siehe [hier]


Erstbeschreibung

HÜBNER ([1796]: pl. 17 fig. 113) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]

HÜBNER (1796: 14) [Reproduktion: Jürgen Rodeland, nach Band im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe]



Biologie

Habitat

1, Tagebaurandgebiet: Deutschland, Sachsen, Burg bei Hoyerswerda, 111 m, 16. Juli 2011 (Foto: Friedmar Graf) [Forum]
2, südexponierter Kalk-Gips-Hang: Deutschland, Thüringen, Kyffhäuser, Steinthaleben, in der Nähe der "Ochsenburg", 200-250 m, 8. Juni 2013 (Foto: Heidrun Melzer)
3, Kalk-Gips-Hügelgruppe "Kippenberg": Deutschland, Thüringen, Kyffhäuser, Steinthaleben, 200-220 m, 6. Juli 2013 (Foto: Heidrun Melzer)


Lebensweise

Pyrausta ostrinalis fliegt in zwei Generationen. Man kann den Falter um Polster von Sandthymian (Thymus serpyllum) finden, wovon sich - vermutlich - auch die Raupe ernährt. Er ist bei schönem Wetter auch tagsüber unterwegs. [Friedmar Graf]


Nahrung der Raupe

SLAMKA (2013) fasste den Unkenntnisstand zur Raupennahrung der Art zusammen: "The larva lives 5-6 and 8-4 in spun leaves of Labiatae (Mentha spp., Nepeta spp.) and Plantago. Pupates in spun leaves." Wie wir dank der Arbeit von HECKFORD & BEAVAN (2021) wissen, sind alle Pflanzengattungen dieser Liste falsch: zwei beziehen sich auf P. aurata, eine auf P. despicata. P. ostrinalis lebt an Thymian - und wahrscheinlich ausschließlich an Thymian.

RAGONOT (1879: 153) kannte die Raupe noch nicht, aber er bestand darauf, dass es sich bei P. ostrinalis um eine von P. purpuralis getrennte Art handelt, was aber erst viele Jahrzehnte später allgemein anerkannt wurde, und er hatte einen Verdacht: "This has been considered as a variety of purpuralis, L., but the larva does not seem to have been published. Purpuralis has been bred from Mentha arvensis and M. aquatica, but ostrinalis, most abundant on the Cheshire sandhills, must feed on Thymus serpyllum or Calamintha acinos."

BARRETT (1904: 166–168) schließt daran an und stellt fest, dass die Raupe von P. ostrinalis anscheinend noch unbekannt ist, dass sie aber an "Clinopodium vulgare L., Thymus serpyllum L., Calamintha acinos, and other labiates" leben soll.

DISQUÉ (1901: 151) hatte zwischenzeitlich aus der Pfalz zu P. purpuralis kurz und knapp geschrieben: "R. 5. an Thymus zwischen den Wurzelblättern." und in der nächsten Zeile "v. ostrinalis Hb. 7., 8. Spärlich, vielleicht eigene Gattung." HECKFORD & BEAVAN (2021: 99) fanden zu Disqués Raupenfunden noch eine interessante Spur: "Hasenfuss (1960: 208) also provides a comparatively short larval description under P. purpuralis, apparently based on four blown larvae in the Disqué collection, Zoologische Staatssammlung, München, Germany, collected in 1884 on Thymus serpyllum. As, like Bollmann, he makes no mention of P. ostrinalis it is possible that his description may in fact be of larvae of that species." DISQUÉ hatte um Speyer also nicht nur eine, sondern wahrscheinlich etliche Raupen an Thymian gefunden, und da seine "var. ostrinalis" dort vorkam, dürfte DISQUÉ also tatsächlich schon 1884 Raupen von P. ostrinalis gefunden haben.

Mit dem Hintergrundwissen von HECKFORD & BEAVAN (2021) ist jetzt jedenfalls nahezu sicher davon auszugehen, dass sich Disqués Raupenfunde auf eben jene Varietät bezogen haben müssten, die jetzt längst als eigene Art, Pyrausta ostrinalis, anerkannt ist. Noch sicherer gilt das auch für alle älteren (und bis heute wiederholten) englischen Angaben zu Thymus praecox subsp. britannicus [= Thymus drucei], an dem HECKFORD & BEAVAN (2021) ausschließlich Raupen von P. ostrinalis fanden.

BENANDER (1964: 270) - zitiert nach HECKFORD & BEAVAN (2021: 100) - lieferte als Erster eine Raupenbeschreibung von P. ostrinalis. Und auch er fand seine Raupe unter Thymus.

Nach HECKFORD & BEAVAN (2021) zeigt BUSZKO (2020: 38-40) Fotos der Raupen von P. purpuralis, P. ostrinalis und P. aurata, wobei P. ostrinalis nur mit Thymus serpyllum in Verbindung gebracht wird.

SCHMID (2019: 776) meldet aus den Alpen: "In der montanen und alpinen Stufe sind der Alpen-Thymian (Thymus alpigenus) und der Voralpen-Thymian (Thymus alpestris) (1) Raupennährpflanzen, laut Literatur aber auch andere Lamiaceen (SLAMKA 2013)."

Raupen-Abbildungen sind kaum zu finden. Eine Ausnahme stellt die Seite von Krzysztof Jonko [Motyle Europy] dar, auf der ein Raupen-Foto von Jarosław Buszko aus Polen an Thymian gezeigt wird; als Raupennahrungspflanze wird dort auch lediglich Thymus genannt.

Schon GOATER (1986) hatte konstatiert: "The early stages have yet to be worked out". Mittlerweile wissen wir wesentlich mehr - doch Restunsicherheiten verbleiben noch immer. Und bis die alten Fehler in der Literatur und im Internet ausgemerzt sind, dürfen wir wohl noch lange warten.

(Autor: Erwin Rennwald)



Weitere Informationen

Andere Kombinationen


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Crambidae (Zünsler)
EU M-EU 06606 Pyrausta ostrinalis (HÜBNER, 1796) - Thymian-Purpurzünsler art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Mai 6, 2021 10:10 von Erwin Rennwald
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