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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Gelb und grau mit schwarzen Punkten: Yponomeuta sedella (aktueller Suchtipp) *Foto*

Liebes Forum,

seit längerer Zeit wünsche ich mir, die wunderschöne Raupe der Sedum-Gespinstmotte Yponomeuta sedella zu finden. In diesem Jahr habe ich durchgängig seit dem Frühjahr intensiv alle Fetthennen an Gartenrändern und in städtischen Staudenrabatten abgesucht - nichts.
Früher in die Gattung Sedum eingegliedert, steht der auffällige und bekannte Gartenhybrid ohne Staubblätter jetzt in der Gattung Hylotelephium: eine Kreuzung aus Hylotelephium telephium und Hylotelephium spectabile.

Anfang September war ich an einem Gehölzrand unterwegs und fiel dort quasi aus dem Nichts über knapp 100 Raupen von Yponomeuta sedella! Groß war meine Freude.
Die Nahrungspflanze konnte (noch?) nicht eindeutig bestimmt werden; wir sind aktuell bei Hylotelephium telephium agg. (Pflanzenforum: https://forum.pflanzenbestimmung.de/forum/viewtopic.php?f=2&t=47855 ).

Ich besuchte das Biotop am darauffolgenden Tag nochmals, weil dann das Wetter besser war und mehr Zeit zur Verfügung stand; außerdem war ich heute nochmal vor Ort. Jetzt sind alle Raupen ausgewachsen, ein Teil auch schon zur Verpuppung abgewandert.

Aber fange ich vorne an. An diesem Zaun am Waldrand, im Halb- bis Vollschatten wächst die Fette Henne, und ist an allen Standorten befallen gewesen.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand mit Hylotelephium telephium agg., 140 m, 3. September 2021 (Foto: Tina Schulz)


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand mit Hylotelephium telephium agg., 140 m, 4. September 2021 (Fotos: Tina Schulz)

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Die Gespinste sind sehr variabel in der Größe, und auch die Anzahl der darin lebenden Raupen variiert, liegt aber in der Regel so zwischen drei und acht. Da die Gespinste auch miteinander verschmelzen und ältere Tiere eher in kleineren Gruppen zu leben scheinen, ist das schwer zu sagen.

Obwohl die nackte Raupe an sich sehr auffällig erscheint, geht die Färbung doch am Ort wo sie lebt, sehr gut im Gekrusel und Licht-Schattenspiel unter. Es sind immer mehr Raupen vorhanden, als auf den ersten Blick sichtbar zu sein scheinen.

Befressen werden Blätter und Blüten, da machen die Tiere keinen Unterschied.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 3. September 2021 (Fotos: Tina Schulz)

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Im vorletzten Stadium sind die Farben noch blass und die schwarzen Flecken nicht so dominant.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 4. September 2021 (Fotos: Tina Schulz)

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Zur Kotabgabe wird der Rand des Netzes aufgesucht. Da aber dieses im Laufe des Lebens erweitert wird, sieht es trotzdem so aus, als würden die Tiere mitten im Netz koten. Wenn man genau hinschaut, bemerkt man aber, dass die Kotkrümel im Zentrum kleiner und älter sind.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 4. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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Ihre Gespinste vermischen sich auch mit angrenzenden Spinnennetzen. Da scheint es auf beiden Seiten keine Probleme zu geben.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 3. September 2021 (Fotos: Tina Schulz)


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 17. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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Auch das Zusammenleben mit den Ameisen, die ihre Blattläuse hingebungsvoll pflegen, gestaltet sich offenbar völlig unkompliziert! Normalerweise machen Ameisen kurzen Prozess mit Tieren, welche die Pflanze anfressen, die ihre geliebten "Milchkühe" ernährt.
Im Falle von Yponomeuta sedella werden die Raupen wohl nicht als Feinde bemerkt (die Fotografin dagegen schon - drohend richtet sich ein Heer aus geöffneten Kiefern der Kamera entgegen).
Ich habe keine einzige Interaktion zwischen einer Ameise und einer Raupe beobachten können.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, Raupen an Hylotelephium telephium agg., 4. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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Diese kleine Ameisen-Spezies hat sichtlich Schwierigkeiten, sich im dichten Netz fortzubewegen, lässt sich aber davon nicht beirren. Möglicherweise bietet das Netz auch einen gewissen Schutz vor den Prädatoren und Parasitoiden der Läuse?


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, an Hylotelephium telephium agg., 17. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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In ihrem Gespinst bewegen sich die Raupen mit traumwandlerischer Sicherheit fort. Für das menscliche Auge wirkt das wie ein Wunder, wenn die Tiere wie auf unsichtbaren Brücken umherlaufen oder zu schweben scheinen - ohne sich jemals zu verheddern.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, an Hylotelephium telephium agg., 4. September 2021 (Foto: Tina Schulz)


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, an Hylotelephium telephium agg., 17. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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Heute traf ich ein ausgewachsenes Tier am Rande des Netzes an - diese Fotochance ohne störende Fäden musste sofort genutzt werden.

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Und kurz darauf noch eine zweite. Sie schien eben den Fraßort zu wechseln. Von pummelig (weil erschreckt durch eine Erschütterung von mir) bis gaaaaaanz laaaang ist alles drin.


Deutschland, Niedersachsen, Landkreis Schaumburg, Rodenberg, Wasserspeicher zwischen Rodenberg und Kleinhegesdorf, Gehölzrand, 140 m, an Hylotelephium telephium agg., 17. September 2021 (Foto: Tina Schulz)

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Natürlich wunderte ich mich, warum die Art nicht hier im Siedlungsgebiet an den Gartenpflanzen anzutreffen ist. Diese machen den überwiegenden Teil des Nahrungsangebots vor Ort aus. Mein Fund der Fetthenne beim Gehölz war bisher die absolute Ausnahme - ich hatte hier nie zuvor "wilde" Fetthennen gefunden.
Daher mussten nun Fütterungstests her!
Im SCHÜTZE sind angegeben: Sedum telephium, Sedum maximum, Sedum album ( http://lepiforum.org/wiki/page/Schuetze_97?search=Yponomeuta%20sedella )
Meine Ergebnisse:

  • Der Gartenbastard Hylotelephium telephium x Hylotelephium spectabile wurde sofort und mit Begeisterung angenommen und bis zur Verpuppung befressen.
  • Sedum album wurde bei Alleingabe (no-choice-test) verweigert; in Kombination mit dem Gartenhybriden gab es zwei leicht angeknabberte Blätter zu sehen.
  • Weil ich ihn da habe: Sedum sieboldii wurde bei Alleingabe UND in Kombination mit dem Gartenhybriden komplett verweigert.

    Warum Yponomeuta sedella in meinem Umfeld noch nicht in die Gärten eingezogen ist, ist mir daher weiterhin ein Rätsel.
    Daher interessiert es mich brennend, wie es bei euch aussieht. Findet ihr Raupen in euren Gärten, und wenn ja, wovon ernähren sie sich dort?

    Viel Freude bei der Suche,
    Tina.

  • Beiträge zu diesem Thema

    Gelb und grau mit schwarzen Punkten: Yponomeuta sedella (aktueller Suchtipp) *Foto* Bestimmungshilfe
    Re: Gelb und grau mit schwarzen Punkten: Yponomeuta sedella (aktueller Suchtipp)
    Pflanze
    Kleine Korrektur (Fütterungstest)
    Re: Hirn - Glaub mir, das wird schlimmer :)! LG Horst *kein Text*
    Nachtrag: die Fundpflanze *Foto*
    Re: Nachtrag: die Fundpflanze... ...wenn Aichele und Schwegler...
    Gelbgrüne Blüten gab's nicht
    Re: Gelbgrüne Blüten gab's nicht
    Sedum/Hylotelephium vulgare und maximum
    Re: Sedum/Hylotelephium vulgare und maximum
    Bildausschnitt der dreiquirligen Pflanze *Foto*