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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Eiablagehabitat des Violetten Feuerfalters (Lycaena alciphron) im Schwarzwald *Foto*

Hallo ins Forum,
das wohl letzte Refugium von Lycaena alciphron ist im Bundesland Baden-Württemberg der Schwarzwald. Hier ist die Art auch aktuell noch recht weit verbreitet und gleichermaßen in den südlichen, mittleren wie auch nördlichen Teilen des Mittelgebirges zu finden. Zu den nördlichsten Vorkommen lagen uns allerdings nur recht wenige neuere Daten bzw. Meldungen vor. Deshalb unternahmen wir am 11. Juli eine Tagesexkursion dorthin, um an bereits bekannten oder vermuteten Vorkommensplätzen stichprobenhaft nach der attraktiven Bläulingsart zu suchen. Eine ergänzende Nachsuche folgte am 20. Juli durch M. Levin.

Ähnlich wie beim Großen Feuerfalter (Lycaena dispar) ist auch bei L. alciphron die Suche der charakteristischen Eier die sicherste Nachweismethode. Die Imagines fliegen meist nur in geringer Abundanz und vor allem die Weibchen verhalten sich wenig standorttreu. Die Männchen besetzen gerne Reviere fernab der Entwicklungshabitate, was in der Vergangenheit verschiedentlich zu irrtümlichen Angaben hinsichtlich der Habitatansprüche geführt hat (so u. a. die für den Schwarzwald unzutreffende Charakterisierung als Feuchtwiesenart). Die hervorragende Eignung der Ei-Suche als Nachweismethode dieser Art bestätigte sich einmal mehr bei unseren jüngsten Exkursionen: Wir suchten die Art in zwölf verschiedenen Gebieten zwischen Forbach-Bermersbach und Bad Rippoldsau-Schapbach. Eier fanden wir in neun Gebieten, Falter dagegen nur in drei Gebieten.

Bei unseren Fundorten handelt es sich überwiegend um trockene Südhänge mit einschürigen, düngungsfrei genutzten Vertragsnaturschutz-Wiesen. Beispiele solcher Habitate zeigen die folgenden Aufnahmen:

Bilddaten: Habitat von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 20. Juli 2021 (Foto: Michael Levin).

Bilddaten: Habitat von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Baiersbronn, Südböschung in einschüriger Hangwiese, 610 m, 20. Juli 2021 (Foto: Michael Levin).

Bilddaten: Bilddaten: Habitat von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 440 m, 20. Juli 2021 (Foto: Michael Levin).

Um Eier der Art zu finden, sucht man bevorzugt an Störstellen mit schütter bewachsenem Rohboden und Beständen der Hauptnahrungspflanze Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella agg.). Typisch sind beispielsweise Brand- und Gehölzentnahmestellen, magere Südböschungen, Ränder von Trampelpfaden oder in Magergrünland eingestreute Schuttfluren. Auf bodensauren Standorten sind genau an solchen, vergleichsweise konkurrenzarmen Standorten am häufigsten Bestände des Kleinen Sauerampfers vorzufinden. Wie beim Großen Feuerfalter werden auch beim Violetten Feuerfalter die meisten Eier auf Blattoberseiten der Ampfer abgelegt, bevorzugt, aber nicht ausschließlich, an sterile, also noch nicht mit Blütentrieben ausgestattete Pflanzen. Das erleichtert die Suche erheblich. Man betrachtet die Ampferbestände von oben und achtet dabei auf helle Punkte.

Zunächst eine typische Fundstelle mit Kleinem Sauerampfer in der groben Übersicht:

Bilddaten: Eifundstelle von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, lückige Südböschung, 760 m, 11. Juli 2021 (Foto: Gabriel Hermann).

Bei genauem Hinsehen sind hier bereits Eier der Art zu erkennen:

Bilddaten: Eifundstelle von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 20. Juli 2021, Tagfund (Foto: Michael Levin).

Etwas näher:

Bilddaten: Ei von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021, Tagfund (Foto: Jenny Theobald).

Ein offenbar besonders begehrtes Ablageblättchen:

Bilddaten: Eier von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Kniebis, einschürige Bergwiese, 900 m, 11. Juli 2021, Tagfund (Foto: Jenny Theobald).

Das Lycaena alciphron-Ei ist mit einer guten Lupe (x 10) ebenso leicht von den "Golfbällen" anderer Lycaena-Arten zu unterscheiden, wie das tortenartig strukturierte Ei von Lycaena dispar. Kennzeichnend für L. alciphron-Eier sind die abgeschliffen wirkenden, also nicht scharfkantigen Grate der einzelnen "Waben", die im Mikropylenbereich sehr feinstrukturiert sind. Um den Unterschied zu verdeutlichen, zeigen wir zunächst ein Lycaena alciphron-Ei und darunter zum Vergleich ein Lycaena hippothoe-Ei von der Schwäbischen Alb.

Bilddaten: Ei von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Kniebis, einschürige Bergwiese, 900 m, 11. Juli 2021, Tagfund (Foto: Jenny Theobald).

Bilddaten: Ei von Lycaena hippothoe an Rumex acetosa, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Umgebung Münsingen, extensive Eselweide, 830 m, 12. Juli 2021, Tagfund (Foto: Jenny Theobald).

Eine strikte Bindung an den Kleinen Sauerampfer besteht im Schwarzwald nicht. Wo der Große Sauerampfer (Rumex acetosa) über Störstellen wächst, wird auch dieser gerne belegt. Eine solche Fundstelle über einem Maulwurfshügel mit drei Eiern zeigt das nachfolgende Bild.

Bilddaten: Eier von Lycaena alciphron an Rumex acetosa, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Kniebis, einschürige Bergwiese, 900 m, 11. Juli 2021, Tagfund (Foto: Jenny Theobald).

Selbst an einem fruchttragenden Trieb des Großen Sauerampfers fanden sich - bei dieser Art eine Ausnahme - zwei L. alciphron-Eier:

Bilddaten: Eier von Lycaena alciphron an Rumex acetosa-Stängel, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 440 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).

Obwohl wir die meisten Eier in trockenem Extensivgrünland fanden, dringen dispergierende Weibchen auf der Suche nach geeigneten Eiablagestellen weit in größere Waldgebiete vor. Das nachfolgend gezeigte Larvalhabitat ist eine sehr breite, steile Forstwegböschung inmitten eines ausgedehnten Fichtenwaldes. Auch hier fanden sich bei nur oberflächlicher Suche 15 Lycaena alciphron-Eier an Beständen des Kleinen Sauerampfers.

Bilddaten: Eifundstelle von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, lückige Forstwegböschung in montanem Fichtenwald, 760 m, 11. Juli 2021 (Foto: Gabriel Hermann).

Auch Rumex acetosella-Pflanzen in Fugen besonnt stehender Trockenmauern werden vom Violetten Feuerfalter regelmäßig mit Eiern belegt:

Bilddaten: Eifundstelle von Lycaena alciphron an Rumex acetosella in Trockenmauerfuge, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, Trockenmauer unterhalb einschüriger Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).

An unserem gemeinsamen Exkursionstermin (11.07.2021) dürfte die Flugzeit von Lycaena alciphron im Schwarzwald bereits ihren jährlichen Peak erreicht haben. Drei an diesem Tag gefundene Weibchen waren zwar noch frisch:

Bilddaten: Weibchen von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).
Das einzige gefundene Männchen zeigte sich dagegen schon ziemlich abgeflogen.

Bilddaten: Männchen von Lycaena alciphron, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).

Neben zahlreichen noch vollen Eiern waren am 11.07.2021 auch schon leere Eihüllen zu finden:

Bilddaten: leere Eihüllen von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).

Die stets auf den Blattunterseiten sitzenden Jungraupen verraten sich durch ihren Fensterfraß, bei dem die Epidermis stehen bleibt:

Bilddaten: L1 von Lycaena alciphron an Rumex acetosella, Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, Umgebung Bad Rippoldsau, einschürige Hangwiese, 640 m, 11. Juli 2021 (Foto: Jenny Theobald).

Schönen Sonntag noch und viele Grüße
Jenny Theobald, Gabriel Hermann und Michael Levin

Beiträge zu diesem Thema

Eiablagehabitat des Violetten Feuerfalters (Lycaena alciphron) im Schwarzwald *Foto* Bestimmungshilfe
Super Beitrag, vielen Dank! Viele Grüße Thomas *kein Text*
Danke für den sehr interessanten Bericht! *kein Text*
.... hervorragende Studie, vielen Dank! *kein Text*