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Bemerkungen zum Eiablageverhalten von Brenthis ino *Foto*

Hallo zusammen

Während einiger Exkursionen in Schweizerischen Feuchtgebieten konnten Weibchen von Brenthis ino beobachtet werden, welche aktiv die bodennahe Vegetationsschicht von Hochstaudenfluren und Wiesen aufsuchten. Die Tiere verschwanden in der teils dichten Vegetation und waren für einige Zeit kaum sichtbar. Der Verdacht fiel rasch auf eine mögliche Eiablage. Nach einigen Anläufen gelang es an vier Standorten die Eiablage genau zu beobachten, trotz dichter Vegetation. Die Überraschung war gross, da die Eier auf trockene, dünne Pflanzenstängel oder dürre Blätter in unmittelbarer Bodennähe abgelegt wurden.

Anbei einige Bilder und Beobachtungen zur Veranschaulichung:

Eiablage in einer Feuchtwiese 14. Juli 2015
Die Feuchtwiese (Foto 1, 2) wurde im Vorjahr der Eiablage 2 mal gemäht (Ende Mai und Mitte September), davor über viele Jahre jährlich im September (Streuemahd am 1. / 15. September, manchmal auch später). Eiablageverhalten: das Weibchen überflog die Stelle in tiefem Flug, setzte sich in die Vegetation und kroch in die Bodennähe, nach relativ kurzer Zeit legte es ein einzelnes Ei auf die Unterseite eines dürren Stängels (Fotos 3-4). Das Ei konnte vor der Mahd am 30. August nochmals gefunden werden. Dabei war deutlich zu erkennen, dass die Entwicklung zur Raupe hin bereits fortgeschritten war (Foto 5). Nach der herbstlichen Mahd konnte das Ei leider nicht mehr gefunden werden.


Foto 1: Eiablage-Ort in einer Feuchtwiese (degeneriertes Calthion), umgeben von einer Hochstaudenflur und einem Kleinseggenried. Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 900 m, 14. Juli 2015 (Foto Goran Dusej).


Foto 2: Eiablagestelle in der Vegetation mit potenziellen Raupenfrasspflanzen in der unmittelbaren Nähe: Mädesüss (Filipendula ulmaria) und Grossem Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis). Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 900 m, 14. Juli 2015 (Foto Goran Dusej).


Foto 3: Frisch abgelegtes Ei von Brenthis ino, auf einem dürren Stängel. Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 900 m, 14. Juli 2015 (Foto Goran Dusej).


Foto 4: Vergrösserter Ausschnitt vom Foto 3. Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 900 m, 14. Juli 2015 (Foto Goran Dusej).


Foto 5: Ei von Brenthis ino kurz vor der herbstlichen Streuemahd, gut erkennbar ist die bereits fortgeschrittene Entwicklung der Raupe im Ei. Manipuliertes Bild (Stängel gedreht). Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 900 m, 28. August 2015 (Foto Goran Dusej).

Eiablage in einer Hochstaudenflur, 16. Juli 2015
Die Hochstaudenflur (Foto 6) wird jährlich im Herbst gemäht (1./15. September, manchmal auch etwas später, je nach Witterung). Zwei Weibchen zeigten ein ähnliches Verhalten: Anflug auf höher stehende Blätter von Mädesüss (Filipendula ulmaria). Nach kurzer Pause begaben sie sich hüpfend und kriechend in die Bodennähe), wo sie vermutlich ihre Eier ablegten (indiziert durch die Krümmung des Hinterleibes). Leider konnte nicht genau festgestellt werden wo die Ablage stattfand (Beobachtung durch den Feldstecher, um Störung zu vermeiden).


Foto 6: Vermutete Eiablagestellen (rote Kreise) in einem Mädesüss-Hochstaudensaum. Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Zug, Ägeriried, 915 m, 14. Juli 2015 (Foto Goran Dusej).

Eiablage in einer halboffenen Pfeifengraswiese, 24. Juni 2015
Lokalität: Schweiz, Kanton Luzern, Ränggschachen, 460 m. Die Eiablage konnte zweimal beobachtet werden. Die beiden Eiablagen erfolgten nach ähnlichem Muster. Die Weibchen saugten längere Zeit an Wald-Witwenblume (Knautia dipsacifolia) und flogen hin und wieder eine kurze Strecke um auf Blättern der mittleren Vegetationsschicht zu ruhen. Nach einer Ruhephase erfolgte ein kurzer Suchflug, bei dem sie unvermittelt in die Vegetation "eintauchten". Dabei stiegen sie an Stängeln der Vegetation (u.a. Grashalme) bis zum Boden hinunter. Dort gingen sie einige Zentimeter suchend umher, bis sie grundständige, bereits verdorrte Blätter von Mädesüss (Filipendula ulmaria) fanden. Die Blätter waren 15-20 cm lang. An die welken, eingerollten Fiederblättchen legten sie ein bis zwei Eier. Anschliessend krochen sie die Vegetation wieder hoch und flogen rasch weg. Die belegten Blätter waren derart trocken-welk, dass sie bei der Inspektion vor Ort beim Anfassen teilweise bereits zerbröselten. Beide Eiablagestellen befanden sich im halboffenen Molinion und zwar in Bereichen, die von einem lockerwüchsigen Filipendula-Bestand überprägt waren.

Eiablage in einer Pfeifengras-/Sumpfdotterwiese (Foto 7), 11. Juli 2016
Die Wiese wird jährlich im Herbst (September) gemäht (Streuemahd). Die Eiablage konnte einmal beobachtet werden und erfolgte nach einem ähnlichen Muster wie bereits weiter oben beschrieben. Das Weibchen begab sich nach einer kurzen Pause wiederum hüpfend/kriechend in die Bodennähe. Relativ rasch wurde das Ei an einen trockenen Grasstängel gelegt (etwa 2-3 cm über dem Boden). Unmittelbar nach der Eiablage kroch das Weibchen aus der Vegetation heraus und flog weiter. Das Ei konnte wiederum durch den Feldstecher gesichtet werden, konnte aber (man kann es sich kaum vorstellen!) beim Nachsuchen nicht mehr gefunden werden.


Foto 7: Eiablagestelle von Brenthis ino in einer Feuchtwiese (Calthion) mit einer Mädesüss (Filipendula ulmaria)-Fazies. Manipulierte Freilandaufnahme: die im Vordergrund stehende Vegetation wurde zur Seite geschoben. Aufnahmedaten: Schweiz, Kanton Schwyz, Chilenried (westlich von Studen), 890 m ü. M., 11. Juli 2016 (Foto Goran Dusej).

Die Eiablage in die bodennahe Streuschicht auf trockene Pflanzen- oder deren Teile, erklärt gut, warum Brenthis ino in einigen Feuchtgebieten (zumindest regional in der Nordschweiz) noch vorkommt, trotz grossflächiger und flächendeckender Mahd. In vielen eher kleinen und isolierten Lebensräumen, welche über Jahrzehnte jährlich flächendeckend gemäht werden oder wurden, kommt die Art nicht (mehr) vor. Die Praxis der grossflächigen, gleichzeitigen und flächendeckenden Mahd wurde gottseidank vielenorts geändert und ist einer differenzierten Bewirtschaftung/Nutzung gewichen (Rotationsmahd, Wanderbrachen, Rückzugsstreifen etc.). Hohe Individuenzahlen von Brenthis ino werden in der nördlichen Schweiz oft dort angetroffen, wo ein Mosaik aus jährlich gemähten und ungemähten Flächen bestehen bleibt.

Goran Dušej, Heinz Bolzern

Beiträge zu diesem Thema

Bemerkungen zum Eiablageverhalten von Brenthis ino *Foto* Bestimmungshilfe
Re: Bemerkungen zum Eiablageverhalten von Brenthis ino
Re: Bemerkungen zum Eiablageverhalten von Brenthis ino *Foto*
Re: Bemerkungen zum Eiablageverhalten von Brenthis ino *Foto*