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Namen nach Eigennamen

Hallo Jutta,

Wie wir wissen hat Linné die Tradition begründet, bei Benennungen nach mythologischen oder historischen Persönlichkeiten meistens den Namen im Nominativ zu verwenden, z. B. Papilio machaon und Iphiclides podalirius, benannt nach Machaon und Podaleirios, zwei Ärzten der Griechen im Trojanischen Krieg und Söhne des Asklepios. Den Namen Podaleirios hat Linné hier in seiner latinisierten Form Podalirius benutzt. Und so geht das weiter, quer durch die Tagfalter: Pandora, Aglaja, Niobe, Euphrosyne, Hekate, Daphne, Titania, Io, Atalanta, Iris, Osiris, Kleopatra, Arion, Argus, Damon, Eros, Daphnis etc. bis zum Abwinken. Ich glaube, jede auch noch so nebensächliche Figur aus der Mythologie und Historie, von den Göttern und Halbgöttern bis zu den Menschen, ist schon als Faltername verwendet worden, manchmal sind selbst eher unangenehme Zeitgenossen verewigt worden, z.B. der Verräter Ephialtes, der 480 v. Chr. den Persern die geheime Umgehung um die Thermopylen verriet.

Manchmal enthalten die Namen offensichtliche Schreibfehler in der Urbeschreibung (Coenonympha oedippus will natürlich Coenonympha oedipus heißen), die nach den Nomenklaturregeln leider nicht korrigiert werden dürfen – ähnlich auch beim chinesischen Ginkyo-Baum, der durch den Übertragungsfehler eines Humanisten in der frühen Neuzeit in Europa zum unaussprechlichen "Ginkgo" wurde. Auch die Transkription des griechischen Eta bzw. Alpha-Iota ist nicht immer unproblematisch. So wurde Egeria zu aegeria, Megaera zu megera etc.

Solche Namen sind in aller Regel im Nominativ gehalten, also als Substantiv in Apposition.

Bei Dedikationsnamen (Widmungsnamen, Patronymen) geht man anders vor – auch das hat Linné so vorgemacht. Zuerst latinisiert man den modernen Namen durch Anhängen einer lateinischen Endung, entweder von -us oder von -ius (bei Männern) oder von -a bei Frauen. Ob man dieses i noch vor die eigentliche Kasusendung setzte oder nicht, hatte früher auch linguistische Gründe (welche, weiß ich nicht aus dem Stegreif, aber es hing mit der Vokal- und Konsonantenverteilung in der Namensendung zusammen). Heute wird vom Code empfohlen, nur die -us oder -a-Endung zu benutzen.

Hinterher bildet man den Genitiv. Aus Meierus wird somit meieri, aus Meierius meierii, aus Bastiana würde bastianae. Oder wenn man die Vornamen verwendet z.B. klausi oder juttae.

Ist der Name bereits lateinisch, wie etwa Fabricius, dann entfällt die Latinisierung und man setzt ihn gleich in den Genitiv: fabricii. Es gibt aber auch Fälle, in denen sprachlich herausgeforderte Naturwissenschaftler tatsächlich Machwerke wie fabriciusi zustandegebracht haben, und nach den Nomenklaturregeln ist ungeschickte oder falsche Latinisierung leider kein Grund, solche Namen sprachlich zu korrigieren – wie bei dem oben erwähnten Buchstabensalat "oedippus".

Es gibt noch andere Möglichkeiten, z.B. die Bildung von Adjektiven (huebneriana, pagenstecherella usw.), besonders beliebt in Gruppen, die früher gruppenspezifische Endungen hatten, wie die Wickler (-ana), Motten (-ella) oder Zünsler (-alis). Den Glasflüglern verpaßte man gerne -formis-Endungen, um anzudeuten, daß sie wie bestimmte Hautflügler aussahen (vespiformis wie Vespa usw.) und C. F. Freyer, in dem Glauben, dieser Tradition folgen zu müssen, leistete sich den linguistischen Fauxpas, eine Sesienart, die er nach ihrem Entdecker taufen wollte, schmidtiiformis zu nennen, was ihm damals einigen Hohn eintrug.

Aber auch bei modernen Personennamen, die eigentlich Patronyme sein sollen, gibt es gelegentlich die Bildung als Substantiv in Apposition. Besonders beliebt ist das bei weiblichen Vornamen. Da gibt es z.B. ssp. ingrid oder ssp. barbara [letztere hat ja praktischerweise schon eine "lateinische" Endung], oder, um noch zwei Beispiele aus den Sesiidae zu nennen, Arten wie Bembecia karel oder Chamaesphecia guenter.

Eine Oeneis jutta gibt's auch schon.

Linguistische Grüße
Axel

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