Polyommatus coridon
Lepiforum: Bestimmung
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Archiv 5 zu Forum 1

Eigentlich Stichwort Preiselbeere (eine kleine entomo-historische Nörgelei) ;) *Foto*

Hallo Daniel und Herbert und geschätzte Mitlesende,
Offenbar haben die Leute, die den deutschen Namen „Heidelbeereule“ erfunden (und weiterverbreitet) haben, ihren Linné nicht sorgfältig gelesen. Das gilt auch für mich. platsch

Dank der unschätzbaren Arbeit von Jürgen Rodeland, der das Lepiforum mit den Originalbeschreibungen der Arten versieht, können wir das heute richtigstellen.

Nach Linné lebt die Art nämlich „in Vaccinio Vite idæa“, also an der Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) (siehe den Textausschnitt unten). Dabei bezog er sich offenbar auf einen Raupenfund in Schweden – beschrieben ist die Art in der „Fauna Suecica“. Ein Einzelnachweis gibt bei dieser polyphagen Art natürlich genausowenig Aufschluß über das tatsächliche Nahrungsspektrum oder die Lebensraumansprüche der Art wie die Heidelbeere. Aber wir können festhalten: Gemeint war ausdrücklich die Preiselbeere.

Der erste, der den irreführenden deutschen Namen Heidelbeereule prägte, war ausgerechnet Philipp Ludwig Statius Müller, der 1773-1776 eine deutsche Übersetzung von Linné’s Werken herausgegeben und dabei allen Arten einen deutschen Namen verliehen hat (Das hatte ich kürzlich schon mal erwähnt, als es um den Citronenpapillon ging: http://www.lepiforum.de/cgi-bin/2_forum.pl?md=read;id=97992#m_97992 )

Danach ging es folgendermaßen weiter:

Heidelbeereule (Statius Müller 1774: 697)
Preuselbeereule ([Denis & Schiffermüller] 1775)
Preuselbeereulenphalene (Esper 1780er oder 90er Jahre)
Heidelbeereule (Goeze 1781)
Preuselbeereule (Borkhausen 1792)
Preißelbeereule (Berge 1842)
Heidelbeer-Eule (Glaser 1885)
„F.[utterpflanze] vaccinium Heidelbeere“ (Spannert 1888: 135)
Heidelbeereule (Lampert 1907)
„vaccinium Heidelbeere, von der Nahrungspflanze der Raupe.“ (Spuler 1908: 255R)
Heidelbeereule (Eckstein 1920)
Gemeine Waldheiden-Wintereule (Bergmann 1954)
Braune Heidelbeereule (Koch 1958)
Heidelbeer-Wintereule (Steiner in Ebert 1997)

Schiffermüller kannte eben seinen Linné. Aber er hat auch nicht sämtliche Tiere und Pflanzen abgehandelt wie Statius Müller sondern „nur“ die Schmetterlinge. Die späteren Autoren haben dann – wie ich vermuten möchte – den deutschen Namen entweder von Statius M. oder von SchifferM. übernommen, und immer so weiter. Wer denkt sich schon, daß ausgerechnet die früheste deutsche Linné-Übersetzung schon solche Fehler enthält? Und überhaupt: Ich bin sicher, daß die Conistra-vaccinii-Raupe auch an Heidelbeere lebt und mancher Entomologe mag sie daran schon gefunden haben. Aber da ich selber einmal in diese Falle getappt bin, wollte ich die Sache richtigstellen.

In dem Nachtfalterbuch, an dem ich zur Zeit arbeite, wird sie den Namen „Veränderliche Wintereule“ erhalten, denn „Heidelbeereule“ erweckt zu sehr den Anschein einer Art der Zwergstrauchheiden, der Moore und der Bergwälder, und das ist irreführend. Vielleicht kann man den Namen auch im Lepiforum mal ändern oder im Unterkapitel „Etymologie“ diesen Beitrag verlinken.

Schöne Grüße
Axel

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Eigentlich Stichwort Preiselbeere (eine kleine entomo-historische Nörgelei) ;) *Foto* Bestimmungshilfe