Agnoea Josephinae

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EU M-EU 03055 Agnoea josephinae (TOLL, 1956)

1: Österreich, Niederösterreich, 500 m SE Hafning bei Neunkirchen, Waldrand, Bach, Wiesen, 450 m, 6. Juli 2003
2-3: Österreich, Niederösterreich, 1 km E Kaltenberg/BW, montaner Mischwald, Wiesen, Raine, 840 m, 27. Juli 2004 (Fotos 1-3: Peter Buchner), det. Peter Buchner
4-5, ♂, Sitzlänge 10 mm: Deutschland, Sachsen, Dübener Heide, Waldrand bei Doberschütz, Himbeergebüsch, 26. Juni 2011 (leg. und Fotos: Heidrun Melzer), gen. det. Christian Kaiser [Forum]
6, ♀: Schweiz, Bern, St-Imier, 995 m, Hochmoor, 15. Juli 2010, Lichtfang (leg., det. & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]
7, Sitzlänge 11 mm: Österreich, Bundesland Salzburg, Pinzgau, Salzburger Schieferalpen, Maria Alm, Berg Natrun, 1100 m, Tagfund, 15. Juli 2016 (Freilandfoto: Sabine Flechtmann), gen. det. Patrick Gros, in coll. Haus der Natur, Salzburg [Forum]
8-9, ♀:, Sitzlänge 9 mm: Deutschland, Niedersachsen, Rodenberg, Garten, 90 m, 17. Juli 2015, am Schwarzlicht (Studiofoto: Tina Schulz), GU Peter Buchner, det. Rudolf Bryner
10: Russland, Oblast Moskau, Bezirk Odinzowo, Dorf Pestowo, 13. Juli 2016, Lichtfang (det. & fot.: Ilya Ustyantsev) [Forum]



Diagnose

Die Determination der Pseudatemelia-Arten [jetzt Agnoea-Arten] ist nicht einfach und gelingt mehrheitlich nur über eine Untersuchung der Genitalstrukturen. Bei den Männchen führt dies meistens zu einer eindeutigen Zuordnung. Einzig Pseudatemelia josephinae [jetzt Agnoea josephinae] und P. elsae [jetzt Agnoea elsae] bieten da vielleicht einige Schwierigkeiten. Bei den Weibchen dagegen ermöglicht auch eine GU nicht immer eine hieb- und stichfeste Aussage. (Rudolf Bryner)

Die Ausbildung der dunklen Flecken auf den Vorderflügeln ist bei P. josephinae [jetzt Agnoea josephinae] variabel. Auch die Grundfärbung variiert von grau und graubraun bis gelbgrau. Im Vergleich zu den anderen Arten hat P. josephinae auffallend lange Labialpalpen. (Rudolf Bryner)

Männchen

1, ♂: Schweiz, Bern, St-Imier, 1095 m, Hochmoor, 21. Juni 2011, Lichtfang (leg., gen. det. [GP 2012-100] & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]


Weibchen

1, ♀: Schweiz, Bern, Tschugg, 455 m, 15. Juli 2011, Lichtfang (leg., gen. det. [GP 2012-105] & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]
2, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, in einem nach Westen zum Wutachtal abfallenden locker bewaldeten Steilhang, 840 m, am Licht, 19. Juli 2016 (leg., gen. det., präp. & Foto: Hans-Peter Deuring) [Forum]


Genitalien

Männchen

1, Genitalpräparat des oben abgebildeten männlichen Falterbelegs (Bild 1): Daten siehe oben (Präparation und Foto: Rudolf Bryner). Der Sacculus (als verdunkelter Hinterrand der Valven erkennbar) ist schmaler und länger und der Uncus kürzer als bei der Nachbarart P. elsae. [Forum]


Weibchen

1-3, Genitalpräparat mit Signum [3] des als Diagnosebild 2 abgebildeten ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, 78176 Blumberg, in einem nach Westen zum Wutachtal abfallenden locker bewaldeten Steilhang, 840 m, am Licht, 19. Juli 2016 (leg., gen. det. & Foto: Hans-Peter Deuring) [Forum]

SVENSSON (1982: 296) weist auf eine Verwechslung von Genitalabbildungen hin: “When describing josephinae, Toll (1955) [recte: 1956, Anm. Red. Lepiforum] figures the genitalia of P. elsae n.sp. Luckily, both the ♂ holotype and the allotype of josephinae are conspecific and belong to the common species generally known as josephinae and widely distributed in northern Europe (e.g. Jäckh 1959).”



Biologie

Pseudatemelia josephinae [jetzt Agnoea josephinae] ist im Schweizer Jura und Mittelland die am weitesten verbreitete und häufigste Art. Sie ist ein Tier des Hochsommers und fliegt ab Ende Juni mit Schwerpunkt im Juli sowie vereinzelten Tieren noch bis Anfang September. Sie bevölkert die unterschiedlichsten Wälder (trockene Eichenwälder, Laub- und Auwälder, montane Nadelwälder, Hochmoorwälder). (Rudolf Bryner)



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

TOLL (1956: 185): „[...] zu Ehren meiner Frau, die treu viele Jahre immer Hilfsbereit [sic, groß geschrieben] an meiner Seite steht“.


Andere Kombinationen


Typenserie

SINEV & LVOVSKY (2014) schreiben: "Types in the Institute of Systematics and Evolution of Animals, Krakow (Poland).".


Taxonomie

CORLEY (2014) weist bei seiner Erstbeschreibung seiner Agnoea nonscriptella darauf hin, dass SINEV & LVOVSKY (2014) alle Arten der bisherigen Gattung Pseudatemelia zu Agnoea stellen. Schon zuvor hatten HEIKKILÄ & KAILA (2010) die Gattungen Pseudatemelia und Amphisbatis zu den Lypusidae (innerhalb der Gelechioidea) gestellt.

WALSINGHAM (1901) beschrieb eine "Blastobasis (?) evanescens sp. n." aus Korsika. In seiner Übersicht der Blastobasidae in WALSINGHAM (1907-1908) stellte er die Gattung Agnoea mit Agnoea evanescens als Typus (und einziger bekannter Art) vor. Nach SINEV & LVOVSKY (2014) stellte NEL (2012) bei der Untersuchung der Typen beider Taxa Konspezifität von Agnoea evanescens mit der ebenfalls von Korsika beschriebenen Oecophora fuscifrontella CONSTANT, 1884 fest. Diese war längst in die Gattung Pseudatemelia überführt worden, hieß also Pseudatemelia fuscifrontella (CONSTANT, 1884). Nach SINEV & LVOVSKY (2014) wurde die Gattung Pseudatemelia aber erst 1910 mit der Beschreibung von Pseudatemelia aeneella REBEL, 1910 aufgestellt, also deutlich nach der Beschreibung der Gattung Agnoea. Sie begründen, warum sie Pseudatemelia fuscifrontella (= Agnoea evanescens) und Pseudatemelia aeneella für Angehörige der gleichen Gattung halten. Dies hatte zur Konsequenz, dass die Gattung Pseudatemelia aufzulösen und alle ihr bisher zugeordneten Arten in die Gattung Agnoea zu überführen waren. Diesen Schritt gingen die Autoren dann auch Art für Art durch.


Faunistik

Locus typicus nach TOLL (1956: 187): „Polen, Kreis Cieszyn, Ustroń, Berg Równica, 750 m“ [Holoypus]. Die Paratypen stammen von mehreren polnischen Fundorten sowie aus „Deutschland, Umgegend von Berlin, Finkenkrug“; „Jugoslawien, Oberkrain, Veldes“; „Frankreich, Elsass, Haguenau“.

Die Art ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den meisten Bundesländern bzw. Kantonen nachgewiesen und auch in West-, Nord- und Osteuropa weit verbreitet. Im Mediterranraum scheint sie hingegen zu fehlen.

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


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EU M-EU 03055 Agnoea josephinae (TOLL, 1956) art-mitteleuropa

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