Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

[Home] Vergleichsansichten: [doppelt] [dreifach] [mit Forum] [Kopfzeilen ausblenden] [Forum 1] [Forum 2] [Forumsarchiv] [Benutzerhinweise] [Bestimmungsliteratur] [Glossar] [Mitarbeit] [Impressum] [Datenschutzerklärung] [Inhalt]

Volltextsuche: [Tipps zur Verwendung der Suchfunktion]

Zerynthia Polyxena

Bestimmungshilfe | LetzteAenderungen | Einstellungen

Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Papilionidae (Ritterfalter) / Parnassiinae
EU M-EU NON-EU 06945 Zerynthia polyxena ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Osterluzeifalter
Europarechtlich streng geschützt: Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU (FFH), Anhang IV (streng zu schützende Arten von gemeinschaftlichem Interesse)

1, ♀: Österreich, Niederösterreich, Wachau, 13.5.2006 (Freilandfoto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
2: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, 26. April 2005 (Freilandfoto: Christopher Rabl), det. Christopher Rabl
3-4, ♀, gelbe Form: Griechenland, Makedonia, Ditiki, Siatista, 12. April 2007 (Freilandfotos: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
5: Ukraine, Krim, Gruszevka, 1. Mai 2008 (Freilandfoto: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury [Forum]
6: Ukraine, Krim, Shebietovka, 30. April 2008 (Freilandfoto: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury
7: ♀: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, an Wiesensalbei, 7. Mai 2008 (det. & Freilandfoto: Markus Schwibinger) [Forum]
8 & 9, zwei ♂♂: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, im Bereich einer Weinbergsterrasse, ca. 215 m, 7. Mai 2008 (Freilandfotos: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger [Forum]
10: Österreich, Niederösterreich, Donautal am Rindfleischberg, Kleinpöchlarn, 3. Mai 2009 (Freilandfoto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
11-15, ♀: Kroatien, Rab, Raupe leg. 23. Mai 2008 (Studiofotos am 20. April 2009: Ingrid Altmann), det. Ingrid Altmann [Forum]
16: Frankreich, Var, Le Muy, Bois de Malvoisin, Gorges du Blavet, 196 m, 21. April 2011 (Freilandfoto: Bernhard Jost), det. Bernhard Jost [Forum]
17-18: Frankreich, Département Var, Gonfaron, D39, 400 m, 12. April 2014 (det. & fot.: Jochen Kostewitz) [Forum]
19: Frankreich, Languedoc-Roussillon, Gard, Le Grau du Roi, 23. April 2013 (det. & fot.: Georg Paulus) [Forum]


Kopula

1-2: Österreich, westliches Niederösterreich, am Kleinpöchlarner Rindfleischberg, ca. 250 m, 22. April 2011 (Freilandfotos: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]


Eiablage

1-2, ♀ bei Eiablage an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis): Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, 7. Mai 2008 gegen 12.45 Uhr (Freilandfotos: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger [Forum]


Ausgewachsene Raupe

1: Österreich, Niederösterreich, Donautal, Kleinpöchlarn, 26. Juni 2006, an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
2: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, 17. Juni 2006, an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Foto: Christopher Rabl), det. Christopher Rabl
3: Österreich, Niederösterreich, Donautal, Kleinpöchlarn, 14. Juni 2008, an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer
4: Kroatien, Rab, 23. Mai 2008 (det. & Studiofotos: Ingrid Altmann) [Forum]
5-6: Griechenland, Lakonien, Mt. Taygetos, unterhalb Refugio, 1500 m, 7. Juni 2009 (Freilandfotos: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
7-12: Frankreich, Rhône-Alpes, Ardèche, Vadanoux, Vallée de l'Ibie, an Aristolochia rotunda, 21. Mai 2009 (Freilandfotos: Allan Liosi), det. Albrecht Nissler [Forum] [Determination]
13, mit ausgestülptem Osmaterium: Österreich, Südsteiermark, Katzengraben bei Spielfeld, 286 m, 27. Juni 2013, Tagfund (det. & fot.: Ingrid Windisch) [Forum]
14-15: Ungarn, Hanság, Damm des Hansági-főcsatorna nördlich Osli, 110 m, 2. Juni 2013 (Freilandfotos: Martin Semisch) [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1-7, Halbwüchsige Raupen (vermutlich L3-L4): Frankreich, Rhône-Alpes, Ardèche, Vadanoux, Vallée de l'Ibie, an Aristolochia rotunda, 17. Mai 2009 (Freilandfotos: Allan Liosi), det. Albrecht Nissler [Forum] [Determination]
8-10, Jungraupen: Österreich, Niederösterreich, Donautal am Rindfleischberg, Kleinpöchlarn, 22. Mai 2008 an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Freilandfotos: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
11-12, Jungraupen an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Bild 11 mit Ameisen, vermutl. Myrmica rubra): Österreich, Niederösterreich, Donautal am Rindfleischberg, Kleinpöchlarn, 1. Mai 2009 (Freilandfotos: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
13, L2: Frankreich, Rhône-Alpes, Ardèche, Vadanoux, Vallée de l'Ibie, an Aristolochia rotunda, 17. Mai 2009 (Freilandfoto: Allan Liosi), det. Albrecht Nissler [Forum] [Determination]
14, L1 an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis): Österreich, Niederösterreich, Donautal am Rindfleischberg, Kleinpöchlarn, 1. Mai 2009 (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]


Puppe

1: Österreich, Niederösterreich, Kleinpöchlarn, Donautal, 28. Juni 2007 (Studiofoto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
2: Kroatien, Rab, Raupe leg. 23. Mai 2008 (Studiofoto am 30. Mai 2008: Ingrid Altmann), det. Ingrid Altmann


Ei

1: Österreich, Niederösterreich, Donautal, Kleinpöchlarn, 16. Mai 2006, an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer[Forum]
2-4: Österreich, Niederösterreich, Donautal, Kleinpöchlarn, 13. Mai 2008, an Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis) (Freilandfotos: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer[Forum]
5: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, Wegböschung, an Blattunterseite von Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis), 7. Mai 2008 (Freilandfoto: Markus Schwibinger), det. durch Beobachtung der Eiablage [Forum]
6: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, an einer Weinbergsmauer, an Blattunterseite von Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis), 9. Mai 2008 (Freilandfoto: Markus Schwibinger) [Forum]
7-8: Ukraine, Krim, Gruschewka, an Osterluzei, 1. Mai 2008 (Fotos: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury [Forum]



Diagnose

1-3, ♂: Daten siehe Etikett (fot.: Michel Kettner), coll. ZSM

1-3, ♀: Daten siehe Etikett (fot.: Michel Kettner), coll. ZSM


Aberration

1-3, ♀: Daten siehe Etikett (fot.: Michel Kettner), coll. ZSM

Falter

In Österreich ist Z. polyxena unverwechselbar. In Südostfrankreich, nördlich bis ins Durancetal, fliegt sie stellenweise mit Z. rumina zusammen. Hauptunterscheidungsmerkmal zu dieser Art sind die roten Flecken auf dem Vorderflügel, die Z. rumina kennzeichnen, Z. polyxena aber fehlen.
Im östlichen Mittelmeerraum, von der südlichen Balkanhalbinsel an ostwärts, kommt Z. cerisy vor. Dieser hat ein Schwänzchen am Hinterrand der Hinterflügel. In der Nordtürkei fliegt Z. polyxena zudem gemeinsam mit Z. caucasica. Dieser fehlt, wie auch Z. cerisy, die schwarze Zickzack-Linie am Außenrand der Vorderflügel.


Raupe

Die Raupe von Z. polyxena ist in der Färbung sehr variabel. Diese reicht von Orange bis Gräulich und Schwärzlich, und es treten verschiedene Übergangsformen auf. (Albrecht Nissler) [Forum]


Ähnliche Arten



Biologie

Habitat

1: Türkei, Bolu Daglari, 30 km n. Bolu, 1700 m, 8. Juni 1992 (Foto: Jürgen Hensle)
2, Larvalhabitat: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, Wegböschung mit Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis), 7. Mai 2008 (Foto: Markus Schwibinger) [Forum]
3: Frankreich, Rhône-Alpes, Ardèche, Vadanoux, Vallée de l'Ibie, 17. Mai 2009 (Foto: Allan Liosi) [Forum]
4: Frankreich, Var, Le Muy, Bois de Malvoisin, Gorges du Blavet, 196 m, 21. April 2011 (Foto: Bernhard Jost) [Forum]
5: Ungarn, Hanság, Damm des Hansági-főcsatorna nördlich Osli, 110 m, 2. Juni 2013 (Foto: Martin Semisch) [Forum]

Z. polyxena tritt dort auf, wo auch die Nahrungspflanze der Raupe wächst. Dies sind verschiedene Osterluzeiarten (Aristolochia spp.). Diese Pflanzen wachsen in Unkrautfluren auf Feldern, in Weinbergen und Gärten, in Straßengräben aber auch an Flußufern und an Waldrändern. Die Falter kommen meist in tieferen Lagen vor. Vereinzelt kann man sie jedoch in bis zu 1700 m antreffen. In dieser Höhe fliegen die Falter dann gerne auf steinigen Bergwiesen.


Lebensweise

1, Eiablagestelle: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, an einer Weinbergsmauer mit Gewöhnlicher Osterluzei (Aristolochia clematitis), 9. Mai 2008 (Foto: Markus Schwibinger) [Forum]
2, Aristolochia clematitis mit ausgewachsenen Raupen: Ungarn, Hanság, Damm des Hansági-főcsatorna nördlich Osli, 110 m, 2. Juni 2013 (Foto: Martin Semisch) [Forum]

Die recht bizarr geformte Raupe lebt im Frühjahr offen an der Nahrungspflanze, vorzugsweise jedoch an der Blattunterseite. Sie verpuppt sich nach vier bis sechs Wochen. Die Puppe überwintert und ergibt dann im nächsten Frühjahr den Falter. Dieser schlüpft im warmen, küstennahen Tiefland zuweilen schon Ende Februar; dort ist seine Flugzeit dann bereits Anfang Mai zu Ende. Im Bergland erscheint der Falter jedoch kaum vor Anfang Mai und fliegt dann bis Ende Juni oder Anfang Juli.
Die Osterluzei ist eine hochgiftige Pflanze. Jede einzelne Art enthält etwas unterschiedliche Giftstoffe, an die sich die Raupen angepasst haben. Meist wachsen in einem Gebiet nur ein oder zwei Osterluzeiarten, so dass die Osterluzeifalterraupen auch nur gegen das Gift dieser Arten immun sind. In Österreich und Tschechien leben die Raupen beispielsweise an der Gewöhnlichen oder Aufrechten Osterluzei (Aristolochia clematitis). Versetzt man diese Raupen auf eine andere, südeuropäische Osterluzeiart, vergiften sie sich. Ebenso gehen beispielsweise süditalienische Raupen ein, wenn man sie nach Norden, ins Gebiet einer anderen Osterluzeiart verbringt, bzw. in der Zucht damit füttert.

(Autor: Jürgen Hensle)


Nahrung der Raupe

1, Aristolochia clematitis (Gewöhnliche oder Aufrechte Osterluzei), mit Eiern belegt: Österreich, Niederösterreich, unteres Kamptal, ca. 215 m, 7. Mai 2008 (det. & Foto: Markus Schwibinger) [Forum]
2, Aristolochia clematitis: Ungarn, Hanság, Damm des Hansági-főcsatorna nördlich Osli, 110 m, 2. Juni 2013 (Foto: Martin Semisch) [Forum]
3-5, Aristolochia rotunda (Rundblättrige Osterluzei oder Rundblättrige Pfeifenblume): Frankreich, Rhône-Alpes, Ardèche, Vadanoux, Vallée de l'Ibie, 17. und 21. Mai 2009 (det. & Fotos: Allan Liosi) [Forum]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„Tochter der trojanischen Königs Priamus.“
SPULER 1 (1908: 3L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Taxonomie und Faunistik

KUDRNA et al. (2011) zeigen eine eigene Verbreitungskarte für Zerynthia cassandra (GEYER, [1830]), die demnach das Vorkommen von Z. polyxena in ganz Italien mit Ausnahme der alpennahen Teile im Norden ersetzt. Sie schreiben dazu: "Zerynthia cassandra and Z. polyxena ([SCHIFFERMÜLLER], 1775) are here provissionally treated as distinct morphospecies because their male genitalia differ and they are sympatric in N.W. Italy: Savona district (DAPPORTO 2009). NAZARI & SPERLING (2007) regard both taxa as conspecific."
TSHIKOLOVETS (2011) akzeptiert Z. cassandra ebenfalls als Art; nach seiner Verbreitungskarte reicht das Vorkommen von Sizilien durch das italienische Festland bis zur Poebene: "... sympatric with Z. polyxena in Monte Beigua, N. Italy."
Das sympatrische Vorkommen könnte - wenn es dieses denn tatsächlich gäbe - als Hinweis darauf verstanden werden, dass es sich hier tatsächlich um zwei getrennte Arten handeln könnte.

Studiert man die Arbeit von NAZARI & SPERLING (2007) näher, dann fällt als erstes auf, dass die beiden Autoren eine artliche Abtrennung der italienischen cassandra von Z. polyxena ausdrücklich ablehnen. Dabei waren sie es, die einen Barcoding-Unterschied (COI) von 2,4 % ausmachten, ein Wert, der zumindest eine Diskussion nahelegt. Diese Diskussion haben sie - mit überzeugenden Argumenten - dann durchaus geführt: Die Basis für eine Auftrennung auf Artebene ist hier noch deutlich zu schwach. Insgesamt verglichen wurden in der Studie 2 Tiere aus Italien (1 Exemplar der ssp. „latevittata“ von Sizilien, 1 Exemplar von ssp. „cassandra“ von Imola in Oberitalien), 4 Tiere vom Balkan (je 1 Exemplar der ssp. „cassandra“ von ssp. „balcanica“ vom Kosovo, von ssp. „bosniensis“ von Serbien, von ssp. „bryki von Montenegro und ssp. „macedonica“ von Griechenland) und 3 Tiere von weiter östlich (ssp. „petri" von der Ukraine und aus Russland). Die beiden italienischen Daten passten einigermaßen gut zueinander, wichen aber um die besagten 2,4 % vom eher wieder einheitlichen Rest ab.

DAPPORTO (2010) fotografierte insgesamt 186 Männchen-Genitalpräparate aus einem großen Teil des Verbreitungsgebiets von Z. polyxena. Mit mathematisch-statistischen Verfahren konnte er die Individuen auf zwei Cluster verteilen, wobei ein Cluster sämtliche Tiere aus Italien südlich des Po umfasste, das andere Cluster die italienischen Tiere nördlich des Po und im Rest Europas. Mit Ausnahme des Monte Beigua in Norditalien (ca. 30 km W Genua) wurden stets nur Tiere eines Clusters gefunden; die Serie von dort ergab aber 9 Tiere des einen Typs und 3 Tiere des anderen, woraus DAPPORTO (2010) ein sympatrisches Vorkommen von 2 getrennten Taxa – für ihn Arten – ableitet. Das ist – gelinde formuliert – zumindest viel zu voreilig. Eine solche Variation im Männchen-Genital wäre durchaus auch in einer einzigen Population möglich. Sollte es sich um zwei Arten handeln, müssten hier also Reproduktionsschranken existieren – eine etwas andere Genitalform muss noch keine solche Schranke sein. Gibt es Reproduktionsschranken? Dies wurde im Artikel weder diskutiert noch geprüft – aber ohne diese gibt es keine getrennten Arten! Und die Genetik? Sie könnte hier tatsächlich Anhaltspunkte liefern, nämlich dann, wenn sich die Unterschiede im Genital mit solchen in der Genetik zur Deckung bringen ließen. Hier wäre es spannend, Tiere der klassischen polyxena aus Norditalien in eine entsprechende Studie einzubeziehen, insbesondere solche vom Monte Beigua. Gäbe es auch dort eine Zäsur von 2 % könnte das für artliche Trennung sprechen – müsste es aber immer noch nicht. So halte ich es für keineswegs sicher, dass das Taxon cassandra auch nur Unterartrang besitzt (die anderen oben genannten "Unterarten" wurden wohl primär aus kommerziellen Gründen abgetrennt) – für Artrang spricht eigentlich nur, dass der Autor der Studie wichtiger wird und Tiere der neuen Art einträglicher gehandelt werden können. Es ist schon erstaunlich, dass man meint, auf (Internet-)Börsen „Zerynthia cassandra“ offen handeln zu können, da ja nur Z. polyxena durch die FFH-Richtlinie streng geschützt sei. Dabei wird jeder Jurist schnell bestätigen können, dass hier selbstverständlich der Artumfang so zu handhaben ist, wie er zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Gesetzes war – und da waren die italienischen Tiere also zweifellos mit gemeint.

(Autor: Erwin Rennwald)


Verbreitung

Der Osterluzeifalter lebt in Südeuropa, westlich bis Südostfrankreich. Im Osten kommt er bis in den Nordwesten der Türkei und bis zum Südural vor. Von dort zieht sich seine nördliche Verbreitungsgrenze bis nach Mähren, Niederösterreich und entlang des südlichen Alpenrands bis ins Aosta-Tal. Weiter südlich überquert er die Alpen, erreicht im Norden das Durance-Tal und im Westen den Rand der Cevennen.

(Autor: Jürgen Hensle)

Die Gewöhnliche Osterluzei (Aristolochia clematitis) gehörte schon vor Jahrhunderten zu den beliebten Pflanzen in Klostergärten etc. Ihre Ansiedlung könnte an den Arealgrenzen von Zerynthia polyxena auch zu einer leichten Arealerweiterung oder zu Arealschwankungen des Falters beigetragen haben. Diese Möglichkeit wird insbesondere für die anscheinend über Jahrzehnte persistierende Population beim Kloster Weltenburg/ Donau in Bayern diskutiert (BOLZ 2013). Dass hier auch (mehrfache?) Falter-Aussetzungen die Grundlage für die Ansiedlung gewesen sein könnten, ist aber zumindest genauso wahrscheinlich. Dass sich solche Ansiedlungen für einige Jahre halten können, zeigen zwei kleine, eindeutig auf illegaler Ansiedlung beruhende Populationen in Unterfranken. Vor diesem Hintergrund hat A. STEINER in GAEDIKE et al. (2017) die Art mit in das "Verzeichnis der Schmetterlinge Deutschlands" aufgenommen und begründet: "Offenbar hat in historischer Zeit in D mindestens zeitweilig eine kleine Population in BY existiert. Ob diese auf künstlicher Ansiedlung durch den Menschen oder auf natürlicher Ausbreitung beruhte, ist ebenso unbekannt - und wohl nicht mehr zu klären - wie der Ursprung des Aristolochia-Vorkommens." Aktuell jedenfalls gibt es in Deutschland nur wenige, sicher auf illegaler Aussetzung beruhende und wahrscheinlich wenig langlebige Kleinstpopulationen dieser Art.

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Papilionidae (Ritterfalter) / Parnassiinae
EU M-EU NON-EU 06945 Zerynthia polyxena ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Osterluzeifalter art-mitteleuropa

Bestimmungshilfe | LetzteAenderungen | Einstellungen
Diese Seite ist schreibgeschützt | Zeige andere Versionen dieser Seite
Letzte Änderung am November 7, 2017 15:05 von Michel Kettner
Suche: