Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Vanessa Cardui

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07245 Vanessa cardui (LINNAEUS, 1758) - Distelfalter

1: Österreich, 6 km NW Gloggnitz, Wald (Fichten, Buchen), beweidete Wiese, 1180 m, 30. August 2004
2-3: Österreich, 1 km WNW Mönichkirchen, fichtendominierte Wälder, Hochstauden, 1050 m, 29. August 2004 (Fotos 1-3: Peter Buchner), det. Peter Buchner
4: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Ober-Olmer Wald bei Mainz, 8. Oktober 2006 (Freilandfoto: Jürgen Rodeland)
5: Deutschland, Sachsen, Nähe Noitzsch, sandiger Feldweg an Kiefernwaldrand, 17. September 2003 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
6: Deutschland, Sachsen, ehemaliges Tagebaugebiet Nähe Benndorf, 19. Juli 2007 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
7: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hennef, in einem Kahlschlag auf Ackerkratzdistel, 7. Juli 2006 (Foto: Horst Köcher), det. Horst Köcher [Forum]
8: Schweiz, Irchel, Teufen ZH, 1. Oktober 2011 (det. & fot.: Thomas Kissling) [Forum]
9: Deutschland, Thüringen, Rhön, Hohe Geba, 16. Juli 2009 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
10: Deutschland, Baden-Württemberg, 88271 Wilhelmsdorf Pfrungen, Pfrunger Ried, 610 m, 24. Juli 2009 (Freilandfoto: Jörg Döring), det. Jörg Döring [Forum]
11: Deutschland, Baden-Württemberg, 88281 Schlier Hintermoos, Kiesgrube, 690 m, 13. Juli 2009 (Freilandfoto: Jörg Döring), det. Jörg Döring [Forum]
12-13: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Bergkamen, Halde Großes Holz, 27. Juli 2012 (det. & Freilandfotos: Gerhard Olbrich) [Forum]
14: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Groß Rogahn, 2. Juli 2012 (Freilandfoto: Jacqueline Linke)
15, frisch geschlüpft: Deutschland, Brandenburg, Jahnberge, Halbtrockenrasen am Eichenmischwald, 28 m, leg. Vorpuppe an Königskerze (Verbascum spec.) 11. Juni 2013 (Pia Wesenberg), 21. Juli 2013 (cult. & Foto: Martin Semisch) [Forum]
16: Deutschland, Hessen, NSG Dörnberg bei Zierenberg, 350 m, 24. Juli 2016 (Freilandfoto: Ralf Sommerfeld), det. Ralf Sommerfeld [Forum]


Erwachsene Raupe

1 & 2 (Bild 2 mit Jungraupe): Deutschland, Brandenburg, Hennigsdorf bei Berlin, am Waldrand, an Natterkopf (Echium vulgare), Juli 2009 (det. & Freilandfotos: Pia Wesenberg) [Forum]
3-4 und 5: Deutschland, Brandenburg, Hennigsdorf bei Berlin, am Waldrand, an Natterkopf (Echium vulgare), 4. und 5. September 2009 (det. & Freilandfotos: Pia Wesenberg) [Forum]
6: Deutschland, Brandenburg, Raben, an Gewöhnlichem Beifuß (Artemisia vulgaris), 7. Juli 2003 (Foto: Stefan Ratering), det. Stefan Ratering
7: Deutschland, Baden-Württemberg, Reichenbach im Täle, an Kratzdistel, Juli 2000 (Foto: Michael Rommel), det. Michael Rommel
8: Deutschland, Hamburg, Eidelstedter Feldmark, an Kratzdistel, 30. Juni 2007 (Studiofoto: Renate Ridley), det. Renate Ridley, conf. Stefan Ratering [Forum]
9: Schweiz, Ufer Bielersee, Nähe Twann, ca. 500 m, 22. September 2006 (Foto: Andreas Eberli), det. Andreas Eberli [Forum]
10: Griechenland, Achaia, NW Kalavrita, 800 m, 4. Juni 2009 (Freilandaufnahme: Heiner Ziegler), leg. Markus Fluri, cult. Heiner Ziegler [Forum]
11-12, verpuppungsreif: Schweiz, Kanton Bern, Gürbetal, 597 m, 17. Juli 2006 (Fotos: Beat Weisskopf) det. Beat Weisskopf
13-14, Vorpuppe: Deutschland, Brandenburg, Jahnberge, Halbtrockenrasen am Eichenmischwald, 28 m, an Königskerze (Verbascum spec.), 11. Juni 2013, Tagfund (det. & Fotos: Pia Wesenberg), conf. Peter Schmidt [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1: Deutschland, Brandenburg, Hennigsdorf bei Berlin, am Waldrand, Juli 2009 (det. & Foto: Pia Wesenberg) [Forum]
2: Niedersachsen, Bad Bentheim, Randstreifen, an Schafgarbe (Achillea millefolium), 15. Juli 2007 (manipuliertes Freilandfoto: Jens Kolk), det. Thomas Fähnrich [Forum]
3 (6-7 mm): Deutschland, Rheinland-Pfalz, bei Mainz, an Sandstrohblume (Helichrysum arenarium), 24. Juni 2006 (Freilandfoto: Jutta Bastian), det. Jutta Bastian [Forum]
4: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Mehrstetten, Juli 2000 (Foto: Michael Rommel), det. Michael Rommel


Fraßspuren und Befallsbild

1, Raupengespinst an Gewöhnlichem Beifuß (Artemisia vulgaris): Deutschland, Brandenburg, Raben, 7. Juli 2003 (Foto: Stefan Ratering), det. Stefan Ratering
2, Raupengespinst an Schafgarbe (Achillea millefolium): Niedersachsen, Bad Bentheim, Randstreifen, 15. Juli 2007 (Freilandfoto: Jens Kolk), det. Thomas Fähnrich [Forum]


Puppe

1: 2003 (Foto: Michael Rommel), det. Michael Rommel
2: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Haan, 85 m, 7. Juli 2006 (Foto: Armin Dahl), det. Armin Dahl [Forum]
3: Österreich, Tirol, St. Ulrich a. P., 900 m, an Gewöhnlicher Kratzdistel (Cirsium vulgare), 7. August 2008 (Foto: Angie Opitz), det. Rainer Wendt [Forum]
4: Schweiz, St. Gallen, Wattwil, 750 m, 2. August 2008 (Freilandaufnahme: Pia Rindlisbacher), det. Pia Rindlisbacher, conf. Andreas Eberli [Forum]
5: Deutschland, Eifel, Rothenberg, nahe Maria Laach, in einer Schlackenwand, 5. Juni 2009 (Freilandfoto: Walter Müller), det. Walter Müller, conf. Erwin Rennwald [Forum]
6-7: Deutschland, Baden-Württemberg, Todtnauberg (Hochschwarzwald), 1350 m, 5. September 2009 (Freilandfotos: Helga Schöps), det. Helga Schöps, conf. Erwin Rennwald [Forum]
8: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, 7-Dörfer-Moor bei Groß Rogahn, Raupenfund im Mai 2012 (leg., cult., det. & Foto am 2. Juli 2012: Jacqueline Linke)
9-10: Deutschland, Brandenburg, Jahnberge, Halbtrockenrasen am Eichenmischwald, 28 m, leg. Vorpuppe an Königskerze (Verbascum spec.) 11. Juni 2013 (Pia Wesenberg), Puppe am 12. Juli 2013 (cult. & Foto: Martin Semisch) [Forum]
11-12, 30 Minuten vor Falterschlupf: Deutschland, Brandenburg, Jahnberge, Halbtrockenrasen am Eichenmischwald, 28 m, leg. Vorpuppe an Königskerze (Verbascum spec.) 11. Juni 2013 (Pia Wesenberg), Puppe am 21. Juli 2013 (cult. & Foto: Martin Semisch) [Forum]
13, Exuvie: Daten wie Puppenbilder 12-13 [Forum]


Ei

1: Deutschland, Bayern, Moosburg, Getreidefeld am Stadtrand, an Ackerkratzdistel, 28. Mai 2006 (Foto: Heinrich Vogel), det. durch Beobachtung der Eiablage Heinrich Vogel [Forum]
2, an Pulicaria dysenterica: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, Eichstetten, 7. Juni 2007 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
3: Deutschland, Bayern, München, auf Carlina acaulis, 29. Mai 2009 (Freilandfoto: Annette von Scholley-Pfab), det. Annette von Scholley-Pfab [Forum]



Diagnose

Falter

Vanessa cardui kann leicht mit dem Amerikanischen Distelfalter (V. virginiensis) verwechselt werden. Dieser wird gelegentlich an die Westküste Europas verdriftet und ist auf den Kanaren, Madeira und dem portugiesischen und spanischen Festland heimisch geworden. Von dort aus dringt er ganz vereinzelt bis Frankreich und in die Schweiz vor und könnte auch im Westen Deutschlands angetroffen werden. V. virginiensis ist durchschnittlich etwas kleiner als V. cardui. Das wichtig­stes Unterscheidungsmerkmal findet sich jedoch auf der Unterseite der Hinterflügel. Dort hat V. cardui vier bis fünf kleine Augen in der Randbinde, V. virginiensis nur zwei, aber viel größere Augen.


Ähnliche Arten


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 475-476) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Wanderverhalten

Der Distelfalter ist ein Saisonwanderer 1. Ordnung. Er ist der Wanderfalter schlechthin. Er verträgt (fast) keinen Frost und kann auch nicht inaktiv überwin­tern. Daher zieht er sich im Herbst in südlichere Breiten zurück. Im für Europa relevanten Bereich, in die Regionen im äußersten Süden Europas und nach Nordafrika nördlich und südlich der Sahara. Da nördlich der Sahara schon im Frühjahr die Nahrungs­pflanzen der Falter wie der Raupen vertrocknen, wandert er von hier aus ab Februar oder März nordwärts, erreicht erst das Mittel­meergebiet und, meist ab etwa Ende April, auch Mitteleuropa. Falter die zu uns einfliegen, sind oftmals to­tal abgeflogen, das sind dann Tiere, die direkt aus Nordafrika oder auch den Kanarischen Inseln eingewandert sind. Besser erhaltene, zu­weilen scheinbar fast frische Tiere kommen aus Südfrankreich, Norditalien und Nordwestkroatien. Andere Falter fliegen weiter nordwärts bis Skandinavien und Island. Die Einwanderung ist jahrweise sehr unterschiedlich stark. In manchen Jahren bleibt sie fast vollständig aus, bzw. erreicht nur noch Südeuropa, in anderen fliegt der Falter in ungeheuren Massen bis weit in den Norden. Die Einwanderung ist Ende Juni größtenteils abgeschlossen. Der Distelfalter bildet dann hier eine ab etwa Ende Juni bis Mitte August schlüpfende Generation aus, die sich bereits wieder zum größten Teil aus Norddeutschland und Skandinavien zurückzieht. Soweit bekannt erreicht die Südwanderung zu diesem Zeitraum nur das südliche Mitteleuropa, evtl. auch noch die Gebirge des nördlichen Südeuropas. In warmen Jahren wandern auch aus den wärmeren Lagen des südlichen Mitteleuropas im Juli viele Falter in etwas höher gelegene und/oder feuchtere Regionen ab. Ab Ende August schlüpft die 2. Nachfolgegeneration der Einwanderer, die dann fast vollständig nach Südeuropa abwandert. Schon Anfang Oktober sind meist nur noch wenige Einzelfalter zu sehen. Ganz vereinzelt können Ende Oktober noch einmal einzelne frische Exemplare beobachtet werden. Möglich, dass dies Nachkommen skandinavischer Tiere sind, welche im August nur bis Mitteleuropa zurückgeflogen waren. In Jahren mit besonders warmem Herbst können aber auch einmal noch Falter der 2. Nachkommensgeneration der Einwanderer in Mitteleuropa noch einmal Eier ablegen. Dann sieht man deren Nachkommen zuweilen noch im November oder gar Dezember.

Wahrscheinlich dient die ständige Abwanderung auch dem Schutz vor Parasitoiden. Denn nach starken Einwanderungen im Frühjahr sind deren Raupennachkommen oftmals sehr stark parasitiert, die Nachfolgegeneration der Einwanderer ist dann lange nicht so häufig und die 2. Nachkommensgeneration tritt teilweise nur noch vereinzelt auf.

Über die genauen Details seines Wanderverhaltens ist insgesamt noch sehr wenig bekannt. Durch genaue Beobachtung seines Verhaltens, kann hier gerade auch der Laie noch viel zu seiner Erforschung beitragen!


Habitat

1, Larvalhabitat: Deutschland, Brandenburg, Jahnberge, Halbtrockenrasen am Eichenmischwald, 28 m, 11. Juni 2013 (Foto: Pia Wesenberg) [Forum]

Der Distelfalter ist ein Bewohner offener Landstriche. Im Frühjahr legen die Einwanderer ihre Eier vorzugsweise im warmen, offenen Gelände ab. Im Sommer werden hingegen, speziell in heißen Jahren, etwas kühlere, feuchtere und schattigere Stellen bevorzugt, die heißen, offenen jedoch keineswegs vollständig gemieden. Dies können Waldränder oder sehr breite Waldwege sein, wie auch Feuchtwiesen und Hochstaudenfluren.


Lebensweise

Die Raupen finden sich in Mitteleuropa fast ausschließlich von Mai bis August, selten bis Oktober. Die Raupe ist nicht wählerisch. Neben Disteln (hauptsächlich Carduus- und Cirsium-spp.) frisst sie auch an Brennnesseln (Urtica-spp.), Flockenblume (Centaurea-spp.), Malven (Malva-spp.), Beifuß (Artemisia-spp.) und einer Fülle anderer Pflanzen. Wenn sich die Raupen bei Massenvermehrungen gegenseitig die Nahrungspflanzen wegfressen, können sie zuweilen in Gärten und auf Feldern schädlich werden. Sie fressen dann notfalls auch an völlig untypischen Nahrungspflanzen, wie z. B. Möhren (Daucus carota), Klee (Trifolium-spp.) oder gar Bohnen (Phaseolus vulgaris).

(Autor: Jürgen Hensle)


Nahrungspflanzen

1-3, Carlina acaulis, det. Clas Lehmann: Deutschland, Bayern, München, 29. Mai 2009 (Freilandfotos: Annette von Scholley-Pfab) [Forum]


Prädatoren

1, Krabbenspinne, Thomisus onustus, det. Aloysius Staudt: Griechenland, Chalkidiki, Metamorfosis, Meereshöhe, 5. Juni 2009 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
2, Thomisus onustus, det. Aloysius Staudt: Italien, Comersee-Belmonte, ca. 320 m, 7. Juni 2009 (Freilandfoto: Peter Ginzinger) [Forum]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

Carduus Distel, Futter der Raupe.“
SPULER 1 (1908: 20L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Verbreitung

Der Distelfalter ist fast weltweit verbreitet. Er fehlt lediglich in Südamerika und der Antarktis. In Europa ist er aus jedem Land nachgewiesen, wurde selbst schon auf Spitzbergen gefunden. In den Alpen steigt er auf Wanderungen bis in die höch­sten Lagen. In den von Sommerfrost gefährdeten alpinen Hochlagen legt er jedoch normalerweise keine Eier mehr ab.

Autor: Jürgen Hensle


Typenmaterial

HONEY & SCOBLE (2001: 308): “LSL [The Linnean Society of London, Anm. Red. Lepiforum]: 1 ♂? labelled “107. Cardui” [by Linnaeus], “Cardui 774.” [by Smith], here designated as LECTOTYPE.”


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07245 Vanessa cardui (LINNAEUS, 1758) - Distelfalter art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am August 24, 2016 22:42 von Michel Kettner
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