Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Synclera Bleusei

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Crambidae (Zünsler)
EU 06695a Synclera bleusei OBERTHÜR, 1887

1-2: Spanien, Teneriffa, Chamorga, 460 m, 17. November 2015, Lichtfang (Fotos: Tristan Lafranchis), det. Philippe Geniez [Forum]
3, ♂: Spanien, La Gomera, La Puntilla, Valle Gran Rey, 8. Dezember 2015 (fot. & det.: Ursula Gönner), conf. Daniel Bartsch [Forum]



Diagnose

Erstbeschreibung

OBERTHÜR (1887: LXXXIII-LXXXIV) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Nahrung der Raupe

SPEIDEL et al. (1991: 124) schreiben: "Die Raupe lebt nach Chretien (1917: 448) an Daemia cordata (Asclepiadaceae), hauptsächlich an Knospen und Blüten." Beschrieben wird die Raupe dort (CHRÉTIEN 1917: 448-449) nach einer erfolgreichen ex ovo-Zucht. Aus der Formulierung "chenille en avril et en hiver; éducation ab ovo faite en avril-mai" geht aber eindeutig hervor, dass dem Ganzen auch Freilandbeobachtungen zu Grunde lagen.

Pergularia tomentosa ist in Nordafrika quer über die Sahara hinweg ostwärts über den Nahen Osten bis hin nach Afghanistan und Pakistan verbreitet. Die ganze Gattung fehlt aber den Kanarischen Inseln, so dass die Raupe dort an einer anderen Gattung der Apocynaceae oder dem Vertreter einer anderen Pflanzenfamilie leben muss.

OBERTHÜR beschrieb – in verschiedenen Publikationsorganen – kurz hintereinander zwei verschiedene Zünsler mit dem Artepitheton „bleusei“, beide mit Typenfundort „Biskra“ (Algerien), beide gesammelt im Mai 1885 von Léon BLEUSE: Synclera bleusei OBERTHÜR, 1887, und Cledeobia bleusei OBERTHÜR, 1888. Erstere gehört zu den Spilomelinae (Crambidae) und heißt heute je nach Autor immer noch Synclera bleusei oder Bocchoris bleusei, Letztere gehört zu den Pyralinae (Pyralidae) und heißt heute Hypotia bleusei. LERAUT (2012, 2014) bildet sie beide ab - entsprechend ihrer ganz unterschiedlichen Verwandtschaft in verschiedenen Bänden (2012: p. 385, pl. 80, fig. 5; 2014: p.151, pl. 11, fig. 4).

CHRETIEN (1917) klärte die Biologien beider Arten und beschrieb deren Eier und Raupen – und zwar ebenfalls in Biskra. S 447-448 ging es zunächst um die Pyralinae Cledeobia bleusei, die CHRETIEN (1917: 447) neu mit Constantia kombinierte: Hier fand er die Raupen im Winter (von Dezember bis März). S. 448 oben heißt es dazu: „Elle vit sous les touffes de Suaeda pruinosa, dans un tuyau de soie enfoncé verticalement ou allongé sous la croûte et reliées aux rameaux de la surface décèlent la présence de la chenille.“ Direkt danach (S. 448-449) folgt die Beschreibung von „Nymphula (Synclera) bleusei“, deren Raupe Chrétien im April und Winter fand. Zu dieser – also dem hier besprochenen Vertreter der Spilomelinae – ist S. 449 oben zu lesen: „Elle vit parmi des soies, dans les grappes ombelliformes de Daemia cordata R. Br., aux dépens des boutons et fleurs; à leur défaut, elle mange aussi les feuilles.

Dass die Namensgleichheit zu Verwirrungen führen muss, war vorprogrammiert. So schrieben schon SPEIDEL & HASSLER (1989) bei ihrer Besprechung von “Constantia“ bleusei OBERTHÜR, 1888 (jetzt Hypotia bleusei): „Über die aktuelle Zuordnung des Taxons ist uns nichts bekannt; die Art könnte auch in eine andere Gattung gehören. HERBULOT & VIETTE (1951) dachten, bei der Meldung handle es sich um Synclera bleusei OBERTHÜR aus der (weit entfernten) Unterfamilie Spilomelinae, die zwar nichts mit der echten Constantia bleusei zu tun hat, aber ebenfalls semiaride bis aride Lokalitäten in Zentralalgerien bewohnt.“ Und so kam Synclera bleusei auch zu ihrer falschen Raupennahrung Suaeda vermiculata (= Suaeda fruticosa, Suaeda pruinosa), ein Fehler, der sich trotz des Versuchs der Klärung durch SPEIDEL & HASSLER (1989) bis in die jüngste Literatur fortsetzt (z.B. CATANIA 2018).

Wenn SLAMKA (2013) allerdings meint, dass die Raupe von Synclera bleusei (bei ihm mit der falschen Jahreszahl 1888 kombiniert!) unbeschrieben sei, dann irrt er ebenfalls.



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

M. OBERTHÜR (in SIMON, E. [Prés.] (1887)) benannte die Art nach ihrem Finder: "Charmante espèce découverte à Biskra, en mai 1885, par M. Léon Bleuse, à qui je me fais un plaisir de la dédier."


Andere Kombinationen


Taxonomie

Die Art wurde als "Synclera bleusei" beschrieben. SPEIDEL et al. (1991: 123) nehmen eine Neukombination mit Bocchoris vor, ohne diese allerdings zu begründen. In der Datenbank von http://globiz.pyraloidea.org wird dem gefolgt. LERAUT (2012) und SLAMKA (2013) verwendet hingegen weiterhin die Kombination mit Synclera. Dem schließen wir uns - ohne damit eine Wertung vornehmen zu wollen - an.


Faunistik

Was macht man, wenn man auf den Kanaren am 28. / 29. Dezember 2010 einen auffällig schönen Falter am Licht erhält und dieser mit keiner aus Europa bekannten Art zusammenpassen will? Man staunt! Und man recherchiert weiter. Und manchmal zieht das eine Überraschung nach sich:
Synclera bleusei wurde aus Algerien (Biskra) beschrieben - und Meldungen aus Europa (i.w.S.) wurden anscheinend nie beachtet. So überschrieb T. Muus am 12. Mai 2011 seinen Artikel zu dem eben erwähnten Nachweihnachtsfund auf der Kanareninsel Fuerteventura auf microvlinders.nl [microvlinders.nl/nieuws] mit: "Synclera bleusei Oberthür, een vergeten soort binnen de Europese fauna (Crambidae)". Weiter heißt es darin: "De soort komt niet voor in de publicatie van Karsholt & Razowski (1996) en bewerking hiervan, FaunaEuropaea (Karsholt & Van Nieukerken, 2011). Het is voor de hand liggend dat een soort beschreven uit Algerije ook in Europa voor moet komen: en inderdaad, Rebel (1906) vermeldt de soort ook van Tenerife, op de Canarische Eilanden van Spanje. De soort is verder bekend uit Marokko en Jordanië. De soort komt nog steeds op de Canarische Eilanden voor, maar binnen de vakantiegangers naar deze eilanden binnen de Snellen kring ging er geen lichtje branden. Willy de Prins herkende de soort wel en schijnt hem er vaker gezien te hebben. Daar de soort niet bekend is van Fuerteventura, is deze nieuw voor dit eiland. Hoogstwaarschijnlijk kent de soort een breder verspreidingsgebied langs de meditterane regio en is het nuttig om op de soort te letten."

Tatsächlich steht bei REBEL (1906): "151. Nymphula Bleusei Obthr. — Etud., XII, p. 37, PI. 6, Fig. 42. Ein frisches ♀ von Tenerife lag mir von Mr. W. White zur Bestimmung vor. Die Art ist außer von Algier auch aus Palästina (Jerusalem in coll. Caradja det. Rbl.) bekannt geworden."

Die Art ist also zumindest auf den Kanaren-Inseln Teneriffa, Fuerteventura und (siehe Bild oben) La Gomera zu Hause.

SLAMKA vermutet, dass die Art noch auf Malta, Sizilien oder Sardinien gefunden werden könnte. Eine Begründung dafür liefert er nicht. Malta (und Sizilien) sind einfach Inseln, zu denen bei entsprechenden Südwinden immer wieder Tiere aus Nordafrika ankommen.

Und tatsächlich kann CATANIA (2018) die Art erstmals für Malta melden: "1 ♂, Zėbbug, 12-V-2017, at light, leg. A. Catania. Both genus and species are new to the lepidopterofauna of the Maltese Islands." Und stellt seinen Fund gleich in Verbindung zu stärkeren südlichen Luftströmungen, die auch weitere Falter aus Nordafrika nach Malta brachten: "From the 10th till the 12th of May, south-westerly winds of around 30 km/hr persisted over the Maltese Islands. This is typical weather for the months of April and May and generally brings to our shores various species of Heterocera, amongst which one can list Autographa gamma (Linnaeus, 1758), Trichoplusia ni (Hübner, [1803]), Chrysodeixis chalcites (Esper, [1803]), Helicoverpa armigera (Hübner, [1808]), Heliothis nubigera (Herrich-Schäffer, 1851), Heliothis peltigera (Hübner, [1808]), Hyles livornica (Esper, 1780). It is here also good to note that two rare species have been recorded during these dates and though not new records for the Maltese islands are valid as they are very rare migratory species. These include Thysanoplusia daubei (Boisduval, 1840) and Isturgia disputaria (Guenée, 1858), the latter species being the second record for Malta (CATANIA, 2008)."

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


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Letzte Änderung am August 2, 2018 9:45 von Erwin Rennwald
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