Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Speyeria Aglaja

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07204 Speyeria aglaja (LINNAEUS, 1758) - Großer Perlmuttfalter

1, ♂: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Garchinger Heide, Juli 1985 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
2, ♂: Deutschland, Thüringen, Moschwitzgrund Nähe Seibis, 16. Juni 2007 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
3, ♂: Deutschland, Thüringen, Leutratal, leicht verbuschte Waldlichtung mit Trocken- bzw. Halbtrockenrasen, 25. Mai 2007 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
4, ♀: Deutschland, Brandenburg, Freienhufen, 22. Juli 2001 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
5: Österreich, Schwarzau/Stf., Halbtrockenrasen in Schwarzföhrenforst, 330 m, 2. Juli 2002 (Foto: Peter Buchner), det. Peter Buchner
6, ♀: Deutschland, Thüringen, Nähe Ilmnitz bei Jena, Waldlichtung, 28. Juli 2006 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
7, ♀: Deutschland, Thüringen, NSG Leutratal, Trockenrasen, Südhanglage, 21. Juli 2006 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp [Forum]
8: Deutschland, Thüringen, Jena, Cospoth, 390 m, 5. Juli 2010 (det. & Freilandfoto: Martin Ebendorff) [Forum]
9, ♀: Deutschland, Sachsen, Zinnwald-Georgenfeld, 850 m, 27. Juli 2011 (det. & fot.: Eva-Maria Bäßler) [Forum]
10, ♀: Schweden, Höhe Mora, an einem Staudensaum entlang eines Baches, 1. August 2010 (Freilandfoto: Frank Hecker), det. Jürgen Hensle [Forum]
11-13, ♂: Russland, Oblast Nischni Nowgorod, Gartenkomplex Jagodnoje, 50 km südlich von Nischni Nowgorod, 23. Juni 2013 (det. & fot.: Sergey Shmelev) [Forum]


Aberrationen

1-2, aberratives ♂: Österreich, Steiermark, Hohentauern, 1066 m, Waldrand, 21. Juli 2007 (Fotos: Heinz Kolland), det. Uwe Geulen, Jens Philipp & Thomas Kissling
3: Deutschland, Bayern, Bayrischer Wald, ca. 1000 m, in Hochmoor, 2. Juli 2011 (fot.: Bernd Kannenberg), det. Helmut Kolbeck [Forum]
4, Hitzeform: Deutschland, Franken, Nähe Karlstadt, Kalk-Magerrasen, ca. 240 m , Tagfund, 31. Juli 2015 (det. & Freilandfoto: Dietmar Borbe), conf. Hermann Falkenhahn [Forum]
5, ♀ mit Färbungsanomalie: Schweiz, Kanton Bern, Kehrsatz, Waldrand, 700 m, Tagfund, 9. August 2012 (det. & Freilandaufnahme: Konrad Ingold), conf. Daniel Bartsch [Forum]


Kopula

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, ca. 450 m, 30. Juni 2009 (Foto: Michael Zepf), det. Michael Zepf [Forum]
2-3: Italien, Südtirol, Pfossental, Wegböschung Nähe Rableidalm, ca. 2000 m, 3. August 2012 (det. & fot.: Jens Philipp) [Forum]


Ausgewachsene Raupe

1: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Westerwald, Westernohe, 2. Juni 2006 (Foto: Rainer Roth), det. Rainer Roth
2: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Westerwald, Westernohe, 29. Mai 2005 (Foto: Rainer Roth), det. Rainer Roth
3: Deutschland, Bayern, Penzberg, ex ovo, leg. ♀ 1. August 2005 (Studiofoto: Mario Peluso, 5. Juni 2005), det. Mario Peluso [Forum]
4-5: Deutschland, Rheinland-Pfalz, unterer Westerwald, Montabaur, ca. 250 m, bodensaurer, sonnenexponierter Magerrasen in Waldnähe, 14. Mai 2009 (Fotos: Rainer Wendt), det. Rainer Wendt [Forum]
6: Deutschland, Thüringen, Jonastal nahe Arnstadt, Trockenrasen, 29. Mai 2010 (det. & Freilandfoto: Jens Philipp), conf. Gabriel Hermann [Forum]
7: Österreich, Niederösterreich, Bodingbach, 720 m, 1. Mai 2011 (det. & fot.: Wolfgang Schweighofer) [Forum]
8: Deutschland, Hessen, Hoher Westerwald, Waldaubach, 590 m, an Polygonum bistorta, 19. Mai 2011 (det. & fot.: Hermann Falkenhahn) [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1, Jungraupe: Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Weil der Stadt, 470 m, Kalkmagerrasenbrache mit Viola hirta, 16. Mai 2009 (Freilandfoto: Gabriel Hermann), det. Gabriel Hermann [Forum]
2, zwei sich sonnende Jungraupen auf Viola hirta: Funddaten wie [1] (Freilandfoto: Gabriel Hermann), det. Gabriel Hermann [Forum]
3, L3 neben Viola hirta: Funddaten wie [1] (Freilandfoto: Gabriel Hermann), det. Gabriel Hermann [Forum]
4-5: Niederlande, Gelderland, Schaarsbergen, Nationaal Park De Hoge Veluwe, 50 m, 17. April 2014 (leicht manipuliertes Freilandfoto: Bram Omon) [Forum]


Fraßspuren und Befallsbild

1, Fraßbild der Raupe an Viola hirta: Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Weil der Stadt, 470 m, Kalkmagerrasenbrache mit Viola hirta, 16. Mai 2009 (Freilandfoto: Gabriel Hermann) [Forum]


Puppe

1: Deutschland, Bayern, Penzberg, ex ovo, leg. ♀ 1. August 2005 (Studiofoto: Mario Peluso, 23. Juni 2005), det. Mario Peluso [Forum]
2-3: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Westerwald, Westernohe, 13. Juni 2006 (Fotos: Rainer Roth), det. Rainer Roth


Ei

1-2: leg. (♀), Deutschland, Bayern, Penzberg, 1. August 2005 (Studiofoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]



Diagnose

Falter

Grundsätzlich sehen sich alle Perlmuttfalterarten mehr oder weniger ähnlich. Ein genauer Blick auf die Zeichnung, speziell der Hinterflügel-Unterseite, grenzt die Zuordnung aber sehr schnell stark ein, so daß nur noch wenige Arten in Betracht kommen. Die großen Perlmuttflecken auf der Hinterflügel-Unterseite lassen in Europa eine Verwechslung von Speyeria aglaja mit einer anderen Art kaum zu. Alleine von der Oberseite her, ist es sehr viel schwieriger, sie von F. adippe und F. niobe zu unterscheiden. Die ♀ ♀ von S. aglaja haben oberseits meist (nicht immer) einen deutlich aufgehellten Vorderflügelapex, was sie von denen von F. adippe unterscheidet. Die dünnen Duftschuppenstreifen auf der Flügeloberseite der ♂ ♂ hingegen, sind schmaler als die von F. adippe. Die Unterscheidung von F. niobe, ist alleine von der Oberseite her kaum sicher möglich.


Unterscheidungsmerkmale in der Gattung Argynnis s.l. (inkl. Speyeria und Fabriciana)

Oberseite ♂Oberseite ♀UnterseiteUnterscheidungsmerkmale
A. paphiaOberseite
1 - bei ♂ 4 Duftschuppenstreifen auf M3, Cu1, Cu2 und A
2 - relativ große Postdiskalflecken
3 - bei ♀ Diskalflecken getrennt
4 - i.d.R. ohne Schimmer (außer bei f. valesina)


Unterseite
5 - Vorderflügel bräunlich
6 - durchgehender, meist deutlicher Silberstreifen
A. pandoraOberseite
1 - bei ♂ 2 Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - relativ kleine Postdiskalflecken
3 - bei ♀ Diskalflecken meist verbunden
4 - grünlicher Schimmer


Unterseite
5 - Vorderflügel orangerot, kardinalrot
6 - Silberstreifen oft nur schwach ausgeprägt, manchmal unterbrochen
S. aglajaOberseite
1 - bei ♂ meist 2-3 undeutliche Duftschuppenstreifen, manchmal auf Cu2 und A verstärkt
2 - bei ♀ Apex meist aufgehellt
3 - bei ♀ vereinzelt blaugrüne Bestäubung


Unterseite
4 - postdiskale Fleckenreihe fehlt
5 - grüne Bestäubung
F. adippeOberseite
1 - bei ♂ 2 deutliche Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - bei ♀ Apex nicht aufgehellt
3 - ♀ nie mit blaugrüner Bestäubung


Unterseite
4 - weiße, braungerandete Postdiskalflecken
5 - meist kleiner (oft fehlender) weißer Fleck an Basis der Hinterflügel, extrem selten schwarz gekernt
6 - Marginallinie undeutlich
7 - bei ♀ 3 Perlmuttflecken im Apikalbereich
F. niobeOberseite
1 - bei ♂ fehlende oder 2 undeutliche Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - bei ♀ Apex meist aufgehellt
3 - bei ♀ oft blaugrüne Bestäubung


Unterseite
4 - weiße, braungerandete Postdiskalflecken
5 - weißer, oft schwarzgekernter Fleck an Basis der Hinterflügel
6 - deutliche Marginallinie
A. laodiceOberseite
1 - bei ♂ 2 Duftschuppenstreifen auf Cu2 und A
2 - Diskalflecken rund/oval
3 - bei ♀ meist kleiner weißer Fleck in Gabelung von R4 und R5


Unterseite
4 - braunrote bis violette Grundfärbung im Außenbereich der Hinterflügel
5 - grünliche bis gelbliche Grundfarbe im Innenbereich der Hinterflügel

(Farbtafeln und Text: Jens Philipp)


Ähnliche Arten:


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 481) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]

Beschreibung von John Curtis als Argynnis aglaia

CURTIS (1823-1840) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Lebensweise und Verhalten

S. aglaja ist ein Bewohner von feuchten und trockenen Wiesen im Wald und in Waldnähe. Auch auf breiten Waldschneisen, in Küstendünen und auf Almen oberhalb der Waldgrenze kann man sie antreffen. Im Gebirge steigt sie bis etwa 2300 m. An ihren Flugstellen wachsen meistens Disteln, denn der Falter hat eine Vorliebe für den Nektar der Distelblüten. Er fliegt in einer Generation von Mitte Juni bis Ende August. Das ♀ legt seine Eier vorzugsweise am Blattstiel und an bodennahe Sprossen der Nahrungspflanzen ab. Dies sind vor allem Veilchenarten wie das Hundsveilchen (Viola canina), das Rauhhaarige Veilchen (Viola hirta) oder auch das Sumpfveilchen (Viola palustris). Eine weitere, mittlerweile sicher belegte Nahrungspflanze ist der Wiesenknöterich (Polygonum bistorta). Während verwandte Arten Veilchen am Waldrand belegen, legt das ♀ des Großen Perlmuttfalters seine Eier an solche Pflanzen, die in der offenen, nicht von Bäumen beschatteten Wiese wachsen.
Die Raupe schlüpft noch im Sommer, frisst aber zunächst nur die Eihülle um sich anschließend in der Bodenstreu zu verstecken. Erst im nächsten Frühjahr beginnt sie dann mit der Nahrungsaufnahme an den Veilchenblättern.

(Autor: Jürgen Hensle)


Habitat

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Obere Gäue, Umgebung Weil der Stadt, 470 m, Kalkmagerrasenbrache mit Viola hirta, 16. Mai 2009 (Foto: Gabriel Hermann) [Forum]
2: Deutschland, Rheinland-Pfalz, unterer Westerwald, Montabaur, ca. 250 m, bodensaurer, sonnenexponierter Magerrasen in Waldnähe, 14. Mai 2009 (Foto: Rainer Wendt) [Forum]
3: Deutschland, Baden-Württemberg, Colmar-Neuenburger-Rheinebene, lichter Trockenwald bei Neuenburg-Grißheim, 220 m, 24. Juni 2009 (Foto: Jürgen Hensle)


Prädatoren

1, Kreuzspinne (Araneus spec.): Deutschland, Rheinlandpfalz, Nationalpark Hunsrück, Hochwald, Börfink, ca. 600 m , 25. Juli 2018 (det. & fot.: Gerhard Schwab) [Forum]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„eine der drei Grazien.“
SPULER 1 (1908: 30R)


Andere Kombinationen

Synonyme


Taxonomie

DE MOYA et al. (2017) kommen in ihrer sehr umfassenden Studie zum wenig überraschenden Ergebnis, dass die derzeitige Aufteilung in eine amerikanische Gattung Speyeria und eine europäische-asiatische Gattung Argynnis so nicht haltbar ist. Sie kommen zum Schluss, dass man die Arten alle in einer weit gefassten Gattung (die dann Argynnis hieße) zusammenfassen müsste, oder aber die Arten auf drei Gattungen (Argynnis, Fabriciana, Speyeria) zu unterteilen hätte. Die Entscheidung aus europäischer (und wohl auch asiatischer) Sicht wäre die für eine einzige Gattung, die aus nordamerikanischer Sicht für drei Gattungen unter Beibehaltung von Speyeria. Wörtlich: "In our opinion, there are only two ways to interpret the topology for a robust classification: either the entire clade is considered to be the genus Argynnis or the three strongly supported clades can be considered as the genera Argynnis, Fabriciana and Speyeria." Was verspricht die größte nomenklatorische Stabilität? In Amerika spielen viele Speyeria-Arten im amtlichen Naturschutz eine wichtige Rolle – man darf diese Namen nicht einfach verschwinden lassen. Also: "When considering these two alternatives, we need to take into account issues of stability. The current recommendation is for the entire clade to be called Argynnis (Simonsen et al., 2006), yet in North America Speyeria continues to be widely used, especially in matters related to conservation. We thus feel that retaining the name Speyeria is necessary for stability and consistent usage. This would mean that the name Arygnnis would be applied to Argynnis s.s., that is, all traditionally recognized Palearctic subgenera except Mesoacidalia and Fabriciana." Für uns Europäer hat das zur Folge, dass uns Argynnis paphia, Argynnis pandora und Argynnis laodice erhalten bleiben. Die Kombinationen Fabriciana adippe, Fabriciana niobe und Fabriciana elisa kennen wir ja schon aus der nahen Vergangenheit – die lassen sich also leicht wieder reaktivieren. Lediglich Argynnis aglaja, damals Mesoacidalia aglaja, bekommt eine für unsere Ohren ungewöhnliche, wenn auch nicht neue Kombination: Speyeria aglaja! Die Art gehört in den Verwandtschaftskreis der nordamerikanischen Arten.

(Autor: Erwin Rennwald)


Verbreitung

A. aglaja ist in fast ganz Europa und im nicht tropischen Asien bis nach Japan verbreitet. In Europa fehlt sie nur auf Island, gebietsweise in Lappland und Nordrussland, sowie auf den meisten Mittelmeerinseln.


Typenmaterial

HONEY & SCOBLE (2001: 293) akzeptieren die Lectotypus-Festlegung durch HEMMING (1942) und teilen folgende Daten mit: “LSL [The Linnean Society of London, Anm. Red. Lepiforum]: LECTOTYPE ♀, with abdomen party eaten, labelled “Aglaja” [by Linnaeus], “Aglaja 785.” [by Smith].”


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07204 Speyeria aglaja (LINNAEUS, 1758) - Großer Perlmuttfalter art-mitteleuropa Grosser Perlmuttfalter

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Letzte Änderung am August 16, 2018 12:32 von Sabine Flechtmann
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