Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Sobczyk Et Al 2018

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Bestimmungshilfe / Bestimmungsliteratur / SOBCZYK et al. (2018)

SOBCZYK, Thomas, STÖCKEL, Dieter, GRAF, Friedmar, JORNITZ, Hartmut, KARISCH, Timm & Sven WAUER (2018): Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz. Teil 5: Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil. Micropterigidae (Urmotten), Eriocraniidae (Trugmotten), Nepticulidae (Zwergminiermotten), Opostegidae, Heliozelidae ((Erzglanzmotten), Adelidae (Langhornmotten), Prodoxidae (Rosen-Blattsackmotten), Incurvariidae (Miniersackmotten), Tischeriidae (Schopfstirnmotten), Meessiidae und Tineidae (Echte Motten), Roeslerstammiidae, Douglasiidae (Wippflügelfalter), Bucculatricidae (Zwergwickler), Gracillariidae (Blatttütenmotten, Miniermotten und Faltenminierer), Batrachedridae, Momphidae (Fransenmotten), Blastobasidae, Autostichidae, Amphisbatidae, Cosmopterigidae (Prachtfalter), Gelechiidae (Palpenmotten), Alucitidae (Federgeistchen), Pterophoridae (Federmotten), Pyralidae und Crambidae (Zünsler). – Beiträge zur Insektenfauna Sachsens Band 20. – Entomologische Nachrichten und Berichte (Dresden), Beiheft 22, 439 Seiten, 2 Karten. ISSN 0232-5535.

Preis: 60 €, zuzüglich Versandkosten.

Bezug: Geschäftsstelle der Entomofaunistischen Gesellschaft e.V., Postfach 202731, D-01193 Dresden – oder einfach per e-Mail: dieter.stoeckel@t-online.de.

Besprechung von Erwin Rennwald (30. Juli 2018)

Vorab: Wer sich irgendwo in Mitteleuropa in die Kleinschmetterlinge einarbeiten möchte, sollte dieses Buch gut griffbereit im Bücherschrank haben. Ich bin sicher: Es wird häufig und mit Gewinn benutzt werden!

Ein neues Buch über Kleinschmetterlinge in Deutschland – oder: Was geht mich die Oberlausitz an?

Ich wohne und arbeite im Südwesten Deutschlands – ganz nahe an der Grenze zu Frankreich. Da ist mir Südfrankreich in jeder Hinsicht näher als die Oberlausitz – also war ich schon einige Dutzend Mal in Südfrankreich, aber noch nie in der Oberlausitz (obwohl ich eine ganze Reihe netter Botaniker und Entomologen von dort kenne). Und das wird sich auch beim nächsten Urlaub nicht ändern.

Als Faunist will ich aber trotzdem ein bisschen Überblick über die Fauna Deutschlands behalten – also habe ich seit Langem auch die „Mitteilungen sächsischer Entomologen“ abonniert und die „Tagfalter von Sachsen“ (Band 6 der „Beiträge zur Insektenfauna Sachsens“) in den Bücherschrank gestellt – immerhin komme ich ja auch ab und zu in den Westen Sachsens. Als dann 2010 mit Band 12 Teil 1 von „Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz“ erschien, dachte ich, dass ich das auch kennen sollte, denn immerhin betraf der Band diverse Spinnerfamilien und ich hatte die letzte Rote Liste der Spinnerartigen Nachtfalter Deutschlands mit einem der dortigen Mitautoren verantwortet. Also habe ich mir jenes Buch von SBIESCHNE et al. (2010) gekauft.

Was mich dort gleich beeindruckt hat, war der kritische Umgang mit den alten faunistischen Daten – und die Tatsache, dass es die überhaupt in so großem Umfang gab. Die Texte ansonsten kurz und knapp – aber bei Arten mit wenigen Nachweisen wurden diese konkret aufgelistet und bewertet. Also war klar, dass ich mir in den Folgejahren auch die weiteren 3 Teile von „Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz“ zulegte – jetzt waren alle Großschmetterlinge beisammen. Bilder von Großschmetterlingen ? Das war in einem faunistischen Verzeichnis überflüssig.

Im Sommer 2018 erschien mit Band 20 der „Beiträge zur Insektenfauna Sachsens“ der angekündigte Teil 5 von „Die Schmetterlingsfauna (Lepidoptera) der Oberlausitz“. Titel: „Kleinschmetterlinge (Microlepidoptera) 1. Teil“. Was geht mich das an?

Wie ich rasch feststellte, ziemlich viel! Was mich verblüfft hat, war die Karte mit den historischen Fundorten von Kleinschmetterlingen in den Faunen von MÖSCHLER (1861), SOMMER (1898) und SCHÜTZE (1899-1902): zusammen weit über hundert Fundpunkte, die das gesamte Gebiet der Oberlausitz abdecken. Jeder dieser 3 Herren konnte auf Daten zahlreicher Kollegen zurückgreifen – und auf eigene langjährige Erfahrung! Welche Region kann sonst schon auf drei umfassende alte Verzeichnisse von Kleinschmetterlingen zurückblicken? Und: Wer sich intensiver mit Kleinschmetterlingen beschäftigt, muss sich auch mit ihren Raupennahrungspflanzen auseinander setzen. Das hat schon MÖSCHLER (1861) getan und SCHÜTZE dann perfektioniert. Ja, es ist dieser Karl-Traugott Schütze, dessen späteres Werk (1931) über „Die Biologie der Kleinschmetterlinge unter besonderer Berücksichtigung ihrer Nährpflanzen und Erscheinungszeiten“ uns im Lepiforum-Team so begeistert hat, dass wir eine modernisierte online-Neuausgabe in Angriff nahmen. Ganz Vieles, was wir über die Biologie der Kleinschmetterlinge wissen, wurde in der Oberlausitz erstmals erforscht ...

Zum Inhalt: Nach einem ausführlichen Vorwort von Prof. Bernhard Klausnitzer und einer knappen Einleitung der Autoren folgt auf 9 Seiten ein Kapitel „Zur Geschichte der Erforschung der Kleinschmetterlinge der Oberlausitz von vor 1800 bis heute – ja auch mit einem Ausblick! Die 4 in der Vergangenheit wichtigsten Herren – Heinrich Benno Möschler, Karl Traugott Schütze, Hermann Starke und Hans Leutsch – werden auf dem rückwärtigen Buchdeckel als Porträts vereinigt. Im Kapitel „Bemerkungen und methodische Hinweise“ wird zunächst die „Naturräumliche Gliederung der Oberlausitz“ besprochen, dann noch so manches zu Fundorten, taxonomischen Grundlagen etc. Auf Überflüssiges wird verzichtet, und so folgt das Kernkapitel „Systematisch-faunistischer Teil“ schon ab Seite 35. Er beginnt mit einer tabellarischen Gesamtübersicht mit Spalten für Tiefland, Hügelland und Bergland – also so eine Art „Gaedike-Katalog“ im Kleinen – aber auch Spalten für die relative Anzahl an Fundorten der Arten und die Quellen historischer Daten (Belege vorliegend und oder Literaturnennung). Auch einige immer wieder genannte, aber nicht belegte bzw. nachweislich falsche Meldungen werden – grau hinterlegt – mit in dieses Verzeichnis aufgenommen, so dass ihre Streichung auch offensichtlich ist.

Der Band könnte also – abgesehen vom Literaturverzeichnis – Seite 52 enden. Aber jetzt geht es erst richtig los: Das Kapitel „Einzeldarstellung der Arten“ reicht bis Seite 411! Bei 761 besprochenen Arten mach das im Schnitt fast eine halbe Seite pro Art. Was wird geboten? Wie bei den ersten 4 Teilen über die Großschmetterlinge werde die Daten gegliedert in „Historisch (1861 - 1949)“ und „Aktuell (1950-2017)“. Bei häufigeren Arten werden oft die Altvorderen zitiert, bei selten gefundenen Arten werden alle Daten aufgelistet. „Bemerkungen“ geben Hinweise auf die Raupennahrung, Neuzuwanderungen, Abgänge, Häufigkeitsänderungen, Verwechslungsmöglichkeiten und vieles mehr. Was gleich auffällt, wenn man hier blättert: Es gibt Fotos von Faltern, viele Fotos! Man blättert also, bleibt an einem Bild hängen, liest die Bildlegende mit Datum und Fundort und springt fast automatisch in den Text zur Art. Und erst im Laufe der Zeit merkt man: Die Bilder stammen ja beinahe alle aus der Oberlausitz, nur wenige aus direkten Nachbargebieten. Und, noch verblüffender: Es sind beinahe alle Arten bebildert – entweder mit Lebendfotos (mindestens die Hälfte der Arten) oder mit Fotos von Diagnosefaltern, oft den einzigen Belegen der Art im Museum, bei den Nepticuliden oft mit den hilfreicheren Minenbildern. Die Bilder stammen fast alle von Friedmar Graf und Thomas Sobczyk – der Lepiforums-Nutzer weiß also, welche Bildqualität ihn hier erwartet; und tatsächlich: Die Bilder wurden beim Druck nicht viel zu stark verkleinert, verdunkelt, farbverfälscht oder sonstwie verhunzt. Nein, die Bilder sind ausreichend groß und von sehr guter Druckqualität. Es macht Spaß, sie anzuschauen!

Teil 1 umfasst 761 besprochene Arten. Bei insgesamt gut 1500 Kleinschmetterlingsarten in der Oberlausitz wird Band 2 mit den Flachleibmotten, Sackträgermotten, Wicklern etc. also ähnlich dick ausfallen. Aber dann gibt es ein komplett bebildertes Werk über die Kleinschmetterlinge der Oberlausitz! Aber was nutzt mir das am Oberrhein? Nun, diese 1500 Arten umfassen auch mehr als 95 % der Kleinschmetterlings-Arten von Sachsen und über zwei Drittel der in Deutschland vorkommenden Arten – ein vollständiger bebildertes Buch über die Kleinschmetterlinge Deutschlands kenne ich nicht – und schon gar nicht mit dieser Bildqualität! Daher mein „Vorab“: Wer sich irgendwo in Mitteleuropa in die Kleinschmetterlinge einarbeiten möchte, sollte dieses Buch gut griffbereit im Bücherschrank haben. Ich bin sicher: Es wird häufig und mit Gewinn benutzt werden!

Die 60 € für den Band – oder dann 120 € für beide Bände – sind natürlich nicht ganz wenig, aber wenn ich mir überlege, was die „Microlepidoptera of Europe“ oder die „Microlepidoptera Palaearctica“ in der Summe gekostet haben, wenn dort jemals der letzte Band fertig wird, dann ist das ein absolutes Schnäppchen. In der Danksagung ist zu erfahren, dass der Druck des Buches durch eine „großzügige finanzielle Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie e.V.“ ermöglicht wurde. Ich wünsche mir sehr, dass die Auflage dieses Werks sehr schnell verkauft und so der Druck des zweiten Kleinschmetterlings-Bandes in ausreichend großer Auflage ermöglicht wird. Schon das wäre Grund genug, dieses Buch zu kaufen.

Wer noch Bedenken hat, der bekommt auf researchgate einige Seiten zusammengestellt, so dass er sich selbst ein Bild machen kann: https://www.researchgate.net/publication/326083212_Die_Schmetterlingsfauna_Lepidoptera_der_OberlausitzTeil_5_Kleinschmetterlinge_Microlepidoptera_1_Teil - aber Vorsicht: Man wird mehr wollen ... B. Klausnitzers Wunsch aus dem Vorwort ("Möge dieses Buch in Fachkreisen ebenso gut aufgenommen werden wie die anderen Bände") geht so hoffentlich nicht wörtlich in Erfüllung. Ich wünsche diesem Band eine weit bessere Aufnahme in Fachkreisen als die bisherigen Großschmetterlingsbände und zudem eine weite Verbreitung in Noch-nicht-Fachkreisen - schließlich ist auch dieses Werk nicht von "bezahlten Fachidioten", sondern von Leuten verfasst worden, die sich rein hobbymäßig in die Kleinschmetterlinge eingearbeitet haben - wie übrigens auch schon die Vorläufer-Werke von Möschler und Schütze ...

Und, ach ja: Die Erforschung der Kleinschmetterlinge der Oberlausitz geht weiter! Seite 96 wird eine „Stigmella spec. nov.“ abgebildet, 1938 e.l. aus Populus alba gezüchtet. Die Art soll demnächst durch Eric van Nieukerken als neu für die Wissenschaft beschrieben werden …


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Letzte Änderung am Juli 30, 2018 10:19 von Erwin Rennwald
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