Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Scrobipalpa Nitentella

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Gelechiidae (Palpenmotten)
EU M-EU 03616 Scrobipalpa nitentella (FUCHS, 1902)

1-2, ♂: Österreich, Burgenland, Oggauer Heide; Salzwiesen, ausgedehnte Schilfflächen, Weiden- und Pappelsäume; am Licht am 24. Juli 2006 (Fotos: Peter Buchner), det. durch GU Peter Buchner
3-4: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, Raupenfund an Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali) am 5. September 2010, Falterschlupf zwischen 20. April 2011 und 5. Mai 2011 (leg., cult., gen. det. & Fotos: Uwe Büchner)
5, weiterer Falter aus der Zuchtserie: Daten wie Bild 3-4 (Foto: Uwe Büchner)
6, weiterer Falter aus der Zuchtserie: Daten wie Bild 3-4 (Foto: Uwe Büchner) [Forum 3-6]


Erwachsene Raupe

1, reichlich 10 mm lang: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, an Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali), 5. September 2010 (leg., cult., det. & Foto am 15. September 2010: Uwe Büchner) [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1-3, Jungraupe, etwa 5 mm lang: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, an Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali), 5. September 2010 (leg., cult., det. & Fotos am 10. September 2010: Uwe Büchner) [Forum]
4-6, mittleres Raupenstadium: Daten wie Bild 1-3 (Fotos: Uwe Büchner)


Fraßspuren und Befallsbild

1, Queller (Salicornia europaea) mit abgeknickter und angefressener Sprossspitze: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach (Studiofoto am 6. September 2010: Uwe Büchner)
2, Queller (Salicornia europaea) mit Spuren von Schabefraß und Raupenkot: Daten wie Bild 1 (Foto: Uwe Büchner)
3, Queller (Salicornia europaea) mit deutlichen Fraßspuren: Daten wie Bild 1 (Foto: Uwe Büchner)
4, zusammengesponnene Pflanzenteile von Queller und Kalisalzkraut (Salsola kali): Daten wie Bild 1 (Foto: Uwe Büchner) [Forum 1-4]


Puppe

1-2: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, Raupenfund an Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali) am 5. September 2010 (leg., cult., det. & Fotos am 9. Oktober 2010: Uwe Büchner)



Diagnose

1, ♂: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, Raupenfund an Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali) am 5. September 2010, e.l. 5. Mai 2011 (leg., cult., gen. det. & Foto: Uwe Büchner) [Forum]


Genitalien

1, Präparat des unter Lebendbild 1-2 gezeigten ♂: Österreich, Burgenland, Oggauer Heide; Salzwiesen, ausgedehnte Schilfflächen, Weiden- und Pappelsäume; am Licht am 24. Juli 2006 (det. & Mikro-Foto: Peter Buchner)
2-3, Präparat des oben abgebildeten männlichen Belegfalters: Funddaten siehe Diagnosebild 1 (det. & Mikro-Fotos: Uwe Büchner) [Forum]

Die Arten der Gattung Scrobipalpa sind nicht nur habituell, sondern auch bezüglich ihrer Genitalien sehr ähnlich und nicht einfach zu unterscheiden. Daher soll hier auf die wesentlichen Genitalunterschiede gegenüber der häufigen und im gleichen Lebensraum zu erwartenden, habituell praktisch identen Scrobipalpa artemisiella genauer hingewiesen werden.

Zur Orientierung: Die paarigen, länglichen Fortsätze am Valven-Vinculum-Komplex sind (von außen nach innen): Valve, Sacculus, Vinculum-Fortsatz.

Scrobipalpa nitentella: Sacculus gegen die Spitze verschmälert, deutlich länger als der Vinculum-Fortsatz. Bei aufgerollten Genitalien (=Standard-Präparation) bilden der zentrale Einschnitt des Vinculums und die Vinculum-Fortsätze etwa eine Mittelform zwischen einem U und einer oben offenen Raute.
Scrobipalpa artemisiella: Sacculus gegen die Spitze nicht oder kaum verschmälert, wie abgeschnitten, endet etwa auf der gleichen Höhe wie der Vinculum-Fortsatz. Bei aufgerollten Genitalien (=Standard-Präparation) bilden der zentrale Einschnitt des Vinculums und die Vinculum-Fortsätze etwa ein V oder eine Mittelform zwischen einem U und einem V.


Erstbeschreibung

FUCHS (1902: 32-326) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

Salzsümpfe und xerotherme halophytische Vegetation. Sehr lokale und seltene Art. (Nach ELSNER et al.: Die Palpenmotten Mitteleuropas, 1999)

Am 5. September 2010 war ich an einem Entwässerungsgraben einer Lagerstätte mit Salzrückständen. Das salzhaltige Bächlein hat eine Breite von etwa 30 – 40 cm. Am Rand hat sich stellenweise ein nur 10 – 20 cm breiter Streifen mit Salzvegetation gebildet. In diesem Bereich wächst Queller und Kalisalzkraut. Es sind die rötlich aussehenden Pflanzen im Bild unten. Es folgt eine steile Böschung, die dann keine Salzpflanzen mehr aufweist. (Bericht: Uwe Büchner)

1: Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach mit Queller (Salicornia europaea) und Kalisalzkraut (Salsola kali), 5. September 2010 (Foto: Uwe Büchner)


Nahrung der Raupe

1, Queller (Salicornia europaea, die dickere Pflanze mit Seitensprossen) und Kalisalzkraut (Salsola kali, die Pflanze mit dünnerem Stängel und Blütenknospen): Deutschland, Thüringen, Kalihalde/Salzgraben nördlich Hämbach, 5. September 2010 (Foto: Uwe Büchner)

Die Raupe lebt an Gänsefuß-Gewächsen (Chenopodiaceae) und Fuchsschwanz-Gewächsen (Amaranthaceae). WEGNER (2013) meldet einen Raupenfund an Strand-Salzmelde auf Sylt.


Lebensweise

Vom oben gezeigten Fundort nahm ich Pflanzen beider Arten (Salicornia europaea und Salsola kali) mit nach Hause. An den Quellerpflanzen konnte ich deutlich Spuren von Schabefraß und Raupenkot finden. Die Zucht war aufgrund der Ansprüche der Raupennahrungspflanzen ziemlich schwierig. Es ging einigermaßen, wenn der Queller in einer geräumigen Plastschachtel auf eine angefeuchtete Küchenkreppunterlage gelegt wurde. Es mussten dann allerdings in der ersten Zeit etwa alle drei bis vier Tage neue Pflanzen besorgt werden. Als die Raupen größer waren, haben sie Kalisalzkraut gefressen. Das Kraut hat sich länger in der Vase gehalten.

Die kleine, etwa 5 mm lange Raupe fertigt sich zwischen Pflanzenteilen einen Gespinstschlauch an. In der ersten Zeit wird die Pflanze nur durch Schabefraß angefressen. Die ausgewachsene Raupe hat eine Länge von etwas über 1 cm. Offenbar nutzt sie ihre Tarnfärbung, indem sie sich mit dem rötlichen Hinterleib an den jetzt ebenfalls rötlich werdenden Blütenknospen des Kalisalzkrautes festhält, während der grüne Rest auf den Blättern kaum zu sehen ist. Die Blätter werden ausgefressen.

Zum Verpuppen fertigte sich die Raupe (in der Zucht) zwischen ausgefressen und vertrockneten Pflanzenresten einen kleinen Kokon an. Dieser wird von der Puppe fast vollständig ausgefüllt.

Nach der Überwinterung der Puppen schlüpften über einen recht langen Zeitraum vom 20. April bis 5. Mai 2011 insgesamt 11 Falter.
(Zuchtbericht: Uwe Büchner)



Weitere Informationen

Andere Kombinationen

Synonyme


Faunistik

Die Art ist nach HAUSENBLAS (2006) aus der Fauna Baden-Württembergs zu streichen. Der einzige bisherige Fund war fehldeterminiert.


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Gelechiidae (Palpenmotten)
EU M-EU 03616 Scrobipalpa nitentella (FUCHS, 1902) art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Juli 12, 2016 15:03 von Michel Kettner
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