Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Retinia Perangustana

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Tortricidae (Wickler, Blattroller)
EU M-EU 05034 Retinia perangustana (SNELLEN, 1883)

1-2, ♂ (Spannweite des Belegs 12,2 mm): Deutschland, Sachsen, Dübener Heide, Torfhaus bei Doberschütz, von Lärche (Larix decidua) geklopft, 25. April 2012 (Fotos: Heidrun Melzer), gen. det. Christian Kaiser [Forum]



Diagnose

Geschlecht nicht bestimmt

1: Deutschland, Sachsen, Herrnhut, Hengstberg, 340 m, Lichtfang, 3. Mai 2002 (leg. & gen.det. Sven Wauer, Foto: Friedmar Graf) [Forum]
2: Österreich, Osttirol, Dölsach-Görtschach, 850 m, 1. Mai 2005 (leg., det. & Foto: Helmut Deutsch)


Erstbeschreibung

SNELLEN (1883: 220-221 + pl. 13 fig. 4) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Nahrung der Raupe

Die Raupen leben in den heranreifenden Zapfen von Lärchen. Nach den Abbildungen in SCHAFFERS & MUUS (2018) verraten sie sich durch an Gespinstfäden zwischen den Zapfenschuppen hängendem Fraßmehl / Kot.

Da die Falter kaum ans Licht kommen und wahrscheinlich zumeist im Kronenraum der Lärchen bleiben, erfolgt der Artnachweis wahrscheinlich viel leichter über die Raupen.



Weitere Informationen

Andere Kombinationen


Faunistik

Die an Lärchen gebundene Art wird nur relativ selten gefunden. Sie wurde 1883 von Pokrowsk (Pokrovka, Покровка, Region Transbaikalien) und Albasin (Albazino, Албазино, Oblast Amur) beschrieben, also 2 sehr winterkalten Orten am Amur an der russischen Grenze zu China. Meldungen aus Mittel-, West- und Nordeuropa folgten erst fast hundert Jahre später, so dass unsicher bleibt, ob die Art hier "schon immer" bodenständig war, oder erst spät eingeschleppt wurde. SCHAFFERS & MUUS (2018) stellen in ihrer Karte für Mitteleuropa, West- und Nordeuropa alle 40 von ihnen in Erfahrung gebrachten Fundpunkte zusammen und nennen darin für jedes Land den frühesten Fund; in der Reihenfolge des Erstnachweises sind das: Polen (1973), Tschechien (1975), Frankreich (Briancon: 1976), Österreich (1977), Schweden (1980), Schweiz (1989), Deutschland (1990), Slowakei (2009), Ungarn (2012), Italien (Südtirol: 2014), Finnland (2014), Niederlande (2016).

Außerhalb des natürlichen Verbreitungsgebiets dieses Baums ist der Falter erst spät aufgetaucht, lange nachdem Lärchen in Parks und auch Forsten Einzug gehalten haben. Dies wird verständlich dadurch, dass die Raupen an Zapfen, also fruchtende Bäume gebunden sind.

GAEDIKE (2008) führt den oben unter Diagnosebild 1 gezeigten Nachweis vom 3. Mai 2002 aus Sachsen als Erstnachweis für Deutschland an. ROWECK & SAVENKOV (2013) können ergänzen: "Ritzerau, Wald: 27.04.2009, 1 ♂, 21.04.2011 2 Ex., 23. 04.2011 3 Ex., 08.05.2011 3 Ex.; 10. & 23.05.2011, 26.05.2011, jeweils 1 Ex. (Belege in ECKU). Verbr.: WAUER (2003) berichtet über den Erstfund für die deutsche Fauna in SN (Herrnhut, Hengstberg) 2002, 2 Nachweise liegen aus Mittelschweden vor, ferner AU, FR, CH, PL und SO-Europa. Unsere Funde in Ritzerau deuten auf ein stabiles Vorkommen vor Ort. Die Larven entwickeln sich in Lärchen-Zapfen (Larix decidua und L. sibirica). Die Falter halten sich bevorzugt im Kronenraum der Bäume auf und verlassen diesen offenbar nur zögerlich; trotz einiger unmittelbar am Lichtfallenstandort wachsender Larix decidua-Exemplare konnten stets nur einzelne oder wenige Tiere gefangen werden." Lärchen sind weder in Sachsen noch in Schleswig-Holstein heimisch, sie werden aber in Deutschland vielerorts gepflanzt.
SCHAFFERS & MUUS (2018) hatten in ihrer Karte den Erstfund in Deutschland ebenfalls mit 2002 angesetzt, im Text aber schon 1990: "Germany (Kirkel an der Saar and Bad Rappenau) in 1990 (A. Roques personal communication)". Dies verwundert - jedenfalls ist von diesen (angeblichen) frühen Funden weder etwas im Saarland noch in Baden-Württemberg bekannt.

HUEMER (2013) schreibt zu Österreich: "Die Art wurde von WIMMER (2008) erstmals im Nationalpark Kalkalpen in Oberösterreich nachgewiesen, aber auch von DEUTSCH (2012b) in Osttirol (Dölsach, Görtschacher Berg, 850 m, 1.5.2005) belegt." (siehe dazu das Falterbild oben). HUEMER (2016) berichtet über den Erstnachweis für Nordtirol. SCHAFFERS & MUUS (2018) schreiben zum Erstfund in Österreich: "Austria (Rettenbachtal) in 1977 (P. Huemer personal communication)".

HUEMER (2016) meldet den Erstnachweis für Südtirol und damit für Italien.

SCHAFFERS & MUUS (2018) berichten über den Erstnachweis der Art in den Niederlanden: Am 11. Mai 2016 flogen beim Lichtfang in einer 80 Jahre alten Lärchenplantage im Naturschutzgebiet Loenermark (Provinz Gelderland) 3 Falter ans Licht.

Wie kommt der Falter in die Niederlande? Die nächsten - ebenfalls stark isolierten und auf Lärchen-Anpflanzungen begründeten - Vorkommen liegen mehr als 300 km entfernt. Da die Raupen in Lärchen-Zapfen leben, ist zwangsläufig eine Verschleppung mit diesen in Betracht zu ziehen. Sie kann aber nur dann Erfolg haben, wenn die schlüpfenden Falter auf schon ältere, bereits fruchtreife Lärchenpflanzungen treffen. Sind hier Arboreten die treibende Kraft?

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Tortricidae (Wickler, Blattroller)
EU M-EU 05034 Retinia perangustana (SNELLEN, 1883) art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Juli 16, 2019 23:07 von Tina Schulz
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