Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Pyrgus Cirsii

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Hesperiidae (Dickkopffalter)
EU M-EU 06909 Pyrgus cirsii (RAMBUR, 1839) - Spätsommer-Würfel-Dickkopffalter

1-2, ♂: Frankreich: Oberelsass, Trockenrasen bei Rouffach, 250 m, 16. August 1991 (Fotos: Rudolf Bryner), det. Rudolf Bryner
3-4: Südfrankreich, Gorges du Verdon, Palud sur Verdon, Talsohle, 30. August 2006 (Freilandfotos: Walter Schön), det. Markus Schwibinger, Jens Philipp & Ernst Brockmann [Forum]
5: Spanien, Albarracin, 14. August 2010 (Freilandfoto: Georg Paulus), det. Ernst Brockmann [Forum]


1-2, Falteransammlungen: Südfrankreich, Gorges du Verdon, Palud sur Verdon, Talsohle, 30. August 2006 (Freilandfotos: Walter Schön), det. Markus Schwibinger, Jens Philipp & Ernst Brockmann [Forum]



Diagnose

Erstbeschreibung

RAMBUR (1839: pl. 8, fig. 12 und o) [Reproduktionen aus Exemplar im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe: Jürgen Rodeland]

1842 nachgereichter Text

RAMBUR (1842: 315, Fussnote) [Reproduktion aus Exemplar im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe: Jürgen Rodeland]



Biologie

Habitat

1: Deutschland, Bayern, Südlicher Steigerwald, Gipskeuper-Magerrasen, 29. Mai 2011, (Foto: Oliver Böck) [Forum]


Nahrung der Raupe

P. cirsii lebt - nach derzeitiger Kenntnis - wahrscheinlich ausschließlich an Fingerkraut-Arten (Potentilla, Rosaceae). In Mitteleuropa mit Abstand am wichtigsten ist dabei das Frühlings-Fingerkraut (Potentilla tabernaemontani). Für die Pfalz melden bereits DE LATTIN et al. (1957): „Die Eiablage wurde mehrfach an Fingerkraut (Pot. verna) beobachtet (JÖST)“.

Bei VORBRODT (1911) ist zu lesen: "Mehrere am 18.IX.1910 bei der Eiablage beobachtete cirsii RBR.-Weibchen plazierten die Eier einzeln auf die Unterseite der Blätter von Potentilla reptans (REHFOUS)" - das klingt sehr nach Freilandbeobachtung, das sehr späte Datum lässt aber (obwohl REHFOUS beide Arten gut kannte) an eine mögliche Verwechslung mit P. armoricanus denken. WEIDEMANN (1988) hatte formuliert: "Die Raupenentwicklung dauert mehr als 4 Monate (von März bis August), weshalb die Art auf kontinuierlich wachsende Fraßpflanzen angewiesen ist wie z.B. Kriechendes Fingerkraut (Potentilla reptans). Deshalb innerhalb des Trockenstandortes angewiesen auf Ruderalstellen und Stellen lokaler Frische, wo die Fraßpflanze kontinuierlich wächst." Eine konkrete Freilandbeobachtung scheint dieser Angabe allerdings nicht zu Grunde zu liegen - sie widerspricht jedenfalls allen späteren konkreten Beobachtungen. Kriechendes Fingerkraut als Freiland-Eiablage- oder -Raupennahrungspflanze scheint mir jedenfalls nicht belegt zu sein.

WAGNER (2005) beschreibt die von ihm beobachteten Eiablagestellen der Ostalb (Baden-Württemberg): „Am 22.8.03 wurden vier Weibchen bei der Ablage von insgesamt 11 Eiern beobachtet (12.30-15 Uhr), wobei sämtliche Ablagen in sehr magerer, niedriger und moosreicher Vegetation, aber nicht unbedingt direkt an Offenbodenstellen erfolgten. Am häufigsten fanden die Ablagen an der Blattunterseite sehr bodennaher, älterer, lebender Blättchen von P. neumanniana statt. Zweimal wurden auch Stämmchen der Nahrungspflanze, ebenfalls zweimal trockene P. neumanniana-Blätter und einmal Moos innerhalb von P. neumanniana belegt.“

SONDEREGGER (1997) schreibt: "Die Raupen wurden im Elsass auf Potentilla arenaria gefunden, und zwar auf Pflanzen, die in der dichten Bodenvegetation wuchsen und dadurch große und langstielige Blätter ausbildeten; die Raupe lebt also nach dieser Beobachtung nicht in einem Bodengespinst wie bei der sehr nahe verwandten Art P. carlinae, sondern mehrere Zentimeter über dem Boden. [...] In der Region Gex (Dep. Ain, Frankreich) wurde die Eiablage auf Potentilla neumanniana beobachtet." Etwas abweichend dazu beschreibt WAGNER (2005) die von ihm beobachteten Eiablagestellen der Ostalb (Baden-Württemberg): „Am 22.8.03 wurden vier Weibchen bei der Ablage von insgesamt 11 Eiern beobachtet (12.30-15 Uhr), wobei sämtliche Ablagen in sehr magerer, niedriger und moosreicher Vegetation, aber nicht unbedingt direkt an Offenbodenstellen erfolgten. Am häufigsten fanden die Ablagen an der Blattunterseite sehr bodennaher, älterer, lebender Blättchen von P. neumanniana statt. Zweimal wurden auch Stämmchen der Nahrungspflanze, ebenfalls zweimal trockene P. neumanniana-Blätter und einmal Moos innerhalb von P. neumanniana belegt.“ WAGNER (2006) berichtet zu seinen weiteren Beobachtungen im Raum Heidenheim im nordöstlichen Baden-Württemberg: "Beide Taxa legen nach eigenen Beobachtungen ihre Eier nur an Potentilla-Polster, die in schütterer Vegetation direkt dem nackten Boden, Fels oder der an den Entwicklungsstätten meist sehr gut ausgebildeten Moosschicht aufliegen (Eiablagen/Eifunde? bei P. cirsii: ca. 45). P. cirsii benötigt wie die meisten Pyrgus-Arten einen recht großen Lebensraum (eig. Beob., auch in der Provence) und besiedelt xerotherme Kalkmagerrasen. Dabei wurden die insgesamt gut 50 beobachteten Raupen (Entwicklungsgang siehe Tab. 2) nur an den magersten, trockensten Stellen (ausschließlich an Potentilla tabernaemontani [(Rosaceae]) gefunden, deren Rückgang (Eutrophierung unter anderem aus der Luft, Rückgang der Wanderschäferei) neben dem allgemeinen Lebensraumschwund (Verlust an Magerrasen-Gesellschaften aller Art), Klimaveränderungen und der zunehmenden Isolation der Hauptgrund für die stark regressive Bestandsentwicklung der Art sein dürfte. Sobald die Vegetation dichter wird und Potentilla zwischen dichteren, höheren Pflanzen steht, ist keine erfolgreiche Larvalentwicklung und meist auch keine Eiablage mehr zu erwarten."



Weitere Informationen

Andere Kombinationen


Taxonomie

Einige Autoren (z. B. TSHIKOLOVETS 2011) akzeptieren die Trennung von P. carlinae und P. cirsii nur auf Unterartniveau. P. carlinae wurde eine Abbildung und eine Seite früher beschrieben - als Unterart müsste das hier behandelte Taxon also Pyrgus carlinae ssp. cirsii heißen.


Faunistik

P. cirsii ist im westlichen Europa weit verbreitet und wird in den Hochlagen (oberhalb ca. 1000 m) der westlichen Alpen von P. carlinae abgelöst.


Bibliographisches zur Erstbeschreibung

Siehe bei Carcharodus baeticus.


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


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Letzte Änderung am August 1, 2017 9:00 von Annette Von Scholley-Pfab
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