Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Parnassius Mnemosyne

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Papilionidae (Ritterfalter)
EU M-EU 06953 Parnassius mnemosyne (LINNAEUS, 1758) - Schwarzer Apollo
Europarechtlich streng geschützt: Flora-Fauna-Richtlinie der EU (FFH), Anhang IV (streng zu schützende Arten von gemeinschaftlichem Interesse)

1: Österreich, Niederösterreich, Hohe Wand (Ghf. Postl), Felsfluren, Gebüsch, Viehweiden, 900 m, 27. Mai 2005 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
2-3, zwei verschiedene ♂♂: Deutschland, Bayern, Rhön, 17. Juni 2006 (Freilandfotos: Jürgen Rodeland), det. Jürgen Rodeland
4: Schweiz, Graubünden, Calanda, 17. Juni 2003 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
5: Österreich, Burgenland, Donnerskirchen, 12. Mai 1998 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
6, ♀: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Kampenwand, 1300 m, 20. Juni 2005 (Foto: Martina Katholnig), det. Martina Katholnig
7, ♀ mit Sphragis: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, 14. Juni 2006 (Foto: Friedhelm Mai), det. Friedhelm Mai [Forum]
8, ♀ mit Sphragis: Deutschland, Bayern, Rhön, 17. Juni 2006 (Foto: Jürgen Rodeland), det. Jürgen Rodeland
9, ♀: Schweiz, Tessin, Val Bedretto, Bedretto 1500 m, 10. Juni 2006 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
10, ♀ mit Sphragis: Österreich, Salzburg, Golling, ca. 600 m, 20. Mai 2007 (Foto: Erich Schnöll), det. Erich Schnöll [Forum]
11-12, ♂: Deutschland, Oberbayern, Chiemgau-Achental, Feuchtwiese, auf Schwertlilie: Iris sibirica , ca. 530 m, 29. Mai 2008 (Freilandfotos: Peter Ginzinger), det. Peter Ginzinger [Forum]
13, ♂: Deutschland, Hessen, Hoher Vogelsberg, Oberwaldstraße, 10. Juni 1989 (Freilandfoto: Dieter Kleiser), det. Dieter Kleiser [Forum]
14-15: Griechenland, Achaia, Chelmos-Gebirge, 1800 m, Kalavrita, 7. Juni 2008 (Freilandfotos: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
16, ♂: Griechenland, Achaia, Mt. Helmos (Chelmos, Aroania), 1700 m, 2. Juni 2009 (Freilandfoto: Bernard Jost), det. Bernard Jost [Forum]
17, ♀ f. melaina: Deutschland, Bayern, Bayrische Alpen, ca. 1300 m, Mitte Juni 2012 (Freilandfoto: Hans Helf), det. Hans Helf [Forum]
18, frisch geschlüpftes ♀: Deutschland, Bayern, Bayrische Alpen, ca. 1300 m, Mitte Juni 2012 (Freilandfoto: Hans Helf), det. Hans Helf [Forum]
19-21, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, Mittlere Flächenalb, Großraum 72537 Mehrstetten, ca. 680 m, 31. Mai 2014 (Freilandfotos: Jörg Döring), det. Jörg Döring [Forum]
22, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb bei Tuttlingen, 9. Juni 2014 (Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle


Balz

1, Balzspiel: Schweiz, Tessin, Lago del Sambuco, 1800 m, 8. Juli 1991 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle


Kopula

1-2: Österreich, Burgenland, Waldwiese im Leithagebirge bei Winden am See, etwa 220 m, 18. Mai 2008 abends (Fotos: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger [Forum]
3: Österreich, Burgenland, Leithagebirge Donnerskirchen, 22. Mai 2008 spätnachmittags (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger [Forum]


Raupe

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, 6. Mai 2006 (Foto: Friedhelm Mai), det. Friedhelm Mai [Forum]
2-5: Schweiz, Wallis, Lötschental, 9. April 2007 (Freilandfotos: Bernhard Jost), det. Bernhard Jost [Forum]
6: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, an Lerchensporn, 23. April 2007 (Foto: Friedhelm Mai), det. Friedhelm Mai [Forum]
7: Polen, Karpatenvorland, Podkarpacie, Przemyśl, 11. April 2008 (Freilandaufnahme: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury [Forum]
8: Österreich, Osttirol, Lienz Umgebung, 700 m, 25. Mai 1983, an Lerchensporn (Corydalis sp.) (Freilandfoto: Helmut Deutsch), det. Helmut Deutsch
9, mit sichtbaren Osmaterium: Deutschland, Bayern, Mangfallgebirge, 1300-1400 m, 5. April 2010 (det. & Foto: Annette von Scholley-Pfab) [Forum]
10, halb ausgewachsene Raupe: Deutschland, Bayern, Bayrische Alpen, ca. 1300 m, 8. Mai 2012 (Freilandfoto: Hans Helf), det. Hans Helf [Forum]
11, ssp. athene STICHEL, 1906: Griechenland, Peloponnes, Chelmos-Gebirge, ca. 2000 m, 7. Juni 2012 (Foto: Markus Dumke), det. Jürgen Hensle [Forum]


Puppe

1, im Gespinst: Schweiz, Oberwallis, Baltschiedertal, 1240 m, Raupenfund 15. April 2007 (Zuchtfoto: Martin Albrecht am 21. April 2007), leg, cult. & det. Martin Albrecht [Forum]


Ei

1: Schweiz, Tessin, Valle Maggia, Lago del Sambuco, 1800 m, 8. Juli 1991 (Studiofoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
2-3, in der Sphragis hängendes Ei: Deutschland, Bayern, Rhön, 17. Juni 2006 (Freilandfotos: Jürgen Rodeland), det. Jürgen Rodeland



Diagnose

Falter

P. mnemosyne hat im Gegensatz zu den beiden anderen europäischen Arten der Gattung niemals rote Flecken. In Europa kann sie nur mit Aporia crataegi (Pieridae) verwechselt werden. Von dieser Art unterscheidet sich P. mnemosyne am deutlichsten durch die schwarzen Flecken auf den Vorderflügeln. Die transparenten Spitzen der Vorderflügel sind ein weniger gutes Unterscheidungsmerkmal, weil auch die Flügel von Aporia crataegi, speziell dessen ♀♀, transparent wirken können. Die ♀♀ haben an den Seiten des Hinterleibs gelbe Flecken. Bei der Kopula heftet das ♂ dem ♀ eine "Sphragis" genannte, aus erhärtendem Chitin bestehende Hülse an, die eine weitere Begattung durch andere ♂♂ verhindert (s. Eifotos 2-3).


Raupe

Die Raupe ähnelt denen von P. apollo und P. phoebus sehr. In Süddeutschland ist die Farbe ihrer Seitenflecken heller gelb als die von P. phoebus und P. apollo. Zudem sind die Flecken nicht so rund, bzw. oval wie bei diesen beiden Arten, sondern kantiger. Jedoch ist die Raupe in der Ausbildung ihrer Zeichnung extrem variabel. Ähnlich wie bei P. apollo lassen sich auch bei P. mnemosyne die verschiedenen Subspezies am besten im Larvalstadium unterscheiden.
Auch die Raupe von Cucullia lucifuga ähnelt der P. mnemosyne-Raupe, ist aber lange nicht so gedrungen, sondern deutlich schlanker und nicht samtig behaart, sondern schwach glänzend.
In der Türkei kann sie zudem mit der Raupe von Archon apollinus verwechselt werden. Diese hat vier, nicht nur zwei Reihen roter Flecken.
Darüber hinaus gibt es vom Wallis an südlich noch eine Raupenvariante mit brauner Grundfarbe sowie schwarzen und gelben Flecken.


Ähnliche Arten


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 465) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb bei Tuttlingen, 16. Juni 2006 (Foto: Jürgen Hensle)
2: Schweiz, Wallis, Aminona 1500 m, 14. April 2007 (Foto: Bernhard Jost)
3: Polen, Karpatenvorland, Podkarpacie, Zurawica vic. Przemysl, 30. Mai 2005 (Foto: Jarosław Bury)
4, Schneise im Fichten-Buchen-Mischwald: Österreich, Salzburg, Golling, 500-650 m, 20. Mai 2007 (Foto: Erich Schnöll)
5: Griechenland, Achaia, Chelmos-Gebirge, 1800 m, Kalavrita, 7. Juni 2008 (Foto: Heiner Ziegler)
6: Deutschland, Bayern, Bayrische Alpen, ca. 1300 m, 8. Mai 2012 (Foto: Hans Helf) [Forum]
7: Deutschland, Baden-Württemberg, Mittlere Flächenalb, Großraum 72537 Mehrstetten, ca. 680 m, 31. Mai 2014 (Foto: Jörg Döring) [Forum]

P. mnemosyne ist eine Art der mittleren Höhenlagen der Gebirge und bevorzugt kontinental-winterkaltes Klima. In Europa kommt sie vorzugsweise zwischen 300 und 2000 m vor, in Nordeuropa auch im Flachland, in Südeuropa kaum unter 1000 m. In Asien kann sie jedoch bis weit über 3000 m steigen.
Der Schwarze Apollo ist in erster Linie eine Art der Bergwälder. Er fliegt jedoch nicht „im finst'ren Tann“, sondern auf Lichtungen im Wald und auf Wiesen in Waldnähe. In den Alpen auch in Schluchten und Lawinenrunsen die durch Wald führen. Er bevorzugt etwas feuchtere Stellen, kann jedoch in Südeuropa und in den Zentralalpen auch auf trockenen Bergweiden gefunden werden. P. mnemosyne benötigt als Falter blumenreiche Wiesen zur Nektarversorgung. Da die Raupe oligophag an Lerchensporn (Corydalis spec.) frisst, der in fast ganz Mitteleuropa nur in Wäldern vorkommt, und die Falter sehr standorttreu sind, eignen sich hier als Lebensraum nur Stellen, an denen eine Corydalis-Facies im Waldrandbereich unmittelbar an eine Blumenwiese grenzt.
In den Alpen, speziell den Ostalpen ist die Art noch recht verbreitet und häufig, ebenso in den Gebirgen des Balkans und Westasiens. In Norwegen tritt der Schwarze Apollo zwar nur räumlich eng begrenzt, aber in großer Anzahl auf. In den deutschen Mittelgebirgen hingegen ist er fast verschwunden, da ihm die moderne Land- und Forstwirtschaft keine Überlebenschance lässt. Zudem setzt ihm das zunehmend atlantischer werdende Klima zu. Hier fliegen die letzten Falter auf der Schwäbischen Alb und in der Rhön. Im Harz ist die Art wahrscheinlich in den 1990er-Jahren, im Vogelsberg zu Beginn des 21. Jahrhunderts ausgestorben.


Lebensweise

Die Raupe frisst in Mitteleuropa an Mittlerem Lerchensporn (Corydalis intermedia), Hohlem Lerchensporn (Corydalis cava) und Festem Lerchensporn (Corydalis solida). In Südeuropa und den Südalpen auch an Gelbem Lerchensporn (Corydalis lutea). Die meisten Lerchenspornarten sind zur Flugzeit des Falters bereits verwelkt. Das ♀ legt seine Eier an dürre Pflanzenteile in der Nähe. Das Ei überwintert, die Raupe schlüpft dann im folgenden Vorfrühling. Da viele Lerchenspornarten rasch verwelken, muss sich die Raupe schnell entwickeln. Im Gegensatz zu den Raupen fast aller anderen Tagfalterarten häutet sie sich daher nur drei Mal und verpuppt sich nach fünf bis sechs Wochen. Die Puppe ergibt den Falter je nach den örtlichen klimatischen Bedingungen zwischen Ende April und Ende Juli. In den höchsten Lagen kann er bis in den August hinein fliegen.

Autoren: Jürgen Hensle und Jürgen Rodeland


Nahrung der Raupe

1, Raupennahrungspflanze Corydalis solida: Schweiz, Wallis, Aminona 1500 m, 14. April 2007 (Foto: Bernhard Jost)


Prädatoren

1, Aculepeira ceropegia: Slowenien, Bohinj, Tal Voje, 700 m, 4. Juli 2013, Tagfund (fot. & det.: Christine Neumann), det. Spinne Jonathan Neumann [Forum]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„Mutter der Musen.“
SPULER 1 (1908: 4R)


Taxonomie

Ähnlich wie bei Parnassius apollo (LINNAEUS, 1758), wurden auch bei Parnassius mnemosyne (LINNAEUS, 1758) eine Vielzahl von Subspezies beschrieben, von denen die allermeisten völlig unberechtigt sind. Die europäischen Populationen sind einander allesamt recht ähnlich. Deutlich verschieden ist erst Parnassius mnemosyne nubilosus CHRISTOPH, 1873 aus dem östlichsten und südöstlichsten Anatolien mit ausgeprägter dunkler Zeichnung.
Aus den deutschen Mittelgebirgen wurde Parnassius mnemosyne ariovistus FRUHSTORFER, 1898 von der Schwäbischen Alb, P. mnemosyne hassicus PAGENSTECHER, 1911 vom Vogelsberg und P. mnemosyne hercynianus PAGENSTECHER, 1911 aus dem Harz. Diese "Unterarten" unterscheiden sich allesamt nicht voneinander.

HUEMER (2013) schreibt zu Österreich: "Von HUEMER & TARMANN (1993) werden für das Bundesgebiet die drei Unterarten ssp. melas, ssp. ophrinion und ssp. litavius differenziert, allerdings ist die subspezifische Untergliederuung dieser Art dringend revisionsbedürftig. Nach bisher unveröffentlichten DNA Barcodes existieren in Westösterreich zwei signifikant divergente genetische Linien."


Verbreitung

P. mnemosyne kommt in Europa von den Zentralpyrenäen, Südnorwegen und Südfinnland bis Sizilien und Südgriechenland vor. In Asien ist sie vom Libanon über die Türkei und den Ural bis Nordwestchina verbreitet.


Typenmaterial

HONEY & SCOBLE (2001: 351): “LSL [The Linnean Society of London, Anm. Red. Lepiforum]: 1 ♀ labelled “42. Mnemosyne” [by Linnaeus], “Mnemosyne 754.” [by Smith], here designated as LECTOTYPE; [...].”


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Papilionidae (Ritterfalter)
EU M-EU 06953 Parnassius mnemosyne (LINNAEUS, 1758) - Schwarzer Apollo art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am April 17, 2016 13:30 von Jürgen Rodeland
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