Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Nymphalis Antiopa

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07257 Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) - Trauermantel

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald, oberes Sasbachtal, 31. Juli 2005, 1. Forumstreffen (Foto: Heinrich Vogel) [Forum]
2: Deutschland, Thüringen, Unterschönau, Garten, 5. September 2005 (Foto: Thomas Ziebarth) [Forum]
3: Österreich, Niederösterreich, Gutenstein, Feuchtwiesen, leg. Raupe 9. Juli 2006 an Öhrchen-Weide (Salix aurita), e.p. 26. Juli 2006 (Foto: Peter Buchner), det. Peter Buchner
4: Österreich, Salzburg, Golling, 500 m, 21. März 2004 (Foto: Erich Schnöll), det. Erich Schnöll [Forum]
5-6, noch nicht überwinterter Falter, der bereits einen weißen Saum hat: Deutschland, Schleswig-Holstein, Nordfriesland, Föhr, Waldweg bei Wyk, an gärenden Mirabellen saugend, 13. August 2006 (Freilandfotos: Jürgen Rodeland
7, in einem Holzstapel überwinternder Falter: Deutschland, Sachsen, Hoyerswerda, Stadtrand, Garten in Waldlage, 13. Dezember 2008 (manipulierte Freilandaufnahme: Martina Görner)
8: Griechenland, Arcadia, Panagitsa, e.l. 27. Juni 2009 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
9: Schweiz, Graubünden, unteres Schanfigg, 28. Juni 2009 (det. & Freilandfoto: Heiner Ziegler) [Forum]
10: Griechenland, Peloponnes, Achaia, Chelmos, 1500 m, 15. Juni 2012 (det. & fot.: Markus Dumke) [Forum]
11: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Landkreis Miesbach, Kreuzstraße bei Valley, 28. März 2014 (Freilandfoto: Markus Dumke) [Forum]


Aberrationen

1, Hitzeform f. hygiaea: Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, mittleres Murgtal bei Forbach, 540 m, 10. April 2015 (Freilandfotos: Michael Levin), det. Michael Levin [Forum]


Kopula

1: Deutschland, Bayern, südlich Lenggries, nahe der Isar, 700 m, 1. Mai 2002 (Freilandfoto: Christine Neumann), det. Christine Neumann [Forum]


Eiablage

1: Deutschland, Bayern, Umgebung Beenediktbeuern, Bergbach, 700-800 m, 25. Mai 2014 (Freilandfoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]


Erwachsene Raupe

1: Deutschland, Bayern, Umgebung von Nüdlingen, NSG Herrenwiese, ca. 1993/94, an Salweide (Salix caprea) fressend (Freilandfoto: Oskar Jungklaus), det. Oskar Jungklaus [Forum]
2: Tschechien, Isergebirge, an Birke (Betula spec.), Ende Juli 1991 (det. & Freilandfoto: Heidrun Melzer) [Forum]
3: Deutschland, Thüringen, ehemaliger Truppenübungsplatz Nähe Ruppersdorf, an Salix cf. aurita, 7. Juli 2007 (Freilandfoto: Jens Philipp), conf. Rainer Roth [Forum]
4-5: Deutschland, Baden-Württemberg, Südwestliches Albvorland, Haigerloch-Owingen, ca. 450 m, Feldwegböschung mit Weichholz-Laubbäumen inmitten Ackerland, 3. Juli 2011 (det. & manipulierte Freilandaufnahme: Herbert Fuchs) [Forum]
6-8, Vorpuppen: Österreich, Steiermark, Bad Mitterndorf, Salza-Stausee, 780 m, 16. Juli 2010 (Freilandfotos: Pia Wesenberg), det, Pia Wesenberg, conf. Erwin Rennwald [Forum]
9-10: Deutschland, Thüringen, Waltershausen, 12. Juni 2011, an Betula pendula (Freilandfotos: Andreas Armenat), det. Friedmar Graf [Forum]
11, Präpuppe: Schweiz, Wallis, Steilhang, 1550 m, 31. Juli 2014, Tagfund (det. & fot.: Peter Schwarz) [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1, ältere L1 an Ohrweide (Salix aurita): Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Eyachtal bei Dobel, 500 m, 19. Juni 2014 (Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
2, L1 an Salix-spec.: Deutschland, Bayern, Alpenvorland, 900 - 1100 m, 13. Juni 2015 (Freilandfoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]
2, L2 an Ohrweide (Salix aurita): Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Eyachtal bei Dobel, 500 m, 19. Juni 2014 (Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
3, gesellig lebende, halb ausgewachsene Raupen an Birke (Betula-spec.): Tschechien, Isergebirge, Ende Juli 1991 (Freilandfoto: Heidrun Melzer), det. Heidrun Melzer


Fraßspuren und Befallsbild

1, Fraßbild frisch geschlüpfter L1 an Ohrweide (Salix aurita): Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Eyachtal bei Dobel, 500 m, 19. Juni 2014 (Freilandfoto: Jürgen Hensle)
2-3, Befallsbild an Weide (Salix spec.): Tschechien, Isergebirge, Ende Juli 1991 (Fotos: Heidrun Melzer) [Forum]

Bereits die frisch geschlüpften Eiraupen überziehen die Zweige mit einem Gespinst. Sie verursachen zunächst Schabefraß. Schon nach ein bis zwei Tagen werden die Blätter bis auf die dickeren Blattadern, später bis auf die Mittelader skelettiert.


Puppe

1: Deutschland, Bayern, Oberbayern, bei Benediktbeuern, 1000 m, e.l. leg. 29. Juli 2006 (Studiofoto am 18. August 2006: Carsten Wilkening), cult. (Falterschlupf am 18. August 2006) & det. Carsten Wilkening [Forum]
2-3: Österreich, Niederösterreich, Gutenstein, Feuchtwiesen, leg. Raupe 9. Juli 2006 an Öhrchen-Weide (Salix aurita), verpuppt 15. Juli 2006, fotografiert am 18. Juli 2006, Falter geschlüpft (Falter-Foto 3) 26. Juli 2006 (Fotos: Peter Buchner), leg., cult. & det. Peter Buchner
4: Polen, Podkarpacie, Markowa, 7. Juli 2006 (Studiofoto: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury [Forum]


Ei

1, Leeres Eigelege an Birke: Tschechien, Isergebirge, Ende Juli 1991 (Freilandfoto: Heidrun Melzer), det. Heidrun Melzer [Forum]
2: Deutschland, Bayern, Umgebung Benediktbeuern, Bergbach, 700-800 m, 25. Mai 2014 (det. & Freilandfoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]
3, teilweise geschlüpft: Deutschland, Bayern, Alpenvorland, 1000 m, 13. Juni 2015 (manipuliertes Freilandfoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]
4, leeres Eigelege an Salix-spec.: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Alpenvorland, 800 m, 28. Juli 2016 (Freilandfoto: Markus Dumke), det. Markus Dumke [Forum]



Diagnose

Falter

Die sehr dunklen Falter mit ihrem gelblichen, nach der Überwinterung weißen Rand, der sowohl auf der Flügeloberseite als auch auf der Unterseite sichtbar ist, sind unverwechselbar.


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 476-477) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Wanderverhalten

Der Trauermantel ist ein Binnenwanderer. Das sind Arten, die innerhalb ihres Verbreitungsgebietes gerichtete Wanderflüge unternehmen und – was bei dieser Art in besonderem Maße der Fall ist – darüber hinaus auch in Gebiete vordringen in denen sie nicht dauerhaft heimisch werden können. N. antiopa ist eine östlich-kontinentale Art. Sie kommt also besonders in Nordasien, Osteuropa und dem östlichen Mitteleuropa vor. In guten Jahren kann sie sich dort zuweilen sehr stark vermehren und wandert dann nach Westen. 1995 z. B., erreichte sie in großer Anzahl die Niederlande, England und sogar Irland. Auch Funde in tieferen Lagen des westlichen Mitteleuropas lassen auf vorherige Einwanderung schließen.


Habitat

1: Tschechien, Kreis Příbram, Dolní Hbity, Káciň, na Bavolce, 550 m, 11. Mai 2011 (Foto: Vaclav Masek) [Forum]
2, Larvalhabitat Bachlauf mit Salix spec.: Deutschland, Bayern, Umgebung Beenediktbeuern, Bergbach, 700-800 m, 25. Mai 2014 (Foto: Mario Peluso) [Forum]
3, Imaginalhabitat Waldwiese neben Bachlauf: Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Eyachtal bei Dobel, 500 m, 25. Mai 2014 (Foto: Jürgen Hensle)
4, Larvalhabitat Feuchtwiese mit Salix aurita-Büschen: Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Eyachtal bei Dobel, 500 m, 19. Juni 2014 (Foto: Jürgen Hensle)
5, Raupenfundstelle an Weide über Bachlauf: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Alpenvorland, 700 m, 16. Juli 2016 (Freilandfoto: Mario Peluso), det. Mario Peluso [Forum]

N. antiopa ist ein Bewohner kühlerer Laub- und Mischwälder. Als östliche Art bevorzugt sie Gebiete mit kalten Wintern und trockenen, warmen und sonnigen Sommern. Im Erzgebirge oder in den Ostalpen kann sie zuweilen recht häufig sein. Zu Massenvermehrungen wie in Polen oder Osteuropa kam es hier jedoch bislang nie. Auch wenn sie immer einmal wieder in milde Tallagen oder küstennahe Gebiete einwandert, so kann sie sich dort doch nie lange halten und stirbt spätestens nach einigen Generationen wieder aus.
Das Weibchen legt seine Eier in Gelegen um dünne Zweige von Birken oder Weiden, vorzugsweise über Gewässern, ab. Für das Weibchen ist es wichtig, dass am Ablageort eine hohe Luftfeuchte herrscht. Hierzu braucht es keinen breiten Bach, ein kleines Rinnsal neben dem Waldweg reicht vollkommen aus. Auch eine zum Ablagezeitpunkt durchnässte Feuchtwiese, ein Nieder- oder Hochmoor mit einzelnen Ohrweiden-Büschen oder auch ein staunasser Waldschlag können als Larvalhabitat dienen. Das Eigelege findet sich meist recht nahe über dem Erdboden, bzw. der Wasseroberfläche. Es wird in sonniger oder halbschattiger Lage abgelegt. Später vereinzeln sich die Raupen und finden sich dann auch in größerer Höhe am Ablagebusch oder - baum. Zuweilen erfolgt aber auch schon die Ablage in recht großer Höhe am Baum und fernab von Gewässern. Dies ist möglicherweise dann der Fall, wenn zum Ablagezeitpunkt anhaltend kühlfeuchte Witterung herrscht.


Lebensweise

1, alkoholisch gärende Früchte — eine beliebte Nahrungsquelle im Spätsommer: Deutschland, Schleswig-Holstein, Nordfriesland, Insel Föhr (Foto: Jürgen Rodeland); in Gesellschaft mit N. antiopa ernähren sich hier auch viele Vanessa atalanta.
2, beim Blütenbesuch, hier an Schneeball, sieht man N. antiopa nur selten: Deutschland, Brandenburg, Lübben im Spreewald, Garten, 52 m, 25. April 2014 (Freilandfoto: Bernd Tessmer), det. Bernd Tessmer [Forum]
3, typische Ansitzwarte von ♂ ♂ des Trauermantels. Hier kann man dieser Art im Frühjahr (und wieder im Hoch- und Spätsommer) nahezu sicher begegnen: Deutschland, Baden-Württemberg, Grindenschwarzwald und Enzhöhen, Forbach, Sasbach-Tal, 500 m, überwintertes, jetzt sehr stark abgeflogenes ♂ beim Revieransitz auf einem Holzpfosten (Weidezaun) direkt neben dem Bach, 12. Juni 2003 (Foto: Erwin Rennwald) [Forum]

N. antiopa überwintert als Falter. Diese Tiere kann man von April bis Juni, in kalten Lagen z. B. der Alpen, bis Juli fliegend antreffen. Das ♀ des Trauermantels legt im Frühjahr seine Eier in Gelegen um die Zweigspitzen von Weiden (Salix-spp.) und Birken (Betula-spp.), vereinzelt auch Espen (Populus tremulae), vorzugsweise in etwas luftfeuchten Lagen. Die Raupen leben gesellig in einem großen Nest aus Spinnfäden. Sie verpuppen sich im Frühsommer und ergeben dann im Juli oder August den Falter. In trockenen Sommern, wenn die Tiere in Osteuropa in großer Anzahl schlüpfen, ist das dann die Zeit der großen Wanderbewegungen, wie sie in Mitteleuropa hauptsächlich im Norden, ausgehend wahrscheinlich von den großen Waldgebieten Polens beobachtet werden können. Aber auch von Südschweden und Finnland aus kann der Trauermantel nach Westen wandern.
Der Falter zieht sich im Spätsommer recht früh in ein Winterquartier zurück; im Herbst wird er kaum noch beobachtet.
Bislang ging man davon aus, dass die überwinternden Falter generell keine milden Winter vertragen, sondern kalte und schneereiche benötigen, um zu überleben. Diese Annahme musste nach dem extrem milden Winter 2006/2007 korrigiert werden, da die Art im Frühjahr 2007 in Anzahl auch im westlichen Mitteleuropa flog. Wahrscheinlich überleben die Falter dann auch mildere Winter, wenn diese sehr kurz sind. Bei höheren Temperaturen steigt der Stoffwechsel der Überwinterer an, so dass die Falter im Spätwinter verhungern. Dann aber, wenn sie bereits im März das Winterquartier verlassen können und sofort Nahrung vorfinden, können sie auch sehr milde Winter überleben. Dies scheint den Tieren in montanen Lagen der Berge Südeuropas generell das Überwintern zu ermöglichen.

Autor: Jürgen Hensle


Parasitoide

1, Sturmia bella (MEIGEN, 1824): Deutschland, Bayern, München, Forstenrieder Park, 580 m, Trauermantel-Raupe gefunden am 2. Juni 2009. Die Fliegenlarve schlüpfte Ende Juni 2009 aus der Puppe, die Fliege am 1. Mai 2010 aus der abgebildeten Puppe (Foto: Wolfgang Langer), det. Hans-Peter Tschorsnig [Forum]

Diese Art parasitiert hauptsächlich in den Raupen von Nymphalidae (Tagpfauenauge, Admiral, Kleiner und Großer Fuchs, Trauermantel, Distelfalter, Landkärtchen etc.). Die winzigen Eier werden auf Blätter der Fraßpflanzen abgelegt und von den Raupen beim Fressen verschluckt. Text: [Hans-Peter Tschorsnig]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„griechischer Frauenname.“
SPULER 1 (1908: 17L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Verbreitung

Nymphalis antiopa kommt in der Laubwaldzone Europas, Asiens und Nordamerikas vor. Er meidet jedoch Gebiete mit kühl-feuchtem Klima, ebenso wie solche mit anhaltend trocken-heißem. Im atlantisch geprägten Nord- und Westeuropa fehlt er, bzw. kommt nur kurzzeitig nach Einwanderung vor. Ebenso fehlt er in Teilen des Mittelmeergebietes, so im Süden der Iberischen Halbinsel und auf Sizilien. Anderswo in Südeuropa kommt er fast nur im Gebirge vor. Auch im westlichen Mitteleuropa ist er hauptsächlich ein Bewohner mittleren Gebirgslagen. In den Alpen steigt er bis auf etwa 2000 m.


Typenmaterial

HONEY & SCOBLE (2001: 297): “LSL [The Linnean Society of London, Anm. Red. Lepiforum]: 1 ex. labelled “112. Antiopa” [by Linnaeus], “Antiopa 776.” [by Smith], here designated as LECTOTYPE; [...]”.


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07257 Nymphalis antiopa (LINNAEUS, 1758) - Trauermantel art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am August 24, 2016 22:28 von Michel Kettner
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