Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Muschampia Tessellum

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Hesperiidae (Dickkopffalter)
EU 06896 Muschampia tessellum (HÜBNER, [1803])

Ssp. tessellum

1: Ukraine, Oblast Saporischschja, Rajon Saporischschja (auch als Saporoshje bekannt), Nischnja Chortyzja, 70 m, 29. Mai 2009 (Freilandfoto: Alexandr Zhakov), det. Alexandr Zhakov [Forum]
2: Ukraine, Oblast Saporischschja, Rajon Rosiwka, Naturschutzgebiet Kamjana Mohyla (Steingrab), 170 m, 11. Juni 2010 (Freilandfoto: Alexandr Zhakov), det. Alexandr Zhakov [Forum]
3-4: Russland, Oblast Moskau, Bezirk Serebrjanyje Prudy, Dorf Lischnyagi, 8. Juni 2013 (Freilandfotos: Andrey Ponomarev & Ilya Ustyantsev), det. Andrey Ponomarev & Ilya Ustyantsev [Forum] [Forum]
5: Türkei, 20 km südlich Karaman, Lale, 1435 m, 21. Juni 2015 (det. & fot.: Michel Kettner) [Forum]
6: Russland, Region Moskau, Bezirk Serebrjanyje Prudy, Dorf Lischnyagi, am Nachmittag, 25. Juni 2016 (det. & Freilandfoto: Andrey Ponomarev) [Forum]


Ssp. nomas [Zuordnung unsicher, siehe Nomenklatur]

1-2, ♂: Israel, Berg Hermon, 1640 m, 31. Mai 2008 (Freilandfotos und det.: Martin Albrecht) [Forum]


Ssp. tersa [Zuordnung unsicher, siehe Nomenklatur]

1, ♂: Armenien, Vayots Dzor, Arpa-Klamm 1 km östlich von Arpi, (39.73817, 45.296541), semiaride südexponierte Hänge, ca. 1050 m, 28. Mai 2009 (Freilandfoto: Christian Papé), conf. Ernst Brockmann [Forum]
2-3: Armenien, Vayots Dzor, 2 km N Shatin, (39.847963, 45.294306), nach Westen gerichtetes arides Seitental, ca. 1350 m, 29. Mai 2009 (Freilandfotos: Christian Papé), conf. Ernst Brockmann [Forum]


Ausgewachsene Raupe

1, ssp. tessellum an Phlomis samia: Griechenland, Thessalia, Oros Pílio, 1500 m, 13. Mai 2000 (manipuliertes Freilandfoto: Tristan Lafranchis), det. Tristan Lafranchis [Forum]


1, ssp. tessellum: Griechenland, Thessalia, Oros Pílio, 1500 m, 13. Mai 2000 (Studiofoto: Tristan Lafranchis), det. Tristan Lafranchis [Forum]



Diagnose

Geschlecht nicht bestimmt

1-2: ssp. tessellum Türkei, Provinz Isparta, Egirdir, 1300 m, 22. Mai 1989 (leg., det. & fot: Michel Kettner), conf. Martin Albrecht [Forum]
3-4, ssp. nomas (LEDERER, 1855) [Zuordnung unsicher, siehe Nomenklatur]: Türkei, Zentral Anatolien, Kappadokien, Ürgüp, 1450 m, 6. Juni 1990 (leg., det. & fot: Michel Kettner), conf. Martin Albrecht [Forum]


Ssp. kuenlunus (GRUM-GRSHIMAILO, 1893)

Männchen

1-2, ♂: Kirgisistan, Pamir, Alai Gebirge, Straße Sary Tash – Irkesham Pass, Umgebung Tongmurun, 3530 m, leg., coll. & det. Bernhard May (Norbert Keil & Bernd Plössl), 19. Juli 2017 (fot.: Michel Kettner)


Erstbeschreibung

HÜBNER ([1803]: pl. 93 figs. 469-470) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]

Später hierzu erschienener Text

HÜBNER ([1806]: 70) [reproduziert von Jürgen Rodeland nach Band im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe]



Biologie

Nahrung der Raupe

W. Wagner führt auf seiner [Artseite auf pyrgus.de] an: "Raupennahrungspflanzen: Phlomis-Arten. In Europa ist bislang nur die Nutzung von Phlomis samia gesichert." Und weiter: "Ich fand Raupen in Nordgriechenland in ca. 1400-1600 m NN in der ersten Maiwoche 2007 an Phlomis samia. Diese befanden sich im drittletzten Stadium. Zu dieser Zeit schlagen sie meist den Blattrand nach oben um und halten sich in diesem taschenartigen Gehäuse auf." Auf jener Seite finden sich auch Raupen- und Puppenbilder.


Habitat

1, semiaride südexponierte Hänge: Armenien, Vayots Dzor, Arpa-Klamm 1 km östlich von Arpi, (39.73817, 45.296541), ca. 1050 m, 28. Mai 2009 (Foto: Christian Papé) [Forum]
2-3: Türkei, 20 km südlich Karaman, Lale, 1380 m, 25. Juni 2015 (fot.: Michel Kettner)



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„tessella, Würfelchen.“
SPULER 1 (1908: 75L)


Andere Kombinationen

Synonyme

Unterarten


Nomenklatur

HESSELBARTH et al. (1995:210) verweisen Syrichtus (in der Fauna Europaea fälschlicherweise “Syrichthus”) in die Synonymie: „Die Anwendung des Gattungsnamens Syrichtus BOISDUVAL, [1834] auf die unter dem Gattungsnamen Muschampia TUTT, 1906 zusammengefasste Artengruppe ist nicht möglich, da der Name Syrichtus BOISDUVAL, [1834] ein jüngeres objektives Synonym von Carcharodus HÜBNER, [1819] darstellt“. Mit Malve als Raupennahrung wird klar, dass Carcharodus alceae hier Typusart wäre.

Der Komplex um und mit Muschampia tessellum ist noch wenig verstanden. Derzeit gibt es mehrere Gliederungsversuche, die nicht zueinander passen und die allesamt Fragen offen lassen müssen. Das für uns Beruhigende: Nach allen Konzepten gibt es in Europa nur eine Art, eben Muschampia tessellum! In Europa fliegt dabei Muschampia tessellum subsp. tessellum, nach TSHIKOLOVETS (2011) im Süden Russlands und in NW-Kasachstan sehr lokal auch subsp. "cribrelloides (WARREN, 1926)" - die Warnung von HESSELBARTH et al. (1995:215) blieb dabei unberücksichtigt, wonach WARREN (1926) ausdrücklich keine Unterart, sondern ein infrasubspezifisches Taxon "ab. cribrelloides" beschrieben hat, die um Sarepta zwischen "normalen" Vertretern der Art zu finden ist.

Verlässt man Europa in südöstlicher Richtung, muss man sich mit zwei weiteren Beschreibungen auseinandersetzen: Hesperia nomas LEDERER, 1855 (Typenfundort Beirut im Libanon), und Muschampia tessellum nomas EVANS, 1949 (Typenfundort Ordub, Asserbeidschan).

TSHIKOLOVETS (2011) liefert Verbreitungskarten, die alle 3 Taxa umfassen. Er stellt der südost- und osteuropäischen, aber mit Ausnahme des Südostens auch in der Türkei weit verbreiteten Art Muschampia tessellum eine zweite Art "Muschampia nomas" gegenüber, die er untergliedert in Muschampia nomas subsp. nomas Verbreitung vom Norden Israels entlang der Ostküste des Mittelmeers bis zur Südgrenze der Türkei, eine noch unbenannte Subspezies, die größere Teile der mittleren und südöstlichen Türkei besiedelt, und Muschampia nomas subsp. tersa vom äußersten Südosten der Türkei an ost- und südostwärts. In Kommentaren vermerkt er allerdings bei M. nomas: "relationship with sister species tessellum is not clear. Intermediate specimens can be found in many parts of C. Turkey. The specific rank is given here provisionally." Und zu seiner namenlosen Unterart der Türkei vermerkt er: "taxonomic status requires future study." Zentraler Schwachpunkt dieser Gliederung sind genau die "intermediate specimens" in der Türkei - es gibt sie nämlich nicht einzeln und ausnahmsweise oder nur in einer ganz schmalen Übergangszone, sondern zahlreich und relativ großflächig.

HESSELBARTH et al. (1995:215-217) beschäftigten sich intensiv mit dem Komplex in der Türkei. Sie gliedern ihn in 3 Unterarten: Muschampia tessellum tessellum, Muschampia tessellum nomas (der sie hier auch die unbenannte Subspezies sensu TSHIKOLOVETS (2011) zuordnen) und Muschampia tessellum tersa. Sie bestreiten nicht, dass die unterseits fast zeichnungslosen "nomas" anders aussehen, als die unterseits doch markant gezeichneten Tiere der beiden anderen Taxa, aber sie betonen, dass es in der zentralen Türkei großflächig Mischpopulationen zwischen tessellum und nomas gibt, so dass die beiden unmöglich auf Artebene getrennt werden können.

Die bislang noch spärlichen Kenntnisse der Genetik werfen mehr neue Fragen auf, als dass sie klären können [siehe hierzu Lepiforumsbeitrag Ernst Brockmann, 22. Dezember 2012]: Demnach wird die Artberechtigung von "tersa" gestützt, allerdings könnte es sein, dass die Art dann - wie bei TSHIKOLOVETS (2011) - "nomas" heißen müsste, weil die unterseits zeichnungsamen Tiere aus dem Nahen Osten genetisch fast identisch sind. Dann aber dürfte "nomas" aus dem nahen Osten etwas anderes sein als "nomas" aus der Türkei, denn sonst müsste es zum einen Mischpopulationen zwischen "nomas" und "tersa" in der Osttürkei geben (die es nach HESSELBARTH et al. (1995) aber ausdrücklich nicht gibt!), zum anderen dürfte es wieder nicht zu den real vorhandenen Mischpopulationen mit Muschampia tessellum kommen.

Konsequenz für unsere Bilder von "nomas": Die Bilder aus Israel gehören zu subsp. "nomas" - nur wie der Artname heißt, muss vorerst offen bleiben. Die Tiere von "subsp. nomas" aus der Türkei gehören mit ziemlicher Sicherheit zu M. tessellum", zu welcher Unterart, muss vorerst offenbleiben.

(Autor: Erwin Rennwald)


Publikationsjahr der Erstbeschreibung

Wir folgen den Angaben von HEMMING (1937: 229 und 177). Für die Tafel 93 gibt HEMMING als Zeitspanne, innerhalb der sie publiziert wurde, “[14th April 1800]-[July 1803]” an, für den Text 15. November 1806.

(Autor: Jürgen Rodeland)


Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


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Letzte Änderung am März 6, 2020 16:54 von Erwin Rennwald
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