Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

[Home] Vergleichsansichten: [doppelt] [dreifach] [mit Forum] [Kopfzeilen ausblenden] [Forum 1] [Forum 2] [Forumsarchiv] [Benutzerhinweise] [Bestimmungsliteratur] [Glossar] [Mitarbeit] [Impressum] [Datenschutzerklärung] [Inhalt]

Volltextsuche: [Tipps zur Verwendung der Suchfunktion]

Melitaea Ornata

Bestimmungshilfe | LetzteAenderungen | Einstellungen

Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU 07271a Melitaea ornata CHRISTOPH, 1893

1 und 2-3, ssp. ogygia, zwei ♀♀: Griechenland, Sterea Ellada, Delfi, 500 m, 30. und 29. April 2007 (Freilandfotos: Heiner Ziegler), det. Lazaros N. Pamperis als M. telona [siehe unten: Taxonomie] [Forum]
4-5, ssp. ogygia, ♂: Griechenland, Epiros, Konitsa, 450 m, 27. Mai 2008 (Freilandaufnahmen: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
6, ssp. ogygia: Griechenland, Achaia, nw von Kalavrita, 800 m, 4. Juni 2009 (Freilandfoto: Bernhard Jost), det. Bernhard Jost [Forum]
7-8, ssp. ogygia: Griechenland, Peloponnes, Achaia, Agias Lavras, etwa 1000 m, 6. Juni 2012 (det. & fot.: Markus Dumke) [Forum]


Kopula

1, ssp. ogygia: Griechenland, Peloponnes, Achaia, Vouraikos-Schlucht, Umgebung Zachlorou, etwa 600 m, 8. Juni 2012 (det. & fot.: Markus Dumke) [Forum]


Ausgewachsene Raupe

1-2, der ssp. ogygia an Centaurea raphanina: Griechenland, Peloponnes, vic. Egio, Rouskio, 1000 m, 20. März 2007 (Freilandfotos: Tristan Lafranchis), det. Tristan Lafranchis [Forum]
3, Präpuppe der ssp. ogygia: Griechenland, Sterea Ellada, Delfi, 500 m, 30. April 2007 (Freilandfoto: Heiner Ziegler), det. durch Schlupf bestätigt [Forum]



Diagnose

Nachdem M. phoebe und "M. telona" zunächst "nur" genetisch und über die Raupen (siehe Taxonomie) getrennt wurden, fanden TÓTH & VARGA (2010) auch kleine Unterschiede in den männlichen und weiblichen Genitalien. [pdf-Version] Noch herrscht hier aber große Unsicherheit in der Zuordnung der Unterarten und Arten.


Erstbeschreibung

CHRISTOPH (1893: 87) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]


Erstbeschreibung der Unterarten telona und ogygia

FRUHSTORFER (1908: 310) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

1, ssp. ogygia: Griechenland, Sterea Ellada, Delfi, 500 m, 15. April 2007 (Foto: Heiner Ziegler)
2, ssp. ogygia: Griechenland, Epiros, Konitsa, 450 m, 27. Mai 2008 (Foto: Heiner Ziegler)



Weitere Informationen

Synonyme


Taxonomie und Verbreitung

Die Gruppe um Melitaea phoebe war in den letzten beiden Jahrzehnten Gegenstand diverser Studien und regelmäßiger Umbenennung einiger Taxa. Noch immer zeichnet sich hier keine Stabilität ab, auch nicht nach der umfangreicheren genetischen Studie von LENEVEU et al. (2009). Klar ist im Moment nur:

Hier wird – aus rein pragmatischen Gründen – der Einteilung von TSHIKOLOVETS (2011) in die Arten Melitaea phoebe, Melitaea punica (nur Nordafrika) und M. ornata mit 5 M. ornata zugeordneten Unterarten gefolgt:

Fasst man diese 5 Taxa (ogygia, telona, ornata, emipunica und kovacsi) alle als Unterarten einer einzigen Art auf – so wie es TSHIKOLOVETS (2011) tut, muss diese den ältesten verfügbaren Namen bekommen, also Melitaea ornata CHRISTOPH, 1893. Ob die Tiere aus dem Südosten des europäischen Teil Russlands und Kasachstans aber tatsächlich mit den weit über 1000 km entfernten Tieren aus dem restlichen Teil Europas oder den Tieren aus der Türkei oder dem Nahen Osten artlich übereinstimmen, ist noch keineswegs sicher. Auch TSHIKOLOVETS (2011) schreibt daher zu seiner ssp. ornata: „taxonomic status and distribution require further study.”

Weil die meisten anderen Autoren für die restlichen Taxa keinen Zusammenhang mit der russischen M. ornata herstellen, benutzen sie überwiegend den jüngeren Namen Melitaea telona FRUHSTORFER, 1908, so z.B. auch in der Fauna Europaea [Fauna Europaea, last update 23 July 2012, Version 2.5]. Dabei bleibt dann aber leider unklar, ob die russischen M.ornata einfach vergessen wurden, oder ob die Daten zu M. phoebe gestellt wurden (wohin sie bestimmt nicht gehören) – bei M. telona wird in der Fauna Europaea Russland als Fundort jedenfalls nicht erwähnt. Anders VAN OORSCHOT & COUTSIS (2014): Sie lehnen die Synonymisierung der beiden Taxa als zu unsicher ab, weil letzten Endes nicht klar ist, ob "ornata"-Raupen vom Typenfundort rote oder schwarze Köpfe haben, die Synonymisierung also auf wackeligen Beinen steht. Sie könnten hierin recht haben. Letzten Endes wird hier die genetische Untersuchung von Typenmaterial die Entscheidung bringen müssen.

Für Melitaea phoebe telona FRUHSTORFER, 1908, wird als Typenfundort “Jerusalem, Palästina” genannt. Der Autor beschrieb auf der gleichen Seite eine weitere Unterart Melitaea phoebe ogygia FRUHSTORFER, 1908, diesmal von der Insel Poros im Nordosten des Peloponnes (Griechenland). Die von TSHIKOLOVETS (2011) gezeigten Verbreitungsbilder von M. ornata telona (von Israel an entlang der Mittelmeerostküste nach Norden, flächig quer durch den asiatischen Teil der Türkei und den Iran, in Europa nur auf einigen der Türkei vorgelagerten ostägäischen Inseln (Lesbos, Chios) und Melitaea ornata ogygia (westägäische Inseln, Peloponnes und zentrales Griechenland, wahrscheinlich auch kleinflächig im europäischen Teil der Türkei und S.-W. Bulgarien) berühren sich fast. Die restlichen Vorkommen der Gruppe verteilen sich auf mehrere kleine und isolierte Arealbereiche in Europa. Autoren, die M. telona und M. ogygia auf Artebene trennen, fassen die Vorkommen von Griechenland, Süditalien und Südfrankreich teilweise unter dem Namen M. ogygia zusammen, andere bevorzugen, die griechischen Tiere mit den türkischen und nahöstlichen Tieren zur M. telona zu vereinigen und ihnen eine eigenständige Art mit Verbreitung in Sizilien, dem süditalienischen Festland und der Provence (Süd-Frankreich) mit Namen Melitaea emipunica VERITY, 1919, gegenüberzustellen.

M. ornata kovacsi von Nordungarn erscheint nach den neuen Nachweise von „M. telona“ in Mazedonien nicht mehr ganz so isoliert wie bisher vermutet.

Ein Vergleich in andere Quellen ergibt Folgendes:

VARGA et al. (2005) nennen das südosteuropäische Taxon „Melitaea ogygia kovacsi“ und berichten: OBERTHÜR (1876) beschrieb bei Melitaea phoebe eine „varietas punica“. Typenfundort war Lambessa in Algerien. HESSELBARTH et al. (1995) wiesen darauf hin, dass in Kleinasien Melitaea phoebe und „Melitaea punica ogygia“ häufig nebeneinander vorkommen. Sie erwähnten, dass bereits VARGA (1967) das Vorkommen einer „zweiten Art“ im Karpathenbecken aufgezeigt hat, die er Melitaea kovacsi nannte. „punica OBERTHÜR, 1876“ steht als infrasubspezifisches Taxon als Artname nicht zur Verfügung. FRUHSTORFER (1907) [recte 1908] beschrieb Melitaea phoebe telona (Typenfundort Jerusalem) und Melitaea phoebe ogygia (Typenfundort Poros, Griechenland) auf der gleichen Seite [Int. Ent. Z. Guben 1: 310]. Da der Code (ICZN) keine Zeilenpriorität vorsieht, bleibt es im Falle einer Synonymisierung späteren Autoren überlassen, welchen der beiden Namen sie verwenden. VARGA et al. (2005) begründen ihre Verwendung von Melitaea ogygia damit, dass schon BÁLINT (1996) es für das Taxon im Bereich von Karpathenbecken, Balkan und Kleinasien genauso handhabte. „The specific status of the eastern Mediterranean taxon was also confirmed by molekular data (WAHLBERG & ZIMMERMANN 2000), based on some specimens of libanon identified as “M. punica”. These data refer, however, to the Ponto-Mediterranean M. ogygia (= M. telona). Thus, the taxonomic status of Melitaea punica remained unclear.”

Bei Betrachtung der Arbeit von WAHLBERG & ZIMMERMANN (2000) wird vor allem klar, dass „Melitaea punica“ [also M. ogygia] und Melitaea phoebe nahe miteinander verwandt sind (und die Untergattung Cinclidia stellen). [Wie nahe diese Verwandtschaft ist, wird mir aus den Kladogrammen nicht klar.]

ABADJIEV (2000) weist “Melitaea punica telona FRUHSTORFER, 1908“ in Bulgarien nach, RAKOSY & VARGA (2001) nennen „Melitaea (punica) telona FRUHSTORFER, 1908“ aus Rumänien.

Die osteuropäischen Tiere der ssp. kovacsi scheinen an Cirsium pannonicum zu fressen, Vertreter der anderen Unterarten vornehmlich oder ausschließlich an diversen seltenen Centaurea-Arten.

Auf der französischen Seite http://www.lepinet.fr/spip/actualite.php?article17&e=l wurde noch eine Begründung gegeben, warum „unsere“ Tiere M. ogygia und nicht M. telona heißen sollten: die meisten Fachleute tendieren dazu, die Tiere des Mittleren Ostens und die Südosteuropas nicht als konspezifisch anzusehen! Diese Begründung steht jetzt nicht mehr so explizit da.

Melitaea ogygia wird aus der Provence (Var) gemeldet. Die Raupen haben einen roten Kopf und erinnern ansonsten an eine nicht richtig schwarz gefärbte M. cinxia-Raupe. Tja, und damit gibt es noch immer zwei völlig verschiedene Raupenformen von „Melitaea phoebe“, beide mit schwarzem Kopf! Wann wird ein Teil dieser Tiere einen neuen Namen tragen?

KUDRNA et al. (2011) gliedern die M. phoebe-Gruppe in 3 Arten: M. phoebe, die südosteuropäische M. telona und Melitaea emipunica von Sizilien.

LERAUT (2016) gliedert die M. phoebe-Gruppe ebenfalls in 3 Arten: M. phoebe, die nordafrikanische M. punica und eine südwest- bis südosteuropäische Art im Sinne der weit gefassten M. ornata, dem er hier trotzdem den jüngeren Namen M. telona verpasst.

POPOVIĆ & VEROVNIK (2018) melden das erste gesicherte Vorkommen für Serbien; jenes Exemplar wurde auch dem Barcoding zugeführt. Der in jener Arbeit dargestellte neighbour-joining tree wirft aber bezüglich mancher Vorkommen von M. ornata in Südeuropa mehr Fragen auf als er löst.

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur

(Autor: Erwin Rennwald)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU 07271a Melitaea ornata CHRISTOPH, 1893 non-d-ch-a

Bestimmungshilfe | LetzteAenderungen | Einstellungen
Diese Seite ist schreibgeschützt | Zeige andere Versionen dieser Seite
Letzte Änderung am August 13, 2018 19:45 von Jürgen Rodeland
Suche: