Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Maculinea Alcon

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Lycaenidae (Bläulinge)
EU M-EU 07115 Maculinea alcon ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Lungenenzian-Ameisenbläuling

Männchen

1, ♂: Österreich, Steiermark. Umgebung von Großstübing, 15. Juni 2007 (Foto: Leo Kuzmits), det. Leo Kuzmits [Forum]
2, ♂: (Foto: Walter Schön)
3-4, ♂: Schweiz, Zürcher Oberland, vic. Meilen, 800 m, 23. Juli 2008 (Freilandfotos: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]


Weibchen


1, ♀: (Foto: Walter Schön)
2, ♀: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Kirchsee, Kögelsberg, 23. Juli 2000 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
3, ♀: Schweiz, Bodenseegebiet, 1. August 2006 (Freilandfoto: Jochen Büchler), det. Jochen Büchler [Forum]
4-5, ♀: Daten siehe ♂ ♂ Falterbilder 3-4 (Freilandfotos: Heiner Ziegler) [Forum]
6, ♀: Österreich, Salzburg, Natura 2000 Gelände, ca. 490 m, 16. Juni 2012 (det. & Freilandfoto: Peter Ginzinger) [Forum]
7, ♀: Deutschland, Bayern, Egerndacher Filze, ca. 530 m, 5. August 2013 (det. & fot.: Peter Ginzinger) [Forum]


Geschlecht nicht bestimmt

1: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Zellerbachtal, 26. Juli 1995 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger


Eiablage

1, an Lungen-Enzian: (Foto: Walter Schön)
2, an Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana asclepiadea): Deutschland, Bayern, Unterallgäu, Auf dem Rohr bei Memmingen-Kronburg, 630 m, 3. Juli 2014 (Freilandfoto: Peter Schmidt) [Forum]


Raupe

1: an Kranz-Enzian: Österreich, Niederösterreich, Vorderschlageben, Zürnerberg, 900 m, 7. Oktober 2006 (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
2: Raupenfraß an Tragblatt von Kranz-Enzian: Österreich, Niederösterreich, Vorderschlageben, Zürnerberg, 900 m, 23. September 2007 (Foto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer


Ei

1, Eier an Lungen-Enzian: (Foto: Walter Schön)
2, Eier an Lungen-Enzian: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Kirchseemoor, 8. September 1994 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
3-7, Eier an Kranz-Enzian: Österreich, Niederösterreich, Vorderschlageben, Zürnerberg, 900 m, 23. September 2007 (Fotos: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
8, Eier an Lungen-Enzian: Deutschland, Bayern, gegenüber den Königsschlössern bei Füssen, ca. 820 m, 27. Juli 2008 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
9, Daten siehe Eierbild 8 (Studioaufnahme: Michel Kettner), det. Michel Kettner
10-11: Daten siehe ♂ ♂ Falterbilder 3-4 (Freilandfotos: Heiner Ziegler) [Forum]



Biologie

Habitat

1: Österreich, Niederösterreich, Vorderschlageben, Zürnerberg, 900 m, 23. September 2007 (Foto: Wolfgang Schweighofer) [Forum]
2: Schweiz, Zürcher Oberland, vic. Meilen, 800 m, 23. Juli 2008, (Foto: Heiner Ziegler) [Forum]
3: Deutschland, Bayern, Unterallgäu, Auf dem Rohr bei Memmingen-Kronburg, 630 m, 3. Juli 2014 (Freilandfoto: Peter Schmidt) [Forum]



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„griechisch Hirtenname.“
SPULER 1 (1908: 68L)


Andere Kombinationen


Taxonomie

ELLER, PFEIFER & RENNWALD (2007) [in SCHULTE et al. (2007): Die Tagfalter der Pfalz] schreiben zu Maculinea rebeli: "Bis heute ist nicht abschließend entschieden, ob es sich bei Maculinea alcon, dem Lungenenzian-Ameisenbläuling, und Maculinea rebeli um zwei getrennte Arten handelt oder lediglich um verschiedene Ökotypen. Beide Taxa können nicht mit letzter Sicherheit morphologisch auseinander gehalten werden. Auf die Zugehörigkeit zu einem der Taxa wird daher meistens ausgehend vom Fundort geschlossen. Während Maculinea alcon eher feuchte Standorte mit Lungen- oder Schwalbenwurz-Enzian (Gentiana pneumonanthe, G. asclepiadea) bewohnt, lebt der Kreuzenzian-Ameisenbläuling auf trockeneren Flächen mit seiner namengebenden Wirtspflanze (Gentiana cruciata). Untersuchungen in jüngster Zeit sprechen gegen die Aufrechterhaltung des Artstatus von Maculinea rebeli. Besonders überzeugende Hinweise darauf, dass die Unterschiede zwischen den Formen nur marginal sind, lieferten in den letzten Jahren verschiedene genetische Studien: PECH et al. (2004) verglichen Morphologie und Ökologie, ALS et al. (2004) DNA-Sequenzen, PECSENYE et al. (2005) und BERECZKI et al. (2005) Allozyme. STEINER et al. (2006) konnten bei der Untersuchung larval-kutikulärer Substanzen keine taxonspezifischen Substanzen finden; lediglich ihre Zusammensetzung ließ ansatzweise eine Gruppierung zu. Auch die Eier wiesen nur sehr geringe morphologische Unterschiede auf. STEINER et al. (2006) sehen dennoch nicht zuletzt aus naturschutzpolitischen Gründen bisher von einer Synonymisierung der beiden Taxa ab."

Erschwert wird die Aufrechterhaltung der beiden Taxa auf Artniveau durch die Tatsache, dass es aus osteuropäischen Ländern auch Beobachtungen gibt, wonach die Falter aus Lungenenzian-Populationen auch ab und zu in angrenzenden Trockenbiotop-Vorkommen an Gentiana cruciata und sogar Gentianella ciliata und Gentianella amarella ablegen (z. B. STANKIEWICZ et al. (2005).

Die frühfliegende Maculinea rebeli hat mit Gentianella-Arten normalerweise nichts zu tun, da sie erst Monate später zur Blüte gelangen. Auf Gentianella konzentrierte Populationen wurden bisher - auch im Rahmen des europaweiten Projektes "MacMan" - anscheinend nicht weiter untersucht. Insofern betritt der Beitrag von W. Schweighofer aus dem östlichen Österreich hier im Forum ( http://www.lepiforum.de/cgi-bin/2_forum.pl?noframes;read=15853 etc.) Neuland. Obwohl ganz eindeutig ein Trockenbiotop-Ökotyp soll er hier aus Gründen der Phänologie (späteste Flugzeit aller Maculinea alcon-Formen) unter Maculinea alcon und nicht unter Maculinea rebeli abgehandelt werden. Noch sind hier die Wirtsameisen und die Artzugehörigkeit der extrem schwierig anzusprechenden Gentianella-Arten (Kranz-Enzian) zu benennen und die genetische Distanz zu typischen Maculinea alcon von Lungenenzian und typischen "M. rebeli" von Kreuzenzian zu bestimmen. Wir legen die zugehörigen Bilder hier unter dem provisorischen Namen "Gentianella-Typ" ab.

M. rebeli wird unter Vorbehalt vorläufig noch als eigene Art geführt.

LORITZ (2007) warnte uns vor: „Nachdem Maculinea zeitweise als Untergattung innerhalb der Gattung Glaucopsyche geführt wurde (HESSELBARTH et al. 1995, NÄSSIG 1995, SETTELE et al. 2000), zeigen neuere genetische Untersuchungen, dass Maculinea nur mit der zentral- bis ostasiatisch verbreitenden Gattung Phengaris sehr nahe verwandt ist (ALS et al. 2004). Möglicherweise werden in Zukunft beide Gattungen unter dem erstbeschriebenen Namen Phengaris synonymisiert. Eine solche Gattung Phengaris wäre innerhalb des Tribus der Polyommatini monophyletisch.“ Der formale Schritt wurde dann von FRIC et al. (2007) vollzogen. In die deutschsprachige Literatur hatte das bisher noch keinen Eingang gefunden. Das änderte sich schlagartig mit dem Erscheinen der 2. Auflage von „Schmetterlinge. Die Tagfalter Deutschlands“ (SETTELE et al. 2009) Ende Februar 2009. Dort verrät nur ein winziger Kommentar bei “ Phengaris rebeli”, warum man den Namenswechsel in der Gattung vollzog: “Neue Erkenntnisse veranlassten uns, die Zuordnung des alten Gattungsnamens Maculinea als Untergattung zu Phengaris zu übernehmen (vgl. FRIC et al. 2007)."

Die Diskussion ist hier immer noch nicht ausgestanden, so dass es mir für die Bestimmungshilfe des Lepiforums noch etwas voreilig erscheint, einen so weit verbreiteten Namen wie „Maculinea“ einfach verschwinden zu lassen. Grund für diese "konservative" Haltung ist u.a., dass für "Maculinea" bei der ICZN ein Antrag auf Sicherung als nomen conservandum gestellt wurde, über den noch nicht entschieden ist.

Nochmals zu Phengaris als möglichen Gattungsnamen für die hier besprochene Art:

Leider habe ich die Originalarbeit von FRICS et al. (2007) noch nicht studieren können. Aber das kommt noch.

BROWER (2008) erläutert: “Phylogenetic relationships as inferred from combined molecular and morphological evidence by FRIC et al. (2007). Note that the former genus Maculinea, which included the European species M. arion and M. rebeli (now viewed as a synonym/subspecies of P. alcon), represents both basal and derived members of Phengaris. The type species of Maculinea is P. alcon, so even if Maculinea were retained as a distinct genus, it would not contain the charismatic European species P. arion.” Tatsächlich zeigt sein – wohl unverändert aus FRIC et al. (2007) übernommenes – Kladogramm der verwandtschaftlichen Verhältnisse, dass alcon – also die Art, anhand derer die Gattung Maculinea beschrieben wurde – die Schwestergruppe zu allen anderen 10 Arten der bisherigen Gattungen Maculinea und Phengaris ist. Wenn dem so wäre gäbe es zwei denkbare Lösungen:

Entweder es gibt nur eine Gattung: dann müsste sie – weil klar prioritätsberechtigt – Phengaris heißen, oder aber Maculinea und Phengaris werden als getrennte Gattungen akzeptiert: dann würden nur alcon (und rebeli) zu Maculinea gehören, alle anderen Arten zu Phengaris. Im Falle von Phengaris als einziger Gattung stünde Maculinea nur noch in Kombination mit alcon (und rebeli) als Untergattung zur Verfügung, nicht aber für nausithous, teleius oder arion. Wir müssen uns also schon mal bereit machen, umzulernen, aber ich möchte das nicht überstürzen.

Mein Problem: Im Kladogramm, das BROWER (2008) zeigt, werden alle Äste als schwarze Striche durchgezogen, d.h. es wird nicht differenziert zwischen statistisch hochsignifikant abgesicherten und nur ganz vagen Verwandtschaftsverhältnissen. Man kann es glauben oder auch nicht. Ich weiß nicht, ob das im Original anders ist – ich hoffe es. Und dann mag ich Kladogramme überhaupt nicht. Gegenüber Phylogrammen, die auf den exakt gleichen Daten basieren, haben sie zwei Vorteile: Da alle Verästelungen rechtsbündig sind, lassen sie sich zum einen leicht beschriften, zum anderen sind sie prächtig geeignet, alles, was den Baum in Frage stellen könnte, zu vertuschen. Wahrscheinlich sind es beide Gründe, warum man bei Verwandtschaftsstudien auf genetischer Basis fast nur Kladogramm und eben keine Phylogramme findet. Ich möchte jetzt erst einmal wissen, wie viele Gene und welche hier für den Baum genutzt wurden – und natürlich auch, ob es beim Zugrundelegen verschiedener Gene zu verschiedenen Bäumen gekommen ist, von denen aber nur der angenehmste gezeigt wurde. [Hier haben wir in den letzten Jahren zunehmend das Problem, dass bei der Untersuchung von mehr Genen es in vielen Fällen zu konkurrierenden Bäumen kommt, die aber beide als statistisch hochgradig abgesichert gelten … ]. Mal sehen, wie das weitergeht.

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Lycaenidae (Bläulinge)
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Letzte Änderung am April 24, 2016 18:52 von Jürgen Rodeland
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