Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Hadena Bicruris

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Noctuidae (Eulenfalter) / Hadeninae, Tribus Hadenini, Subtribus Hadenina
EU M-EU 09933 Hadena bicruris (HUFNAGEL, 1766) - Lichtnelken-Eule

1: Österreich, Niederösterreich, 1 km NW Urschendorf, Feuchtwiesen, Eschen-Weiden-Wäldchen, Schilf, 3. August 2002 (Foto: Peter Buchner), det. Peter Buchner
2, ♂: Deutschland, Bayern, Aichach-Sulzbach, 5. August 2007, am Licht (Studiofoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
3: Deutschland, Rheinland-Pfalz, 53572 Unkel, Rheintal, Am Stux, trocken-warme Weinbergslage, am Licht, 7. Juni 2009 (Foto: Michael Stemmer), det. Michael Stemmer, conf. Stefan Ratering [Forum]
4: Deutschland, Sachsen, Leipzig, 22. Juli 2010, am Licht (det. & Foto: Heidrun Melzer)
5: Deutschland, Saarland, Saarbrücken - St. Arnual, Tabaksmühlenbach, 200 m, Raupenfund am 19. Juli 2013 an Weißer Lichtnelke, e.l. 26. August 2013 (leg., cult., det. & Foto: Silke Balzert) [Forum]
6: Schweiz, Kanton Zürich, Glattfelden, Saum Eichenwald/Trockenwiese, 400 m, Lichtfang, 12. Juni 2013 (det. & fot.: Thomas Kissling) [Forum]
7, betäubter Falter: Deutschland, Schleswig-Holstein, Sibirien, Lichtfang, 19. Juli 2006 (Foto: Birgitt Piepgras), det. Egbert Friedrich [Forum]
8: Italien, Südtirol, Bozen-Rentsch, Mauer unter Wegbeleuchtung, 290 m, 4. April 2014 (det. & fot.: Werner Pichler), conf. Michel Kettner[Forum]
9: Deutschland, Baden-Württemberg, Ladenburg, Straßenböschung, 110 m, 23. April 2017, Tagfund (det. & fot.: Thomas Jungbluth), conf. Christian Siegel [Forum]


Ausgewachsene Raupe

1-3: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, 415 m, e.o. leg. Juli/August 2005 (Fotos: Christian Siegel), det. Christian Siegel
4-5: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m, an Weißer Lichtnelke (Silene latifolia ssp. alba), 26. August 2008 (det. & Fotos: Christian Siegel)
6: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m, an Weißer Lichtnelke (Silene latifolia ssp. alba), 24. Juni 2008 (det. & Foto: Christian Siegel)
7 & 8: Deutschland, Sachsen, westlich von Leipzig, Flussaue an der Luppe, in Samenkapseln von Silene alba, 12. Juli 2006 (leg., cult., det. & Studiofotos: Heidrun Melzer) [Forum]
9: Deutschland, Baden-Württemberg, oberer Neckar, Gemarkung Dietingen bei Rottweil, Bahndamm, 510 m, 14. Juni 2012 (det. & Studiofoto am 18. Juni 2012: Peter Lacha) [Forum]
10-11: Deutschland, Bayern, Hebertshausen zwischen Dachau und Ampermoching, an Roter Lichtnelke, 12. September 2012 (Fotos: Rainer Roth), det. Heidrun Melzer [Forum]
12-13: Deutschland, Brandenburg, Hennigsdorf bei Berlin, Feuchtwiese, an Weißer Lichtnelke (Silene latifolia), 24. August 2010 (det. & Freilandfotos: Martin Semisch) [Forum]
14: Deutschland, Saarland, Saarbrücken - St. Arnual, Tabaksmühlenbach, 200 m, an Weißer Lichtnelke, 19. Juli 2013 (leg., cult., det. & Foto: Silke Balzert) [Forum]
15: Deutschland, Schleswig-Holstein, Feldweg, 1 m, mit Lichtnelkenkapseln eingetragen, 30. September 2012 (leg., cult., det. & Studiofoto: Susann Kahlcke) [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1-2, vorletztes Stadium in Häutungsruhe: Deutschland, Brandenburg, Naturpark Hoher Fläming, Raben, Ruderalfläche am Waldrand, 2. September 2009 (Freilandfotos: Pia Wesenberg), det. Heidrun Melzer [Forum]
3, Jungraupe in Samenkapsel: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, 415 m, Juli/August 2005 (det. & Foto: Christian Siegel)


Fraßspuren und Befallsbild

1, erwachsene Raupe, teilweise in Samenkapsel von Lichtnelke: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m (det. & Foto: Christian Siegel)
2, Befallsbild an Samenkapsel von Weißer Lichtnelke (Silene latifolia ssp. alba): Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m, 24. Juni 2006 (det. & Foto: Christian Siegel)


Puppe

1-2: Deutschland, Saarland, Saarbrücken - St. Arnual, Tabaksmühlenbach, 200 m, Raupenfund am 19. Juli 2013 an Weißer Lichtnelke (leg., cult., det. & Fotos am 15. August 2013: Silke Balzert) [Forum]
3-4: Deutschland, Sachsen, Radebeul-Zitzschewig, Weg zwischen Weinanbaufeldern, e.l. 3. September 2006, an Melandrium fressend (Studiofotos vom 27. September 2006: Franziska Bauer), det. Franziska Bauer [Forum]


Ei

1-2: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m, an Weißer Lichtnelke (Silene latifolia ssp. alba), 22. Juli 2006 (det. & Fotos: Christian Siegel)



Diagnose

1-2, 3-4 und 5-6, drei ♂♂: Daten siehe Etikett (coll. & Fotos: Egbert Friedrich)

1-2, 3-4 und 5-6, drei ♀♀: Daten siehe Etikett (coll. & Fotos: Egbert Friedrich)


Unterscheidungsmerkmale Hadena bicruris und Hadena capsincola

Die Auftrennung von Hadena bicruris in die beiden Taxa Hadena bicruris (HUFNAGEL, 1766) (Typenfundort: Berlin) und Hadena capsincola ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) (Typenfundort: Wien) geht auf HACKER (1996) zurück. Vorher wurde H. capsincola als Synonym von H. bicruris betrachtet.
Hacker hat herausgefunden, daß alle Weibchen westlich einer Linie, die ganz grob von der Ostsee zur Adria verläuft, lange Gonapophysen (Apophyses posteriores und A. anteriores) im Ovipositor haben, alle Weibchen östlich davon deutlich kürzere. Die wirkliche Länge läßt sich nicht ermitteln, da die Abbildungen in Hackers Arbeit nicht mit Maßstab versehen sind; auf den abgebildeten Zeichnungen beträgt die gemessene Länge der Apophysen in mm [jeweils auf Fünferstellen abgerundet]:
bei H. bicruris: AP: 80 (2), 85 (3), 90 (2), 95 (1); AA: 25 (3), 30 (5).
bei H. capsincola: AP: 60 (1), 65 (1), 70 (5), 75 (1); AA: 15 (1), 20 (4), 25 (3).
AP = Apophyses posteriores von der Spitze der Papillae anales bis zum Ende der Apophysen
AA = Apophyses anteriores von der Ansatzstelle bis zum Ende der Apophysen
In Klammern die Anzahl der Präparate. Es sind je 8 Weibchen abgebildet.
Und dies sind die kompletten Unterschiede laut Hacker (1996: 38-40):

Hadena bicruris
"Spannweite 33-37 mm, bräunlich, z.T. hellbräunlich bis dunkelbraun. Ring- und Nierenmakel fein gelblich-weiß umrandet. Ringmakel meist rund bis leicht oval und groß. Zapfenmakel (schwarzbraun) distal gelblich-weiß umrandet und gut abgesetzt. Subterminale [= Wellenlinie] ebenfalls gelblich-weiß und deutlich."
Variationsbreite
"Relativ gering, einzelne Tiere sind dunkelbraun "übergossen", einzelne Stücke in verschiedenen Vorderflügelbereichen stärker aufgehellt."
Männliche Genitalien
"Chitinleiste an der Vesica nicht oder nur schwach angedeutet. Cornutibüschel etwas stärker als bei H. capsincola".
Weibliche Genitalien
"Gonapophyses lang, länger als bei den anderen Arten der Gruppe und gut als Unterscheidungsmerkmal geeignet. Appendix bursae nur angedeutet."

Hadena capsincola "Kleiner als H. bicruris, Spannweite 26-34 mm, meist 30-32 mm. Grundfarbe schwarz-bräunlich, Ring- und Nierenmakel fein gelblich-weiß umrandet und gut erkennbar, ebenso Subterminale. Ringmakel meist leicht bis stärker oval, in einigen Fällen auch zusammengedrückt, meist kleiner als bei H. bicruris. Zapfenmakel (schwarzbraun) distal gelblich-weiß umrandet und gut abgesetzt. Unterseite meist gräulicher als bei H. bicruris."
Variationsbreite
"Größer als bei H. bicruris, neben aufgehellten und bräunlichen Exemplaren (vergleichbar mit H. bicruris; bevorzugt aus Vorderasien) kommen vor allem in Nordeuropa und Zentralasien stark schwärzlich verdunkelte Stücke mit sehr "graziler" Zeichnung vor. Stücke aus dem Kaukasusraum sind teilweise sehr klein und mehr bräunlich, teilweise aufgehellt mit dadurch auffallend dunklem Zapfenmakel."
Männliche Genitalien
"Chitinleiste an der Vesica meist gut ausgeprägt; Cornutibüschel meist etwas schwächer und kürzer als bei H. bicruris"
Weibliche Genitalien
"Apophyses posteriores und anteriores kürzer als bei H. bicruris und gut als Unterscheidungsmerkmal geeignet, Appendix ebenfalls nur angedeutet, jedoch deutlicher als bei H. bicruris."

Die für H. bicruris genannten östlichsten Fundorte genitaluntersuchter Tiere sind:
D, Berlin, Lichtenrade
D, NS, Braunschweig
D, BAY, Fränk. Jura, Pottenstein
D, BAY, Unterfranken, Gambach/Main
D, BAY, Unterfranken, Hollstadt/Frän. Saale
D, BAY, Nordbayern, Staffelberg
D, BW, Fetsachmoos
(ferner Algerien, Marokko, Spanien, Frankreich, Italien, Sardinien, England, Dänemark.)
Die für H. capsincola genannten westlichsten Fundorte genitaluntersuchter Tiere sind:
D, BAY, Mittenwald, NWR Wettersteinwald
D, S, "Sachsen"
A, Kärnten, Sachsenburg
(ferner Ungarn, Estland, Finnland, Kroatien, Bosnien, Mazedonien, Griechenland sowie vorder- und zentralasiatische Länder.)

Im Noctuidae-europaeae-Band 4 werden im wesentlichen diese Angaben wiederholt, zusätzlich gibt es noch folgende Angabe für das männliche Genital: "Valva of Hadena capsincola broader, its ventral margin medially angled while valva of H. bicruris is narrower, its ventral margin smoothly curved; harpe of H. capsincola somewhat longer than in its relative although on average short and borad in both species."
Offensichtlich handelt es sich hier um einen Fall, in dem der gemeinsame Vorfahr von H. bicruris und H. capsincola durch die letzte Kaltzeit (Würmglazial) in Refugialgebiete im Südwesten (NW-Afrika, SW-Europ) und im Südosten (Vorder-/Zentralasien) aufgespalten wurde und sich in der Isolation differenziert hat. Bei der späteren Wiederbesiedlung Europas sind H. bicruris und H. capsincola in Deutschland, Österreich und Norditalien wieder zusammengetroffen. Ob sie sich an dieser Verbreitungsgrenze vermischen können und somit als Subspezies angesehen werden sollten, oder ob sie sich nicht oder kaum vermischen und somit als getrennte Arten angesehen werden sollten, ist unbekannt. Ein analoges Beispiel bieten Pyrgus malvae und P. malvoides.
Bisher hat sich leider noch niemand dazu bereit gefunden, zu untersuchen,
1. ob und wie sich die beiden Taxa molekulargenetisch unterscheiden,
2. ob es an den postulierten Verbreitungsgrenzen der beiden Taxa Übergänge in der Gonapophysenlänge gibt, ob also eine Übergangszone besteht, innerhalb derer die Taxa hybridisieren oder nicht,
3. wie überhaupt der genaue Verlauf der Verbreitungsgrenze ist,
4. ob sich die Entwicklungsstadien, insbesondere die Raupen, unterscheiden,
5. ob sich die Biologie unterscheidet (Nahrungspflanzenpräferenzen, Flugzeiten usw.).
Text: Axel Steiner [Forum]


Erstbeschreibung

HUFNAGEL (1766: 302-303) [nach Scans des Göttinger Digitalisierungszentrums [GDZ] mit schriftlicher Genehmigung des GDZ. Besitzerin der Vorlage: Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek]



Biologie

Nahrung der Raupe

1-2, Samenkapseln von Lichtnelken: Österreich, Vorarlberg, Hohenems, Rheinauen, ca. 415 m (Fotos: Christian Siegel)



Weitere Informationen

Andere Kombinationen


Synonyme


Verbreitung

Über die Verbreitung von Hadena bicruris und Hadena capsincola in Ungarn. [PDF] von S. SIMONYI


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Noctuidae (Eulenfalter) / Hadeninae, Tribus Hadenini, Subtribus Hadenina
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Letzte Änderung am Mai 22, 2018 20:20 von Michel Kettner
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