Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Fabriciana Niobe

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07206 Fabriciana niobe (LINNAEUS, 1758) - Mittlerer Perlmuttfalter

1, 6: Österreich, 2 km SW Waldegg, Wiesen, Mischwald, 600 m, 18. August 2005 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
2-5: Österreich, 2 km SW Waldegg, Wiesen, Mischwald, 600 m, 17. Juli 2005 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
7, ♀: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Hochries, 1100 m, 26. Juli 1998
8, ♂: Italien, Südtirol, Matscher Tal, 28. August 1999 (Fotos 7-8: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
9-10, ♂ der f. eris: Frankreich, östliche Pyrenäen, Département Aude, Quillan, 700 m, 8. Juni 2007 (Freilandfoto: Walter Schön), det. Walter Schön, conf. Uwe Geulen & Jürgen Hensle [Forum]
11, ♀: Italien, Südtirol, Umgebung von Taufers, 1000-1200 m, 24. Juli 2008 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
12-13, ♀: Schweiz, Bern, Vauffelin, 770 m, 26. Mai 2010 Raupenfund, e.l. 17. Juni 2010 (leg., cult., det. und Fotos: Rudolf Bryner) [Forum]
14-15, ♂ der f. eris: Griechenland, Peloponnes, Achaia, Umgebung Zachlorou, 8. Juni 2012 (Freilandfotos: Markus Dumke), det. Detlef Kahlheber & Jens Philipp [Forum]
16-17, ♂: Italien, Südtirol, Pfossental, krautreiche, felsdurchsetzte Waldschneise in Steilhanglage, ca. 1900 m, 27. Juli 2012 (det. & fot.: Jens Philipp) [Forum]
18-20, ♀: Italien, Südtirol, Stilfser Joch, blütenreiche Waldlichtung in Hanglage, ca. 1700 m, 31. Juli 2012 (det. & fot.: Jens Philipp) [Forum]
21, ♀: Deutschland, Schleswig-Holstein, Binnendüne Nordoe, 70 m, 29. Juni 2019 (Foto: Oliver Böck) [FForum]


Kopula

1-2: Österreich, Niederösterreich, 3171 Kleinzell, Zeiselalm, ca. 1000 m. 20. Juli 2009 (Freilandfotos: Gaby Dorka), det. Herbert Fuchs, conf. Uwe Geulen [Forum]
3: Italien, Comer See, San Bartolomeo, 29. Juli 2011 (fot.: Heinz Simon), det. Markus Dumke [Forum]
4: Schweiz, Kanton Wallis, am Weg von Zermatt entlang des Triftbaches 1800 m zum Hotel Trift, 2. August 2018 (det. & fot.: Andreas Hochkogler) [Forum]
5: Frankreich, Département Isère, Plateau d'Emparis, um 2200 m, Tagfund, 28. - 30. Juli 2018 (det. & Freilandfoto: Karin Vogt), conf. Peter Schmidt [Forum]


Ssp. orientalis (ALPHÉRAKY, 1881)

1-2: Türkei, Provinz Izmir, Armutlu in der Nähe von Kemalpasa, 350 m, 4. Juni 2010 (fot. & det.: Michel Kettner), conf. Jürgen Hensle [Forum]
3: Kirgisistan, Bishkek, Alatoo, Ala Artscha, 17. Juli 2018 (det. & fot.: Helmut Haas)
4: Kirgisistan, Naryn, Moldo Too, Boralbas Kirka Too, S Song-Köl, 12. Juli 2018 (det. & fot.: Helmut Haas)


Ausgewachsene Raupe

1-2: Schweiz, Bern, Vauffelin, 770 m, Weidefläche, 26. Mai 2010 (Freilandfotos: Rudolf Bryner), cult. & det. Rudolf Bryner [Forum]
3: Österreich, Niederösterreich, Bodingbach, 720 m, 1. Mai 2011 (Manipuliertes Freilandfoto: Wolfgang Schweighofer), det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
4: Kroatien, Cres, 100 m, ♀-Fund im Juni 2014 (Zuchtfoto vom 9. April 2015: Mario Peluso), cult. & det. Mario Peluso [Forum]


Jüngere Raupenstadien

1, Jungraupe, sich sonnend in der Nähe von Viola curtisii: Niederlande, Noord-Holland, Egmond-Binnen, 10 m, 10. Mai 2013 (Freilandfoto: Bram Omon), det. Bram Omon [Forum]
2-3, halbausgewachsene Raupen: Kroatien, Cres, 100 m, ♀-Fund im Juni 2014 (Zuchtfotos vom 27. März 2015: Mario Peluso), cult. & det. Mario Peluso [Forum]


Puppe

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Südlicher Kammschwarzwald, Dossen bei Schönau, 860 m, 27. Mai 2007 [Manipulierte Freilandaufnahme (Puppe festgeklebt): Jürgen Hensle], det. Jürgen Hensle
2-3: Kroatien, Cres, 100 m, ♀-Fund im Juni 2014 (Zuchtfotos vom 16. Mai 2015: Mario Peluso), cult. & det. Mario Peluso [Forum]


Ei

1, an Moos in der Nähe von Viola canina-Pflanzen abgelegtes Ei: Niederlande, Noord-Holland, Egmond-Binnen, 10 m, 2. Juli 2010 (Freilandfoto: Bram Omon), det. Bram Omon durch Beobachtung der Eiablage [Forum]
2, nach Überwinterung: Kroatien, Cres, 100 m, ♀-Fund im Juni 2014 (Zuchtfoto vom 1. März 2015: Mario Peluso), cult. & det. Mario Peluso [Forum]
3, frisch abgelegtes Ei auf gemähter Fläche: Deutschland, Baden-Württemberg, Öschingen, NSG Filsenberg, 784 m, 25. Juli 2016, Tagfund (manipuliertes Freilandfoto: Thomas Bamann) [Forum]



Diagnose

Ssp. orientalis (ALPHÉRAKY, 1881)

Männchen

1-2, ♂: Kirgisistan, Innerer Tienschan, Naryn, Gebirgszug Moldotoo, Umgebung vom Dolon-Pass, 2930-3800 m, leg., coll. & det. Bernhard May (Norbert Keil & Bernd Plössl), 27. Juli 2017 (fot.: Michel Kettner)


Weibchen

1-2, ♀: Kirgisistan, Innerer Tienschan, Naryn, Gebirgszug Moldotoo, Umgebung vom Dolon-Pass, 2930-3800 m, leg., coll. & det. Bernhard May (Norbert Keil & Bernd Plössl), 27. Juli 2017 (fot.: Michel Kettner)


Grundsätzlich sehen sich alle Perlmuttfalterarten mehr oder weniger ähnlich. Ein genauer Blick auf die Zeichnung, speziell der Hinterflügel-Unterseite, grenzt die Zuordnung aber sehr schnell stark ein, so daß nur noch ein oder zwei Arten in Betracht kommen. Fabriciana niobe ist F. adippe sehr ähnlich. Beim ♂ letztgenannter Art, wirken die Hauptadern auf der Vorderflügel-Oberseite durch breite Duftschuppenstreifen stark verdickt, ein Merkmal, das F. niobe fehlt. Beim ♀ von F. niobe schließlich, ist die Spitze des Vorderflügels meist mehr oder weniger stark aufgehellt, die dunklen Zeichnungselemente oberseits sind, speziell entlang der Flügeladern, ausgeprägt. Gebietsweise, so z. B. in Skandinavien, kann ersteres Erkennungszeichen aber auch fehlen. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die etwas unterschiedlich gezeichnete Hinterflügel-Unterseite. Beide Arten können in einer Variante mit und ohne Perlmuttflecken auftreten. Bei F. niobe aber befindet sich an der Basis der Hinterflügel-Unterseite stets ein kleiner, heller, meist schwarz gekernter Fleck. Der schwarze Kern fehlt F. adippe (fast) immer. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal findet sich an der Basis von Zelle 5 (zwischen Ader M1 und M2) auf der Hinterflügel-Unterseite. Diese Basis ist bei F. niobe stets hell, also je nach Farbmorphe silberweiß oder hellgelb gefärbt. Bei F. adippe ist die Zellbasis meist braun.


Unterscheidungsmerkmale in der Gattung Argynnis s.l. (inkl. Speyeria und Fabriciana)

Oberseite ♂Oberseite ♀UnterseiteUnterscheidungsmerkmale
A. paphiaOberseite
1 - bei ♂ 4 Duftschuppenstreifen auf M3, Cu1, Cu2 und A
2 - relativ große Postdiskalflecken
3 - bei ♀ Diskalflecken getrennt
4 - i.d.R. ohne Schimmer (außer bei f. valesina)


Unterseite
5 - Vorderflügel bräunlich
6 - durchgehender, meist deutlicher Silberstreifen
A. pandoraOberseite
1 - bei ♂ 2 Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - relativ kleine Postdiskalflecken
3 - bei ♀ Diskalflecken meist verbunden
4 - grünlicher Schimmer


Unterseite
5 - Vorderflügel orangerot, kardinalrot
6 - Silberstreifen oft nur schwach ausgeprägt, manchmal unterbrochen
S. aglajaOberseite
1 - bei ♂ meist 2-3 undeutliche Duftschuppenstreifen, manchmal auf Cu2 und A verstärkt
2 - bei ♀ Apex meist aufgehellt
3 - bei ♀ vereinzelt blaugrüne Bestäubung


Unterseite
4 - postdiskale Fleckenreihe fehlt
5 - grüne Bestäubung
F. adippeOberseite
1 - bei ♂ 2 deutliche Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - bei ♀ Apex nicht aufgehellt
3 - ♀ nie mit blaugrüner Bestäubung


Unterseite
4 - weiße, braungerandete Postdiskalflecken
5 - meist kleiner (oft fehlender) weißer Fleck an Basis der Hinterflügel, extrem selten schwarz gekernt
6 - Marginallinie undeutlich
7 - bei ♀ 3 Perlmuttflecken im Apikalbereich
F. niobeOberseite
1 - bei ♂ fehlende oder 2 undeutliche Duftschuppenstreifen auf Cu1 und Cu2
2 - bei ♀ Apex meist aufgehellt
3 - bei ♀ oft blaugrüne Bestäubung


Unterseite
4 - weiße, braungerandete Postdiskalflecken
5 - weißer, oft schwarzgekernter Fleck an Basis der Hinterflügel
6 - deutliche Marginallinie
A. laodiceOberseite
1 - bei ♂ 2 Duftschuppenstreifen auf Cu2 und A
2 - Diskalflecken rund/oval
3 - bei ♀ meist kleiner weißer Fleck in Gabelung von R4 und R5


Unterseite
4 - braunrote bis violette Grundfärbung im Außenbereich der Hinterflügel
5 - grünliche bis gelbliche Grundfarbe im Innenbereich der Hinterflügel

(Farbtafeln und Text: Jens Philipp)


Ähnliche Arten:


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 481-482) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

Der Mittlere Perlmuttfalter löst sich noch etwas mehr vom Wald, als die anderen größeren Perlmuttfalterarten. Er fliegt meist auf mageren Wiesen, die in oder in der Nähe von Wald liegen, aber auch weit von diesem entfernt sein können. Vereinzelt kann man ihn am Rande von Hochmooren oder auf Feuchtwiesen finden, meist sind jedoch trockene Wiesen sein Lebensraum. An Nord- und Ostsee findet man ihn oft in den Küstendünen. In Norddeutschland und in Osteuropa im Flachland, nach Süden und Westen zu aber immer mehr im Gebirge. Er meidet in Mitteleuropa wärmere Klimagebiete und fühlt sich in kühleren Regionen mit rauhen Wintern deutlich wohler. Erstaunlich daher, daß man ihn im Mittelmeerraum auch an ausgesprochen trockenheißen Stellen finden kann. In den Alpen und den Gebirgen Südeuropas steigt F. niobe bis auf 2500 m.

1: Schweiz, Bern, Vauffelin, 770 m, Weidefläche, 12. Mai 2007 (Foto: Rudolf Bryner)
2, Larvalhabitat, Magerrasen mit Viola canina, Viola hirta und Viola curtisii in den Küstendünen: Niederlande, Noord-Holland, Egmond-Binnen, 10 m, 10. Mai 2013 (Freilandfoto: Bram Omon) [Forum]
3: Deutschland, Baden-Württemberg, Gönningen, NSG Filsenberg, 20. Juli 2016 (Foto: Thomas Bamann) [Forum]
4: Deutschland, Baden-Württemberg, Honau, Linsenbühl, 20. Juli 2016 (Foto: Thomas Bamann) [Forum]


Lebensweise

Aufgrund ihrer unterschiedlichen Standortansprüche fliegt die Art in Südeuropa oft schon Anfang Mai, weiter im Norden selten vor Ende Juni und je nach Höhenlage bis Ende August oder Anfang September.
Wie bei F. adippe, werden auch bei F. niobe die Eier nicht an die Nahrungspflanze, sondern an meist trockene Pflanzenteile in deren Nähe abgelegt. Denn auch die Raupe dieser Art überwintert fertig ausgebildet im Ei und schlüpft dann erst im Frühjahr. Die Raupe frisst an Veilchen, wobei es jedoch noch weitgehend unbekannt ist, an welchen. Eine häufige Nahrungspflanze ist das Rauhhaarige Veilchen (Viola hirta), aus Israel ist Viola modesta bekannt geworden, aus niederländischen Küstendünen Viola canina. Sehr wahrscheinlich werden aber auch noch andere Veilchenarten befressen.

(Autor: Jürgen Hensle)



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„griechischer Frauenname.“
SPULER 1 (1908: 29R)


Andere Kombinationen

Synonyme

Unterarten


Taxonomie

DE MOYA et al. (2017) kommen in ihrer sehr umfassenden Studie zum wenig überraschenden Ergebnis, dass die derzeitige Aufteilung in eine amerikanische Gattung Speyeria und eine europäische-asiatische Gattung Argynnis so nicht haltbar ist. Sie kommen zum Schluss, dass man die Arten alle in einer weit gefassten Gattung (die dann Argynnis hieße) zusammenfassen müsste, oder aber die Arten auf drei Gattungen (Argynnis, Fabriciana, Speyeria) zu unterteilen hätte. Die Entscheidung aus europäischer (und wohl auch asiatischer) Sicht wäre die für eine einzige Gattung, die aus nordamerikanischer Sicht für drei Gattungen unter Beibehaltung von Speyeria. Wörtlich: "In our opinion, there are only two ways to interpret the topology for a robust classification: either the entire clade is considered to be the genus Argynnis or the three strongly supported clades can be considered as the genera Argynnis, Fabriciana and Speyeria." Was verspricht die größte nomenklatorische Stabilität? In Amerika spielen viele Speyeria-Arten im amtlichen Naturschutz eine wichtige Rolle – man darf diese Namen nicht einfach verschwinden lassen. Also: "When considering these two alternatives, we need to take into account issues of stability. The current recommendation is for the entire clade to be called Argynnis (Simonsen et al., 2006), yet in North America Speyeria continues to be widely used, especially in matters related to conservation. We thus feel that retaining the name Speyeria is necessary for stability and consistent usage. This would mean that the name Arygnnis would be applied to Argynnis s.s., that is, all traditionally recognized Palearctic subgenera except Mesoacidalia and Fabriciana." Für uns Europäer hat das zur Folge, dass uns Argynnis paphia, Argynnis pandora und Argynnis laodice erhalten bleiben. Die Kombinationen Fabriciana adippe, Fabriciana niobe und Fabriciana elisa kennen wir ja schon aus der nahen Vergangenheit – die lassen sich also leicht wieder reaktivieren. Lediglich Argynnis aglaja, damals Mesoacidalia aglaja, bekommt eine für unsere Ohren ungewöhnliche, wenn auch nicht neue Kombination: Speyeria aglaja! Die Art gehört in den Verwandtschaftskreis der nordamerikanischen Arten.

(Autor: Erwin Rennwald)


Verbreitung

F. niobe ist von Portugal durch Mittel- und Osteuropa, sowie das nördliche Zentralasien bis ins südliche Ostsibirien verbreitet. In Europa fehlt sie auf fast allen größeren Inseln, von Sizilien einmal abgesehen, sowie in Nordeuropa nördlich etwa des 63. Breitengrades.


Typenmaterial

HONEY & SCOBLE (2001: 354): “LSL [The Linnean Society of London, Anm. Red. Lepiforum]: 1 ♂ labelled “Niobe” [by Linnaeus], “Niobe 786.” [by Smith], here designated as LECTOTYPE; [...].”


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
EU M-EU 07206 Fabriciana niobe (LINNAEUS, 1758) - Mittlerer Perlmuttfalter Mittlerer Perlmutterfalter art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Februar 17, 2020 9:39 von Jürgen Rodeland
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