Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Dysgonia Algira

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Erebidae (Eulenfalter [z. T.]), Erebinae, Tribus Ophiusini
EU M-EU 08904 Dysgonia algira (LINNAEUS, 1767) - Brombeereule

1: Ungarn, Asotthalom (ca. 30 km westlich von Szeged), naturnaher Hausgarten, ca. 80 m, 5. August 2012, am Köder (Foto: Wiebke Bandmann), conf. Ursula Beutler [Forum]
2: Frankreich, Drôme, Crest, Grâne, 8. September 2006, am Licht (Studiofoto am 9. September 2006: Allan Liosi), conf. Uwe Geulen [Forum]
3: Schweiz, Tessin, Cavigliano (Centovalli), 300 m, 9. Juni 2007 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
4: Deutschland, Baden-Württemberg, Söllingen Baden Airport (ehem. Mun.-Depot), gemeinsamer LF mit Axel Steiner und Rolf Mörtter vom 2. September 2008 (Studiofoto: Dietmar Laux), det. Axel Steiner & Rolf Mörtter [Forum]
5: Schweiz, Graubünden, Puschlav, Brusio, 943 m, 3. August 2008 (Studiofoto: Ernst Gubler), det. Harald Lahm [Forum]
6: Italien, Friaul, Trasaghis; 15. August 1998 (Foto: Helmut Deutsch), det. Helmut Deutsch
7: Griechenland, Messenien, Exochori, 470 m, Lichtfang, 9. Juni 2009 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
8: Griechenland, Peloponnes, Messenien, Kardamili, Kalamitsi, 36.881075, 22.240179, 20 m, 24. April 2011, Lichtfang (det. & fot.: Christian Papé) [Forum]
9: Deutschland, Oberrheinebene, Baden-Württemberg, Mannheim, Hauptbahnhof, 18. Juni 2005 (Foto: Udo Klein), det. Udo Klein
10: Italien, Lombardia, Gardone, 24. August 2006, morgens an einer Hauswand (Foto: Dietmar Laux), conf. Dieter Fritsch [Forum]
11: Schweiz, Wallis, Ausserberg, Lötschbergbahn-Südrampe, 18. Juni 2012 (det. & fot.: Heiner Ziegler) [Forum]
12, Unterseite: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, 29. Juni 2012, am Licht (Foto: Willy Dresel), det. Armin Dahl [Forum]
13: Griechenland, Peloponnes, Kardamili, Viros-Schlucht, vic. Moni Sotiros, N 36 54' 18" E 22 15' 23", 200 m, 16. Mai 2012, Lichtfang (det. & fot.: Christian Papé) [Forum]
14: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, 5. August 2012 (leg., det. & fot.: Willy Dresel) [Forum]
15, Unterseite: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, 7. August 2013, Balkon am Licht (det. & Studiofoto: Willy Dresel) [Forum]
16: Österreich, Niederösterreich, Sollenau, am Licht 11. Juni 2014 (det. & Foto Peter Buchner)

Hinweis: ein hier bis zum 9.11.2017 gezeigtes [Falterfoto] (samt Habitatbild) wurde aufgrund von [Zweifeln] an der Bestimmung entfernt [Forum].


Raupe

1-3: Italien, Tessin, Eiablage Ende Juli 2006 (Fotos: Christian Siegel), cult. & det. Christian Siegel (jede Bildmontage zeigt ein Raupen-Individuum)
4-5: Frankreich, Ardèche, Maurice de l'Ibie, Raupe an einen Brombeerzweig, 8. September 2006 (Freilandfotos: Allan Liosi), det. Thomas Fähnrich und Stefan Ratering [Forum]
6: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, Eiablage am 7. August 2012, 15. August 2012 (leg., cult., det. & fot.: Willy Dresel) [Forum]
7-9: dito, 20. August 2012
10-11: dito, 25. August 2012
12-14: dito, 28. August 2012
15-16: dito, 6. September 2012
17: Italien, Veneto, Caorle, Küste, 3 m, leg. 12. September 2015, Tagfund (manipuliertes Freilandfoto: Eva Benedikt) [Forum]
18: Italien, Veneto, Caorle, Küste, 3 m, leg. 12. September 2015, Foto 19. September, Tagfund (Studiofoto: Eva Benedikt) [Forum]
19: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, Weinbergböschung am Badenberg bei Vogtsburg-Oberrotweil, 250 m, 16. Oktober 2016 (Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle [Forum]
20-21 (ein Exemplar): Italien, Rom, Rocca di Papa [41.76584, 12.69596] (det. & fot.: Paolo Mazzei)


Fraßspuren und Befallsbild

1, Fraßbild der Altraupe an Rubus fruticosus agg.: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, Weinbergböschung am Badenberg bei Vogtsburg-Oberrotweil, 250 m, 16. Oktober 2016 (Freilandfoto: Jürgen Hensle) [Forum]


Puppe

1-3, frische Puppe, noch nicht bereift: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, Eiablage am 7. August 2012, 9. September 2012 (leg., cult., det. & fot.: Willy Dresel) [Forum]
4-5: Italien, Veneto, Caorle, Küste, 3 m, leg. 12. September 2015, e. l. (Studio-Aufnahme und det.: Eva Benedikt) [Forum]


Ei

1: Deutschland, Baden-Württemberg, 77815 Bühl-Baden, südliche Ortsrandlage, 135 m, Eiablage am 7. August 2012 (leg., cult., det. & fot.: Willy Dresel) [Forum]



Diagnose

Dysgonia algira ist habituell nicht von der in Süd- und Südosteuropa verbreiteten Schwesterart D. torrida unterscheidbar. Wenn in einem Fundgebiet bekanntermaßen nur eine der beiden Arten vorkommt, kann die Bestimmung nach dem Ausschlussprinzip erfolgen. Andernfalls ist für die sichere Bestimmung eine Genitaluntersuchung erforderlich.

1-2 und 3-4, zwei ♂♂: Daten siehe Etikett (coll. & Fotos: Egbert Friedrich)

1-2 und 3-4, zwei ♀♀: Daten siehe Etikett (coll. & Fotos: Egbert Friedrich)


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1767: 836) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Habitat

1, Larvalhabitat: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, Weinbergböschung am Badenberg bei Vogtsburg-Oberrotweil, 250 m, 16. Oktober 2016 (Foto: Jürgen Hensle) [Forum]


Lebensweise

Dysgonia algira verpuppt sich an oder in der Erde, zwischen Blättern, Rindenstückchen oder anderen Pflanzenteilen in einem leichten Kokon. Bei Verschleppung aus dem natürlichen Lebensraum kann sie sicher auch diverse künstliche Materialien zum Kokonbau nutzen, beispielsweise Holzwolle, zerknülltes Papier, vielleicht auch Styroporflocken und ähnliches, oder ihr Gespinst in irgendwelchen Ecken oder Ritzen anlegen [Axel Steiner].


Nahrung der Raupe

Die Raupen fressen nicht nur an Brombeere; die Literatur nennt auch Ginster (Genista sp.), Weiderich (Lythrum sp.), Aufrechtes Glaskraut (Parietaria officinalis), Salweide (Salix caprea), Weide (Salix sp.), Wunderbaum (Ricinus communis), Granatapfel (Punica granatum) und möglicherweise Schlehe (Prunus spinosa) [Axel Steiner].



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„die von Algier, wo sie sehr häufig vorkommt.“
SPULER 1 (1908: 311L)


Andere Kombinationen

Synonyme


Faunistik

Die in Europas Süden verbreitete Art wurde als seltener Wanderfalter immer wieder einmal weit nördlich ihres dauerhaften Verbreitungsgebiets gefunden. So meldet DE PRINS (2006) den Erstnachweis aus Belgien (Lichtfallennachweis am 30. Juni 2006 in Drongen in Westflandern). Nach seiner Diskussion gab es bis dahin 10 Falternachweise aus Großbritannien und einen alten Fund in den Niederlanden (Goes (Zeeland) Lichtfallennachweis am 7. Juli 1965).

Die älteste Angabe aus Deutschland ist wohl die von H. HERRMANN (1976), der am 23. August 1959 bei Unterbränd in der Baar (Baden-Württemberg), also einem recht kühlen Gebiet, eine Raupe an Sal-Weide (Salix caprea) gefunden haben will, die sich 3 Wochen danach verpuppt und am 22. Juli 1960 den Falter ergeben haben soll. Bereits STEINER (1997) bemerkte, dass das extrem späte Schlüpfdatum (der Falter hätte selbst unter Freilandbedingungen schon im Mai oder Anfang Juni schlüpfen müssen) merkwürdig ist. Ein Raupenfund an etwas anderem als Brombeere (Rubus div. spec.) ist zwar nicht unmöglich, macht die Angabe aber auch nicht wahrscheinlicher. Da noch eine Reihe anderer Meldungen jenes Autors wenig plausibel erscheinen, kann diese Angabe zu D. algira m.E. nicht als sicherer Nachweis gewertet werden - ganz unmöglich ist er aber auch nicht.

Die aus Deutschland also lange völlig unbekannte Art ist seit Jahrzehnten in Ausbreitung nach Norden und Nordwesten begriffen und wird als Einzelexemplar immer wieder an neuen Stellen gefunden. STEINER (1997) diskutiert die gleich 7 Falterfunde der Jahre 1992, 1993 und 1994 ganz im warmen Südwesten Baden-Württembergs und kommt zum vorsichtigen Schluss, dass hier einiges für Fortpflanzung und zeitweilige Bodenständigkeit im Gebiet spricht. FRITSCH (2005) kann für den südbadischen und nordwestschweizerischen Raum (Kantone BL und BS) von 1986 bis 2003 immerhin Nachweise aus 11 Jahren zusammenstellen und erläutert weitere Argumente die für neuerliche Bodenständigkeit sprechen. Der nördlichste von ihm genannte Fundpunkt der Oberrheinebene war Offenburg im Jahr 2003.
Willy Dresel [Beitrag Lepiforum am 13. August 2013] erwähnt seine Funde vom 29. Juni 2012, 5. August 2012 und 7. August 2013 in Bühl (Baden) - nach dazwischenliegendem sehr kalten Winter. Axel Steiner antwortet darauf [13. August 2013, Beitrag Lepiforum]: "Dysgonia algira wird seit 1992 regelmäßig in der südlichen und mittleren Oberrheinebene nachgewiesen, nachdem sie im Raum Basel bereits seit 1986 beobachtet wurde. Es besteht heute kein Zweifel mehr daran, dass sie im Dreiländereck und in der badischen und elsässischen Oberrheinebene bodenständig geworden ist". Spätestens mit dem erneuten Falterfund vom 30. Mai 2014 war auch die Bodenständigkeit für Bühl (Baden) an der Grenze der mittleren zur nördlichen Oberrheinebene belegt [Willy Dresel, Beitrag Lepiforum 1. Juni 2014]. Und noch eine Meldung von Karlsruhe vom 30. August 2013 [Lepiforumsbeitrag Michael Schlemm, 31. August 2013] - und wieder mit dem Kommentar von Axel Steiner [Lepiforumsbeitrag Axel Steiner 1. September 2013]. Tatsächlich gibt es von nach 2000 eine größere Zahl von Fundmeldungen, die die gesamte badische Oberrheinebene bis nach Heidelberg und Mannheim im Norden durchziehen (siehe Artseite auf http://www.schmetterlinge-bw.de/ und auch diverse Beiträge im Lepiforum [Kehl, 2005: Erwin Rennwald Beitrag 15. Oktober 2005] [Söllingen, 2. September 2008: Dietmar Laux, Beitrag 8. September 2008] [Hockenheim, 9. Juli 2010: Harald Bott, Beitrag 9. Juli 2010] [Ettlingen, 14. August 2010: Ralf Waltemathe, Beitrag 15. August 2010] [Ludwigshafen, 12. August 2010 und Ladenburg, ca. 10. August 2010: Ernst Blum, Beitrag 15. August 2010] [Baden-Baden, 27. August 2010: Dieter Kühnen, Beitrag 29. August 2010]).

Die Artseite für Rheinland-Pfalz bei http://rlp.schmetterlinge-bw.de/ nennt 4 Einträge: 2010 und 2012 südwestlich von Mannheim (Bastian; Manfred Hund), 2013 bei Germersheim (Sander) und Wörth am Rhein (Dieter Kremb); damit liegen alle bekannten Funde in Rheinnähe gegenüber bekannter Fundorte von Baden-Württemberg.

Die Artseite von Andreas Werno für das Saarland (http://www.delattinia.de/saar_lepi_online/#) nennt drei Nachweise: Differten im Jahr 1976, St. Ingbert 1979 und Nunkirchen 2013. Nach dem Nachweis eines Exemplars am 28. September 2014 im NSG Hammelsberg bei Perl ganz im Westen des Saarlands [Lepiforumsbeitrag Jürgen Peter am 3. Oktober 2014] am darf auch hier die Frage nach beginnender Bodenständigkeit gestellt werden.

Nördlichster Nachweispunkt in Deutschland ist derzeit ein Falter aus Waren (Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern [Lepiforumsbeitrag Thomas Michaelis, 6. Februar 2014]. Da der Falter allerdings mitten im Winter (5. Februar 2014) in völlig frischem Zustand in einem Ladengeschäft gefunden wurde, ist hier Verschleppung im Puppenstadium zu unterstellen (siehe hierzu auch die Antwort von Axel Steiner [Lepiforumsbeitrag 6. Februar 2014]).

(Autor: Erwin Rennwald, Stand 3. Oktober 2014)


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Erebidae (Eulenfalter [z. T.]), Erebinae, Tribus Ophiusini
EU M-EU 08904 Dysgonia algira (LINNAEUS, 1767) - Brombeereule art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am Mai 18, 2018 23:36 von Michel Kettner
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