Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Boudinotiana Puella

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EU M-EU 07519 Boudinotiana puella (ESPER, [1787]) - Kleines Jungfernkind

1: Slowakei, Starý Tekov, 24. Februar 2008 (Foto: František Kosorín), det. František Kosorín
2, ♀: Slowakei, Galanta, 100 m, 10. März 2007 (det. & fot.: Roland Štefanovič) [Forum]
3-5, ♂: Slowakei, Galanta, 100 m, 27. Februar 2011 (det. & fot.: Roland Štefanovič) [Forum]
6, ♀: Slowakei, Galanta, 100 m, 27. Februar 2011 (det. & fot.: Roland Štefanovič) [Forum]
7, ♂: Slowakei, Starý Tekov, 148 m, 20. Februar 2014 (det. & Freilandfoto: František Kosorín) [Forum]
8: Österreich, Niederösterreich, Marchegg, 150 m, 20. Februar 2014 (Freilandfoto: Maria Zacherl) [Forum]


Kopula

1: Österreich, Wien, Nationalpark Donauauen, Feuchtwiese, 150 m, 26. Februar 2017, Tagfund (Foto: Doris Domin) [Forum]



Diagnose

1-2, ♂: Daten siehe Etiketten (fot.: Michel Kettner), coll. ZSM

1-2, ♀: Daten siehe Etiketten (fot.: Michel Kettner), coll. ZSM



Weitere Informationen

Etymologie (Namenserklärung)

„puella das Mädchen.“
SPULER 1 (1908: 337R)


Andere Kombinationen

Synonyme

Unterarten


Faunistik

Deutschland

Die Art wurde angeblich aus Deutschland beschrieben - Zweifel erscheinen jedoch angebracht. In der Erstbeschreibung von ESPER (1787) ist zu lesen: „Diese Gattung findet sich in der Gegend von Frankfurt am Main, von da ich sie durch die Güte des Herrn Gerning erhalten. Sie kommt etwas früher als die Phalaena Parthenias zum Vorschein, doch in ganz eigenen von dem Aufenthalt jener Gattung abgesonderten Orten.“

HACKER (1999) stellte die Typen der von ESPER beschriebenen Taxa zusammen: "*puella ESPER, [1787] Archiearis puella (ESPER, [1787]) ([Phalaena ] Noctua ) (4: 163, Tab. CVI, Fig. 2, 3) ("Gegend von Frankfurt am Mayn") (ex coll. Gerning) ZSM: Kein authentisches Material vorhanden. LMW: 2 M, 1 W, Syntypen. Das Männchen rechts unten entspricht Fig. 2 und wird als Lectotypus festgelegt. Das Weibchen in der Mitte entspricht Fig. 3 und ist ebenso wie das restliche Männchen ein Paralectotypus. Datierung der Beschreibung nach der Tafel [1787], nach dem Text [1789] (HEPPNER, 1981)."

GELBRECHT (1999) geht nicht auf diese Erstbeschreibung ein; er streicht die Art aber für Deutschland und fasst zusammen: "Bislang nur unsichere, nicht mehr überprüfbare Meldungen aus BW (Stuttgart nach SEYFFER 1850). Nach STEEG (1961) in Hessen angeblich früher bei Münster, im Taunus und bei Bad Soden gefunden, Belege sind jedoch nicht bekannt. Überraschenderweise befinden sich bei zwei Ex. aus "Frankfurt a. Main, Vilbel, leg. M. STEEG" aus dem Jahre 1943 in der Zoologischen Staatssammlung München (HAUSMANN, pers. Mitteilung), die in der Fauna von STEEG (1961) jedoch nicht erwähnt werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die an warme Flussauen gebundene A. puella noch nie in der Rheinebene beobachtet wurde. Auffallend ist die isolierte Lage der Angaben nach STEEG (1961) vom weiter östlich liegenden Hauptareal. Auch die Thüringer Meldungen, die ebenfalls nicht belegt sind, gelten als unsicher (BERGMANN 1955). Insgesamt muss aus den zuvor genannten Gründen das Vorkommen von A. puella in Deutschland als nicht ausreichend gesichert gesehen werden."

[Kommentar von Wolfgang A. Nässig zu den Belegen von STEEG, die angeblich von Frankfurt a. M. stammen sollen]

Schon BERGMANN (1955) diskutierte die alten Meldungen aus Weimar, Camburg und Vogtland bei Plauen und kam zum Schluss: "Die Fundortsmeldungen sind alt und erscheinen mir zweifelhaft; sie konnten in neuerer Zeit auch nicht bestätigt werden. Wenn die Art tatsächlich früher in Thüringen vorkam, was möglich ist, so ist sie doch jetzt aus der Fauna zu streichen. - Die nächsten bestätigten Fundorte liegen in der Tschechoslowakei (STERNECK). An der Donau bei Wien ist die Art lokal nicht selten."

THIELE (2001) diskutiert die Uraltmeldung aus Baden-Württemberg: Die Art wurde von SEYFFER (1850) mit "Stuttgart selten" angegeben, was spätere Autoren zu Recht angezweifelt haben ... Ein Vorkommen in Deutschland ... kann nicht bestätigt werden."

Insgesamt sind diese Angaben aus Deutschland so wenig begründet, dass wir die Art hier für Deutschland ganz streichen und nicht einmal mit Fragezeichen aufnehmen müssten - was aber ist mit der Erstbeschreibung aus Frankfurt am Main? Von dieser sind doch immerhin 3 Belegtiere vorhanden!

Das Für und Wider bezüglich der Zuverlässigkeit der Etikettendaten wird in einer Diskussion im Lepiforum [Forumsbeitrag J. Rodeland, siehe auch diverse Antwortbeiträge] ausführlich diskutiert. Die Bedenken gegen eine richtige Etikettierung sind hier groß. Doch weil es sich hier um den (angeblichen) locus typicus handelt, wird hier das Vorkommen in Deutschland mit (großem) Fragezeichen akzeptiert.

HASLBERGER & SEGERER (2016) führen die Art in ihrer “Liste der für Bayern zweifelhaften Arten”.

Schweiz

Aus der Schweiz wurde die Art nur aus der Region Basel gemeldet. ALTERMATT et al. (2006) akzeptieren die (belegte) Angabe vom T. Haas über 2 Falter vom 20. März 1909 vom Allschwiler Wald bei Allschwil unkommentiert. Prinzipiell erhebt sich hier die Frage, wie gesichert das (ehemalige) Vorkommen für die Schweiz ist. D. Fritsch, einer der Autoren des zitierten Werkes, nimmt Stellung: "Im Kantonsmuseum Baselland Liestal sind die beiden Belege von Archiearis puella in der Sammlung von Traugott Haas, ich habe beide Tiere gesehen, völlig eindeutig. Haas war seinerzeit in der Region Basel aktiv, hat eine sehr schöne Sammlung hinterlassen, hat sehr zuverlässig bestimmt und etikettiert und für uns gibt es keinen Grund, den Fundort "Allschwil, Allschwiler Wald" anzuzweifeln. Der elsässer Nonnenbruch ist ja auch wirklich nur einen Katzensprung von Allschwil entfernt, ich halte es für sehr wohl möglich, dass die Art auch dort vorgekommen ist (immer noch gibt?), es gibt allerdings keine Belege von dort." [Kommentar D. Fritsch] Arealgeographisch läge dieses Vorkommen viele hundert Kilometer von den nächsten Fundstellen im Donauraum bei Wien und Nordost-Italien entfernt.

Österreich

In Österreich ist die Art nach HAUSMANN (2001) auf den äußersten Osten beschränkt. Maria Zacherl berichtet im [Forum] über die Beobachtung zahlreicher (etwa 70 - 80) Falter auf einer Strecke von ca. 800 m in Marchegg (Niederösterreich) am 20. Februar 2014.

Sonstige

Die Art ist auch im südöstlichen Europa nur lokal anzutreffen. Aus dem nordöstliche Italien und Dalmatien gibt es keine neuere Angaben. Aus Bulgarien wurde eine eigene Unterart (ssp. mediterranea) beschrieben. Die Angaben aus Zentral-Frankreich (Dept. Cher, Loire, Saône-et-Loire) beziehen sich auf die nahe verwandte Archiearis touranginii, die dort endemisch auftritt.


Literatur

(Autor: Erwin Rennwald)


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Letzte Änderung am Juni 23, 2017 23:56 von Erwin Rennwald
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