Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Agnoea Flavifrontella

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Lypusidae
EU M-EU 03058 Agnoea flavifrontella ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775)

1-2: Österreich, Niederösterreich, 2,5 km N Schwarzau/Stf., lichtungs- und laubholzreicher Schwarzföhrenforst, 320 m, 17. Mai 2003
3: Österreich, Niederösterreich, 2 km S Thernberg, Wiese (z.T. beweidet), Mischwald, 620 m, 28. Mai 2005 (Fotos 1-3: Peter Buchner), det. Peter Buchner
4, ♂: Schweiz, Waadt, Cudrefin, 430 m, 13. Mai 2009, Lichtfang (leg., gen. det. & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]
5-6, ♂: Österreich, Steiermark, Graz, St. Peter, ca. 380 m, Garten, Mischwaldrand, am Licht, 1. Juni 2019 (det. & Foto: Horst Pichler) [Forum]



Diagnose

Die Determination der Pseudatemelia-Arten [jetzt Agnoea-Arten] ist nicht einfach und gelingt mehrheitlich nur über eine Untersuchung der Genitalstrukturen. Bei den Männchen führt dies meistens zu einer eindeutigen Zuordnung. Einzig Pseudatemelia josephinae [jetzt Agnoea josephinae] und P. elsae [jetzt Agnoea elsae] bieten da vielleicht einige Schwierigkeiten. Bei den Weibchen dagegen ermöglicht auch eine GU nicht immer eine hieb- und stichfeste Aussage.

Pseudatemelia flavifrontella [jetzt Agnoea flavifrontella] ist im Vergleich zur etwa gleichzeitig fliegenden P. latipennella [jetzt Agnoea latipennella] mehr schiefergrau und die gelbe Kopfbehaarung ist ausgeprägter. (Rudolf Bryner)

Männchen

1, ♂: Schweiz, Bern, La Neuveville, 530 m, 24. April 2007, Lichtfang (leg., gen. det. [GP 2012-110] & Foto: Rudolf Bryner) [Forum]


Weibchen

1, ♀: Deutschland, Thüringen, Reiser Flachstal, leg. R.-P. Rommel (Museum Erfurt), 10. Juni 2008 (gen. det. & fot.: Uwe Büchner), conf. Werner Wolf [Forum]


Genitalien

Männchen

1, Genitalpräparat (GP 2012-109) des unter Lebendfalter 4 abgebildeten ♂: Daten siehe oben (Präparation und Foto: Rudolf Bryner)
2, ♂: Österreich, Steiermark, Graz, St. Peter, ca. 380 m, Garten, Mischwaldrand, am Licht, 1. Juni 2019 (det., präp. & Foto: Horst Pichler) [Forum]


Weibchen

1, ♀: Deutschland, Bayern, Landkreis Schwandorf, Utzholz, 400 m, Lichtfang, 31. Mai 1990 (leg., präp., det. & fot.: Werner Wolf) [Forum]
2-5, ♀: Deutschland, Thüringen, Reiser Flachstal, leg. R.-P. Rommel (Museum Erfurt), 10. Juni 2008 (gen. det. & fot.: Uwe Büchner), conf. Werner Wolf [Forum]



Biologie

Agnoea flavifrontella fliegt relativ früh im Jahr, bereits ab Ende April bis Mitte Mai. (Rudolf Bryner)


Nahrung der Raupe

Die Freiland-Raupennnahrung ist strenggenommen unbekannt. SCHUETZE (1931) liefert mit seinen identisch verlaufenen Zuchten von Agnoea flavifrontella und Agnoea subochreella aber wichtige Anhaltspunkte: "Beide sind zu finden in Nadelwäldern, die mit etwas Laubholz untermischt sind, und die Raupen nähren sich, wie Eizuchten bewiesen, vom ersten Tage an von halbvermorschtem Laub auf dem Boden, indem sie es skelettieren bzw. so ausfressen, dass nur die stärkeren Rippen übrig bleiben. Dabei werden die weicheren Blätter bevorzugt, zum Beispiel Carpinus. Die Säcke beider sind kaum zu unterscheiden. Sie bestehen aus einem mit den Rändern zusammen gelegten und dort verleimten dürren Blattstück; dieses Gehäuse ist an der Gegenseite gerade, nach vorn und hinten verengt und an beiden Enden offen. Manchmal spinnen sich die Raupen zur Verwandlung unten an Baumstämmen fest."


Verhalten Falter

SCHUETZE (1931) berichtet zu Agnoea flavifrontella und Agnoea subochreella: "Die Falter fliegen erst in voller Dämmerung und bis zum anbrechenden Morgen freiwillig, am Tage sitzen sie hart an dürre Zweige der Nadelbäume geschmiegt und können durch Erschütterung der Stangenfichten aufgescheucht werden."



Weitere Informationen

Andere Kombinationen


Typenserie

SINEV & LVOVSKY (2014) kommentieren kurz und knapp: "Types lost."


Taxonomie

CORLEY (2014) weist bei seiner Erstbeschreibung seiner Agnoea nonscriptella darauf hin, dass SINEV & LVOVSKY (2014) alle Arten der bisherigen Gattung Pseudatemelia zu Agnoea stellen. Schon zuvor hatten HEIKKILÄ & KAILA (2010) die Gattungen Pseudatemelia und Amphisbatis zu den Lypusidae (innerhalb der Gelechioidea) gestellt.

WALSINGHAM (1901) beschrieb eine "Blastobasis (?) evanescens sp. n." aus Korsika. In seiner Übersicht der Blastobasidae in WALSINGHAM (1907-1908) stellte er die Gattung Agnoea mit Agnoea evanescens als Typus (und einziger bekannter Art) vor. Nach SINEV & LVOVSKY (2014) stellte NEL (2012) bei der Untersuchung der Typen beider Taxa Konspezifität von Agnoea evanescens mit der ebenfalls von Korsika beschriebenen Oecophora fuscifrontella CONSTANT, 1884 fest. Diese war längst in die Gattung Pseudatemelia überführt worden, hieß also Pseudatemelia fuscifrontella (CONSTANT, 1884). Nach SINEV & LVOVSKY (2014) wurde die Gattung Pseudatemelia aber erst 1910 mit der Beschreibung von Pseudatemelia aeneella REBEL, 1910 aufgestellt, also deutlich nach der Beschreibung der Gattung Agnoea. Sie begründen, warum sie Pseudatemelia fuscifrontella (= Agnoea evanescens) und Pseudatemelia aeneella für Angehörige der gleichen Gattung halten. Dies hatte zur Konsequenz, dass die Gattung Pseudatemelia aufzulösen und alle ihr bisher zugeordneten Arten in die Gattung Agnoea zu überführen waren. Diesen Schritt gingen die Autoren dann auch Art für Art durch.


Faunistik

Als locus typicus hat "Wienergegend", also Österreich im Umfeld von Wien, zu gelten. Die Art ist in Europa von Großbritannien und Skandinavien über Mitteleuropa bis Russland und Albanien verbreitet. Angaben aus Spanien, Portugal, Italien oder Griechenland fehlen.

(Autor: Erwin Rennwald)


Literatur


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Lypusidae
EU M-EU 03058 Agnoea flavifrontella ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) art-mitteleuropa

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Letzte Änderung am November 12, 2019 17:52 von Jürgen Rodeland
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