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Daunenkissen, Kaffeesatz, Kristallkugel: Epirrita spec. Nota bene!
Antwort auf: Re: Epirrita dilutata ()

Hallo Rainer, hallo Thomas,

Zitat Rainer: "Hab nen Tag auf Einwände gewartet - nix - Du musst also richtig liegen!!!"

Ich fürchte, das ist ein klassischer Trugschluß: Es kommen wohl vor allem deshalb keine Einwände, weil sich nur wenige Leute zutrauen, die Epirrita-Arten nach habituellen Merkmalen anzusprechen.

Ganz kurz meine Erfahrungen mit dieser Gattung, basierend auf 310 von G. Ebert genitaluntersuchten Stücken aus ganz Baden-Württemberg: aus dem Tiefland, aus dem Hügelland, aus den Mittelgebirgen und aus dem Alpenvorland (siehe Ebert, Band 8: S. 440-453).

Kein einziges der in der Literatur angegebenen äußeren Merkmale hat sich als wirklich zuverlässig erwiesen. Gerade der Verlauf der Vorderflügel-Querlinie war auch innerhalb der einzelnen Arten variabel. [Frage an Thomas: An wievielen Individuen hast du die Brauchbarkeit dieses Merkmals durch Genitaluntersuchung nachgeprüft?] Ich habe die 310 genitaluntersuchten Stücke gesehen und zumindest für Baden-Württemberg muß ich sagen: Außer bei den oft dunkel und kontrastreich gezeichneten E. autumnata-Faltern aus dem Schwarzwald und dem Alpenvorland halte ich jeden Versuch, mit irgendwelchen Flügelzeichnungsmerkmalen zu einer auch nur annähernden Artbestimmung zu kommen, für die oft beschworene Kaffeesatzleserei. Genau wie bei Mesapamea.

Die häufigste und am weitesten verbeitete Art ist in BW Epirrita christyi mit 196 genitalüberprüften Individuen. Sie kommt von der Rheinebene bis in die Schwarzwald-Hochlagen vor (höchster Epirrita-Nachweis in BW: Schauinsland-Gipfel, 1200 m). "In den Jura- und Muschelkalklandschaften am oberen Neckar, im Alb-Wutach-Gebiet und auf der Schwäbischen Alb die dominierende Art dieser Gattung."

Es folgt, ebenfalls weit verbreitet, aber weniger häufig, Epirrita dilutata mit 114 genitalüberprüften Individuen. Am häufigsten scheint sie in den wärmeren Laubwaldgebieten der Tallandschaften und des Hügellands zu sein und kommt auch gern im Kulturland vor. Im Schwarzwald bis in Lagen um 1000 m nachgewiesen.

Epirrita autumnata schließlich ist mit 75 genitalüberprüften Individuen schwerpunktmäßig in den Mooren des Alpenvorlands und des Schwarzwalds verbreitet (wo sie sehr zahlreich auftreten kann) und kommt im Flach- und Hügelland nur sehr lokal vor, in den Kalkgebieten scheint sie fast völlig zu fehlen (Schwäbische Alb: 1 Nachweis). Höhenverbreitung: Bisher bis über 1000 m nachgewiesen.

All dies sind noch sehr lückenhafte Ergebnisse. Mehr Untersuchungen sind offensichtlich notwendig, und ich fürchte, ohne GU geht auch hier so gut wie nichts. Auch die Raupen sind immens variabel und bisher scheint niemand ein sicheres larvales Unterscheidungsmerkmal zu kennen.
Interessanterweise hat sich die in der Literatur (z. B. Koch) verbreitete Angabe, E. christyi sei die lokalste und seltenste Art, zumindest für BW als falsch erwiesen: im Gegenteil ist sie hier die häufigste der drei Arten. Ob das auf andere Gegenden übertragbar ist, bleibt noch zu untersuchen.

Mein Gesamteindruck ist, daß die angeblichen äußeren Merkmale allesamt Daunenkissen-Merkmale sind: weich, weicher, am weichsten ... ;)

Schöne Grüße
Axel

Beiträge zu diesem Thema

Epirrita dilutata/christyi *Bild*
Re: Epirrita dilutata
Re: Epirrita dilutata
Daunenkissen, Kaffeesatz, Kristallkugel: Epirrita spec. Nota bene!
Re: Auf diesen Beitrag habe ich gewartet! :) *kein Text*
Fundort?
Re: Hast ja Recht...
Re: Daunenkissen, Kaffeesatz, Kristallkugel: Epirrita spec. Nota bene!