Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Vanessa Atalanta

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
07243 Vanessa atalanta (LINNAEUS, 1758) - Admiral

1-2: Österreich, Hohe Wand (Ghf. Postl), Felsfluren, Gebüsch, Viehweiden, 900 msm, 28. August 2004 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
3-4: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Ober-Olmer Wald bei Mainz, Oberseite 27. Juni 2004, Unterseite 20. September 2005 (Freilandfotos: Jürgen Rodeland)
5: Deutschland, Schleswig-Holstein, Nordfriesland, Föhr, Waldweg bei Wyk, an gärenden Mirabellen saugend (Freilandfoto: Jürgen Rodeland)
6: Schweiz, Kanton Bern, Gürbetal, 597 msm, 8. Oktober 2006 (manipuliertes Freilandfoto: Beat Weisskopf) det. Beat Weisskopf
7, überwinternder Falter: Deutschland, Baden-Württemberg, Eichstetten, 31. Dezember 2006 (Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
8: Deutschland, Thüringen, Nähe Bad Lobenstein, Waldweg, 27. August 2005 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp


Raupe

1: Deutschland, Schleswig-Holstein, Klein Offenseth-Sparrieshoop, 29. Juli 2005 (Foto: Birgitt Piepgras), det. Jürgen Hensle & Erwin Rennwald [Forum]
2-4: Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Wassenberg-Myhl, 1. Juni 2005 (Fotos: Claudia Mech), det. Jürgen Hensle (per E-Mail) als südeuropäische Morphe [Forum]
5 (überwinternde Jungraupe): Deutschland, Baden-Württemberg, 1. Januar 2006 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle [Forum]
6: Schweiz, Bern, Gürbetal, 597 msm, 24. September 2006 (Foto: Beat Weisskopf), conf. Jürgen Hensle [Forum]
7-8: Deutschland, Baden-Württemberg, nördl. Kraichgau, Bammental, 140 msm, Hausgarten, 15. September 2006 (Fotos: Jutta Bastian), det. Jutta Bastian
9-11: Deutschland, Hamburg, Amsinckpark, in Brennesseltüten, 3. Juni 2007 (Studiofotos: Renate Ridley), det. Renate Ridley, conf. Wolfgang Piepers [Forum]
12: Deutschland, Baden-Württemberg, Bietigheim-Bissingen, auf Brennesseln, 27. Mai 2007 (Foto: Reinhard Krause), det. Reinhard Krause, conf. Erwin Rennwald [Forum]
13-14: Deutschland, Niedersachsen, Meißendorfer Teiche, Hüttensee, 25. September 2009 (Freilandfotos: Martin Semisch), det. Ursula Beutler [Forum]


Fraßspuren und Befallsbild

1-3, verlassene Blatttüte und L1-Raupe, die gerade eine neue Tüte zu spinnen beginnt: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, Eichstetten, 22. Oktober 2006 (Freilandfotos: Jürgen Hensle [2-3 Ausschnittsvergrößerungen]), det. Jürgen Hensle


Puppe

1: Deutschland, Schleswig-Holstein, Klein Offenseth-Sparrieshoop, e.l. 1. August 2005 (Foto: Birgitt Piepgras) [Forum]
2: Deutschland, Baden-Württemberg, bei Bietigheim-Bissingen, 27. September 2005 (Foto: Reinhard Krause), det. Stefan Ratering [Forum]
3: Deutschalnd, Südliche Oberrheinebene, Bahlingen, 20. Mai 2007 (manipuliertes Freilandfoto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle [Forum]
4: Deutschland, Baden-Württemberg, Nähe Villingendorf Kr. Rottweil, oberer Neckar, 5. Juli 2006 (Foto: Peter Lacha), det. Peter Lacha [Forum]
5-6: Österreich, Nordtirol, Zillertaler Alpen, Schlegeisspeicher, ca. 1800 msm, 6. August 2008 (Freilandfotos: Markus Schwibinger), det. Jürgen Hensle [Forum]
7-8: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwarzwald-Rand bei Kuppenheim, Fichtental, 17. Oktober 2008 (Fotos: Erwin Rennwald) det. Erwin Rennwald [Forum]


Ei

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Kaiserstuhl, 8. Oktober 2005 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle [Forum]
2-4: Deutschland, Sachsen, Sächsische Schweiz, Waltersdorf/Polenztal, 15. April 2007 (Fotos: Rolf Einspender), det. durch Beobachtung der Eiablage Rolf Einspender [Forum]



Diagnose

Falter

In Europa ist der Admiral unverwechselbar. Auf den Kanarischen Inseln und Madeira kann er mit Vanessa Vulcania verwechselt werden. Bei diesem ist das rote Band auf den Vorderflügeln doppelt so breit.

1: Schweiz, Graubünden, Puschlav, Chur, 12. September 2009 (Freilandfoto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]

Das Weibchen trägt im Gegensatz zum Männchen meist (nicht immer) eine weisse Fleckzeichnung in der roten Binde, die beim Männchen fehlt.


Ähnliche Art:


Ei

Das grüne, längsgerippte Ei wird i.d.R. einzeln an der Blattoberseite jüngerer Blätter oder in den Triebspitzen abgelegt. Hierdurch lassen sie sich leicht von den in Gelegen bzw. Türmen an den Blattunterseiten abgelegten Eiern von Aglais urticae, Aglais Io und Araschnia levana unterscheiden. Schwieriger zu unterscheiden ist das V. atalanta-Ei hingegen von den ebenfalls einzeln und meist auf der Blattoberseite abgelegten Eiern von V. cardui und Polygonia c-album. Das Ei des Distelfalters ist etwas feiner gerippt, als das das Admirals, hat also 2-3 Rippen mehr als die durchschnittlichen elf Längsrippen des Admirals. Das des C-Falters hingegen hat meist ein bis drei Rippen weniger.


Ähnliche Arten


Raupe

Die Raupe ist sehr variabel. In Europa treten vier verschiedene Zeichnungstypen auf. Diese Typen entstehen durch Anpassung an unterschiedliche klimatische Bedingungen. Somit tritt in unterschiedlichen Regionen Europas zwar grundsätzlich die jeweils an das dortige Klima angepasste Variante auf, aber durch Wanderbewegungen können diese auch einmal in das "falsche" Gebiet gelangen. Zudem sind die Zeichnungsformen nicht völlig stabil. Unter dem Einfluss eines anderen Klimas, wandeln sich die Nachkommen von Einwanderer innerhalb mehrerer Jahre in den, für die klimatischen Verhältnisse im neuen Siedlungsgebiet günstigeren Typ um.

In Südeuropa und weiten Teilen Mitteleuropas ist eine bunte Variante beheimatet, deren Altraupe eine breite hellgelbe Seitenlinie trägt. Dieser südeuropäische Typ ist besonders gut an heiße klimatische Verhältnisse angepasst, verträgt jedoch keine allzu tiefen winterlichen Temperaturen.

Im atlantischen Klima Westeuropas findet sich eine ähnlich bunte Variante mit runden, grünen Seitenflecken. Dieser westeuropäische Typ kommt mit anhaltend kühl-feuchten Klimabedingungen besser zurecht, überlebt aber ebenfalls keine sehr niedrigen Temperaturen.

In der Türkei und Osteuropa, eingewandert bis Mittel- und Nordskandinavien, findet sich eine dunklere Variante mit nur sehr schmaler heller Seitenlinie. Dieser osteuropäische Typ ist bestens an winterkaltes Kontinentalklima angepasst und überlebt auch längere Dauerfrostperioden schadlos.

Die Frosthärte ist jedoch keineswegs bei allen Tieren des süd- und osteuropäischen Typs gleich. Populationen, die am Mittelmeer oder der Südküste des Schwarzen Meeres überwintern, haben diese Fähigkeit nie erlangt, vertragen nur sehr geringen Frost.

Der Admiral ist jedoch ein Meister der Anpassungsfähigkeit. Einzelne Exemplare ertragen stets auch ungünstigere winterliche Bedingungen. Und diese waren es, die die zunehmend milder werdenden Winter in den 1990er-Jahren nutzten, in Mitteleuropa blieben und so den Grundstock für die hier heimischen Populationen legten. Damals brach für einige Jahre die Einwanderung fast vollständig zusammen. Solchermaßen isoliert bildete sich Mitte der 1990er-Jahre in Mitteleuropa eine eigenständige tiefschwarze und völlig zeichnungslose Raupenmorphe heraus, die Ende der 1990er-Jahre zu überwintern begann und von Jahr zu Jahr winterhärter wurde. Heute ist dieser mitteleuropäische Typ durch die anhaltende Vermischung mit dem südeuropäischen Typ in Reinform kaum mehr wo anzutreffen. Sie scheint aber in Norddeutschland immer noch vereinzelt vorzukommen und gelangt auf ihren herbstlichen Südwanderungen auch ins südliche Mitteleuropa. Heute trägt diese Variante durch die Vermischung bedingt meist weiße Punkte. Durch ihre schwarze Farbe ist sie zwar bei niedrigeren Temperaturen anderen Raupenmorphen gegenüber klar im Vorteil, dahingegen verträgt sie extreme Hitze nur schlecht. Dies war auch der Grund für ihre Ablösung im Jahr 2003 durch wahrscheinlich aus dem Burgund, vom Südalpenrand und der Poebene eingewanderte Vertreter des südeuropäischen Typs.

All diesen Varianten ist gemein, dass sich ihre Zeichnungen erst nach der 1. oder 2. Häutung (bei den Osteuropäern noch später) herausbilden. Zuvor sind sie stets einheitlich dunkelbraun bis schwarz, allenfalls noch mit einigen hellen Zapfen versehen.

Durch ihren fast ununterbrochenen Aufenthalt in geschlossenen Blatttüten, ist die Raupe kaum mit anderen Tagfalterraupen zu verwechseln. Lediglich die des Distelfalters (V. cardui) und des Kleinen Fuchses (A. urticae) lebt teilweise auch in ähnlichen Tüten. Diese Raupen lassen sich von allen Varianten der V. atalanta-Raupe stets durch die doppelte helle Rückenlinie unterscheiden, die die V. atalanta-Raupe nie trägt.


Ähnliche Arten:


Puppe

Die Raupe verpuppt sich meist an der Fraßpflanze und dort oft in der letzten Blatttüte. Alleine schon dadurch ist sie leicht von den ähnlichen Puppen von I. io und A. urticae zu unterscheiden, die sich meist außerhalb des Brennnesselhorstes finden. Lediglich die Raupe von V. cardui verpuppt sich auch gerne an der Fraßpflanze. Zudem ist die Admiral-Puppe nicht bräunlich, sondern grau und hat deutlich weniger goldene Flecken, als die der verwandten Arten. Auch ist sie, wie ja schon die Raupe, viel dicker.


Ähnliche Arten:


Erstbeschreibung

LINNAEUS (1758: 478) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Raupennahrungspflanze

1, Glaskraut, Parietaria, Urticaceae: Spanien, Katalonien, Tremp, 700 msm, 15. Mai 2009 (Freilandfotos: Herbert Stern), det. Herbert Stern [Forum]


Verbreitung

V. atalanta fliegt in Nordwestafrika, ganz Europa und Westasien, östlich bis zum Iran und Westsibirien. Zudem in Nordamerika, südwärts bis Guatemala.

Die Nordgrenze der ständigen Verbreitung, bis zu der die Art noch überwintern kann, geht in Europa derzeit durch Mittelengland und Dänemark. Die deutsche Ostseeküste scheint in den meisten Jahren auch noch zum ständigen Siedlungsgebiet zu gehören, im Binnenland Ostdeutschlands gelingt die Überwinterung dahingegen meist nur in milderen und kürzeren Wintern. Auch die Tieflagen im Osten Österreichs gehören noch zum ständigen Verbreitungsgebiet. Wo die Grenze im Südosten liegt, ist derzeit noch völlig unbekannt. Im Nordwesten wird die Überwinterungsfähigkeit des Falters weniger durch die tiefste Temperatur, als vielmehr durch die Länge des Winters begrenzt. So wurde selbst aus Nordirland noch von erfolgreicher Überwinterung von Einzelfaltern berichtet.

Mittelskandinavien wird im Frühjahr nach wie vor über den langen Weg vom Schwarzen Meer her besiedelt. Nach Norden zu nimmt die Intensität der Einwanderung rasch ab, aber auch Lappland und Island werden in vielen Jahren wenigstens in Einzelexemplaren noch erreicht.


Wanderverhalten, Lebensraum und Lebensweise

Der Admiral ist ein ursprünglicher Bewohner südeuropäischer Auwälder. Diesem Habitat ist er im südmediterranen Bereich auch weitgehend treu geblieben. Hier verlässt er es den Winter über kaum oder nur zur Nahrungsaufnahme. Im Frühjahr wandern die südeuropäischen Populationen teilweise ins Gebirge ab, besiedeln dann auch offenere Landschaften. In Mitteleuropa ist er heute hingegen fast überall anzutreffen. Die bevorzugten Aufenthaltsorte sind jedoch im Laufe des Jahres denen in der Südmediterraneis genau entgegengesetzt. Im Herbst sieht man die Tiere sehr oft an den sonnigsten und wärmsten Stellen im Offenland. Hier erfolgt nun auch die Eiablage, so dass man Eier und Raupen den Winter über fast nur an warmen, vollsonnigen Südhängen findet. Im Frühjahr wandern viele Falter dann aus diesen Offenlandsbiotopen ab, denn der Admiral ist ein Hitzeflüchtling. Er zieht sich nun in kühlere Wälder zurück, bzw. wandert in angrenzende Gebirge, nach Norddeutschland und Südskandinavien ab.

Es spricht vieles dafür, dass Sommer- und Winterfluggebiet der einzelnen Populationen alljährlich die selben sind, diese nur gewechselt werden, wenn sich die Umweltbedingungen geändert haben.

Die Einwanderung aus Süd- nach Mitteleuropa, wie sie vor 20 Jahren noch absolut üblich war, scheint heute nicht mehr oder nur noch in verschwindend geringem Maße statt zu finden. Die Gründe hierfür mögen im Klimawandel liegen, sind jedoch im Detail noch völlig unbekannt. Fest steht, dass V. atalanta heute in Mitteleuropa ganzjährig weitaus häufiger ist, als in Südeuropa. Die zahllosen Falter, die im Herbst durch Mitteleuropa nach Süden fliegen, erreichen allenfalls noch das mittlere Rhônetal und die Poebene, also winterkalte Gebiete, aber nicht mehr den Mittelmeerraum. Denn dort nimmt die Zahl der Falter im Herbst in kaum nennenswerten Mengen zu. Und auch im Frühjahr ist die Art dort viel zu selten, dass nennenswerte Faltermengen nach Mitteleuropa einwandern könnten. Weitaus häufiger ist die Art im Winterhalbjahr hingegen am südlichen Alpenrand und gebietsweise in milderen Tallagen Mitteleuropas, wie z. B. der Oberrheinebene oder auch dem Donautal. Dort dürften heute die wichtigsten Überwinterungsgebiete der mitteleuropäischen Populationen liegen.

Neben dem Falter, können vom Admiral Ei, Raupe und neuerdings auch die Puppe überwintern. Ein absoluter Ausnahmefall unter den heimischen Tagfaltern. Spät abgelegte Eier entwickeln sich langsam weiter und ergeben im Januar die Raupe. Auch die Raupe kann nicht in Diapause gehen, sondern muss den Winter über weiter fressen. Ihre Nahrungspflanzen sind Brennnesseln (Urtica-spp., in Mitteleuropa hauptsächlich U. dioica), aber, vor allem in Südeuropa, auch Glaskraut (Parietaria-spp.).

Im Gebirge wird in den Sommermonaten etwa der Bereich bis zur Waldgrenze besiedelt. Einzelne wandernde Falter oder auch ganze Wanderschwärme können jedoch noch bedeutend höher, selbst auf Gletschern angetroffen werden.

In Mitteleuropa werden drei bis vier Generationen ausgebildet, wobei die 4., die erst im Oktober schlüpft, nur in den wärmeren Überwinterungsgebieten ausgebildet wird. Deren ♀ ♀ legen dort, entsprechende spätherbstliche Witterung vorausgesetzt, jedoch noch bis in den Dezember hinein Eier ab. Seitdem bei dieser Art auch die Puppe überwintern kann, ist eine einheitliche Generationenfolge nicht mehr zu erkennen. Überwinternde Falter leben im südlichen Mitteleuropa etwa bis Mitte April, an der Küste vereinzelt bis Mitte Mai. Je nach Frühjahrswitterung schlüpfen aber im März oder April dann auch schon die Puppenüberwinterer, dicht gefolgt von den Raupenüberwinterern, so dass den Rest des Jahres hindurch ununterbrochen neue Falter schlüpfen.

Autor: Jürgen Hensle



Weitere Informationen

Literatur


Informationen auf anderen Websites (externe Links)


Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
07243 Vanessa atalanta (LINNAEUS, 1758) - Admiral art-mitteleuropa


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Letzte Änderung am Januar 18, 2010 21:34 von Michel Kettner
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