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06955 Parnassius apollo (LINNAEUS, 1758) - Roter Apollo
1-2, ♀: Österreich, Niederösterreich, 1 km NE Maiersdorf , Felsfluren, Gebüsch, Viehweiden, 620 msm, 14. Juli 2005 (Fotos: Peter Buchner), det. Peter Buchner
3, ♂: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Apolloweg bei Valwig an der Mosel, 30. Juni 2004 (Freilandfoto: Jürgen Rodeland)
4, ♀: Deutschland, Bayern, südliche Frankenalb, 22. Juli 1989 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
5: Bulgarien, Rhodopen, Juli 1995 (Foto: Heidrun Melzer), det. Heidrun Melzer[Forum]
6, ♂: Polen, Malopolska, Pieniny National Park, 29. Juni 2007 (Freilandfoto: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury[Forum]
7, ♀: Italien, Südtirol, Umgebung von Taufers, 1000-1200 msm, 24. Juli 2008 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
8, ♀: Deutschland, Bayern, Altmühltal, Mühlheim, 27. Juli 2008 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
9: Deutschland, Bayern, Altmühltal, Mörnsheim, 27. Juli 2008 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
10, ♀: Schweiz, Simplonsüdseite 1400-1600 msm, 11.-12. Juli 2009 (Freilandaufnahme: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler [Forum]
11, ♂: Italien, Trentino, Tenna bei Caldonazzo, 460 msm, 5. Juli 2009 (Foto: Jochen Kostewitz), det. Jochen Kostewitz [Forum]
12, ♀: Italien, Trentino, Seitental des Val Sugana, 1150 msm, 9. Juli 2009 (Foto: Jochen Kostewitz), det. Jochen Kostewitz [Forum]
13, ♂: Italien, Trentino, Monte Baldo, 1050 msm, 13. Juli 2009 (Foto: Jochen Kostewitz), det. Jochen Kostewitz [Forum]
14, ♀: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Mittenwald, 1. August 2009 (Freilandfoto: Wolfgang Hoffmann), det. Wolfgang Hoffmann [Forum]
15, ♂: Österreich, Niederösterreich, Hohe Wand, 1. August 2009 (Freilandfoto: Michel Kettner), det. Michel Kettner [Forum]
16-17, ♂: Griechenland, Katarapass, 1600 msm, 11. Juli 2010 (fot. & det.: Michel Kettner) [Forum]
18, ♀: Griechenland, Katarapass, 1600 msm, 11. Juli 2010 (fot. & det.: Michel Kettner) [Forum]
1: Schweiz, Wallis, Salgesch, Juli 2004 (Foto: Bernhard Jost), det. Bernhard Jost
1: Schweiz, Tessin, Villa Bedrettotal, 30. Juli 2010, 1350 msm (Freilandfoto: Gregor Faller), det. Gregor Faller [Forum]
1: Italien, Südtirol, Planeiltal, 31. Mai 1997 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
2-3: Italien, Friaul, 850 msm, 24 Juli 2009 (Freilandfotos: Helmut Deutsch), det. Helmut Deutsch
1: Österreich, NW Rohr/G., Kalkhalbtrockenrasen, Rotföhrenwald, 700 msm, 19. Juni 2005 (Foto: Peter Buchner), det. Peter Buchner
2: Türkei, Bolu Daglari, 25 km NW Bolu, 1650 msm, 12. Juni 1992, an Sedum album (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
3: Schweiz, Puschlav-Brusio, an Sedum album fressend, 25. März 2006 (Foto: Ernst Gubler), det. Ernst Gubler, conf. Uwe Geulen[Forum]
4: Deutschland, Bayern, Altmühltal, Mörnsheim, 1. Mai 2007 (Foto: Jochen Goldsche), det. Jochen Goldsche[Forum]
5: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Untermosel, in der Nähe der Winninger Brücke, 10. Mai 2009 (Freilandfoto: Daniel Müller), det. Daniel Müller [Forum]
6: Italien, Friaul, 850 msm, 20. Mai 2009, an der Großen Fetthenne (Sedum telephium) (Freilandfoto: Helmut Deutsch), det. Helmut Deutsch
7: Italien, Friaul, 850 msm, 22. April 2000, an der Weißen Fetthenne (Sedum album) (Freilandfoto: Helmut Deutsch), det. Helmut Deutsch
8: Österreich, Niederösterreich, Kalkvoralpen, Türnitz, Raum Falkenschlucht, 750 msm, 18. Juni 2010, an Jovibarba hirta (Freilandfoto: Wolfgang Schweighofer) det. Wolfgang Schweighofer [Forum]
9: Schweiz, Wallis, Stalden, 950 msm, 29. Mai 2010, an Dach-Hauswurz (Sempervivum tectorum) (Freilandfoto: Martin Albrecht), det. Martin Albrecht [Forum]
10: Schweiz, Wallis, Stalden, 950 msm, 29. Mai 2010, an Felsen-Fetthenne (Sedum reflexum) (Freilandfoto: Martin Albrecht), det. Martin Albrecht [Forum]
1: Deutschland, Bayern, Altmühltal, Umgebung von Solnhofen (Foto am 20. Juni 1981: Michel Kettner), det. Michel Kettner
[Forum]
2: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Untermosel, in der Nähe der Winninger Brücke, 20. Mai 2009 (Foto: Daniel Müller), det. Daniel Müller [Forum]
1: Schweiz, Oberwallis, Blashorn vic. Ullrichen, 1700 msm, 10. August 1990 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
Außerhalb der Alpen ist P. apollo in unserem Einzugsgebiet unverwechselbar. In den Alpen sollte zur Unterscheidung von P. phoebus auf die Fühler geachtet werden, die bei P. phoebus deutlich schwarz-weiß geringelt sind. Dieser Effekt ist bei P. apollo nur ganz verwaschen erkennbar.
Die Raupe ähnelt der von P. mnemosyne. Diese trägt eine mehr gelborange, nicht orangerote Seitenzeichnung. Gebietsweise, vor allem in Südeuropa gibt es jedoch auch Populationen von P. apollo, deren Raupen gelborange Seitenflecken tragen. Findet man sie nicht ohnedies an der völlig unterschiedlichen Nahrungspflanze, hilft in erster Linie der Fundzeitpunkt. Die Raupe von P. mnemosyne ist i.d.R. Wochen vor der von P. apollo erwachsen. Zudem sind die Seitenflecken der P. mnemosyne-Raupe kantiger, die von P. apollo rund oder oval.
Auch die Raupe von Cucullia lucifuga ähnelt der P. apollo-Raupe, ist aber lange nicht so gedrungen, sondern deutlich schlanker und nicht samtig behaart, sondern schwach glänzend.
In der Türkei kann sie zudem mit der Raupe von Archon apollinus verwechselt werden. Diese hat vier, nicht nur zwei Reihen roter Flecken.
LINNAEUS (1758: 465) [nach Copyright-freiem Scan auf www.biodiversitylibrary.org]
Erstmals beschrieben wurde Parnassius apollo (LINNAEUS, 1758) aus Südschweden. Seitdem wurden zwischen Norwegen und Südsibirien über 200 Subspezies beschrieben, ein Großteil davon aus den Alpen. Die allermeisten dieser "Subspezies" halten neueren taxonomischen Untersuchungen nicht stand. Sie wurden nur aus kommerziellen Gründen beschrieben, da sich Falter neuer Subspezies besser und teurer verkaufen ließen. Die meisten Populationen der mitteleuropäischen Mittelgebirge sind mittlerweile zudem ausgestorben.
P. apollo reagiert recht stark auf ökologische Einflüsse. So sind Falter tiefgelegener Habitate durchschnittlich heller als solche von der Verbreitungsobergrenze. Und Falter, deren Raupen sich an großblättrigen Nahrungspflanzen, wie z. B. Sedum telephium entwickelten, sind durchschnittlich größer, als solche, die an kleinblättrigen fraßen. So messen nordostanatolische P. apollo kashtsenkoi SHELJUZHKO, 1908 zuweilen über 10 cm in der Spannweite. Züchtet man sie jedoch an kleinblättrigen Sedum-spp. , sind die erhaltenen Falter von denen der grundsätzlich deutlich kleineren zentralanatolischen P. apollo peroneurus BRYK, 1914 kaum mehr zu unterscheiden.
Einige deutlich verschiedene und sicher berechtigte Subspezies leben in Südeuropa. So z. B. in der südspanischen Sierra Nevada P. apollo nevadensis OBERTHÜR, 1891 mit gelben statt roten Flecken auf den Hinterflügeln oder am kalabresischen Aspromonte die winzige P. apollo pumilus STICHEL, 1906 mit stark reduzierter dunkler Zeichnung und sehr kleinen roten Flecken.
Deutlicher als die Falter unterscheiden sich teilweise die Raupen verschiedener Populationen. Anhand der Zeichnung und Färbung derer Flecken lässt sich somit besser entscheiden, welche Subspezies berechtigt ist und welche nicht.
Der Apollofalter (Parnassius apollo) kommt in den Mittel- und Hochgebirgen Europas und Asiens vor. In Südeuropa fliegt er in fast allen Hochgebirgen, vom Kantabrischen Gebirge über die Apenninen bis zu den Gebirgen der Balkanhalbinsel. Die Südgrenze seiner Verbreitung streckt sich von der Sierra Nevada in Südspanien über das Madonie-Gebirge auf Sizilien bis zum Erimanthos in Südgriechenland. Auf den Inseln, von Sizilien einmal abgesehen, fehlt er. In Asien ist er vom Taurus über den Ural bis Nordwestchina und Südsibirien verbreitet. Bis ins frühe 20. Jahrhundert war er auch überall in den Mittelgebirgen Mitteleuropas beheimatet. Im Zuge der weitgehenden Aufgabe der Schafbeweidung, verbuschten seine Lebensräume und er ist dort heute fast überall ausgestorben. Letzte Vorkommensorte finden sich dort heute im Moseltal, sowie auf der Schwäbischen und der Fränkischen Alb. Im Französischen und Schweizer Jura kommt er noch verbreiteter vor, ebenso wie in den Alpen und Karpaten. In Nordeuropa trifft man ihn vor allem an den Felsküsten der Ostsee, von Südostschweden incl. Gotland bis Südfinnland und Karelien. Hier und in den Bergen Südnorwegens kann er gebietsweise immer noch sehr häufig angetroffen werden.
1: Italien, Val d'Aosta oberhalb Glassier, 1850 msm, 12. August 1990 (Foto: Jürgen Hensle)
2, Aspekt zur Raupenzeit: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Moseltal, Calmont zwischen Ediger und Bremm, 11. April 2006 (Foto: Jürgen Rodeland)
3-4: Griechenland, Katarapass, 1600 msm, 11. Juli 2010 (fot.: Michel Kettner) [Forum]
In den Alpen und in Südeuropa ist der Apollofalter ein Tier der Bergwiesen. Er kommt dort hauptsächlich in Lagen oberhalb 1000 msm vor. Die Obergrenze seiner Verbreitung liegt zwischen 2000 und 2400 msm. In den Mittelgebirgen fliegt er in niedereren Höhen. In Skandinavien bis hinunter auf Meereshöhe. Die Wiesen auf denen er lebt, sind stets mit Steinen und Felsen durchsetzt. Aber auch in reinen Felslandschaften kann man ihn finden. Denn die Nahrungspflanzen seiner Raupen sind Fetthennearten (Sedum-sp.), selten auch Hauswurz (Jovibarba hirta und Sempervivum tectorum). Und diese Pflanzen wachsen in den Spalten der Felsen und auf sonstigem steinigen Untergrund. Nach dem Verschwinden seiner ursprünglichen Lebensräume, hat er sich in den Mittelgebirgen an Abraumhalden von Steinbrüchen und an steinige Böschungen von Straßen und Eisenbahnlinien angepasst.
Im Moseltal kommt die Art an anthropogen geprägten Standorten vor. Die Raupennahrungspflanze Sedum album wächst dort auf den Mauern zwischen den Weinbergen und an Felshängen.
In den tiefsten Lagen der Zentral- und Südalpen, sowie in Südeuropa kann die Flugzeit des Falters schon Ende April beginnen. Meist wird es jedoch Ende Juni oder Juli, ehe der Falter erscheint. Die letzten Tiere an den höchsten Fundstellen fliegen noch Mitte September. Die Weibchen legen die Eier meist an Steine oder trockene Pflanzenteile in der Nähe der Nahrungspflanzen. Meist überwintert die Raupe fertig entwickelt im Ei, mancherorts aber auch die frisch geschlüpfte Raupe. Sonst schlüpft die Raupe im Vorfrühling, sie verpuppt sich nach sechs bis zehn Wochen in einem dünnen Gespinst am Boden.
Autoren: Jürgen Hensle und Jürgen Rodeland
1, (Sedum album): Griechenland, Katarapass, 1600 msm, 11. Juli 2010 (fot. & det.: Michel Kettner) [Forum]
2, Dickblättriger Fetthenne (Sedum dasyphyllum): Schweiz, Calanda bei Chur, 13. März 2007 (Foto: Heiner Ziegler), det. Rudolf Bryner [Forum]
Weitere siehe Raupenbilder!
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