Polyommatus coridon

Bestimmungshilfe für die in Europa nachgewiesenen Schmetterlingsarten

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Melitaea Britomartis

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Bestimmungshilfe / Schmetterlingsfamilien / Nymphalidae (Edelfalter)
07281 Melitaea britomartis ASSMANN, 1847 - Östlicher Scheckenfalter

1: Österreich, 1,5 km N Schwarzau/Stf., Halbtrockenrasen in Schwarzföhrenforst, 330 msm, 8. Juni 2002 (Foto: Peter Buchner), det. Peter Buchner
2 ♂ und 6 ♀: Deutschland, Thüringen, Moschwitzgrund (ehemaliger Grenzstreifen Nähe Seibis), 10. Juni 2007 (Freilandfotos: Jens Philipp), det. Jürgen Hensle [Forum]
3, 4 ♂♂ und 5 ♀: Deutschland, Thüringen, Moschwitzgrund (ehemaliger Grenzstreifen Nähe Seibis), 16. Juni 2007 (Freilandfotos: Jens Philipp), det. Jens Philipp, conf. Jürgen Hensle
7-8, ♀: Deutschland, Bayern, Altmühltal, Mühlheim, 18. Juni 2008 (Freilandfotos: Michel Kettner), det. Jürgen Hensle [Forum]
9-13, ♂: Deutschland, Thüringen, Umgebung von Maua (bei Jena), ca. 370 msm, Raupe am 5. Juni 2010 in unmittelbarer Nähe von Spitzwegerich (Plantago lanceolata), e.l. 22. Juni 2010 (leg., cult., det. und Fotos: Heidrun Melzer) [Forum]
14, ♀: Deutschland, Baden-Württemberg, 89150 Machtolsheim, Wacholderheide, ca. 670 msm, Raupenfund am 10. Juni 2010, e.l. 29. Juni 2010 (leg., cult., det. & Foto: Jörg Döring), conf. Heidrun Melzer & Helmut Kolbeck [Forum]


Raupe

1: Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Wacholderheide, Südhang, 6. Juni 2006 (Foto: Luitgard Fähnle), det. Jürgen Hensle nach am 24. Juni 2006 geschlüpftem ♂
2-3: Deutschland, Thüringen, Umgebung von Maua (bei Jena), ca. 370 msm, Raupenfund in unmittelbarer Nähe von Spitzwegerich (Plantago lanceolata) am 5. Juni 2010 (leg., cult., det. und Fotos am 10. Juni 2010: Heidrun Melzer) [Forum]
4, frisch gehäutet: Daten wie Bild 2-3 (Foto am 5. Juni 2010: Heidrun Melzer)
5: Deutschland, Baden-Württemberg, 89150 Machtolsheim, Wacholderheide, ca. 670 msm, an Spitzwegerich (Plantago lanceolata), 10. Juni 2010 (leg., cult., det. & Foto: Jörg Döring) [Forum]


Puppe


1-3: Daten s. Raupe 1 (Studiofotos am 14./21./23. Juni 2006: Luitgard Fähnle), cult. Luitgard Fähnle, det. Jürgen Hensle nach am 24. Juni 2006 geschlüpftem ♂
4-7: Deutschland, Thüringen, Umgebung von Maua (bei Jena), ca. 370 msm, Raupenfund am 5. Juni 2010 (leg., cult., det. und Fotos am 14. Juni 2010: Heidrun Melzer) [Forum]
8: Deutschland, Baden-Württemberg, 89150 Machtolsheim, Wacholderheide, ca. 670 msm, Raupenfund am 10. Juni 2010 (leg., cult., det. & Foto am 27. Juni 2010: Jörg Döring) [Forum]



Diagnose

Falter

Melitaea britomartis ähnelt sehr M. athalia und mehr noch M. aurelia. M. britomartis ist i.d.R. kleiner als M. athalia, unterscheidet sich von den beiden anderen Arten zudem durch sein Flugbild. Er fliegt unbeholfen flatternd und schwirrend.
Die Zeichnung der Flügeloberseite variiert gebietsweise. In manchen Regionen lässt sich M. athalia durch seine schwächere schwarze Netzzeichnung der Flügeloberseite unterscheiden, anderswo kann sie den beiden anderen Arten sehr ähneln. Die folgenden Angaben gelten für das Gebiet der Baar und der südwestlichen Schwäbischen Alb, am Westrand der Verbreitung, sowie möglicherweise(!) für andere hochgelegene Gebiete. Die Weibchen von M. aurelia haben hier (von oben betrachtet) in frischem Zustand stets fuchsrot behaarte Palpen und können anhand dieses Merkmals leicht von M. britomartis unterschieden werden, die hier immer schwarze Palpen haben. Auch die Palpen des Männ­chens von M. aurelia sind oft mit einigen gelbbraunen bis roten Haaren durchsetzt, die von M. britomartis sind hier stets sehr dunkel, oft einfarbig schwarz. Es gibt aber auf Baar und Baaralb durchaus auch M. aurelia-Männchen mit rein schwarzen Palpen, sodass das Merkmal "schwarze Palpen" keineswegs sicher auf M. britomartis-Männchen hinweist. Weiter östlich, wo die Flugstellen meist viel tiefer liegen, ist das Merkmal Palpenfarbe kaum mehr anwendbar, da dort M. britomartis viel hellere, hellbraun bis rotbraun behaarte Palpen hat.

Bei M. britomartis und M. aurelia ist der schmale Saumstreifen zwischen den Marginallinien auf der Unterseite der Hinterflügel in der Regel deutlich dunkler als die angrenzenden Halbmonde und speziell bei M. britomartis sind die Marginallinien selbst oft recht kräftig angelegt, was bei M. athalia nicht oder nur stark abgeschwächt und bei M. aurelia meist etwas weniger deutlich ausgeprägt der Fall ist. Aber auch hier gibt es vereinzelt Grenzfälle, die alleine anhand dieses Merkmals nicht sicher zugeordnet werden können. Ansonsten ist die Flügelzeichnung von M. aurelia und M. britomartis, gebietsweise auch die von M. athalia oftmals völlig identisch.

Die Unterscheidung der drei Scheckenfalter-Arten M. athalia, M. aurelia und M. britomartis nach rein habituellen Ge­sichtspunkten ist an vielen Fundorten auch für den Spezialisten oft schlicht unmöglich. Im Zweifelsfall hilft nur die Genitalunter­suchung weiter.


Ähnliche Arten:


Erstbeschreibung

ASSMANN (1847: 2-4) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]


Beschreibung der Raupe und Puppe

ASSMANN (1850: 39-41) [nach Copyright-freien Scans auf www.biodiversitylibrary.org]



Biologie

Verbreitung

Der Östliche Scheckenfalter fliegt von Korea über Südsibirien bis Osteuropa. Im Norden findet sich ein isoliertes Vorkommen an der Küste Ostschwedens, im Süden finden wir ihn lokal und weiten Gebieten fehlend bis Bulgarien. Ferner werden isolierte Vorkommen aus den norditalieni­schen Alpen gemeldet. In Süddeutschland tritt er verbreitet und stellenweise häufig entlang des Fränkischen Juras und der Schwäbischen Alb auf, ganz vereinzelt auch einmal im nördlichsten Schaffhauser Randen. Er erreicht hier auf der Baar und im Wutachtal am Ostrand des Schwarzwalds seine lokale Verbreitungswestgrenze. Die genaue Verbreitung ist wegen Verwechslungen mit den verwandten Arten aber nur unzureichend bekannt. In den Nordalpen findet man ihn nur vereinzelt, im östlichen Österreich sind die Funde nicht völlig unumstritten, da von hier auch noch M. veronicae beschrieben wurde, deren Berechtigung jedoch sehr umstritten ist. Ähnlich verhält es sich bezüglich der Vorkommen, die sich von der Rhön bis ins südliche Thüringen und über Ostbrandenburg erstrecken. Hier soll sie der Meinung einiger Autoren nach von M. centroposita vertreten werden. Auch deren Berechtigung ist jedoch höchst fraglich.


Lebensraum und Lebensweise

M. britomartis fliegt auf trockenen Magerrasen vorzugsweise auf Kalkböden, wo er von Meereshöhe bis ca. 1000 msm in Europa, bis 2000 msm in Zentralasien vorkommt. Etwas rätselhaft sind Funde auf Feuchtwiesen und Niedermooren, die besonders oft aus Thüringen gemeldet werden. Diese Falter unterscheiden sich weder habituell noch im Genital von "normalen" M. britomartis. Ob sie dennoch als M. centroposita abgetrennt werden müssen, ist nicht geklärt. Hier besteht noch viel Forschungsbedarf! Die Art ist re­gional sehr unterschiedlich verbreitet und fehlt weiten Gebieten ganz.

Der Falter fliegt in nur einer Generation je nach Lokalklima von Ende Mai bis Anfang August, hauptsächlich jedoch von Mitte Juni bis Mitte Juli. Das Weibchen legt die Eier in Gelegen an die Blattunterseiten von Großem Ehrenpreis (Veronica teucrium). Die Raupe frisst auch an Kleinem Klappertopf (Rhinanthus minor) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Sie lebt bis zur Überwinterung im halb er­wachsenen Zustand in einem gemeinschaftlichen Gespinst. Im Frühjahr dann einzeln in kleineren Gespinsten und schließlich erwachsen solitär und offen auf der Nahrungspflanze. Sie verpuppt sich im späten Frühjahr.

1, Raupenfundort: Deutschland, Thüringen, Umgebung von Maua (bei Jena), ca. 370 msm, 5. Juni 2010 (Foto: Heidrun Melzer) [Forum]



Weitere Informationen

Synonyme


Literatur

Autor: Jürgen Hensle


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Letzte Änderung am August 20, 2010 0:36 von Heidrun Melzer
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