|
07283 Melitaea athalia (ROTTEMBURG, 1775) - Gemeiner Scheckenfalter; Wachtelweizen-Scheckenfalter
1-2: Österreich, NW Rohr/G., Kalkhalbtrockenrasen, Rotföhrenwald, 700 msm, 19. Juni 2005
3-4: Österreich, Guntrams/Schwarzau, Ortsrand (Obstwiesen, Felder; in 300 m Wald) 350 msm, 26. Mai 2001 (Fotos 1-4: Peter Buchner), det. Peter Buchner
5-6: Deutschland, Ostthüringen, Lobenstein, ca. 500 msm, 2. Juli 2005 (Fotos: Jens Philipp), det. Jürgen Hensle [Forum]
7: Deutschland, Rheinland-Pfalz, Hunsrück, 24. Juli 2005 (Foto: Dieter Blatt), det. Jürgen Hensle [Forum]
8, ♀: Schweiz (Foto: Heiner Ziegler), det. Jürgen Hensle [Forum]
9-10: Slowenien, Praproce, 28. Mai 2006 (Fotos: Heinz Habeler), det. Heinz Habeler
11-12, ♀: Schweiz, Schaffhausen, Reiat, Büttenhardt, Freudental, Halbtrockenrasen auf Kalk, 640 msm, 7. Juni 2007 (Freilandfotos: Hans Peter Matter), det. Hans Peter Matter
1, ♂: Schweiz, Tessin, Aurigeno, Maggiatal, 9. Juni 2007 (Foto: Heiner Ziegler), det. Heiner Ziegler, conf. Jürgen Hensle [Forum]
2, ♂: Frankreich, Provence, nähe Digne, ca. 650 msm, 30. Mai 2007 (Foto: Michael Zepf), det. Jürgen Hensle [Forum]
3, Aberration: Frankreich, Cevennen, Gorges du Tarn, St. Marcellin, 31. Mai 2009 (Freilandfoto: Georg Paulus), det. (cf) Jürgen Hensle [Forum]
1-3: Spanien, Sierra Nevada, Capileira, 1500 msm, 16. Mai 2008 (Fotos: Markus Welz), det. Jürgen Hensle [Forum]
1: Deutschland, Baden-Württemberg, Villingendorf (oberer Neckar), teils feuchte Brachfläche, ca. 700 msm, 31. Mai 2007 (Freilandfoto: Peter Lacha), det. Peter Lacha [Forum]
2: Deutschland, Thüringen, Feuchtwiese Nähe Harra, 1. Juli 2007 (Freilandfoto: Jens Philipp), det. Jens Philipp
3: Schweiz, Genf, Vallon de l'Allondon, 400 msm, 20. Mai 2009 (det. & fot.: Bernard Jost) [Forum]
1: Deutschland, Bayern, Oberbayern, Münsing, 10. Juni 1995 (Foto: Markus Schwibinger), det. Markus Schwibinger
2: Schweiz, Graubünden, Puschlav, Brusio, 880 msm, 16. Juni 2007 (Freilandfoto: Ernst Gubler), det. Jürgen Hensle [Forum]
3: Polen, Poadkarpacie, Tarnawka, 17. Mai 2008 (Foto: Jarosław Bury), det. Jarosław Bury [Forum]
1: Deutschland, Bayern, Penzberg, ex-ovo-Zucht, leg.♀ Juni 2008, 29. April 2009 (Studiofoto: Mario Peluso), cult. & det. Mario Peluso [Forum]
1, Eigelege: Deutschland, Bad Münster am Stein, vic. Schloss Rheingrafenstein, 3. Juli 2006 (Foto: Jürgen Hensle), det. Jürgen Hensle
Melitaea athalia ist eine sehr variable Art. Ihr Habitus schwankt regional aber auch je nach den lokalen Umweltbedingungen. In kühlen und feuchten Biotopen ist die dunkle Zeichnung der Flügeloberseite viel stärker ausgeprägt als in trocken-warmen. Durchschnittlich ist die Art größer als M. aurelia und M. britomartis. In Mitteleuropa sind Palpen und Palpenhaare bei M. athalia schwarz gefärbt, bei M. parthenoides aber fuchsrot. Ebenso sind sie bei den Weibchen von M. aurelia fuchsrot und gebietsweise (keineswegs überall!) auch bei dessen Männchen mit gelbbraunen Haaren durchsetzt. M. britomartis hingegen hat auch schwarze Palpen. Bedingt durch die lokal unterschiedliche aber recht homogene Färbung und Zeichnung kann diese Art bei guten Kenntnissen der jeweiligen Population zuweilen gut von M. athalia unterschieden werden, andernorts ist es ohne Genitaluntersuchung oft unmöglich. Bei M. athalia ist der schmale Randstreifen zwischen den Marginallinien auf der Hinterflügel-Unterseite i.d.R. nicht oder nur wenig dunkler, als die angrenzende Submarginalregion. Bei M. britomartis hingegen meist deutlich dunkler. Eine gute Unterscheidungsmöglichkeit ist zudem der unbeholfen flatternde Flug, der M. britomartis auszeichnet.
Südwesteuropäische und somit hellere Vertreter von M. athalia ähneln vor allem M. parthenoides und M. deione, die jedoch heller fuchsrot gefärbte Haare an den Palpen haben. Zwar sind diese Haare bei der südwesteuropäischen M. athalia celadussa nach Südwesten zu (Südfrankreich, Spanien) auch zunehmend mit roten Haaren durchsetzt, diese sind jedoch mehr rotbraun, nicht fuchsrot gefärbt. Die erste Generation südwesteuropäischer celadussa fällt oft durch ihre stark reduzierte, bzw. auf Teilbereiche der Flügel konzentrierte dunkle Zeichnung der Flügeloberseite auf.
Für eine wirklich sichere Diagnose ist eine Genitaluntersuchung oft unerlässlich!
Der Wachtelweizen-Scheckenfalter fliegt von Japan über die Waldgebiete Russlands und der Nordtürkei bis Nordportugal, Südostengland und Norwegen. Er fehlt im Süden der Iberischen Halbinsel, mit Ausnahme der Sierra Nevada, auf Korsika, Sardinien, Kreta und in Südgriechenland.
1: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Pinnower See, Mitte Juni 2008 (Foto: Simon Chen) [Forum]
M. athalia fliegt auf trockenen und feuchten Wiesen im Wald und in der Nähe von Wäldern, ebenso wie auf breiten Waldwegen und auf Hoch- und Niedermooren. Im Gebirge auch auf trockenen Wiesen und Weiden weit entfernt von Wäldern. In den Alpen kann er hier bis auf 2000 msm steigen, in Südeuropa und der Türkei bis ca. 2600 msm.
Je nach lokalem Klima fliegt der Falter in einer Generation von Mitte Mai bis Mitte August. In sehr warmen Lagen Mitteleuropas kann in einzelnen Jahren eine sehr partielle 2. Generation im August/September auftreten. In Tieflagen des Mittelmeerraumes ist die Ausbildung einer 2. Generation die Regel. Dort fliegt die erste im April/Mai, die 2. schließt sich im Juni/Juli an.
Möglicherweise handelt es sich beim Wachtelweizen-Scheckenfalter um einen Komplex mehrerer Arten. So wurde M. neglecta als eine Art mitteleuropäischer, speziell norddeutscher Feuchtwiesen beschrieben, die früher fliegt als M. athalia trockener Standorte.
Die Raupen fressen an Wiesen-Wachtelweizen (Melampyrum pratense) und Spitzwegerich (Plantago lanceolata). Auch Leinkraut (Linaria-spp), Augentrost (Euphrasia-spp.) Arznei-Baldrian (Valeriana officinalis) und Ehrenpreis (Veronica-spp.) und sicher zahlreiche weitere Pflanzen sind regional bekannte Nahrungspflanzen, die (teilweise?) nicht von allen Populationen angenommen werden. Die Raupe lebt jung gesellig in einem gemeinschaftlichen Gespinst und überwintert, wenn sie keine 2. Generation ergibt, nach der 2. oder 3. Häutung.
(Autor: Jürgen Hensle)
07283 Melitaea athalia (ROTTEMBURG, 1775) - Gemeiner Scheckenfalter; Wachtelweizen-Scheckenfalter art-mitteleuropa