Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
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Bestimmungsmerkmale Amphipyra berbera – Amphipyra pyramidea

Hallo Jürgen,

Falter in einer Orgel gefunden? Da würde ich sagen: Typisches Verhalten der Amphipyra-Arten, die sich im Freien gern in Rindenritzen, Nistkästen, an Bretterzäunen, hinter Holzplanken und an ähnlichen Orten verstecken.

Woran ist der Falter gestorben? An Altersschwäche jedenfalls nicht, denn er ist fast frisch. Hat er den Ausgang nicht gefunden und ist verhungert? Oder kann es sein, daß die Orgelmusik zu unerträglich laut für seine zarten Tympanalorgane war? Eulen haben ein gutes "Gehör" – bis in den Ultraschallbereich, wegen der Fledermäuse – und bis jetzt hat noch niemand untersucht, welche Töne, Lautstärken oder Vibrationen ihnen unter Umständen unangenehm sind.

Auf den ersten Blick dachte ich an pyramidea, weil die äußere Querlinie rechtwinklig auf den Innenrand mündet und die Ringmakel nicht soo deutlich ausgeprägt ist wie man es von den meisten berberas kennt. Aber bei genauerer Betrachtung scheint es doch eher berbera zu sein (Mittelschatten deutlich von der äußeren Querline getrennt, Feld zwischen Ringmakel und Vorderrand mehr rechtwinklig als rhombisch), wobei im vorliegenden Fall weitere Merkmale hilfreich wären. Die besten und sichersten Merkmale liegen bei A. pyramidea / berbera auf der Hinterflügel-Unterseite, also bitte bei toten/betäubten Tieren wenn möglich immer auch ein Unterseitenfoto machen.

Hier eine knappe Zusammenfassung der wichtigsten habituellen Merkmale (zur Veröffentlichung hatte ich noch keine Zeit):

Amphipyra pyramidea
zuverlässige Merkmale:
• Hinterflügel-Unterseite: Costalfeld stark mit schwarzbraunen Schuppen gesprenkelt und von den hellen Flügelpartien gut abgesetzt, oft von den Adern hell durchschnitten.
• Vorderflügel-Oberseite: Mittelschatten meist breit, undeutlich begrenzt, verwaschen, nicht deutlich von der äußeren Querlinie abgesetzt; oft ist die ganze äußere Hälfte des Mittelfelds verdunkelt.
• Vorderflügel-Oberseite: Ringmakel in der Größe variabel, gut entwickelt bis völlig fehlend; helle Umrandung manchmal schmal, oft verdunkelt.
zuverlässig, aber nicht bei allen Stücken auftretend:
• Hinterflügel-Unterseite: Mittelfleck manchmal von einem hellen Längsstrich durchzogen.
ziemlich zuverlässige Merkmale:
• Vorderflügel-Oberseite: Mittelfeld vom Vorder- zum Hinterrand hin kaum verschmälert.
• Vorderflügel-Oberseite: Saumfeld vom Vorder- zum Hinterrand hin deutlich verschmälert.
• Vorderflügel-Oberseite: äußere Querlinie mündet m. o. w. rechtwinklig auf den Hinterrand und verläuft insgesamt weniger gebogen
• Hinterflügel-Unterseite: Saumfeld mäßig bis deutlich dunkler als Innenfeld.
• Hinterflügel-Unterseite: Die rötliche Färbung im hinteren Saumfeld reicht nach innen hin nur bis zur (ebenfalls rötlichen) Querbinde.
• Vorderflügel-Oberseite: äußere Querlinie teilt die Strecke Innenwinkel – innere Querlinie etwa im Verhältnis 1 : 2 (bzw. äußere Querlinie mündet näher zum Innenwinkel als zur inneren Querlinie)
• Vorderflügel-Oberseite: am Hinterrand teilt die innere Querlinie die Strecke Basis – äußere Querlinie etwa im Verhältnis 3 : 1 bis 2,5 : 1
• Vorderflügel-Unterseite: äußere Querlinie meist m. o. w. gerade, innen hell angelegt, dadurch gut vom dunklen Mittelfeld getrennt.
nicht immer typisch ausgeprägt:
• Hinterflügel-Oberseite: Adern nicht oder nur schwach dunkel beschuppt.
• Vorderflügel-Oberseite: Feld zwischen Vorderrand, Ringmakel, innerer Querlinie und Mittelschatten m. o. w. rhombisch.
weniger zuverlässig, etwas variabel:
• Hinterflügel-Oberseite: Färbung leuchtenderes, glänzenderes Rotbraun, klar vom dunkleren Costalfeld abgesetzt.
• Vorderflügelform: zum Saum hin meist breiter, sitzender Falter dadurch oft etwas gedrungen wirkend.
Gesamteindruck: Vorderflügel wirkt oft zweigeteilt Hell-Dunkel, weil der ausgedehnte schwarze Mittelschatten mit der hellen äußeren Querlinie und dem oft hellen Saumfeld kontrastiert, die innere Querlinie ist meist dunkler ausgefüllt als die äußere und trägt so zur Verdunklung des Innenfelds bei. Individuelle Variabilität groß.
Genitalien:
Männchen: Uncus mit einer kleinen Spitze, darüber ein großer, abgerundet rechtwinkliger Vorsprung, der die Spitze überragt oder zumindest deutlich erreicht.
Weibchen: Signum länger als breit, elliptisch. Subgenitalplatte fast doppelt so breit wie lang, am Hinterrand ziemlich stark eingebuchtet. An frischen Tieren nach dem Herausziehen des Ovipositors mit einer Lupe leicht zu erkennendes Merkmal: Borsten auf dem 8. Segment von sehr unterschiedlicher Länge, teils kurz, überwiegend aber lang.

Amphipyra berbera
zuverlässige Merkmale:
• Hinterflügel-Unterseite: Costalfeld nicht oder nur wenig verdunkelt, nicht scharf abgesetzt, die Adern nicht heller als die Grundfarbe
• Vorderflügel-Oberseite: Mittelschatten schärfer ausgeprägt, meist schmaler, deutlicher von der äußeren Querlinie abgesetzt, nie das ganze äußere Mittelfeld verdunkelnd.
• Vorderflügel-Oberseite: Ringmakel immer groß und deutlich, in der Größe ziemlich konstant, breiter hell umrandet.
zuverlässig, aber nicht bei allen Stücken auftretend:
• Hinterflügel-Unterseite: Mittelfleck oft von der Discoidalader (also in Querrichtung!) hell durchzogen.
ziemlich zuverlässige Merkmale:
• Vorderflügel-Oberseite: Mittelfeld vom Vorder- zum Hinterrand hin stärker verschmälert.
• Vorderflügel-Oberseite: Saumfeld vom Vorder- zum Hinterrand hin weniger verschmälert.
• Vorderflügel-Oberseite: äußere Querlinie mündet m. o. w. schräg auf den Hinterrand und verläuft insgesamt stärker geschwungen.
• Hinterflügel-Unterseite: Saumfeld so hell wie Innenfeld oder nur geringfügig dunkler.
• Hinterflügel-Unterseite: Die rötliche Färbung im hinteren Saumfeld reicht über die Querbinde bis zur Flügelbasis
• Vorderflügel-Oberseite: äußere Querlinie teilt die Strecke Innenwinkel – innere Querlinie etwa im Verhältnis 1 : 1 (bzw. äußere Querlinie mündet gleich weit vom Innenwinkel wie von innerer Querlinie entfernt)
• Vorderflügel-Oberseite: am Hinterrand teilt die innere Querlinie die Strecke Basis – äußere Querlinie etwa im Verhältnis 2 : 1 bis 1 : 1
• Vorderflügel-Unterseite: äußere Querlinie meist m. o. w. gebogen, innen meist nicht hell angelegt und nicht deutlich vom Mittelfeld getrennt.
nicht immer typisch ausgeprägt:
• Hinterflügel-Oberseite: Adern immer deutlich dunkel beschuppt.
• Vorderflügel-Oberseite: Feld zwischen Vorderrand, Ringmakel, innerer Querlinie und Mittelschatten m. o. w. rechteckig.
weniger zuverlässig, etwas variabel:
• Hinterflügel-Oberseite: Färbung stumpferes, weniger intensiv kupferfarbenes Rotbraun, Costalfeld nicht so dunkel und weniger scharf abgesetzt.
• Vorderflügelform: zum Saum hin meist schmäler, sitzender Falter dadurch eher schlank wirkend.
Gesamteindruck: Vorderflügel wirkt lebhafter, aber ausgewogener gezeichnet, weil die Hell-Dunkel-Kontraste gleichmäßiger verteilt sind. Der Mittelschatten tritt nicht als breite schwarze Binde hervor, die innere Querlinie ist heller, das Saumfeld selten so aufgehellt wie oft bei pyramidea. Individuelle Variabilität geringer.
Genitalien:
Männchen: Uncus mit einer schlanken Spitze, vor der eine höckerartige Verbreiterung liegt, die die Spitze weder erreicht noch überragt.
Weibchen: Signum kaum länger als breit, rundlich, proximal deutlich eingekerbt. Subgenitalplatte nur wenig breiter als lang, am Hinterrand schwach eingebuchtet. An frischen Tieren nach dem Herausziehen des Ovipositors mit einer Lupe leicht zu erkennendes Merkmal: Borsten auf dem 8. Segment gleichmäßig kurz.

Einige weitere, in der Literatur häufig genannte Merkmale variieren so stark, daß sie m. E. keine brauchbaren Merkmale darstellen: Die Pfeilflecke im Saumfeld, die Zähnung der inneren Querlinie (bei pyramidea zu variabel: bei 15-20% der Individuen ist der untere Zahn länger als der obere, genau wie bei berbera) und die Wellenlinie.

Schöne Grüße
Axel

Beiträge zu diesem Thema

Kopflose Amphipyra spec. (mit Spezialfrage @Axel Steiner) *Bild*
Re: Kopflose Amphipyra spec. (mit Spezialfrage @Axel Steiner)
Re: Kopflose Amphipyra spec. (mit Spezialfrage @Axel Steiner)
Bestimmungsmerkmale Amphipyra berbera – Amphipyra pyramidea
Re: Bestimmungsmerkmale Amphipyra berbera – Amphipyra pyramidea