Polyommatus coridon
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Lepidopterologische Lyrik, Teil 3

Passend zur Jahreszeit hier ein zwar anonym veröffentlichtes, aber nach dem Kontext sicher von H. M. Pabst stammendes Gedicht bzw. Lied.

Anm.: Das Wort "Hintern" hat Pabst delikat mit H. abgekürzt. Da es sich um einen Reim auf "überwintern" handelt, ist klar ersichtlich, was gemeint ist und ich habe es entsprechend ergänzt.
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HERMANN MORITZ PABST
Herzerweichendes Sterbelied einer männlichen Macrothylacia-rubi-Raupe nach ihrer Überwinterung (1885)

Mit Rührung gesungen am Stiftungfest des Entomologischen Vereins zu Chemnitz.
Melodie: Gott grüss Dich, Bruder Straubinger.

Wie war’s vor Zeiten doch famos
In meinen jüngern Tagen,
Nur immer fressen hieß es bloß,
Ich braucht‘ mich nicht zu plagen.
Mein Vater hat sich abgehetzt
Vor lauter Lieb' im Leibe,
Eh' ich als Ei ward abgesetzt
von seinem fetten Weibe.

Nach kurzer Zeit da sprengte ich
Die enge Eierschale,
Ich kam heraus und freute mich
Im hellen Sonnenstrahle.
Mein schwarzes Fell war fein geziert
Mit goldigfarb‘nen Reifen,'
Und jedermann hat sich geniert
Mich Räupchen anzugreifen.

Ich frass nun flott und wuchs heran
Zur langen, haar‘gen Raupe,
Doch wenn ich hatt‘ zuviel gethan,
Kriegt' manchmal ich die Staupe;
Mir hat es oft davor gegraut,
Glaubt‘ nicht zu überleben,
Doch schliesslich fuhr ich aus der Haut
Und setzte mich daneben.

Dann ging das Fressen wieder los,
'ch frass Klee und Gras und Kräuter,
Verkroch gesättigt mich im Moos,
Und später – frass ich weiter.
Und als der Herbst gekommen war,
Dacht‘ ich an‘s Überwintern,
Ich barg den Kopf im langen Haar,
Beschaute mir den H[intern].

Schon träumte ich von Frühlingsluft,
Von Schmetterlingsgelüsten,
Ich roch im Geiste Blumenduft
Roch Weibchen, die mich küssten;
Ich eilt‘ im schnellen Flug dahin,
Neckt‘ manche Jungfer Bombyx,
Vor mancher Sphinx musst‘ ich entfliehn
Doch keine flog wie ich fix!

Doch ach! mein Traum war gar nicht lang,
Ich ward geweckt ganz plötzlich,
Wenn ich dran denke, wird mir bang,
Es war doch zu entsetzlich.
Ich fühlte unzart mich gefasst
Von einem böses Wichte,
Der Kerl ist mir im Tod verhasst
Mit seinem Schelmgesichte!

Es war der Raupen-Gokel Plitt,
Er wohnt am Goetheplatze,
Der gar nicht faul, nahm mich gleich mit
Auf seiner Raupenhatze.
Er warf mich in ein finst‘res Loch
Mit andern meiner Brüder
Und sprach: "Euch find' ich lebend noch
Wenn‘s warmer Lenz wird wieder."

So staken wir nun dichtgedrängt
Im Ueberwint‘rungskasten,
Wir fühlten uns da so beengt,
Dass viele bald erblassten.
Ich war zu feist und wohlgenährt,
Hab's leider ausgehalten;
Allein mein Magen war gestört,
Und hinten hatt‘ ich Falten.

Kaum war ich aus dem Schlaf erwacht
Inmitten lauter Leichen
Und hatte schon daran gedacht,
Ganz heimlich zu entweichen:
Da plötzlich hob der Deckel sich,
Und Luft kam in den Kasten,
Gleich drauf zwei Finger fühlte ich,
Die unsanft mich erfassten.

"He! alter Schwede, lebst du noch?“
Rief Plitt, der böse Christe,
Steckt‘ mich in einen Wassertrog,
Schrie höhnisch: "Siehste, siehste!
So muß man Rubi taufen fein,
Die Haare müssen triefen;
Nun laufe hin, spinn rasch dich ein
Und höre auf zu schniefen.“

Ich tu' ihm den Gefallen nicht,
Ich fühle, dass ich sterbe,
Ich hab' die Cholera gekriegt
Und weiss, dass ich verderbe.
Leb' wohl, du schöner Frühlingshauch,
Leb' wohl, du warme Sonne,
Mich grimmt und kneipt es in dem Bauch,
Und Sterben ist mir Wonne!

Er stirbt.

~ ~ ~ ~ ~ ~ ~

Zur Erläuterung: Lange Zeit galt die Überwinterung von Macrothylacia-rubi-Raupen in der Zucht als außerordentlich schwierig. Irgendwann verfielen die Lepidopterologen auf die Methode, die aus der Überwinterung erwachenden Raupen zu baden (was möglicherweise die Darmentleerung begünstigt). So schreibt Friedrich (1975) im Handbuch der Schmetterlingszucht: "Nach der Überwinterung und einem Tag Lagerung im ungeheizten Zimmer sind die Raupen mehrere Tage je einmal in lauwarmem Wasser zu baden, bis sie bewegungslos auf dem Boden des Behälters liegen bleiben. Eine Gefahr, daß sie bei dieser Prozedur eingehen, besteht kaum. Anschließend hält man die Tiere warm und läßt sie auf Toilettenpapier trocknen. Nach vier oder fünf Tagen wiederholt man die Bäder nur noch im Abstand von einigen Tagen, bis die Raupen durch suchendes Umherlaufen ihre Verpuppungsbereitschaft anzeigen."

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