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Hylaea fasciaria & prasinaria
Antwort auf: @Administratoren ()

Liebe Kollegen,

hier noch weitere Gedanken zum Thema Hylaea fasciaria und prasinaria, zitiert aus einer Publikation von mir:

REZBANYAI-RESER, L. (2003): Zur Nachtgrossfalterfauna vom Berner Seeland (Ins, Landwirtschaftliche Schule, 433 m) (Lepidoptera: "Macroheterocera"). – Entomol. Ber. Luzern, 49: 45-148.

Seite 104:
Hylaea fasciaria prasinaria D.Sch. (Geometridae), 4.VI.-3.VIII., 22 Expl.: Ein Nadelholzfresser, der nur in einer einzigen Generation (im Südtessin gibt es jährlich zwei davon!), aber fast jedes Jahr angeflogen ist, wenn auch immer nur sehr vereinzelt (maximal 4 Expl. pro Jahr). - Obwohl es sich bei Ins eigentlich eher um ein Waldföhrengebiet und um kein Fichtengebiet handelt, lebt hier nicht der fleischfarbige "Föhrenspezialist" fasciaria sondern der grüne "Fichtenspezialist" prasinaria, die der Verfasser weder für eine eigene Art (sensu Forster & Wohlfahrt 1981) noch für ein Synonym (also für keine infrasubspezifische Form oder "Aberration"), sondern für eine eigene Unterart mit eigener Faunengeschichte hält, wie dies übrigens u.a. auch in Koch 1984 steht. Sogar in den Föhrenwaldheidegebieten Gersau-Oberholz SZ und oberhalb Lavorgo TI konnte der Verfasser nur prasinaria finden, die sich dort ganz sicher überwiegend an Pinus silvestris entwickelt. Im Allgemeinen stimmt also auch die Feststellung nicht, dass prasinaria "die Form der Fichten- und Tannenwälder des Gebirgslandes" ist (Koch 1984), ursprünglich ist diese Form jedoch bestimmt in solchen Lebensräumen entstanden. Dagegen lebt die Nominatunterart fasciaria in der Schweiz wahrscheinlich nur in den verstreuten Walliser Föhrenwaldgebieten als Postglazialrelikt (da diese Form ursprünglich bestimmt in Föhrenwaldheiden entstanden ist), wo an den Grenzen zu den umgebenden prasinaria-Populationen auch fortpflanzungsfähige Hybride gebildet werden. Solche schmutzig grüngrau gefärbte Weibchen (wahrscheinlich = f. grisearia Fuchs) ergeben in ihrer Nachkommenschaft dann meist sowohl die beiden Hauptformen als auch weitere, zum Teil einfarbig schmutzig graugrüne, zum Teil aber auch bizarr gefärbte Übergangsformen. Vom Verfasser sind mehrere solche Zuchten von Visperterminen VS durchgeführt worden (Publikation in Vorbereitung)."

Weiteres:
H.fasciaria hat sich also wohl ursprünglich in Föhrenwaldheidegebieten entwickelt und verbreitete sich mit diesem Vegetationstyp in Mitteleuropa postglazial wahrscheinlich weiträumig. Als dieser Vegetationstyp sich inselartig zurückzog, entstand bei fasciaria ein stark disjunktes, zersplittertes Verbreitungsbild. Gleichzeitig drang Fichte in Mitteleuropa ein und füllte die Lücken, gefolgt von prasinaria. So entstand ein Mosaik. Wo sich die Vegetationstypen einander berührten, ist vor allem prasinaria auch auf Pinus übergangen und hat dabei die fasciaria-Populationen genetisch "infiziert". So sind Hybridpopulationen entstanden.

Es ist wichtig zu vermerken, dass keine der auf der erwähnten Internetseite abgebildeten Hylaea genetisch rein zu sein scheinen. Die grüne Form hat mehr rot als normal, und die rote Form mehr grün. Beide müssen von Gebieten stammen, wo die beiden "Formen" einander nahe kommen oder sympatrisch sind. Beide scheinen Unterarthybride zu sein.

In genetisch reinen prasinaria-Populationen, die grossflächig völlig einheitlich vor allem in Fichtenwaldgebieten, aber auch in manchen Föhrenwaldgebieten (wohin fasciaria damals die Waldföhre aus irgendeinem Grund nicht folgte!)vorkommen, zeigen in ihrer Morphologie besonders gut, wie gut die grüne Form genetisch befestigt is. Und dies gilt in wenigen Gebieten auch für fasciaria-Populationen, wo in der Nähe keine prasinaria-Populationen existieren.

Die geringfügige, aber doch existierende Isolation der beiden Taxa wird in erster Linie nicht durch die Futterpflanze verursacht, sondern durch die ökologischen Ansprüche (fasciaria eher trocken, prasinaria eher feucht), die aber grundsätzlich auch für die Hauptfutterpflanzen typisch sind.

Es handelt sich also ursprünglich wahrscheinlich um zwei geographische Unterarten, die durch die mosaikartige postglaziale Vernetzung der Vegetation heute als ökologische Unterarten mit zersplitterter Verbreitung und mit örtlichen Hybridzonen in Erscheinung treten.

Eine weitere wichtige Rolle spielt dabei heute der Mensch, der in Fichtengebieten überall Pinus anpflanzt und umgekehrt, der beide Nadelhölzer in Gebiete einschleppt, wo diese völlig Biotopfremd sind. Damit werden mit den Setzlingen beide Taxa in Gebiete verschleppt, wohin sie von sich selbst nie gekommen wären. In solchen anthropogenen Nadelwäldern ist heute oft der Fall, dass diese nur eine fasciaria-prasinaria-Hybridpopulation beherbergen, ohne irgendwelche Hinweise auf dessen Herkunft. Wenn man nur diese Lebensräume betrachtet, dann scheint es klar zu sein, dass es sich hier lediglich um zwei infrasubspezifische Formen handelt. Dabei ist man aber lediglich getäuscht worden.

Soviel für heute und herzliche Grüsse,

L. RESER

Beiträge zu diesem Thema

Hylaea fasciaria, aber..... *Bild*
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Re: Hylaea fasciaria, aber.....
Re: Hylaea fasciaria, aber.....
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Hylaea fasciaria & prasinaria
Re: Hylaea fasciaria & prasinaria
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