Polyommatus coridon
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Alte und mundartliche deutsche Namen für "Schmetterling"
Antwort auf: Kleine Sprachkunde ()

1. Wie spezifisch elsässisch ist denn der Pfiffholder? Gibt es ihn (heute) nur noch im elsässisch(-alemannischen) Bereich?

In den Glossaria Augiensia des Klosters Reichenau im Bodensee aus dem 13. Jahrhundert kommt er neben einigen anderen Insekten vor (Diese "Glossare" waren lateinisch-deutsche Wörterbücher):
cimex = wantlus (Bettwanze)
asilus = breme (Bremse)
cynomia = huntfluege (Stomoxys?)
culex = mugge
bibio = winmugge
grillus = mucheime (Heimchen)
papilio = phiffholtir (Schmetterling).

Jean Bauhin (der nicht nur Botaniker und Leibarzt des Herzogs von Württemberg war, sondern sich auch für Insekten interessierte) hat 1602 den Begriff "Pfeiffholter" benutzt, in der deutschen Übersetzung seiner ursprünglich lateinischen "Historia novi et admirabilis fontis balneiqve Bollensis in dvcatv Vvirtembergico ad acidulas Goepingenses" (1598) bzw. "Ein New Badbuch / Und Historische Beschreibung / Von der wunderbaren Krafft und würckung / des Wunder Brunnen und Heilsamen Bads zu Boll / nicht weit vom Sawrbrunnen zu Göppingen / im Herzogthumb Würtemberg" (1602). Die Übersetzung wurde allerdings nicht von ihm selber angefertigt, sondern von D. Förter und erschienen ist die deutsche Fassung in Stuttgart. Ist der "Pfeiffholter" – der hier sowohl für Tag- wie Nachtfalter gebraucht wird – somit eher alemannisch-schwäbisch? Weiß jemand Näheres über dieses D. Förter?

2. Sind "Weyfalter" und "Zweyfalter" eigenständige Worte oder haben sie sich aus "Pfeifholder", "Pfeifhalter" entwickelt? Von Pfeifhalter zu Weyfalter scheint es mir etymologisch nur ein kleiner Schritt zu sein. Ist so der "Falter" entstanden?
Narcissus Schwelin, fürstlich württembergischer "Visitations-Rechenbancks-Rath", also mutmaßlich ein Schwabe, sprach 1660 von "Weyfaltern" ("braune Weyfalter" = Distelfalter).

3. Wer kennt noch weitere deutsche Namen für Schmetterling oder hat sonstige Ergänzungen zu der folgenden Liste?

  • Vogel
  • Sommervogel (Niederrhein)
  • Summervegel (pl.) (niederalemannisch), größere Falter, speziell Tagfalter
  • Rahmdieb
  • Schmantdieb
  • Schmantling
  • Schmett(en)ling
  • Schmetterling
  • Molke(n)dieb
  • Molkadieb (Schlesien, Grafschaft Glatz)
  • Molkadiebschnopper (Schlesien, Grafschaft Glatz)
  • Molkehengscht (badischer Odenwald), größere Nachtfalter
  • Molkestahler
  • Molkenteller
  • Butterfliege
  • Buttervogel
  • Ryppe (pl.) (niederalemannisch), Motten
  • Fippmoppen (pl.) (Niederrhein)
  • Marmotten (pl.) (Aachen)
  • Pannevogel (Niederrhein), angeblich von Dachpfanne, weil sich manche Tagfalter (Pfauenaugen, Füchse) gern auf Dachziegeln sonnen
  • Ruppendritter (Rheinland), größere Nachtfalter
  • Ketelböter (Pommern) =Kesselheizer
  • Kätelböte (Rügen) =Kesselheizer
  • Kalitte (Mark Brandenburg, Berlin, niederdeutschen Ursprungs?)
  • Kielitt (Havelland)
  • Mottensch(m)eißer (Norddeutschland)
  • Mottakeenich (Schlesien, Grafschaft Glatz), größere Nachtfalter
  • Mottenkönig
  • Tuud (Schlesien, Grafschaft Glatz), größere Nachtfalter (=Tod)
  • Olb (Schlesien, Grafschaft Glatz), kleinere Nachtfalter
  • Fleddermeis (pl.) (Pfalz), Nachtfalter (=Fledermäuse)
  • Flerrermeis (pl.) (Pfalz), Nachtfalter (=Flattermäuse)
  • Schildkrötvogel (Franken (?)), rotbraune, dunkel gefleckte Tagfalter; nach Esper (1781) geläufiger Name für rotbraune, dunkelbraun gefleckte Falter, von ihm verwendet für Nymphalis polychloros f. testudo.
  • Bifalter
  • Zwifalter
  • Zweyfalter
  • Weyfalter (Schwaben; Schwelin 1660)
  • Pfiffhalter
  • Pfiffholder (Elsaß [und angrenzende alemannische Bereiche?])
  • Pfeifholder
  • Pfeiffholter (Bauhin 1602 bzw. Förter 1602; Schwaben??)
  • phiffholtir (Glossaria Augiensia, Kloster Reichenau im Bodensee, 13. Jh.)

    Etymologische Grüße
    Axel

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