Polyommatus coridon
Lepiforum: Bestimmung
von Schmetterlingen
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Re: Rechtzeitig vor dem Wintereinbruch ...

Guten Abend Jürgen

Ja, allerdings! Zuerst aber eine Vorbemerkung: Die in unseren Breiten lebenden Arten benötigen ausreichend Frost oder mindestens Kälte für die Überwinterungsstadien. Zudem scheinen einige Arten auch auf die Ab- und anschliessende Zunahme der Tageslänge zu reagieren. Daher sammle ich alle Winterstadien konsequent erst ab Mitte Januar ein und bringe sie dann meist direkt in Zimmertemperatur.

Einige Sammeltipps:

1. Nicht zu frische, unterseitig bereits dunkel oder schwarz verfärbte Stockpilze eintragen: Reiche Ausbeute an vielen Diptera-Arten und einige Tineiden sind zu erwarten.

2. Ältere Bergahornbäume: Stammaufwärts aufstehende Rindenschuppen vorsichtig ablösen. Darunter finden sich die Überwinterungskokons des Wicklers Pammene regiana oft in grosser Zahl. Aber Achtung, die meisten stammen aus den Vor- und Vovorjahren. Die noch "aktiven" enthalten eine weissliche Raupe im Vorpuppenstadium.

3. Aus niedrigen, möglichst exponiert stehenden Föhren die letztjährigen Zäpfchen aus der Wipfelregion abpflücken: Vielleicht schlüpft daraus Cydia conicolana.

4. Aus Eichenbüschen und -bäumchen die letztjährigen Cynips-Gallen ("Kartoffelgallen") von den Zweigen pflücken. Daraus könnten gleich mehrere Arten schlüpfen: Pammene albuginana, Pammene gallicolana, Pammene argyrana, Pammene inquilina (diese Art zwar eher aus morschen Astteilen von mit Cynips-Gallen besetzten Eichen). Achtung: Cynips-Gallen gibt es nur jedes zweite Jahr!

5. Letztjährige, alte Harzgallen von Retinia resinella von Waldföhren einsammeln. Daraus schlüpft dann Cydia cosmophorana. Auch diese Harzgallen sind nur jedes zweite Jahr vorhanden!

6. Von gefällten Rottannen (Fichten) die Zapfen einsammeln (am besten solche, die etwas verharzt sind). Daraus schlüpfen Cydia strobilella (oft in unsäglichen Massen!!) und Dioryctria-Arten (vorzugsweise D. abietella).

7. Kleine Fichten, 2-6 Meter hohe magerwüchsige Bäumchen mit spärlichen Ästen, oft im dunklen Waldinnern, möglichst mit Stammverletzungen von Rehen oder von Forstarbeiten verursacht nach Bohrmehlauswurf absuchen. Daraus schlüpft z.B. Cydia indivisa.

8. Bohrmehlauswurf im Bereich abgestorbener Äste oder bei Stammverletzungen an Lärche ergibt Cydia grunertiana oder Cydia zebeana.

9. "Krebskeulen" an Stämmen und Ästen der Weisstanne liefern den Glasflügler Synanthedon cephiformis und den Wickler Cydia coniferana.

10. Ausgraben der ganzen Wurzelballen von Schafgarbe (Achillea millefolia), welche an Acker- oder Wegrändern an gut besonnten Stellen wachen: Daraus schlüpfen Dichrorampha gueneeana, Dichrorampha petiverella, Epiblema graphana, ...

11. Wie bei Nr. 10: Aus Artemisia vulgaris-Wurzelstöcken schlüfen z.B. Epiblema foenella, Dichrorampha simpliciana... Aus Wurzelstöcken von Digitalis lutea erhält man Endothenia lapideana.

12. Abgestorbene, unterste Stengelteile von Impatiens noli-tangere suchen. In den hohlen Stengeln zwischen Wurzel und erstem Stengelglied finden sich die Vorpuppen oder Puppen von Pristerognatha penthinana und Pristerognatha fuligana.

13. Im immergrünen Laub der Preisselbeere (Vaccinium vitis-idaea) nach Blättchen suchen, welche zu zweit flach zusammengesponnen sind (das obere Blättchen ist dann meistens schwarz verfärbt). Hier überwintert das Räupchen von Rhopobota ustomaculana. Ganze Pflanze eintragen, weil die Raupen bei Zimmertemperatur noch einige Tage fressen wollen. Sind an Preisselbeere drei Blättchen in der Form eines Buchnüsschens versponnen, schlüpft dann eher Stictea mygindiana.

14. Einsammeln der Überreste der letztjährigen Samenstände von Wollgräsern (Eriophorum), welche wie Watteknäuel an der dürren Vegetation angesponnen sind. Daraus schlüpft Glyphipterix haworthana.

Dies soll vorerst genügen, sonst wird der Winter plötzlich zur mikrolepidopterologischen Stressjahreszeit.

Gruss

Ruedi

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