Polyommatus coridon
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Entnahme von Tieren in Schutzgebieten
Antwort auf: Re: Agrotis / Euxoa sp. ()

Guten Morgen, Claudi,

wir hatten das Thema (Sinn oder Unsinn von Fangverboten...) schon mehrfach in diesem Forum. Darüber möchte ich an dieser Stelle auch nicht diskutieren.

Die juristische Sachlage ist folgende:
Zum Schutz der Arten finden mehrere Gesetze und Verordnungen Anwendung:

1. das Bundesnaturschutzgesetz (NatSchG)
2. Bundesartenschutzverordnung, EU-Artenschutzverordnung (sowie weitere Artenschutzverordnungen) und EU-Abkommen
2. die Naturschutzgesetze und Verordnungen der Länder (bei mir: NatSchG BaWü)
3. die einzelnen Schutzgebietsverordnungen
4. Darüber hinaus eventuell auch noch überregionale Gesetze und Verordnungen (beispielsweise für FFH-Gebiete und viele weitere)

- wahrscheinlich habe ich jetzt noch irgendetwas vergessen...

Bevor man Tiere aus der Natur entnimmt, sollte man diese Verordnungen alle kennen. Rein juristisch gesehen sollte man sich dann auch (meiner ganz persönlichen Meinung nach) an die Gebote und Verbote halten. Wenn einem Regelungen darin nicht passen, sollte man den politischen/demokratischen Weg beschreiten und für bessere Verordnungen kämpfen... Dies nur vorweg, wir haben im Forum schon mehrfach darüber diskutiert und ich weiß, dass nicht alle Forumsmitglieder meiner Meinung sind.

Welche Inhalte die jeweiligen Gesetze/Verordnungen haben, musst du für deine Gebiete jeweils selbst herausfinden. Im allgemeinen wird es nicht erlaubt sein, ohne eine besondere Genehmigung Tiere oder Pflanzen aus einem Naturschutzgebiet zu fangen oder gar vorübergehend oder dauerhaft zu entnehmen. Oft sind auch schon das "Nachstellen", das Stören, das Aufsuchen von Brutplätzen sowie das Fotografieren der Tiere am Brutplatz verboten.

Lies einfach die für das jeweilige NSG erstellte Schutzgebietsverordnung durch (die kriegst du sicher über das Web), dann weißt du, was in dem jeweiligen Gebiet - neben den schon durch das BNatSchG sowie den Länderverordnungen geregelten Dingen - verboten und was erlaubt ist. Im allgemeinen sind wesentliche Auszüge der Schutzgebietsverordnung auch am Rand der NSGs ausgehängt. Was da drauf steht, das gilt dann. Meiner Meinung nach FÜR ALLE (außer für diejenigen, die sich offiziell eine Ausnahmegenehmigung haben erteilen lassen).

Für NSGs sind die Verordnungen verständlicherweise noch schärfer als für die freie Landschaft. Dahinter steckt ja ein Sinn (über den man gewiss streiten kann...). Meist ist es dort noch nicht einmal erlaubt, die Wege und Pfade zu verlassen.

Ich persönlich habe mir beim zuständigen Regierungspräsidium (für mich in BaWü: Karlsruhe) für alle Forschungen, die ich mache, eine Ausnahmegenehmigung erteilen lassen. Sie heißt "Ausnahmegenehmigung zum Fang von Schmetterlingen" und ist erweitert um eine "Befreiung von den Verbotsbestimmungen" einzelner NSGs (Juristendeutsch!!!).
Meine Beobachtungsregion inkl. der betreffenden NSGs sowie die Art der Forschungs-/Beobachtungsmethoden sind im Schreiben genau angegeben. Diese Ausnahmegenehmigung ist mit der Auflage verbunden, dass ich meine Forschungsergebnisse der zuständigen Naturschutzbehörde einmal jährlich mitteile. Ich komme dieser Auflage gerne nach - dafür, dass ich mich intensiv mit den Schmetterlingen (auch mit besonders geschützten Arten) befassen darf (auch hier gehen die Meinungen der Forumsmitglieder, wie du sicher nach diesem meinem Beitrag sehen wirst, erheblich auseinander).

Neben den Auflagen für den Schmetterlingsfang und dem Entnehmen einzelner Tiere zum Zwecke der Forschung bzw. des Artnachweises, ist in meiner Genehmigung auch noch das Betreten bestimmter Naturschutzgebiete geregelt (ich kann in den genannten Gebieten überall hin, darf also auch die Wege verlassen).

Was im einzelnen in einer solchen Ausnahmegenehmigung drinsteht, ist ganz individuell. Es hängt davon ab, was du beantragst (welche Region, welche Forschungs-/Beobachtungsmethoden, welcher Zeitraum, welche Naturschutzgebiete....)
Ich habe erstmals 1989 einen Antrag auf Erteilung einer Ausnahmegenehmigung gestellt und einfach alles hineingepackt, was ich gerne machen wollte. Das ist beim ersten Mal schon mit etwas Mühe verbunden, aber das war's dann auch schon. Mein Antrag wurde ohne irgendwelche Beanstandungen dann auch genehmigt. Seiher muss ich lediglich alle 5 Jahre eine Verlängerung der Genehmigung beantragen (jedes Mal das gleiche Schreiben mit ausgebessertem Datum... - also kein Aufwand mehr).

So, liebe Claudi, falls du noch weitere Fragen dazu hast, schreibe mir bitte per e-Mail, um den Rahmen des Forums nicht zu sprengen - obwohl ich denke, dass dieser Aspekt auch für andere Forumsteilnehmer sicherlich ganz interessant sein dürfte. Aber wir haben schon mehrfach über den Sinn solcher Regelungen, Verordnungen und Ausnahmegenehmigungen diskutiert und ich möchte die Forumsmacher nicht durch weiteren Speicherplatzverbrauch zu diesem Thema vergrätzen... (ist doch lieb von mir, nicht wahr, ihr Forumsmacher???)

Herzliche Grüße,
Jutta

Hier noch einige Links:
http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/bnatschg_2002/
http://www.nabu.de/m06/m06_01/00455.html
http://www.bmu.de/naturschutz_biologische_vielfalt/bundesnaturschutzgesetzt/gesetzestext/doc/2553.php
http://de.wikipedia.org/wiki/Bundesartenschutzverordnung
http://www.rechtliches.de/info_BArtSchV.html

Beiträge zu diesem Thema

Bitte um Bestimmungshilfe Raupe *Bild*
Dünenraupe - Seitenansicht *kein Text* *Bild*
Agrotis / Euxoa sp.
Re: Agrotis / Euxoa sp.
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Das würde ich schon gerne machen!
Transekt-Begeher/in
Re: Transekt-Begeher/in
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