Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Die Ausgangslage, Teil 4: DAS Kleinschmetterlingsbuch für Einsteiger

Nein, ich weiß auch nach langem Überlegen nicht, wie es aussehen sollte, das Buch für Einsteiger. Ich denke, so ein Buch kann es prinzipiell nicht geben. Aber es gibt ein paar Rahmenbedingungen, so dass sich mehrere Bücher ganz unterschiedlicher Autoren ein Stück weit ergänzen können. Aber ohne Eigenarbeit des Benutzers geht es nicht.

„Kleinschmetterlinge gibt es in allen Lebensräumen, wir können ihnen täglich begegnen. Doch wer kennt sie, kann sie unterscheiden oder bestimmen? Bisher fehlte ein spezielles Bestimmungsbuch – hier ist es! Gemeinsam haben die Autoren ein Werk geschaffen, das die mitteleuropäischen Kleinschmetterlinge erstmalig populärwissenschaftlich darstellt. ... Im „Speziellen Teil“ werden 170 repräsentative Arten anhand brillanter, meist ganzseitiger Farbfotos vorgestellt und auf der jeweils gegenüberliegenden Seite beschrieben. Dem Leser wird damit das Auffinden, Beobachten und sichere Bestimmen der Tiere ermöglicht und erleichtert“. – so steht es auf dem Buchrücken von KALTENBACH, T. & P. V. KÜPPERS (1987): Kleinschmetterlinge. Beobachten – bestimmen. – 288 S.; Melsungen (Neumann-Neudamm). Also ein Buch, das damals speziell für Einsteiger geschrieben wurde. Aber 170 Arten – auch wenn sie noch so repräsentativ sind – sind eben nicht einmal 10 % der bundesdeutschen Kleinschmetterlingsfauna. Und auch sonst gibt es noch so manches, was man vermissen wird.

P. V. KÜPPERS (2008) hat dieses Taschenbuch nach 2 Jahrzehnten überarbeitet: Kleinschmetterlinge erkennen, bestimmen. – 399 S.; Fauna Verlag. Jetzt heißt es auf dem Buchrücken: „In diesem Band werden insgesamt mehr als 360 Arten – und damit etwa ein Drittel der in Mitteleuropa vorkommenden Microlepidopteren – im Text behandelt und zum überwiegenden Teil großformatig auf Farbfotos abgebildet. Der Begleittext, der jeder Art gegenübersteht, gibt wesentliche Hinweise auf Vorkommen, Lebensweise und Entwicklung sowie die Verbreitung der jeweiligen Art.“ Und dann kommt das Beste: „Dort wo Verwechslungsmöglichkeiten mit verwandten und/oder ähnlich aussehenden Arten bestehen, wird eine Abgrenzung geschaffen, um Verwechslungen so weit wie möglich auszuschließen.“ – also DAS ideale Buch für den Einsteiger? Wer zu rechnen beginnt, der kommt ins Grübeln: In der Oberlausitz kommen gut 1500 Kleinschmetterlingsarten vor, aber für ganz Mitteleuropa sind 360 schon ein Drittel??? Liest man auf dem gleichen Buchrücken, mit was sich der Autor den so beschäftigt, erfährt man, dass er seit Jahrzehnten als Privatforscher und Reiseleiter in Südostasien unterwegs ist – seine Erfahrungen mit mitteleuropäischen Kleinschmetterlingen sind noch exakt die gleichen wie im Buch von 1987 – und auch die Bilder dürften noch alle aus der damaligen Zeit stammen (sie sind nicht schlecht, aber dem heutigen Standard entsprechen sie nicht).

Nehmen wir mal ein Beispiel: Der Laie findet am Natternkopf die schöne bunte Raupe von Ethmia bipunctella. Nun ja, Raupen werden in diesem Buch (mit einer Ausnahme) auch nicht gezeigt. Bald schlüpft der Falter. Okay – sieht irgendwie Ethmia dodecea und Ethmia funerella ähnlich – aber die Nahrungspflanze passt nicht so ganz. Nirgends ist zu erfahren, dass es in Mitteleuropa noch 9 weitere Ethmia-Arten gibt und dass Ethmia bipunctella sehr viel häufiger ist als Ethmia dodecea. Und was bitteschön ist Ethmia funerella? Die heißt seit bald einem halben Jahrhundert allgemein Ethmia quadrillella. Also nicht schlecht – aber eben auch nicht das Gelbe vom Ei.

Und das war es dann auch schon mit mitteleuropäischen Einzelbänden quer über alle Mikros hinweg, wenigstens für die anspruchsvolle Generation von heute. Ich war einst happy über den „Eckstein“: ECKSTEIN, K. (1933): Die Schmetterlinge Deutschlands mit besonderer Berücksichtigung ihrer Biologie und wirtschaftlichen Bedeutung. 5. Band. Die Kleinschmetterlinge Deutschlands. – 223 S. + 32 farblithogr. Tafeln; Stuttgart (K. G. Lutz Verlag). Immerhin werden hier fast 1900 Arten aus unserem Faunengebiet kurz und knapp abgehandelt (kurze Falter- und Raupenbeschreibung, Angaben zur Phänologie von Falter und Raupe, Raupennahrung (ggf. auch Minenbeschreibung). In den Farbtafeln gespannter Falter werden 359 Arten in meist brauchbaren (aber längst nicht mehr den heutigen Ansprüchen genügenden) Zeichnungen abgebildet. Die anderen 24 Farbtafeln behandeln meist die Biologie wichtiger Arten. Eine „Übersicht der Arten nach den Futterpflanzen der Raupen“ ermöglicht nach dem Fund von Raupen oftmals schon eine erste Vorsortierung, um was es sich handeln könnte. Für mich ist das ein Buch, das noch immer seine Existenzberechtigung hat – leider, denn eine neue Darstellung aller Kleinschmetterlinge Deutschlands ist weiterhin nicht in Sicht.

Vielleicht werfen wir noch einen Blick nach ganz Europa, und hier in den Parenti: PARENTI, U. (2002): A Guide to the Microlepidoptera of Europe. – 426 S.; Torino (Museo Regionale di Scienze Naturali). Hier heißt es im Vorwort: „This is not a book that will enable the collector to determine all the species, even though the author’s meticulous and patiently gathered colour photograph illustrate more than 1000 of them ... It will, on the other hand, allow recognition of almost all the European families and genera, while the essential information it provides concerning their biology gives the assistance in unravelling the intricate sleave hitherto lacking in the European lepidopterological literature. And the book has still other merits. In addition to serving the beginner, it will be of service to the more knowing microlepidopterist … A work that stands on the midway point between popularisation and science research.”

Ich mag dieses kleine Buch und in meiner Buchbesprechung schrieb ich dazu: „Parenti widmet sein Buch ganz bewusst der nachwachsenden Generation von Kleinschmetterlings-Forschern. Und er gibt ihnen auch das Handwerkszeug mit (z. B. ein Kapitel über die Genitalpräparation bei diesen kleinen Faltern). Er schreibt über die Kennzeichen der Familien und illustriert das mit Zeichnungen, andere Zeichnungen und Schwarzweiß-Fotos berichten über das Leben auffälliger Arten. Bei den Farbtafeln handelt es sich um jeweils qualitativ sehr hochwertige Farbfotos von gespannten Sammlungstieren. Die Begleittexte sind zwar sehr knapp gehalten („Distribution“, „hostplants“), die hohe Qualität der Bilder und ihre große Zahl hilft, die Tiere recht sicher einzuordnen. Dass alle Falter gleich groß abgebildet sind, kann etwas verwirren, da die Flügelspannweiten der abgebildeten Tiere aber jeweils daneben stehen, ist das in Ordnung. Ein Buch, das ich jedem, der auch die kleinen Schmetterlinge fotografiert, empfehlen möchte – ganz besonders demjenigen, der „richtig“ in diese Gruppe einsteigen möchte. Zusammen mit dem „Kaltenbach und Küppers“ (mit lebenden Faltern aber kleinerer Artenzahl) und dem „Slamka“ (mit allen mitteleuropäischen Zünslern) dürfte der Einstieg Spaß machen.“ – Aber klar: auch an diesem Buch gib es viel auszusetzen und 1000 Arten für ganz Europa sind auch nur eine sehr begrenzte Auswahl.

Mittlerweile gibt es auch noch ein oder zwei englische Werke, die den Einstieg in die Kleinschmetterlinge eröffnen könnten – aber 1500 bebilderte Arten der Oberlausitz sind für den Mitteleuropäer schon etwas Besonderes.

Wer ein umfassendes Buch über die Kleinschmetterlinge Mitteleuropas haben will, muss es schon selbst schreiben! Aber Vorsicht: das mit der vollständigen Bebilderung könnte mühsam werden, und das mit den vollständigen und auf Richtigkeit geprüften Angaben zur Biologie noch viel mehr. Im Lepiforum gibt es mittlerweile zu knapp einem Viertel der europäischen Arten das Kapitel "Nahrung der Raupe" - bei 386 davon steht: "noch unbekannt!"

Zusammenfassend für den Einsteiger möchte ich feststellen: Lieber Einsteiger, warte nicht auf das umfassende Werk sondern nimm, was Du bekommen kannst; kombiniere und forsche selbst weiter ...

Viele Grüße

Erwin Rennwald

Beiträge zu diesem Thema

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fehlende Angaben zum Leben
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Die Ausgangslage, Teil 2: Die (potenziellen) Autoren
Die Ausgangslage, Teil 3: das Team
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