Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Re: Schadfaktor "Schafbeweidung" [sic!]

Hallo Hermann,
mit etwas Verzögerung (Fußball-WM!) will ich auf deinen Beitrag nochmals eingehen. Vorweg: Meine Einschätzung der Schafbeweidung als "Schadfaktor" bezog sich nicht
speziell auf die Situation im Werratal, sondern beruht auf jahrzehntelangen Erkenntnissen, Beobachtungen, Erfahrungen, Literatur und nicht zuletzt Forumsbeiträgen.
Ich stelle nicht in Abrede, daß Schafbeweidung in gewissen Lebensraumtypen als Pflegemaßnahme sinnvoll ist, nur hier in Bayern scheint bei den Naturschutzbehörden
das naive und pauschale Paaradigma zu gelten, alle schützenswerten Flächen mit Schafen zu "pflegen" und damit sei dem Naturschutz und Förderung der Artenvielfalt
Genüge getan. Spezielle Beweidungskonzepte, Kontrolling, Monitoring fehlen. Und diese unangepaßte Beweidung (Hütetechnik, Besatzdichte, Beweidungszeitpunkt und
Nachbeweidung) ist aus naturschutzfachlicher und entomologischer Sicht ein Gefährdungsfaktor für Offenlandarten. Ohnehin ist nachgewiesen, daß Schafbeweidung (unter-
schiedlich je Rasse) das Artenspektrum von Pflanzen und Tieren sowie die Habitatstrukturen verändert und Weidegesellschaften daher generell sehr artenarm sind und
nahezu immer zu einer Schädigung der Entomofauna führt.Neben dem selektiven Fraß der Tiere ist vegetationskundlich auch die Eutophierung der Flächen durch den
Kot und Harn der Weidetiere ein bedeutender Gefährdungsfaktor. Es ist wissenschaftlich belegt, daß Schafe täglich 6-8 mal Kot und 9 bis 12 mal Harn absetzen, wowon
ca.35 % trotz Nachtpferch auf der Weidefläche verbleiben. Neben den atmogenen Schadstoffen ein massiver Stickstoffeintrag zum Nachteil den wertvollen Magerkeitsanzeigern
auf armen Böden.Damit steht in vielen Fällen Schafbeweidung im Widerspruch zu einem ökologischen und naturschutzfachlichen Grünlandmanagement, es ist nichts anderes als eine
Form landwirtschaftlicher Nutzung, die auch für belegbare Aussterbeereignisse (z.B.von H.semele und M.nausithous) im Nürnberger Raum verantwortlich ist.
Wenn sich dann z.B. der Landesverband der Bayer. Schafhalter in einem Zeitungsartikel dann sogar dazu verteigt, die Interessen seiner Mitglieder unter der Überschrift
"Naturschutzgebiet bedroht Schafbeweidung" durchzusetzen und Schafe mit dem Status "Profigärtner auf vier Beinen" belegt, dann kann der Kundige nur noch den Kopf schütteln.
Ohne deine entomologische Kompetenz in Zweifel ziehen zu wollen, glaube ich auch bei dir als Schafhalter eine gewisse Befangenheit gegenüber den gravierenden Nach-
teilen der Schafbeweidung im Gegensatz zu den Vorteilen eines gezielten Mahdregimes zu erkennen. Es ist in sehr vielen Fällen ein Irrweg-auch der Naturschutzbehörden-
bei Pflegemaßnahmen im Sinn des Sprichwortes " den B o c k z u m G ä r t n e r zu machen", zumindest aus der Sicht eines Entomologen, nicht eines Schafhalters.
Ist nicht bös gemeint, nur zum Nachdenken!
Beste Grüße
Wilhelm Köstler

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