Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Tagfalter-Monitoring: Transektauswertung von 11 Jahren *Foto*

Hallo zusammen,

nach 11 Jahren Tagfalter-Monitoring habe ich jetzt endlich mal meine Daten ausgewertet, und möchte sie hier zur Diskussion stellen.
Die zentrale Frage für mich ist, ob man irgendwelche Trends oder alarmierende Entwicklungen herauslesen kann, die für die Biotoppflege wichtig sind.

Mein Transekt ist 250 m lang und liegt in einem ehemaligen Bundeswehr-Übungsgelände bei Krailling in Oberbayern (Landkreis Starnberg).
Markus Schwiebinger hat das Gebiet hier kurz beschrieben: http://www.tagschmetterlinge.de/html/naturraum/inn-isar-schotterplatten/starnberg/kreuzlingerforst.htm
Die Zählmethode ist auf der Website des Tagfalter-Monitoring Deutschland beschrieben: http://www.tagfalter-monitoring.de

Begehungen

Hier zunächst eine Übersicht aller Transektbegehungen. In den Daten, die man vom TMD herunterladen kann, sind leider die Begehungen ohne Faltersichtung nicht enthalten. Aber das waren ohnehin nur sehr wenige, weshalb ich sie in der Auswertung einfach vernachlässigt habe.
Das Volumen der Kugeln gibt die Anzahl Falter wieder.

Gesamtzahlen

Hier die Gesamtzahlen an Faltern pro Jahr. Da die Zahl an Begehungen pro Jahr nicht konstant ist, habe ich die Anzahl Falter durch die Anzahl an Begehungen geteilt.
In der Überschrift stehen die absoluten Zahlen als Spannbreite und Mittelwert.

Das ist also so zu verstehen: im Jahr 2007, dem Jahr mit den meisten Faltern, entspricht die Zahl von knapp 19 Faltern pro Begehung einer Gesamtzahl von 353 Faltern.

Anzahzahl pro Art und Jahr

Nun die Daten für die einzelnen Arten. Auf der Y-Achse sind ebenfalls die Zahlen pro Begehung aufgetragen.
Von den 45 Arten bzw. Artengruppen habe ich hier nur die 22 häufigsten mit durchschnittlich mindestens 5 Funden pro Jahr oder mindestens 8 in einem Jahr aufgeführt (diese Grenzen sind natürlich willkürlich gesetzt).
Zusätzlich ist noch Coenonympha hero enhalten, da sie für den Artenschutz besonders wichtig ist.

Schwer unterscheidbare Arten wurden zu Gruppen zusammengefasst. Diese Gruppen sind bereits in der Datenbank des TMD vordefiniert.
Ich habe auch die sicher bestimmten Exemplare in die Gruppen übertragen, da insgesamt die Zweifelfälle häufiger sind als die sicheren Bestimmungen, und eine getrennte Auswertung angesichts der niedrigen Gesamtzahlen mir nicht sinnvoll erscheint.
Artengruppen:
Pieris spec.: ca. zwei Drittel sind P. napi; von P. brassicae habe ich nur wenige Exemplare gesehen.
Leptidea sinapis/reali/juvernica: sind im Feld nicht unterscheidbar.
Thymelicus lineola/sylvestris: T. sylvestris ist etwa doppelt so häufig wie T. lineola.

Hoffentlich sprengt die große Grafik nicht eure Monitore :)
Die Sortierung ist nicht alphabetisch, sondern nach Häufigkeit.

Diskussion

Ich habe leider nur mittelgute Statistikkenntnisse und einen eher intuitiver Ansatz bei der Bewertung solcher Daten.
Klar ist natürlich, je geringer die Anzahl desto größer der Einfluss des Zufalls. Mit Zufall meine ich auch Dinge wie z.B. eine Urlaubsreise während der Hauptflugzeit einer Art, was in dem Jahr dann zu einer geringeren Zahl für die Art führt.

Folgende Aussagen wage ich den Daten zu entnehmen:

1. Arten mit mindestens ca. 10 Funden pro Jahr:
Große Unterschiede zwischen den Jahren sind real und kein Zufall. Kleine Unterschiede sind eher Zufall.
Beispiel C. arcania: 2007 ca. 3 Funde pro Begehung, dann von 2009 bis 2016 ein deutlich niedrigeres Niveau von ca. 1, und schließlich 2017 wieder ein Anstieg auf den Wert von 2007. Mehr lässt sich nicht aus den Daten herauslesen.
Beispiel Thymelicus spec. Und Pieris spec.: Diese Artengruppen unterliegen sehr starken jährlichen Schwankungen um eine ganze Größenordnung.

2. Arten mit nur ca. 5 bis 10 Funden pro Jahr sind schon schwieriger. Hier würde ich nur sehr große Veränderungen als real ansehen.
Beipiel
Anstieg von C. glycerion und M. jurtina ab 2012/2013.
Das könnte mit der Abholzung eines Fichtenbestandes zu tun haben, an dessen Stelle seither im Juli Wasserdost und Kratzdisteln blühen.
Andererseits sind andere "Juli-Arten" davon nicht beeinflusst (M. galathea, A. hyperantus, A. paphia)

3. Insgesamt würde ich die meisten Populationen als stabil ansehen, wobei jährliche Schwankungen um den Faktor 3 oder mehr durchaus normal sind.

4. Dennoch gibt es ein paar Arten um die ich mir Sorgen mache. Auch wenn sie selten sind mit weniger als 5 Funden pro Jahr habe ich das Gefühl, dass sie sich in einem Abwärtstrend befinden könnten.

A. adippe
A. aglaja
B. selene
B. euphrosyne
M. athalia
C. hero

Nach A. aglaja und A. adippe habe ich mehrmals im ganzen Pionierübungsgelände gesucht und nur 1 A. adippe 2017 gefunden.
B. selene: Es gibt ca. 300 m vom Transekt entfernt eine Wiese auf der B. selene immer viel häufiger war als im Transekt. Dort sollte ich öfter mal hinschauen.
B. euphrosyne habe ich 2017 und 2018 relativ zahlreich an einer anderen Stelle in dem Gebiet gesehen, und zwar auf einer Windwurffläche. Vielleicht ist mein Transekt einfach nicht mehr so attraktiv wie früher, und der Schwerpunkt der Art hat sich räumlich verlagert.
M. athalia: immer 2 bis 8 pro Jahr gezählt, aber dann 4 Jahre lang gar keine. Leider habe ich noch nicht systematisch überall in dem Gebiet gesucht, aber mir sind nirgendwo welche aufgefallen.
C. hero: der leichte Abwärtstrend ist wahrscheinlich/hoffentlich nur Zufall.

Was meint ihr dazu?
Könnt ihr Trends in den Daten erkennen? Wenn ja, stimmen sie mit Trends in anderen Gegenden überein?
Könnt ihr gewisse Auffälligkeiten erklären (z.B. kein Pieris 2013)?
Das legendäre Distelfalterjahr 2009 muss hier natürlich nicht weiter diskutiert werden.

In Vorfreude auf interessante Diskussionsbeiträge,
Markus Welz

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