Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Euphydryas aurinia und Mahd - Teil 2 *Foto*

Hallo zusammen,

in meinem vorigen Beitrag (http://www.lepiforum.de/2_forum_2017.pl?md=read;id=4236) hatte ich angemerkt, dass ich versuchen würde, vergleichbare Beobachtungen auch in von Kreiselmähern gemähten Flächen zu machen. Leider hatte der Witterungsverlauf mal wieder anderes im Sinn und mir ist es erst in dieser Woche gelungen, entsprechende Flächen bei geeigneten Temperaturen und Sonne aufzusuchen. Die Raupen sind inzwischen deutlich gewachsen und haben sich evtl. vereinzelt, sodass es mir nicht gelungen ist, größere Raupenaggregate aufzufinden. Es fanden sich auf allen Flächen Ansammlungen kleiner Raupengrüppchen, meist zwischen 10 und 20. Ob diese nun in dieser Form überwintert haben oder sich erst nach der Überwinterung in kleinere Gruppen aufgeteilt haben, muss daher leider vorerst offen bleiben. Das Zeitfenster, in dem die Raupen in ihren Überwinterungsgespinsten nach der Überwinterung beobachtet werden können, beträgt wahrscheinlich nur 1-2 Wochen.

Trotzdem möchte ich hier noch einige Eindrücke von Habitaten zeigen, die zu den besser besiedelten im württembergischen Allgäu zählen:

Das NSG Lochmoos ist ein großflächiges Niedermoor am Nordrand der Verbreitung, das von einer Mähraupe gemäht wird, die das Mahdgut direkt aufnimmt. Dass auch das kein Problem für E. aurinia sein muss, beweisen die alljährlichen Raupenfunde. Allerdings ist die Population aufgrund einer durch den Biber verursachten Vernässung (siehe absterbende Bäume am linken Bildrand) rückläufig, da große Bereiche unter Wasser stehen und/oder sich die Vegetation dadurch negativ verändert hat.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Lochmoos, 634 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die Mähraupe hat eine eingestellte Mahdhöhe von ca. 10 cm und mäht zwischen September und Oktober. Die Raupengespinste haben wahrscheinlich in bodennahen Überwinterungsgespinsten, die ab Anfang September gebildet werden, eine gute Chance, nicht mit dem Mahdgut aufgenommen zu werden.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Lochmoos, 634 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Im Fidelershof, einer nur ca. 2 ha großen, wechseltrockenen Streuwiese kommt E. aurinia mit einer guten Population von meist um 100 Raupengespinsten vor. Weitere wichtige Begleitarten sind Melitaea parthenoides und Carcharodus flocciferus. Der dort bewirtschaftende Landwirt ist noch von der alten Schule und hält sich nicht an die Vorgaben des Naturschutzes. Das bedeutet, er belässt keine Brachestreifen, mäht auf einer Höhe von 3-5 cm und häufig schon vor dem 1. September. Bisher hat dies den vorkommenden Arten offenbar nicht geschadet.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, Fidelershof, 575 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, Fidelershof, 575 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, Fidelershof, 575 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die beste Population des Goldenen Scheckenfalters mit über 500 Raupengespinsten findet sich jedoch im NSG Rotasweiher-Degermoos. Die wechseltrockenen, teilweise zu Borstgrasrasen tendierenden, großflächigen Streuwiesen bieten darüber hinaus Lebensraum für M. parthenoides, C. flocciferus oder die Heuschreckenarten Warzenbeißer und Heidegrashüpfer. Die Vegetationshöhe beträgt hier nach der Mahd (mit Kreiselmähern) 5-8 cm und es werden 2-3 m breite Brachestreifen stehen gelassen. Raupengrüppchen fand ich etwa gleich verteilt in den brachen Bereichen wie in den gemähten.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Rotasweiher-Degermoos, 547 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Das folgende Bild macht vielleicht nochmal klar, warum Windschutz hier mit Sicherheit keine Rolle spielt. Je offener die Flächen sind, desto besser für E. aurinia.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Rotasweiher-Degermoos, 547 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Ein weiteres Gebiet mit gutem Vorkommen von E. aurinia ist das NSG Gießenmoos bei Wangen im Allgäu, in dem Gespinste aber nur auf wenigen mageren Kuppen zu finden sind. Auch hier ist nochmal die Großflächigkeit und Offenheit (für andere vielleicht Strukturarmut) des Gebiets gut zu sehen. Begleitarten sind wieder C. flocciferus, aber auch Zygaena trifolii oder Adscitat statices. Früher waren diese Niedermoore auch Lebensräume von Braunkehlchen, Bekassine, Wachtelkönig und Co. In heutiger Zeit verhindern wohl Kulissen (Gehölze) meist ihre Ansiedlung.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Gießenmoos, 583m, 27. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Die Mahdhöhe beträgt hier nur 3-5 cm, gemäht wird mit Kreiselmähern.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Gießenmoos, 583m, 27. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Zu guter Letzt noch ein Foto unserer Mähraupe in Aktion. In diesem Fall ist kein Mäh- sondern ein Mulchwerkzeug angebracht, mit dem auch bis zu 5 cm dicke Gehölze geschreddert werden können (die Gehölze links stehen kurz vor dem Schreddern). Im gezeigten Fall wurde ein verbuschendes Übergangsmoor mit Bulten der Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) gemulcht und damit verjüngt. Eine Mahd war aufgrund der bereits fortgeschrittenen Gehölzsukzession nicht mehr möglich. Derartige Flächen, Habitate von Arten wie Boloria aquilonaris oder auch Colias palaeno müssen m. E. ebenfalls in unregelmäßigen Abständen verjüngt werden, wenn man die Arten halten möchte.

Deutschland, Baden-Württemberg, Westallgäuer Hügelland, NSG Rotasweiher-Degermoos, 547 m, 26. März 2018, Freilandfoto: Thomas Bamann

Viele Grüße Thomas

Beiträge zu diesem Thema

Euphydryas aurinia und Mahd - Teil 2 *Foto* Bestimmungshilfe
Klasse! Was machen die mit dem Material? VG *kein Text*
Re: Klasse! Was machen die mit dem Material? VG *Foto*
Re: Klasse!
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Re: Frage zum Maschineneinsatz