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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Lycaena dispar *Foto*

Lycaena dispar ist im Mecklenburg-Vorpommern nicht sehr selten, kommt aber nur lokal vor. Ich habe mich sehr gefreut über die Art, weil die Lycaena dispar-Populationen in Mecklenburg-Vorpommern ökologisch nah verwandt sind mit Lycaena dispar batavus in den Niederlanden. Ich möchte das an dieser Stelle mit Text und Bildern erläutern.

Zuerst aber einige Informationen über Lycaena dispar. Für einige ist vielleicht nicht viel neues dabei, aber es gibt vielleicht auch Leser die Lycaena dispar nicht gut kennen.

Lycaena dispar wird in Europa oft aufgeteilt in 3 Unterarten.
• Lycaena dispar dispar (Haworth 1803) war beschrankt auf England und ist seit 1851 ausgestorben. Die Unterart lebte ausschließlich an Rumex hydrolapathum und flog in einer Generation.
• Lycaena dispar batavus (Oberthür 1923) lebt in Grenzgebiet der Provinzen Friesland und Overijssel in den Niederlanden. Auch diese Unterart lebt ausschließlich an Rumex hydrolapathum und fliegt normalerweise in einer Generation. Selten wird in heißen Jahren eine zweite Generation ausgebildet.
• Lycaena dispar rutilus (Werneburg 1864) umfasst die weitere Lycaena dispar-populationen. Diese Unterart ist heutzutage normalerweise zweibrütig und lebt nicht nur an Rumex hydrolapathum, sondern auch an weiteren Rumex-Arten wie Rumex crispus oder Rumex obtusifolius.
Es sind neben diese Unterarten aber noch viel mehr Unterarten beschrieben, wobei die Status als Unterart nicht immer klar ist. Es kann sich auch nur um Formen handeln, weil die Unterschiede oft klein sind. Davon ist die Unterart carueli auch im Nordwest-Europa zu finden.
• Lycaena dispar carueli (Le Moult, 1945) lebt in Süd-Belgien und Nord-Frankreich. Diese kleine Unterart ist wie rutilus normalerweise zweibrütig und ist ebenfalls nicht nur an Rumex hydrolapathum gebunden.

Die Unterarten dispar und batavus gleichen einander nicht nur in Ökologie und Flugzeit, sondern auch im Aussehen. Beide Unterarten sind im Durchschnitt deutlich großer als rutilus und carueli und haben auf der Hinterflügelunterseite eine sehr deutliche orange Binde. Lycaena dispar batavus soll sich leicht von Lycaena dispar dispar unterscheiden haben. Bei batavus sollen die schwarzen Flecke auf der Hinterflügelunterseite kleiner sein, vor allem nahe der Flügelbasis. Auch soll die orange Binde bei batavus schmaler sein und weniger eckig (Emmet, 1990).

Bei der Vorbereitung meiner Reise nach Vorpommern habe ich ’Die Schmetterlinge Pommerns‘ (Urbahn & Urbahn, 1939) gelesen. Dort fiel auf, dass bei Lycaena dispar rutilus gesagt wird, dass sie früher in Nordost-Deutschland und in Teilen Nord-Polens in einer Generation flog zwischen dem 9. Juni und 12. August. Damals gab es anscheinend nur sehr selten eine zweite Generation, weil speziell angegeben wird: “1936 und 38 zwei kleine Männchen noch am 1. und 16. 9, vermutlich 2. Gen. (Peytsch)“. Daran scheint sich inzwischen etwas geändert zu haben, den Wachlin (2012) meldet das zunehmende Auftreten einer 2. Generation. Ab 2007 wurde regelmäßig eine vollständige 2. Generation beobachtet.

Nicht nur waren die norddeutschen Vorkommen von Lycaena dispar wie Lycaena dispar dispar und L. dispar batavus einbrütig, außerdem scheinen die norddeutschen Populationen zumindest bis vor kurzem nur auf Rumex hydrolapathum gelebt zu haben (Urbahn & Urbahn, 1939; Wachlin, 2012). Das erinnerte auch sehr an die Populationen in England und den Niederlanden. Wachlin (2012) meldet aber auch: “Mit der festen Etablierung einer 2. Generation konnten auch in Mecklenburg-Vorpommern erstmalig Eiablagen auf Mineralbodengrünland an R. obtusifolius und R. crispus beobachtet werden, dies jedoch stets an den Talrändern von Flusstalmooren [also mit Rumex hydrolapathum], die große Vorkommen aufwiesen.“

Die speziellen Ökologie der Lycaena dispar-Populationen in Mecklenburg-Vorpommern scheint zumindest nicht nur mich aufgefallen zu sein, den in Abdank & Müller (2004) steht in der Tabelle über Lycaena dispar folgendes geschrieben: “Nördliche Verbreitungsgrenze in Mitteleuropa stellt die Ostsee dar, südlich davon jedoch nur in NS (1 Fund), MV und BB sowie weiter nach Polen und Litauen reichend (hier in einer einbrütige Rasse, deren Status noch unklar ist, möglicherweise handelt es sich um die Nominatform)“.

Mein Interesse in diesen einbrütigen Populationen war damit jedenfalls geweckt. Gibt es die einbrütigen Populationen überhaupt noch? Und, falls ja, wie sehen sie aus und wo leben sie? Deshalb habe ich verstärkt auf Lycaena dispar geachtet.

Ich habe Lycaena dispar an zwei Stellen gefunden. Die erste Stelle war der Randbereich der Eggesiner See bei Eggesin. Der Eggesiner See ist einer ehemaligen See, wo durch Entwässerung des Sees und durch Verlandung große Moorflächen entstanden sind (Paul et al., 2019). Das Gebiet ist ausgewiesen als Schutzgebiet und es gibt nur Wege am Rand der Moorflachen. Deshalb konnte ich den größten Teil des Gebietes nicht erkunden. Dennoch fand ich am 28. Juli an einer Stelle einige geschlüpften Eier von Lycaena dispar. Die Eier waren abgelegt an der Blattoberseite von Rumex hydrolapathum-Pflanzen an einem ungemähten Grabenrand neben einer früher im Jahr gemähten Kohldistelwiese und einer Brache (Bild 1 und 2). Die Eier waren schon geschlüpft und ich konnte keine Raupen oder Falter in der Nähe finden. Diese Beobachtung gab also keine Informationen über die ein- oder zweibrütigkeit der Population.

Bild 1 und 2: Eihabitat Lycaena dispar.
Funddaten: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, Eggesin, Eggesiner See, 2 m, 28. Juli 2019 (Foto: Bram Omon)

Die zweite Stelle war ein Komplex aus Feuchtwiesen und Bruchwäldern in Vorpommern. Ich möchte die Genaue Fundort an dieser Stelle nicht freigeben, denn Lycaena dispar teilt dort sein Lebensraum mit einer äußerst seltenen Art, Argynnis laodice. Am 25. Juli sah ich schon einen Großen feuerfalter fliegen. Es gibt die einbrütige Form also noch! Weil ich noch mit Argynnis laodice beschäftigt war, blieb es bei dieser einen Beobachtung. Am 30. Juli war ich erneut vor Ort und es gelangen mehrere Beobachtungen von Männchen und Weibchen. Die 2 Männchen waren schon abgeflogen, die 2 Weibchen noch frisch und ziemlich frisch (Bild 3-6). Die Falter waren recht groß, viel großer als ein Lycaena virgaurea-Männchen am gleichen Fundort. Es gibt vermutlich kein Unterschied in der Größe zwischen dieser Population und Lycaena dispar batavus in den Niederlanden, aber das lässt sich nur mit Belegen beweisen. Die Flügelzeichnung sah für mich aber nicht aus wie bei Lycaena dispar batavus, sondern wie normale rutilus-Falter. Die Falter hatten gegenüber batavus auf der Hinterflügelunterseite weniger orange und die Grundfarbe war auch etwas weniger silberblau.

Bild 3: Männchen
Bild 4-6: 2 Weibchen
Funddaten: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, 30. Juli 2019 (Freilandfoto: Bram Omon)



Ein Weibchen war mit der Eiablage beschäftigt (Bild 7-9) an Blättern von Rumex hydrolapathum. Die Eiablage erfolgte auf großen, blühenden Pflanzen zwischen einer höheren Feuchtwiesenvegetation mit Schilf und Seggenarten. Neben die Eiablagebeobachtungen, fand ich auch schon geschlüpfte Eier und 2 Jungraupen (Bild 10-12). Diese Beobachtungen zeigen klar, dass es an diesem Fundort tatsächlich eine Generation gibt die bis etwa Anfang August fliegt. An dieser Stelle und auch bei Eggesin fiel auf, dass Rumex hydrolapathum nicht auf Gewässerrändern beschränkt blieb, sondern auch weitab vom Wasser in den Feuchtwiesen wuchs. Das kommt sehr gut überein mit der Situation an den niederländischen Lycaena dispar-Fundorten, wo Rumex hydrolapathum unter ähnlichen Bedingungen wächst. Rumex hydrolapathum ist zwar an vielen Stellen eine häufige Pflanze, aber oft wachsen die Pflanzen nur im Wasser oder direkt an Gewässerrändern. Dort fehlt Lycaena dispar anscheinend völlig.

Es bleibt jedenfalls zu hoffen, dass die einbrütigen Populationen den Klimaerwärmung überstehen werden.

Bild 7-9: Weibchen bei der Eiablage an Rumex hydrolapathum und Fundort
Funddaten: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, 30. Juli 2019 (Freilandfoto: Bram Omon)


Bild 10-12: Jungraupe, Fraßspuren an Rumex hydrolapathum und Fundort
Funddaten: Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern, 30. Juli 2019 (Freilandfoto: Bram Omon)


Emmet, A.M. and Heath, J. (1990). The Moths and Butterflies of Great Britain and Ireland.

Paul, A., H. Lange & R. Neitzke (2019). Managementplan für das Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung (GGB) DE 2351-301 Ahlbecker Seegrund und Eggesiner See.

Urbahn, E. & H. Urbahn (1939). Die Schmetterlinge Pommerns mit einem vergleichenden Überblick über den Ostseeraum. Stett. Ent. Ztg. 100

Wachlin, V. (2012; verändert nach Drews, 2003). FFH-Artensteckbrief Lycaena dispar (Haworth, 1803) Großer Feuerfalter Mecklenburg-Vorpommern. Stand der Bearbeitung: 24.04.2012

Abdank, A. & D. Müller (2004). Zielarten der landesweiten naturschutzfachlichen Planung – Faunistische Artenabfrage. Materialien zur Umwelt Heft 3/2004. Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern.

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Re: Mecklenburg-Vorpommern 2019
Re: Mecklenburg-Vorpommern 2019
Lieben Dank Bram für die lehrreichen Beiträge! VG Olli *kein Text*
Auch von mir herzlichen Dank - einfach klasse! BG Gabriel *kein Text*
Wow, beeindruckend! Vielen Dank! *kein Text*