Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Re: Insektensterben - in der obersten Politik angekommen...

Hallo Uwe,

Aufgefallen ist mir z.B., dass offenbar die meisten Landwirte Feldhecken als zusätzlichen finanziellen Aufwand betrachten. Dass gut platzierte Hecken durch Windschutz und Nährstoffeintrag ins Feld auch Erträge erhöhen können, das scheint man im Landwirtschaftsstudium nicht zu lernen.

das ist absolut richtig. Es betrifft in extremem Maße die Land(wirt)schaft in Schleswig-Holstein. Dort wurden nach 1960 im Zuge der sogen. Flurbereinigung ca. 25.000 Kilometer Knick entfernt. (Es war in den 1950er Jahren noch bei hoher Strafe verboten, auch nur 1 [einen!] Meter platt zu machen. So habe ich es jedenfalls in Erinnerung.)

Für alle, die nicht wissen, was ein Knick (Plural: Knicks) ist: Darunter versteht man Hecken auf Erdwällen mit einem danebenliegenden Graben. Das hier entnommene Erdmaterial bildet den Erdwall. Die Hecken bestehen aus allen nur möglichen Gehölzen, Bäumen und einem Reichtum an kleineren Pflanzen, Kräutern etc. Diese Knicks wurden i. d. R. nach etwa 7 Jahren „geknickt“, d. h., die Sträucher wurden auf den Stock gesetzt und hatten nun wieder Gelegenheit auszutreiben. Das dabei geschlagene Holz der Sträucher wurde als Brennholz genutzt. Für das Verkleinern auf Brennholzgröße gab es (und gibt es vielleicht auch heute noch) spezielle Buschhacker (Maschinen). - Diese Knicks waren und sind Lebensraum für viele Tierfamilien wie Säugetiere, Vögel und sehr viele Insekten. Selbst die Menschen konnten so nebenbei noch profitieren, indem sie dort Hagebutten, Nüsse, Holunderbeeren und was sonst noch sammeln konnten. - Durch das Plattmachen dieser Lebensräume entstand ein starker Rückgang aller dort beheimateten Tier- und Pflanzenarten. Ich nenne so etwas eine Katastrophe; gemacht von Menschen. Und ich befürchte, diese Entwicklung ist noch nicht zu Ende.

Als ich nach sehr langer Zeit (etwa 1999) nach Ostholstein kam, um dort Urlaub zu machen, war ich erstaunt und schockiert über die riesigen Ackerflächen. Dort, wo früher Knicks kleinere Äcker umsäumten, stand nun der Raps und reifte vor sich hin, auf riesigen Flächen. Natürlich lassen sich diese große Flächen besser beackern, aber nun hat, da der Schutz der Knicks fehlt, die Erosion freien Lauf. Winde tun ihr Bestes, die wertvolle Ackerkrume in Richtung Ostsee zu verfrachten. Und Wind gibt es im Land zwischen den Meeren reichlich.

Es ist also nicht so, dass die Knicklandschaft Probleme bringt (mal abgesehen von der Bewirtschaftung der Ländereien für den Landwirt [oder sollte ich besser sagen: Energiewirt?]), sondern im Gegenteil Vorteile bietet. Vorteile für Flora und Fauna, und nicht zuletzt als Bollwerk gegen die Erosion. – Ja, und ganz zuletzt auch für die Krone der Schöpfung, die nach und nach ihre edelsten Werte verliert. (Ich glaube, dieser letzte Halbsatz kann mehrdeutig ausgelegt werden.)

Eine sehr gute Abhandlung über Knicks (von Hermann Marxen) findet man in dem ‚Heimatbuch des Kreises Plön’ von 1953. Gut 12 Seiten. - Mit sehr viel Glück noch antiquarisch zu bekommen.

Besten Gruß
Eckard

Beiträge zu diesem Thema

Insektensterben
Re: Insektensterben
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Insektensterben, heute auch Thema bei NTV
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Mulchen...
Re: Insektensterben, heute auch Thema bei NTV
Sorry, es sollte hier stehen: Falls es noch interessiert . . . *kein Text*
die Ursachen sind doch so offensichtlich...
Re: Insektensterben
Re: Insektensterben
super Besprechung super, kann ich voll unterschreiben *kein Text*
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Re: Insektensterben - in der obersten Politik angekommen...
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Re: Insektensterben - in der obersten Politik angekommen...
Danke für deine klaren Worte, Hilger! VG Hermann *kein Text*
Re: Insektensterben - in der obersten Politik angekommen...
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Re: Insektensterben - auch unten bewegt sich was!