Polyommatus coridon
Lepiforum — Bestimmung
von Schmetterlingen
(Lepidoptera)
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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Häh? Gruß, E.R.
Antwort auf: Re: Häh? Gruß, E.R. ()

Ja hallo Clas,

ich dachte mal, Verschwörungstheoretiker gibt es nur im Osten, aber die müssen sich rasend schnell ausgebreitet und ganze Landstriche überwuchert haben. Und diese Gewächse geben nicht nur Glycoside sondern auch noch Glyphosatoide ab. Da bleibt nichts mehr übrig.

Versuchen wir mal einen ersten Faktenschreck:

1) Glycoside: Da hilft die Wikipedia weiter: "Glycoside, auch Glykoside, sind organische chemische Verbindungen der allgemeinen Struktur R–O–Z. Dabei ist ein Alkohol (R–OH) über eine glycosidische Bindung mit einem Zucker (Z) verbunden. Glycoside sind somit Vollacetale von Zuckern."

Und wo liegt das Problem? "In biologischen Systemen werden Glycoside durch Glycosidasen zum freien Zucker und dem aglyconischen Alkohol hydrolysiert." Man(n) kann also zuckerkrank und besoffen werden! (?)

Und was hat das mit dem Schmetterlingsstrauch zu tun? "Glycoside sind in der Natur weit verbreitet. Sie haben eine große Bandbreite an biologischen Funktionen. Bei der Unterscheidung nach der Zugehörigkeit des Aglycons zu einer bestimmten chemischen Stoffgruppe entstehen umfangreiche Unterklassen, die sich oft in der Toxizität, der Eignung als Arzneistoffe oder durch sonstige Eigenschaften ähneln." Ach so: Die haben vergessen dazu zu schreiben, dass es in Europa ursprünglich nur gute, ungiftige Trägerpflanzen gab und dass alle Neophyten damit überstark ausgestattet sind. Und zwar quer über alle Pflanzenfamilien hinweg.

Und wie wirken sie? Heimlich natürlich, wie alle Fieslinge: "Einige spezielle Glycoside sind sekundäre Pflanzenstoffe. Die Synthese von Glycosiden ermöglicht es der Pflanze u. a., toxische Stoffe in nicht-toxischer Form zu speichern. Dabei wird das Glycosid z. B. in einer Vakuole gespeichert, was der Kompartimentierung von der jeweiligen Glycosidase dient. Kommen das Glycosid und die zugehörige Glycosidase, z. B. durch Zerstörung der Pflanzenzelle zusammen, wird das Glycosid hydrolytisch gespalten und der Giftstoff wird freigesetzt und kann seine Wirkung entfalten." Gute, einheimische Pflanzen würden das nie tun!!!

2) Hundert Schmetterlingsfachexperten haben gesagt ...

Was wurde denn behauptet? Eigentlich wurde in der Überschrift nur eine Suggestivfrage gestellt: "Der Schmetterlingsstrauch - wirklich schmetterlingsfreundlich?"
Das steht seit fast 6 Jahren hier: http://region-hannover.bund.net/themen_und_projekte/schmetterlinge/schmetterlinge_brauchen_nahrung/: "Der Schmetterlingsstrauch - wirklich schmetterlingsfreundlich?" 8.4.2013 Der BUND empfiehlt alternativ heimische Gehölze zu pflanzen und im Garten eine Ecke mit wilden Blühpflanzen und Brennnessel zu dulden". Und wo liegt das Problem?

"Der Name "Schmetterlingsstrauch" rührt daher, dass neben Bienen und Hummeln besonders einige Edelfalter wie das Tagpfauenauge, der Kleine Fuchs, der Distelfalter und Admiral und ebenso Weißlinge (Kl. und Gr. Kohlweißling und Grünader- oder Raps- Weißling) wie wild auf den Nektar seiner Blüten sind. Daher ist es verständlich, dass viele Gartenfreunde glauben, etwas Gutes zu tun, wenn sie diesen Exoten pflanzen." Genau!

Aber es geht weiter: "Was viele nicht wissen: Der Strauch ist schwach giftig und enthält in allen Pflanzenteilen verschiedene Glycoside, die wohl auch im Nektar enthalten sind. So werden die Falter geradezu magisch angezogen und besuchen ihre gewohnten, bei uns heimischen blühenden Gehölze und Blütenpflanzen nicht mehr." Das müssen wir zerlegen: schwach giftig und Glycoside in allen Teilen - okay, aber das gilt auch für die Mehrzahl der heimischen Pflanzenarten. "wohl auch im Nektar enthalten" - schon da beginnt also das wilde Spekulieren. Und die armen unschuldigen "heimischen blühenden Gehölze und Blütenpflanzen" (was für blühende Gehölze sind denn hier gemeint, die nicht zu den Blütenpflanzen gehören???), die haben also keine so bösen Glycoside? Nehmen wir mal den Efeu, der ja sicher ureinheimisch ist und ebenfalls als Insektenmagnet wirkt. https://www.die-honigmacher.de/kurs2/pflanze_6.html verraten uns: "Der Gemeine Efeu enthält Saponin. Saponine sind Glykoside von Steroiden, Steroidalkaloiden (stickstoffhaltige Steroide) oder Triterpenen. Einfacher ausgedrückt, es sind Stoffe, die in ihren Eigenschaften an Seifen erinnern. Daher der Name, der sich vom lateinischen „Sapo“ für Seife ableitet. Saponine dienen dem Efeu wahrscheinlich als Defensivstoffe, insbesondere gegen den Befall durch Pilze. Saponine sind für den Menschen giftig, zumindest dann, wenn sie in die Blutbahn gelangen." Ist das nicht ganz, ganz schrecklich? Die andere Botschaft: "Saponine besitzen eine hämolytische (blutauflösende) Eigenschaft. Anderseits dienen die Saponine des Efeus in der Heilkunde zum Auflösen von Schleimen, z. B. in Bronchialtees." Könnte es vielleicht sein, dass auch die Buddleja-Glycoside sich irgendwie positiv auf die Gesundheit von Schmetterlingen auswirken könnten?

3) Hundert Schmetterlingsfachexperten haben gesagt ...na ja, oder wenigstens einer

Der Experte hat einen Namen. Er heißt Harm Glashoff, Professor Dr. Harm Glashoff. Er wird hier mehrfach als "Schmetterlingsexperte" vorgestellt, in anderem Zusammenhang auch als "Prof. Dr. Harm Glasshoff, Experte für Geologie und Bodenentstehung". Und ist er nun Schmetterlingsexperte oder nicht???

Na, da kann man doch einfach mal den Namen Harm Glashoff bei Google eingeben und staunt nicht schlecht: erstes Suchergebnis: Lepiforum!!! Ein 12 Jahre + 1 Tag alter Beitrag! http://www.lepiforum.de/forum.pl?md=read;id=39512:

"Hallo Forumer,

heute erhielt ich eine Anfrage von Harm Glashoff - "Transektler" bei Hannover.

"Lieber Herr Ressler,
als pensionierter "allround-Naturwissenschaftler" bin ich im letzten Jahr vom Lepidopteren-Virus befallen und habe sofort ein Transekt hier am Rand von Hannover eingerichtet. Es ist faszinierend, was ich alles gelernt und beobachtet habe. Da die nächsten Transekt-Zähler und mein formeller Betreuer weit entfernt sind (und andere Biotope beobachten), schwimme ich hier so etwas allein und hätte gern Hilfe bei Bestimmungen. Könnten Sie die Wünsche evtl. in das Forum stellen? Hier kurz die Daten:
Das Transekt liegt in Deutschland, Hannover, TK 3524, 50 m.ü.NN, an der Grenze zwischen vielfältigem Wald mit Unterholz und reicher Krautschicht (Eichen-Buchen-Mischwald, Gürtel von Roteichen, Kiefernbestand mit reichlich Holunder, Haseln, Hopfen, Schlehen, Traubenkirschen u.a.) und ungenutztem Weideland (eine Mahd pro Jahr).
Die Fotos sind bisher alle selbstaufgenommen als Analog-Dia, digitalisiert und nicht manipuliert bis auf Ausschnitt-Vergrößerungen (deshalb z.T. leider etwas unscharf). Ich habe sie nach den Empfehlungen formatiert.""

Und Harm Glashoff lobt das Lepiforum ( http://www.lepiforum.de/forum.pl?md=read;id=39610 ): Als "Neuling" bei Euch bin ich überwältigt von dem schnellen und guten Echo; erstmal allen vielen Dank - Ich werde mich weiter in die Kleinschmetterlinge hineinknieen, das ist ein faszinierendes Feld! Bis bald! Harm". Harm Glashoff stellte bis Mai 2011 immer wieder Bestimmungsanfragen bei uns, und offensichtlich lernte er einiges dazu. Zum "Schmetterlingsexperten" wurde er dadurch nicht. Aber als solcher hat er sich (zumindest bei uns) auch nie bezeichnet.

Die ihm in jenem Faltblatt zugeschriebenen Aussagen (- die mag man dort bitte selbst lesen, ich will sie hier nicht wiederholen - ) sind eine Mischung aus realen Beobachtungen und wilden Spekulationen - und damit nicht ansatzweise haltbar. Aber letzten Endes wird gar nicht so viel behauptet, sondern nur angedeutet: "Wie ist es dann zum Ende der Blütenzeit im September nach der tagelangen Berauschung um die Orientierungs- und Leistungsfähigkeit dieser Hochleistungs-Schmetterlinge für den bis über 1.000 km langen Flug nach Süden bestellt? Welche Auswirkungen dies langfristig auf die Wanderfalter wie Distelfalter und Admiral haben, ist noch nicht bekannt." Nicht bekannt!!! Und das, obwohl wir schon mindestens 100 Jahre solche Sträucher in unseren Gärten haben!

Ein Professor darf doch mal denken, warum denn nicht. Aber muss man sich dann da wirklich gleich draufstürzen und alles glauben und noch weiter verallgemeinern? In was für Zeiten leben wir denn?

Viele Grüße

Erwin Rennwald

Beiträge zu diesem Thema

Schmetterlingsstrauch...
Häh? Gruß, E.R. *kein Text*
Re: Häh? Gruß, E.R.
Re: Häh? Gruß, E.R.
Re: Häh! Gruß, E.R.
Und der Kaisermantel, Agrynnis paphia :-) *Foto*
Re: Und der Kaisermantel, Agrynnis paphia :-)
Re: Und der Kaisermantel, Argynnis paphia :-)
Oh oh, liegt wohl am Alter :-) H.G. Gerald *kein Text*
Re: Oh oh, liegt wohl am Alter :-) H.G. Gerald
Re: Schmetterlingsstrauch...
Re: Schmetterlingsstrauch...
AU WEIA!!!
Re: AU WEIA!!!