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Forum 2: Alles außer Bestimmungsanfragen

Re: Blühmischung Waldbrache

Hallo Uwe,

es gibt schon viele Jahre die Vorgabe, dass bei Landschafts- und Straßenbau-Maßnahmen in Deutschland (Aufträge der "öffentlichen Hand") regionales Saatgut verwendet werden sollte, aber das wird bis heute fast überall aus reiner Bequemlichkeit / breiter Unwissenheit ignoriert.

Erst einmal würde ich auf die Herkunft der Sämereien schauen und daher nur solche aus dem Naturraum ausbringen/einsäen. Diese sind genetisch kompatibel mit den Naturpopulationen (das Ausgangssaatgut dieser gezüchteten Sämereien stammt m.o.w. aus deinem definierten Naturraum).

Der Verband deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten e.V. (https://www.natur-im-vww.de/) listet auf seiner Webseite eine ganze Reihe derartige Anbieter auf (https://www.natur-im-vww.de/wildpflanzen/vww-regiosaaten/), die solches "naturraum-referenziertes" Saatgut und Mischungen anbieten. Oft sind diese Saatgutproduzenten auch sehr gute Kenner der Vegetation ihres betreffenden Bundeslands/Naturraums oder sogar auch studierte Botaniker. Liefert denen ein Maximum an Information (zumindest, welche Geologie/welcher Bodentyp), und diese Firmen können euch effiziente/funktionierende Mischungen zusammenmischen, die auch für Insekten attraktiv sind (eure Beschreibungen sind für die SEHR wichtig). Für eure persönliche Vorlieben oder spezielle Blühaspekte/farben sind bei ihnen oft auch Einzelsaaten erhältlich, die man dann von Hand zusätzlich einsät. Diese Anbieter können euch auch sagen, wie die Saatmischungen sich entwickeln, bzw. welche Vegetationsaspekte/Artendominanzen sich sukzessive entwickeln.

Ich kenne Windkraftanlagen inmitten von Wäldern und würde folgendes zusätzlich raten:

1) nicht die gesamte Fläche einsäen, sondern auch mindestens 30% als Rohboden liegen lassen (ggf. in Form von Streifen). Arten, wie Weidenröschen, Cirsium-Disteln, usw. kommen meist von ganz alleine, da braucht man nichts für tun. Oft haben die Erdarbeiten auch die bereits lange im Boden schlummernden Samenbanken reaktiviert und es laufen konkurrenzschwache, früher hier vorgekommene Arten wieder auf.

2) die empfohlene Saatgutmenge/m² eher etwas reduzieren ("sparsam" arbeiten!) und große Vorsicht walten lassen, was die Prozentgehalte an (Süß)Gräsern angeht (manche an sich artenreiche Ansaat ist schon in einem Zuviel an falsch gewählten Süßgräsern erstickt).

3) oft muss nach Einsaat erst einmal gemäht werden, damit die langsamer auflaufenden Sämereien nicht ersticken. Nach den ersten sehr blütenbunten Jahren kann man dann dazu übergehen, sektoral sowohl frühe als auch späte Mahdtermine zu realisieren.

4) realisiert punktuelle Mini-Gehölzpflanzungen (insgesamt nicht mehr als 10-15% der Fläche). Der Wärmestau vor windberuhigten, blütenreichen Gehölzkulissen ist immer ein Bringer für Insekten. Desgleichen nutzen Augenfalter u.a. Arten in der Hitze halbschattige Bereiche zum Relaxen.

Ich nenne hier noch ein paar Arten/Gilden von Pflanzen, die ich für wichtig halte (natürlich abhängig vom Bodentyp):

Hieracium pilosella, Rumex acetosa (sparsam), Viola tricolor, Plantago lanceolata, Campanula rotundifolia, Linaria vulgaris, Thymus pulegioides, Dianthus-Arten, Wundklee (Vorsicht damit), Festuca ovina/guestfalica/rubra, Schiller- und Zittergras, Knautia arvensis (immer!), Odermennig, Frühlingsfingerkraut, Großer Baldrian, Galium spp., Crepis, Lactuca, Dipsacus, Cirsium nutans, Genista tinctoria, Lotus corniculatus (sparsam).

(Zu spät lese ich jetzt, dass es bei euch Muschelkalk ist. Dann sind auch Esparsette, Hufeisenklee, Große Prunelle, Skabiose, Großer Ehrenpreis, Mittlerer Wegerich angesagt. Fiederzwenke am besten nur spärlich verwenden. Vermutlich gibt es sogar eine regionale Kalkmagerrasen-Saatgutmischung).

Die extrem platzergreifende Wilde Möhre ersetzt besser zu 90% durch ihre kleine Verwandte (Pimpinella saxifraga).

Aufgrund ihres Wurzelparasitismus kann man mit Saaatgut des Klappertopfs (s.l., Rhinanthus spp.) ggf. "explodierende" Einsaaten (z.B. auf nährstoffreichen Standorten, aber nicht nur dort) ausbremsen. Leider muss man ihn meist selbst ernten, den gibt's kaum im Handel. Dafür ist er problemlos in der Ansaat (einfach austreuen).

Andere Methode: kann euer Förster nicht Kalkmagerrasen (nicht unter Naturschutz stehende Flächen) mähen und den Heudrusch samt Samen auf seine Fläche überführen? Das kann deutlich billiger sein, als Saatgut zu kaufen.

Schreib uns mal, wie euer Projekt weitergeht, wer euch beliefert hat und welche Mischung(en) ihr einsetzt.

viele Grüße: Hermann

P.S.: Den oben genannten, m.o.w. idealistischen Saatproduzenten käme es sicher nie in den Sinn, eine Saatgutmischung "Insektensterben" zu nennen. Sowas ist dann typisch für den in erster Linie kommerziellen Samenhandel.

Beiträge zu diesem Thema

Blühmischung Waldbrache
Re: Blühmischung Waldbrache
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Re: Blühmischung Waldbrache
Re: Blühmischung Waldbrache
Vielen Dank für deine sehr ausführlichen Hinweise! *kein Text*
Danke hierfür Re: Blühmischung Waldbrache *kein Text*
Vielen Dank für deinen Hinweis! *kein Text*
Re: Blühmischung Waldbrache
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