Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Cydalima perspectalis ist vergleichbar dumm wie wir.

Hallo Hans,

du hast natürlich – aus naturwissenschaftlicher Sicht – völlig recht. Wer dem Nachdenken über den Zweiten Hauptsatz der Thermodynamik etwas Zeit geschenkt hat, der muss einfach wissen, wie unwahrscheinlich unsere Existenz, die von biologischem - ich arbeite in meinem Beruf mit Steinen, auch die leben, in einer etwas erweiterten Bedeutung, nur eben in längeren und meist weniger drastischen Phasen. Kein Gestein, vermutlich nichts dieser Erde größer als ein Atom, ist so alt wie sie selbst - Leben überhaupt, ist, und sie oder er muss anerkennen, wie wahrscheinlich es ist, dass es den Menschen eines Tages nicht mehr gibt. Ob nun in 50 (Dr. Hans Moser) oder 100 (Stephen Hawking) Jahren, ob alles Leben ausgelöscht sein wird oder Ameisen oder gar Ratten überleben, oder wenigstens Bakterien, auch darüber kann man ja bereits nachdenken und Prognosen anstellen. Unser Wissen über die Zerstörungen, die wir anrichten, und deren Folgen ist, ich finde auch das erstaunlich, kaum noch überschaubar, wie jeder andere Fachbereich auch, sehr umfangreich geworden. Ich sehe auch da die Entropie am Werk.

Solche Gedanken und Überlegungen sind vermutlich schon deshalb nicht sonderlich beliebt – außer im Deckmantel der Sensationslust und dem Kitzel von Schauergeschichten -, weil sie schwer zu ertragen sind und eigentlich zu Konsequenzen, zugegeben, teils recht unbequemen, führen müssten. Die implizierte Ausweglosigkeit auch gelegentlich in den unmittelbaren Suizid. Bereits Max Planck musste entdecken, „dass alles voller Spuren ist, die ein Beobachter hinterlassen hat, und dass der Mensch, selbst wenn er noch so tief in die Natur eingedrungen ist, doch nur sich selbst findet.“ Auch kein tröstlicher Gedanke, aber einer, der erlaubt zu beweisen, dass es eine egozentrische Erfindung des Menschen und keine Tatsache, sondern eine Untat ist, sich als „Krone der Schöpfung“ zu begreifen.

Meine Frau hat dieses Jahr den Schlachtruf ausgegeben: „Meine Buchse kriegen die nicht!“ Sie hängt sehr an ihren Zöglingen und ich gebe zu, nicht ganz unbeteiligt gewesen zu sein an tausendfachem Raupenmord. Die nebenbei angestellten Beobachtungen sind noch sehr unvollständig, aber eine davon dient mir bereits zur Erleichterung meines Gewissens. Anfang September waren die Buchsbäume in unmittelbarer Nachbarschaft bereits vollständig kahl gefressen. Das ging sehr schnell, 2 Wochen vorher war, aus der Ferne, kein Befall zu erkennen. Ich schließe deshalb auf ähnlich hohe Raupenzahlen wie bei uns, auf einem gerade mal 110 cm hohen über 2.500. Aber auch wenn nicht, wir fanden zu dieser Zeit nicht eine auch nur annähernd ausgewachsene Raupe. Woraus ich schließe, die in der Nachbarschaft, zumindest die meisten, hatten ihre Ressourcen vollständig verbraucht, bevor sie sich bis zur Verpuppung fressen konnten. Auch unter der Vielzahl an Raupen, die dann auf Nahrungssuche hier etwa 1 Woche lang überall durch den Garten wanderten und gerne an Pfosten und bis zur Dachrinne hochkletterten und sich dann abseilten, um im Wind zu schaukeln, war nicht eine ausgewachsene. Aber selbst wenn es einige zur Puppe geschafft haben: wo sollen die Falter dann ihre Eier ablegen, was die Raupen fressen, wenn die vorherige Generation alles verbraucht hat? Da wir mit dem Absammeln der Raupen mit Sicherheit nicht alle erwischen tragen wir folglich zum Erhalt der Art bei. Rede ich mir ein. Und habe große Zweifel. Mord bleibt Mord.

Optimistische Grüße, Udo

Beiträge zu diesem Thema

Monarch. Another "bug talk".
Re: Monarch. Another "bug talk".
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Cydalima perspectalis ist vergleichbar dumm wie wir.
Re: Cydalima perspectalis ist vergleichbar dumm wie wir.
Re: Cydalima perspectalis ist vergleichbar dumm wie wir.
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Das Ende ein Witz, der gefällt mir. HG Udo *kein Text*