Polyommatus coridon
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Forum 2: Alles ausser Bestimmungsanfragen

Re: kleine Maßnahmen (und große)

Hallo Wolfgang,

für mich war es ein Entdeckungsprozeß, mehr und mehr darüber zu hören, wie die Natur früher war. Da sind Sachen dabei, über die niemand während meiner Schulzeit (80er Jahre) auch nur nachgedacht hat... Peter Berthold, der Ornithologe, hat zum Beispiel darüber berichtet dass es noch vor 100 Jahren in Deutschland Vogelschwärme aus bis zu 40000 Vögeln gegeben hat. Nochmal 100 Jahre früher in den USA gab es dort welche aus Millionen Vögeln und natürlich die Millionen von Bisons in den Prärien. Heute gibt es dort immerhin noch Schmetterlings- (Monarch) und Zikadenschwärme (die letzteren wandern nicht, die paaren sich nur). Aber allein sich vorzustellen, was für kraftvolle Natur (Primärproduktion) dazugehört, um solche Massen an Tieren hervorzubringen. Und so ähnlich muß es früher auch in Europa gewesen sein! Aber darüber habe ich noch nie etwas gehört...

Das voll aufzudecken finde ich wichtig, damit wir uns daran erinnern, welches Potential die Natur in unserer Region haben kann. Wenn die Menschen dafür wieder ein Gefühl bekommen, wird ihnen auch bewußt, was sie mit der Industrialisierung verloren haben.
Ich bin nicht gegen die Industrialisierung, aber viele ihrer Auswirkungen sind schlecht, und das schon seit langer Zeit. Ich finde, das Ziel sollte sein, diese negativen Auswirkungen umzukehren. Dazu braucht es ein Umdenken auf vielen Ebenen.

Im Moment scheinen ja die meisten Landwirte noch gar nicht zu wissen, was sie alles anrichten, oder es ist ihnen egal. In der Diskussion um das Klima wird die Landwirtschaft ja auch fast nie erwähnt, obwohl sie der Hauptverursacher ist. Immerhin hat sogar Harald Lesch, der TV-Astrophysiker, neulich in einer öffentlichen Rede darauf hingewiesen (nicht so konkret, aber sagte, dass wir eine neue Form der Landwirtschaft brauchen). Das ist insofern bemerkenswert, weil er sonst meistens bei seinem Fachgebiet bleibt.


Zu Zeiten der bäuerlichen Land- und Forstwirtschaft war unsere Landschaft viel strukturreicher, d. h. Nutzflächen kleiner und durch Strauchbänder oder kleine Wäldchen miteinander verbunden.

Das ist ein wesentlicher Punkt. Heute trennen die Straßen vieles. Und während der "Flurbereinigung" in den 60ern hat man kräftig Hecken beseitigt, Hügel geglättet und kleinere Bachtäler zugeschüttet. In der hervorragenden Doku "Der Bauer und sein Prinz" von 2013 ist dasselbe auch über England zu sehen. (Die Doku ist über die biologische Landwirtschaft von Prince Charles, sehr sehenswert und außerdem sieht man eine Seite von ihm, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt ist.)


Die - ich nenne sie mal so - primitive Landwirtschaft von damals hat über Jahrhunderte sogar noch für eine Erhöhung der Artenzahl im Offenland gesorgt.

Ja, weil Weidehaltung etwas ganz natürliches ist. Vor der Domestizierung waren es nur freilaufende Herden, keine eingezäunten. Aber ohne Weidetiere gäbe es keine Wiesen, Steppen oder Prärien auf der Erde, nur Waldgebiete und in den Trockengebieten Wüsten. Eine gute Weidehaltung erzeugt Vielfalt.
Bekannt ist ja vor allem, dass Schafe und Ziegen zur Bodenerosion beitragen können. Aber das passiert nur bei schlechtem Management, z.B. wenn man sie monatelang einzeln im selben Gebiet herumlaufen läßt.

Vielleicht könnten dich die Vorträge von Toby Hemenway interessieren. Das ist ein ehemaliger Molekularbiologe, der zu einem der prominentesten Permakultur-Lehrer geworden ist. Sie sind auf Youtube, z.B. "How Permaculture Can Save Humanity and the Earth, but Not Civilization" https://www.youtube.com/watch?v=8nLKHYHmPbo oder "Redesigning Civilization - with Permaculture" https://www.youtube.com/watch?v=H6b7zJ-hx_c . Beide haben ähnlichen Inhalt.
Dort hält er der jetzigen Gesellschaft an mehreren Stellen einen interessanten Spiegel vor, z.B. über den Wildnis-Begriff, der automatisch mit der Landwirtschaft auftaucht (die Natur ist nicht mehr das, was uns Nahrung gibt, sondern das wo die Gefahren dafür herkommen, daher wird sie immer weiter zerstört). Das erklärt u.a. auch die Kieselbeete und den englischen Rasen in den Gärten, um es ganz banal zu sagen.

Wie man aus dem Titel des ersten Vortrags entnehmen kann, unterscheidet sich sein Standpunkt etwas von meinem (oben angedeuteten), aber ich finde die Vorträge trotzdem sehr gut.

Viele Grüße
Uwe

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