Polyommatus coridon
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Larvalhabitat von Aporia crataegi auf der Schwäbischen Alb *Foto*

Hallo Forum,
vor 20 Jahren war es noch eine echte Besonderheit, auf der mittleren Schwäbischen Alb mal einen Baumweißling anzutreffen. Innerhalb der letzten knapp 10 Jahre hat sich die Art hier jedoch in vielen Gebieten fest etabliert. Besonders regelmäßig und teils häufig finde ich sie im Winter, wenn ich Sturmwurflichtungen nach Limenitis reducta absuche. Ein solches Baumweißlings-Habitat möchte ich hier vorstellen:

Fundort ist ein großflächiges Waldgebiet bei Gammertingen, das nahezu ausschließlich mit Fichte unterschiedlicher Altersklassen bestockt ist. Diese Forste sind größtenteils dunkel und dort dann arm an Tagfaltern (Limenitis camilla, Pararge aegeria, Pieris napi, Anthocharis cardamines). Aber sie sind als flachwurzelnde Monokultur auch instabil – und genau das macht sie für Falter dann doch wieder interessant. Größere Lichtungen finden sich insbesondere im Bereich von Sturmwürfen ("Lothar") und – meist direkt angrenzend – auf kleineren, wegen Borkenkäferbefall geschlagenen Kahlhieben. Diese Lichtungen beherbergen auf der Schwäbischen Alb mitunter 40 Tagfalterarten und mehr. Ich finde sie deshalb nicht minder interessant als die vielen Kalkmagerrasen, zumal sie einige Arten beherbergen, die man auf den Wacholderheiden nicht, nur zufällig oder randlich mal findet (u. a. Zygaena osterodensis, Zygaena lonicerae, Limenitis reducta, Boloria euphrosyne, Boloria selene, Melitaea athalia, Melitaea diamina, Erebia ligea, Lasiommata maera). Zum typischen Arteninventar von Kahlschlägen und Sturmwürfen der mittleren Alb gehört auch Aporia crataegi. Zunächst mal ein Übersichtsbild des heutigen Fundorts:

Bilddaten: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, Habitat von Aporia crataegi, Südhang eines größeren Sturmwurf/Kahlhieb-Komplexes in Fichtenforst mit u. a. Prunus spinosa und Crataegus monogyna agg., 730 m, 18.01.2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Der Bildausschnitt zeigt eine gegen das Rehwild gezäunte, noch sehr offene Sturmwurflichtung in leicht südexponierter Hanglage. Während am gegenüberliegenden Nordhang noch alle Gehölze mit Reif bedeckt sind, hat die Sonne den Südhang bereits abgetaut. Die Bodenvegetation wird von Fiederzwenke (Brachypodium pinnatum) beherrscht (Larvalhabitat von z. B. Erebia aethiops). Im rechten Bildvordergrund erkennt man junge Schlehensukzession (Prunus spinosa). An einem gut besonnten, waagerecht abstehenden Schlehenzweig findet sich – kaum 30 cm über dem Grasfilz – das erste Wintergespinst des Baumweißlings:

Bilddaten: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, Wintergespinst von Aporia crataegi an Prunus spinosa, größerer Sturmwurf/Kahlhieb-Komplex in Fichtenforst, 730 m, 18.01.2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

An Schlehe gehört ein bisschen Erfahrung dazu, diese Blattreste dem Baumweißling zuzuordnen. Man sollte sie möglichst schon mal im Spätsommer gesehen haben. Typisch ist, dass sie stets dicht und stabil mit hellen Fäden versponnen sind (im trockenen Zustand besser zu erkennen als hier). Im Spätsommer oder Frühjahr ist die Bestimmung auch deshalb viel einfacher, weil dann die Räupchen noch bzw. wieder außen an den Blattresten sitzen. Im Winter sind sie dagegen stets innen verborgen, wo ich sie heute auch nicht stören wollte (Jungraupenfotos gibt's ja schon in der zur Aufnahme in die Bestimmungshilfe vorgeschlagen).

Wenige Meter weiter findet sich ein zweites Gespinst am Eingriffligen Weißdorn (Crataegus monogyna agg.), dem A. crataegi seinen wissenschaftlichen Namen verdankt. Bei genauem Hinsehen ist an den vertrockneten, gut versponnenen Blättern noch Schabefraß der Räupchen vom letzten Jahr zu erkennen (Blatt ganz links).

Bilddaten: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, Wintergespinst von Aporia crataegi an Crataegus monogyna agg., größerer Sturmwurf/Kahlhieb-Komplex in Fichtenforst, 730 m, 18.01.2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Als ich auf der Lichtung an einem kleinen Kreuzdorn (Rhamnus cathartica) nach Eiern des Kreuzdorn-Zipfelfalters (Satyrium spini) suche, fällt unten an der Basis eine leere Puppenhülle aus dem Vorjahr ins Auge. Die Exuvie ist noch überraschend gut erhalten und anhand der markanten Zeichnung eindeutig als solche des Baumweißlings kenntlich. Die Fundstelle befand sich übrigens gut 20 Meter vom nächsten Wirtsgehölz des Baumweißlings entfernt.

Bilddaten: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, leere Puppenhülle von Aporia crataegi, größerer Sturmwurf/Kahlhieb-Komplex in Fichtenforst, 730 m, 18.01.2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Der für A. crataegi-Raupen beste Bereich beginnt erst oberhalb des anfangs gezeigten Südhangs, wo sich die Lichtung allmählich verebnet. Hier ist die Sukzession schon deutlich weiter fortgeschritten. In der Baumschicht dominieren junge Ebereschen (Sorbus aucuparia):

Bilddaten: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, Larvalhabitat von Aporia crataegi, größerer Sturmwurf/Kahlhieb-Komplex in Fichtenforst mit Sorbus aucuparia-Naturverjüngung, 730 m, 18.01.2014 (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

An den Ebereschen fallen die Gespinste des Baumweißlings - wenn man sie einmal kennt – sehr auf. Ähnlich wie die Herbst-Sitzblätter der Schillerfalterarten "baumeln" die schweren Ebereschenblätter bei leichtem Wind oder Erschütterung am seidenen Faden. Allein in diesem Sorbus-Bestand fanden sich bei oberflächlicher Suche 6 Aporia-Wintergespinste:

Bilddaten wie zuvor

Und zum Schluss noch zwei typische Wintergespinste an Sorbus aucuparia

Bilddaten für beide Fotos: Deutschland, Schwäbische Alb, Umgebung Gammertingen, Wintergespinst von Aporia crataegi an Sorbus aucuparia, größerer Sturmwurf/Kahlhieb-Komplex in Fichtenforst mit Sorbus aucuparia-Naturverjüngung, 730 m, 18.01.2014, Tagfund (Freilandfoto: Gabriel Hermann).

Allen noch ein schönes Wochenende. Viele Grüße
Gabriel

Beiträge zu diesem Thema

Larvalhabitat von Aporia crataegi auf der Schwäbischen Alb *Foto* Bestimmungshilfe
Larvalhabitat Aporia: Wintergespinst an Schlehe *Foto* Bestimmungshilfe
Ein Bild fehlt
Re: Larvalhabitat von Aporia crataegi auf der Schwäbischen Alb
Falterhabitate auf Lichtungen