Polyommatus coridon
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Der Pflegefall Boloria eunomia *Foto*

Hallo zusammen,

Vermutete und offenkundige Rückgänge des Randring-Perlmutterfalters in Teilen Baden-Württembergs haben dazu geführt, dass ich mich intensiver mit möglichen Pflegemaßnahmen für diese Art auseinander gesetzt habe. Im Gegensatz zu vielen anderen Arten der Niedermoore (z.B. Boloria selene, Melitaea diamina, Euphydryas aurinia, Adscita statices...) lässt sich B. eunomia nicht über eine jährliche, (fast) flächige Mahd ohne Düngung dauerhaft erhalten. Die Art benötigt offenbar junge bis "mittelalte" Brachen, in denen die Wirtspflanze Polygonum bistorta häufig vorkommt. Ab einem gewissen Zeitpunkt verschlechtert sich allerdings die Eignung der Brache zunehmend, da vermehrt Nitrophyten wie Brennnessel oder Brombeere sowie verschiedene Hochstauden (v.a. Mädesüß) und zuletzt Schilf und Gehölze eindringen und den Wiesenknöterich verdrängen. Es ist daher eine Nutzung in mehrjährigen Abständen oder - vielleicht besser - jährlich auf unterschiedlichen Teilflächen notwendig. Und hier wird es dann in der Umsetzung schwierig, denn der Vertragsnaturschutz kennt (zumindest in BW) entweder nur längerjährige Verträge mit jährlicher Nutzung auf gesamter Fläche oder einmalige Maßnahmen als Aufträge. Dies führt dazu, dass die jungen Brachen in Vergessenheit geraten und altern. Aus diesem Grund ist der Randring-Perlmutterfalter aus einigen Naturschutzgebieten der mittleren Schwäbischen Alb entweder schon ganz oder fast verschwunden, obwohl er eine der wichtigsten Arten war, die den Schutzzweck des Gebiets ausmachten.

Ein gutes Beispiel hierfür ist das NSG Bei der Mühle im Laucherttal, wo im Bereich des Naturschutzgebiets seit Jahrzehnten nicht mehr gemäht worden ist und nur sporadisch Gehölze gepflegt werden. Während die umgebenden Bachkratzdistel-Talwiesen noch sehr artenreich sind und hier Arten wie Melitaea diamina, Adscita statices, Lycaena tityrus oder die Wanstschrecke (Polysarcus denticauda) vorkommen, zeichnen sich die Staudenfluren des NSGs, die von Mädesüß und Seggen dominiert sind, allein durch ein großes Vorkommen von Brenthis ino sowie ein randliches Vorkommen von Aricia eumedon aus:

Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Stetten unter Holstein, NSG Bei der Mühle, 694 m, 14. Juni 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Stetten unter Holstein, NSG Bei der Mühle: Angrenzende genutzte Feuchtwiesen, 694 m, 14. Juni 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Dass es allerdings doch möglich ist, durch gezielte Pflegeeingriffe die Eignung für B. eunomia dauerhaft zu erhalten, zeigt das NSG Upfinger Ried auf der mittleren Schwäbischen Alb, wo eine Naturschutzgruppe seit Jahrzehnten ehrenamtlich die Pflege übernommen hat. Von B. eunomia konnten hier gestern bei nur mäßiger Witterung schnell 50 Falter gezählt werden, der Wiesenknöterich wird durch die sporadische Nutzung immer wieder aufs Neue gefördert und erhält einen Konkurrenzvorteil gegenüber Mädesüß und Co.

Deutschland, Baden-Württemberg, Schwäbische Alb, Upfingen, NSG Upfinger Ried, 707 m, 14. Juni 2017, Freilandfoto: Thomas Bamann

Insgesamt konnten wir die Art gestern an sieben von neun ehemaligen Fundorten noch bestätigen. Sie scheint also auch in den Tälern der Schwäbischen Alb noch einigermaßen verbreitet. Die beiden Nicht-Nachweise lagen bezeichnenderweise in Naturschutzgebieten, in denen die Nutzung komplett eingestellt wurde. Sehr erfreulich war der konstante Nachweis von Melitaea diamina, Adscita statices und Aricia eumedon sowie der Wanstschrecke in fast allen Gebieten und weitere Highlights wie Lycaena hippothoe und Zygaena osterodensis.

Ich würde mich sehr über (langjährige) Erfahrungsberichte zur Pflege für B. eunomia aus anderen Regionen Deutschlands freuen! Was man tun muss, ist m. E. relativ klar; nur wie man dies am besten konstant und übersichtlich hin bekommt, finde ich noch fraglich.

Viele Grüße Thomas

Beiträge zu diesem Thema

Der Pflegefall Boloria eunomia *Foto*
Re: Der Pflegefall Boloria eunomia
Re: Der Pflegefall Boloria eunomia
Re: Der Pflegefall Boloria eunomia
Re: Der Pflegefall Boloria eunomia
Flugzeitende
Re: Flugzeitende
Und am Titisee ;) *kein Text*
Re: Und am Titisee ;) das ist nur über den Berg :D *kein Text*
Kein Pflegefall Boloria eunomia
Re: Kein Pflegefall Boloria eunomia
Boloria eunomia, mal nicht als Pflegefall *Foto*
Re: OT: Mailbox voll? Liebi Grüess *kein Text*
Nein, völlig leer. Liebi Griis, Jürgen *kein Text*
Re: Boloria eunomia, mal nicht als Pflegefall
Pflege