Polyommatus coridon
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Re: Ergänzend zu den Zipfel-Mützen im Nordharz ...

Hallo Gabriel (und weitere interessierte Zipfler),
zur Fund-Gruppe der „Gehölz-Zipfler“ (bei uns) einige kurze Gedanken.
Ich habe im Unterharz, nördlicher Harzrand und nördliches Harzvorland bisher Satyrium pruni, w-album, Favonius quercus und Thecla betulae aktuell in mehreren aufeinander folgenden Jahren festgestellt (Ei, Imago, sehr vereinzelt als Raupe).
Satyrium spini und acaciae hatte ich im Harzkreis (also im Nordharz) noch nicht. Ich will hier nicht spekulieren - mögliche Betriebsblindheit nicht ausgeschlossen).
Thecla betulae (Nierenfleck) hatte ich persönlich noch nicht im höheren Harzgebirge, aber allgemein verstreut im Harzvorland (auch in Siedlungen, sogar 3 x in der Nacht an Lichtquellen). Meist nur einzelne, dann aber sehr auffällige Nierenfleck-Eier fand ich bisher an Zwetsche, Schlehe, Weißdorn, Steinweichsel und Kirschpflaume (solide in Achseln und an Knospen abgelegt und sehr fest verklebt, oft an solitären - gut erreichbaren Gehölzen).
Favonius quercus (Eier) finden sich bei uns an exponierten Trauben-, Stiel- und bei vielen Faltern auch mal an Roteichen im Waldsaum (wie beschrieben an guten Zweigenden, z.T. in Kurztrieb-Verzweigungen der Roteiche, wie 2016-17). Aber auch an Traubeneichen im Hangbereich (mitten im Lichtwald auf Sandsteinfelsen), an Trauben- und Stieleichen der Harztäler (Gewässerlinien). Bei vielen Faltern in guten Jahren auch mal an breitkronigen Roteichen im Waldsaum (wo auch Falter gern mal ruhen, nebenstehend aber heimische Eichen vorhanden sein müssen). Ein Fund (in QLB) lag auch auf Quercus cerris (Zerr-Eiche – Parkbaum an der Bode).
Favonius quercus zeigt sich neben dem Trocken-Wald also auch an relativ kühl-schattigen Gewässerläufen (im Bodetal, an Ilse, Selke im Unterharz), häufig zusammen mit Satyrium w-album (dann mit Favonius quercus syntop; beide sehr gut unterwegs in 2016). Der Ulmen-Zipfler (w-album) zeigte sich für mich bisher nicht an den heiß-trockenen Waldrändern der Sandsteinhügel (z.B. an einem oft kontrollierten Waldrand mit reichlich Feldulme – über Jahre ohne Funde). Im Bodetal (und Bachaustritten im Unterharz) finden sich hingegen w-album-Eier und mitunter viele Falter an Berg- oder Flatter-Ulmentypen.
Satyrium pruni finde ich unmittelbar vor dem Harzrand im Trockengebiet (Hügelland auf Kalk- und Sandstein), entsprechend zeitversetzt im Gebiet mit Thecla betulae und Favonius quercus (alle sehr gut in 2016).

Stellt sich für mich die Frage: „Warum findet man pruni-Eier nur selten oder nur so wenige (gegenüber betulae- und quercus-Eiern) – obwohl man die Aktivitäten, der mitunter häufigen und konzentriert fliegenden Imagines, ziemlich gut nach verfolgen kann?“ ….
Ein paar Gedankengänge dazu (ohne Recherche; ohne Literaturvergleich): Eier von Nierenfleck und Eichen-Zipfler werden viel später im Jahr abgelegt und erreichen schon nach kurzer Zeit den „Winter-Such-Intervall“. Beide fallen an markanten Ablagestellen gut ins Auge (Größe bei F. quercus und/oder weiße Farbe bei Th. betulae). Beide verkleben (mit sehr gut haltbarem Leim) – alles wirkt sehr solide und an geschützten Stellen (Kurztriebachseln, Knospengruben).
Der Pflaumen-(Schlehengebüsch-)-Zipfler legt dagegen sehr früh im Jahr ab, oft auch am glatten Zweig verteilt, ziemlich ungeschützt, erhaben, verstreut (nicht so konzentriert an Kurztriebachseln und/oder Knospen, … irgendwie nachlässiger?!). Der Leim ist nach langer Phase bis zum Winter (!) tlw. aufgelöst bzw. gelockert, d.h. er blättert sehr leicht mit dem Ei ab. Das etwas kleinere, lang lagernde Ei ist auch unauffälliger, mehr gebräunt oder grünlich-braun-grau verfärbt (wirkt altersbedingt „eingestaubt“), damit insgesamt viel schwerer zu entdecken. Mechanischer Abrieb und die mgl. Prädatoren-Verluste müssten auch aufgrund der Zeitspanne bis zum Winter deutlich höher liegen. Die (vermutlichen intensiveren) Eiablagestellen in dichten Heckenkomplexen sind schwer zu erreichen. So kommt es, dass trotz bestem Flugjahr (wie 2016) – 30 Falter zusammen über 50 m Hecke – dann unverhältnismäßig wenige Eier im Winter zu finden sind. Die, die ich dann noch in Anzahl gefunden habe (z.B. an einem Schlehen-Einzelbusch am nächsten Waldrand), schienen mir dann auch noch locker verstreut und (wie oben angedeutet) „lässig angepinnt“.
Meine Eifunde von Satyrium pruni liegen bisher ausnahmslos auf Schlehe (Erfolge nur nach guten Flugjahren). Falterfunde zeigen sich vor allem konzentriert über besonnter Schlehe, gern im Verein mit einzelnen Pflaumen, Kirschpflaumen, Steinweichsel, Süßkirschen, mitunter Spätblühenden Traubenkirschen (daneben blühender Liguster, Hartriegel, wohl zufälliger über in Hecken stehender Eiche, Weißdorn, Kreuzdorn fliegend). Ich hatte (bisher) keine pruni-Falter in kühl-feuchten Habitaten (kann aber an meinem Bewegungsmuster und Wohnsitz liegen?).

Kleine Ergänzung zur Imago-Suche: Am 04. Juni 2017 untersuchte ich noch eine gemischte Hecke mit Schlehe auf Satyrium pruni bei Bad Suderode auf Kalk am Harzrand (gegen 14.30 Uhr bei wolkigem Wetter und mäßigem Wind („Nullrunde“ - trotz ½-stündiger Beobachtung) – gegen 19.00 Uhr bei Rückkehr zum gleichen Ort (zunehmend heiter, kaum noch Wind – deutlich 5 Exemplare über Schlehe, Pflaume, Kirsche). Der Blickwinkel – vom Hügel zur Hecke leicht hangabwärts und die Sonne im Rücken - sehr günstig).

Noch drei Nachworte:

Zu den potenziellen Ei-Pfründen (nach genügend Faltersichtungen), die ich in den letzten 3 Jahren gezielter aufsuchte, wurde ich u. a. animiert durch Hinweise von Dir, von Steffen Caspari, weitere Vorträge in Leipzig und den anschaulichen Beiträgen im Lepiforum – ein kleiner, gestreuter Dank an dieser Stelle).

Generell gilt für die Gehölz-Zipfler-Suche: „Optimale Zeiträume, günstigen Abstand und Blickwinkel zu hohen Gehölzen suchen. Die Sonne in den Rücken und vor allem etwas Zeit nehmen.“

Noch etwas zum Brombeer-Zipfelfalter - Callophrys rubi: Die Art zeigt sich sehr schwach im nördlichen Harzvorland (rückblickend von 1985 bis 2016 - oft über Jahre fehlend im offenen Sandsteingebiet). Meine Nachweise liegen vor allem unmittelbar vor dem Harzrand (der Harzrand-Aufrichtungszone - dann auf Muschelkalk). Gleiches gilt für den Unter- und Mittelharz bei mäßig basischen oder kalkreichen Standorten – aus meiner Erfahrung - stets in auffälliger Verbindung mit dem Vorkommen von Färberginsters (Eiablage, Raupenfunde!).

Beste Grüße, BOB

Beiträge zu diesem Thema

Gutes Satyrium pruni-Flugjahr im mittleren Baden-Württemberg
Re: Satyrium pruni fliegt früh im Harzvorland *Foto*
Re: Satyrium pruni fliegt früh im Harzvorland
Re: Kurz zur Ei- und Imago-Suche
Re: Ergänzend zu den Zipfel-Mützen im Nordharz ...
Re: Ergänzend zu den Zipfel-Mützen im Nordharz ...
Re: Vielen Dank Gabriel, ich gehe in Verwertung ...
Re: Vielen Dank Gabriel, ich gehe in Verwertung ...
Re: Danke, bei uns so zw. 450-550 mm; BG, BOB *kein Text*
Re: Ergänzend zu den Zipfel-Mützen im Nordharz ... *Foto*
So eine Schöne!
Re: Wiederum ein Pico-Bello-Zipfler! VG, BOB *kein Text*
Gutes Satyrium pruni-Flugjahr auf der Schwäbischen Alb
Re: Gutes Satyrium pruni-Flugjahr auf der Schwäbischen Alb
Satyrium pruni auch in Oberschwaben *Foto*
Re: Satyrium pruni auch in Oberschwaben
Re: Satyrium pruni - 400.000 m nordöstlich zum mittl. Baden-Württemberg *Foto*
Satyrium pruni auch in München gut vertreten
Re: Satyrium pruni auch in München gut vertreten
Neues von den Zipfelfaltern *Foto*
Re: Neues von den Zipfelfaltern *Foto*
Sehr gutes Zipfelfalterjahr? *Foto*
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr?
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr?
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr?
S. w-album und S.ilicis 2017 in NRW und Mittelhessen *Foto*
Re: S. w-album und S.ilicis 2017 in NRW und Mittelhessen
Re: S. w-album und S.ilicis 2017 in NRW und Mittelhessen
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr? *Foto*
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr?
Re: Sehr gutes Zipfelfalterjahr? *Foto*
Re: Favonius quercus dieses Jahr sehr häufig!
300 Falter! Das würde ich auch gerne mal erleben :) Grüsse Markus *kein Text*
Das würde ich auch gerne mal erleben
Re: Das würde ich auch gerne mal erleben
Satyrium pruni in Hessen auch auffällig *Foto*
Danke Johannes, klasse Ergänzung und sehr aufschlussreich für mich! VG Gabriel *kein Text*
Re: Satyrium pruni auch hier: *Foto*
Re: Satyrium pruni auch hier:
Re: Satyrium pruni auch hier:
Re: Satyrium pruni im Kölner Raum
Re: Flugzeiten Satyrium pruni
Satyrium pruni im Schwarzwald-Baar-Kreis *Foto*
Danke Josef, Klaus und Matthias für ergänzende Infos aus euren Revieren! VG GH *kein Text*
Satyrium pruni-Flugjahr Raum Düsseldorf